„Rosi hat Schwein gehabt“ — ein geschmackloser Tierversuchs-Hoax unter 46.245.180.132

Update 3: Nachlese hier

Update 2: Wie Frau Meike in ihrem Blogpost beschreibt, handelt es sich bei dem kranken Schwein in Wirklichkeit um eine misslungene Werbekampagne der Deutschen Krebshilfe gegen übermäßigen Sonnen- und Solariumskonsum: „Rosi hat Schwein gehabt“. Bei der Aktion war die Werbeagentur Jung von Matt mit dem fragwürdigen Konzept, das offenbar die Konsultation von Fachleuten ausschloss, und auch Nilz Bokelberg als eine Art gewollt-und-nicht-gekonnter social-media-Multiplikator beteiligt. Die ganze Aktion hat erst nach der Aufklärung bei sternTV an etwas an Fahrt gewonnen, und Sascha Lobo nannte es das misslungenste Viral des Jahres. Man muss sich nur anschauen, wie wenig Leute eigentlich darüber diskutierten und wie viele Suchtreffer die Suche nach der IP ergab (mehr dazu oben in Update 3). Es gab nie einen echten Hype, und viele Tage war diese Seite hier der einzige Google-Suchtreffer. Alles in allem ist die ganze Geschichte ziemlich geschmacklos, dazu handwerklich schlecht gemacht und komplett gegen den Baum gefahren, denn niemand hat sich um den Hautkrebs geschert, alle wollten nur wissen, was man da dem Schwein antut. Einige vermuteten einfach Tierquäler hinter der Aktion. Was für eine wirklich jämerliche Geschichte.

Update: da die Site nun seit Tagen offline ist, hab ich unten noch ein paar Bilder aus den Videos eingepflegt, damit man als Leser in etwa weiß, worum es geht. Bis auf Tag 7 habe ich alle Daten lokal abgespeichert. 

Entweder läuft unter http://46.245.180.132/ (inzwischen offline) eine geschmacklose Inszenierung eines Tierversuchs, oder es sind Amateure am Werk. Vielleicht sogar beides.

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Primitivstes Layout: Links die Navigation zu den einzelnen Versuchstagen“, rechts oben eine Tabelle mit den Daten, darunter Fotos und Videos.

Auf der oben genannten Seite ohne Namen wird ein vorgeblicher Tierversuch dokumentiert, bei dem ein einzelnes Schwein in einem extrem geräumigen und mit IKEA-Möbeln vollgestellten Labor mit einer vorgeblichen UV-Lampe (308 nm Wellenlänge) bestrahlt wird. Es soll offensichtlich der Eindruck erweckt werden, dass hier ein internes Versuchs-Dokumentationssystem „aus Versehen“ für die Öffentlichkeit geöffnet wurde. Die Website selbst trägt als Titel „KEU/UDLWH 54154/5/054“.

Das alles wirkt äußerst unecht, bis vielleicht auf die Fotos und Videos des Tieres. Bilder emotionalisieren ja schnell, und lassen einen deshalb vielleicht schneller über die Fehler der Inszenierung hinwegsehen. Meine Vermutung ist, dass das ein dummes Viral“ ist, was die Leute aufwühlen soll.

Der @Nilzenburger hat das bereits vor ein paar Tagen verbloggt und die Echtheit angezweifelt. Auf Initiative von @fatmike182 haben eine Reihe von Interessierten auf einem Piratepad Indizien für einen Fake zusammengetragen. Ich hab die mal hier unten geordnet.

Die Website

Wer dokumentiert seine Versuche so öffentlich? Oder sollte das ein Versehen sein?

  • Eine Website mit eigens eingebundenen Bildern und Videos zur Versuchsdokumentation ist zumindest sehr ungewöhnlich.
  • Es ist Google Analytics (ID: UA-34539622-1) auf der Seite eingebunden, dessen Aufgabe es ist, die Besucher statistisch zu erfassen. Die Sinnhaftigkeit für ein derartiges Website-Analyse-Tool erschließt sich für eine interne Seite nicht.
  • Gehostet bei der Münchener Firma Mivitec läuft die Site auf nginx mit PHP5.3.16-1~dotdeb.0, ist also ein aktuelles Debian basiertes LAMP System, das unter Umständen auf hohe Lasten ausgelegt ist. (Das einzuschätzen, übersteigt aber meinen Horizont.)
  • Die Videos, die angeblich von verschiedenen Tagen stammen, haben alle das selbe Erstellungsdatum (creation date), nämlich den 01.08.12, zu verschiedenen Uhrzeiten. Das könnte darauf hindeuten, dass das Schwein innerhalb eines Tages zurechtgeschminkt wurde.
  • Die Bilder tragen als creation date allesamt den 27.08.2012 und passen somit nicht zu den auf der Website angegebenen Messpunkten.
Tabelle

Die Dokumentation“ passt auf die Rückseite eines Bierdeckels

Das Setting

Vieles weist darauf hin, dass es sich hier nicht um ein echtes Labor handelt.
  • Das Labor ist extrem groß. Es steht praktisch kaum etwas drin, und das Schweinegehege benötigt extrem viel Platz.
  • Ein Großteil der Einrichtung stammt von IKEA: Die weißen Stühlen nennen sich im Katalog „Snille“ und die beleuchteten Schränke sehen aus wie der Kleiderschrank „Pax“ mit Milchglas-Türen.
  • Sowieso sind mir in einem Labor noch keine innenbeleuchteten Laborschränke untergekommen. Wer braucht sowas?
  • Die Geräte auf den Tischen werden (außer dem Computer) nicht benutzt und wirken  sinnlos zusammengewürfelt.
  • Ein Ständer zum Trocknen von Glasgeschirr steht zwischen den Computern. Nicht nur ist das ein eher ungewöhnlicher Ort, auch ist (auch in Türnähe) keine Spüle erkennbar.
  • Einer Rührplatte mit Erlenmeyerkolben mit einer undefinierbaren grünen Flüssigkeit eiert in einem Video vom ersten Tag vor sich hin. Die Flüssigkeit kommt nicht zum Einsatz, aber sieht für Laien vermutlich „schön wissenschaftlich“ aus.
  • Die „UV-Lampe“ hängt völlig unabgeschirmt im Arbeitsbereich und würde somit Augen und Haut gefährden, sobald man längere Zeit in dem Raum arbeitet. Dabei sind in den Videos sind meistens zwei Personen erkennbar, die dort arbeiten.
  • Die Verwendung der Handkamera bringt keinen Erkenntnisgewinn, nur Wackelbilder.
  • Es wird vor allem das Personal gefilmt, statt des vorgeblichen Versuchstieres: Forscher sprechen in die Kamera, Forscher fotografieren das Schwein, Forscher nehmen Messungen vor, Forscher werfen Dinge in den Mülleimer (ohne Mülbeutel?!) oder streicheln das Schwein. Es entsteht irgendwie der Eindruck, es soll das Verhalten der „Forscher“ gezeigt werden.
  • Aus einem nicht erkennbaren Grund sind für den Versuch zwei Personen notwendig, die außerhalb der „Messungen“ aber oft keiner besonderen Tätigkeit nachgehen (außer demonstrativ mit dem Stift auszuholen, etc.).

Labor

Das große Labor mit Snille & Pax (IKEA-Möbel). Die Lampe ist noch nicht angeschaltet.

Der Trockenständer

Der Trockenständer und ein paar Chemikalien auf dem Schreibtisch

innenbeleuchteter Chemikalienschrank

Der innenbeleuchtete Chemikalienschrank, sieht alles ganz gruselig aus …

Der Versuch

Egal, ob es ein Hoax ist, oder ein echter Versuch: Mit den Ergebnissen kann man mit Sicherheit nichts vernünftiges anfangen.
  • Es herrschen so etwas wie „Reinraumbedingungen“: Die Forscher sind in voller Kluft im Labor, man erkennt nicht mal ihre Gesichter. Wozu der Aufwand, wenn man nur ein Schwein mit UV-Licht bestrahlen will?
  • Es ist nur ein Versuchstier erkennbar und keine Kontrollgruppe. Ganz schlecht, wenn man seine Ergebnisse später statistisch auswerten will.
  • Die erfassten Daten sind äußerst spärlich und rechtfertigen nicht das Aufsetzen einer eigenen Doku-Website.
  • Die Messpunkte folgen keinem Schema und sind vollkommen willkürlich gewählt.
  • Die Videos sind zu kurz und zu wenig „standardisiert“, um von wissenschaftlichem Wert zu sein.
  • Bei den Fotos ist das ein wenig anders, die wirken relativ authentisch. Allerdings ist kein Maßstab o.ä. im Bild sichtbar, was sonst üblich ist.
  • Die „Forscher“ sprechen am ersten Tag (T1) gestelzt in die Kamera: „Start der Versuchsreihe 13 mit Objekt 1243“. Aber wer bezeichnet ein Versuchstier als „Objekt“? Wohl eher als „Tier Nr. soundso“. Außerdem erinnert die Objektnummer an die Ziffernfolge „1234“.
  • Die gesprochenen Informationen sind sehr dürftig. Für eine ordentliche Dokumentation bräuchte man schon ein wenig mehr Informationen.
  • Man sollte meinen, dass für so einen Versuch der Energiefluss am Versuchstier gemessen und protokolliert wird und nicht nur die Intensität an der Lampe reguliert.
  • Das Messgerät an Tag 3 (T3, unteres Video) zeigt anderen Wert als den eingetragenen Wert.  Es war auf dem Piratepad keinem klar, ob dieses Gerät überhaupt zur Sauerstoffmessung geeignet ist.
  • Es gibt auch keine Genotyp-, Rassen- oder Herkunftsinformationen für das Schwein.
  • Es sind Chemikalienflaschen bunt auf den Schreibtischen verteilt, obwohl offenbar nur Vitalfunktionen erfasst werden, keine Applikation von Substanzen.
  • Am Tag 7 (T7) gibt es angeblich starken Speichelfluss, im Video sieht es aber eher so aus, als wenn dem Tier Wasser vom Trinken aus dem Maul läuft. Der Wassernapf ist sogar noch im Bild.
  • Es ist unklar, was das Versuchsziel ist. Wollte man die Schweinehaut als Modell für durch UV-Strahlung verursachte Schäden hernehmen, fragt man sich, weshalb die Borsten nicht abrasiert wurden.

Versuchsbeginn

„Start der Versuchsreihe 13 mit Objekt 1243“ auffallend junger Forscher mit auffallend sauberem Kittel, der auffallend wenig Informationen in auffallend todernster Stimme unnötigerweise in die Kamera spricht. Links im Bild sieht man Eppendorf-Pipetten im Wert von locker 1000 EUR.

Fiebermessen

 Fieber messen: Gut, dass das Knie des Schauspielers im Weg ist, damit man dem Schwein nicht wirklich am Anus herumfummeln muss.

taking notes

„Schaut alle her, ich mache eine Notiz!!“

sloppy work

„Schaut her, wie schlampig wir arbeiten!“

Die Website ist bei der Münchner Firma MIVITEC gehostet, das heißt, dort liegen die Dateien auf einem Server rum. Die @terrorzicke hat soeben (05.09.12, 15:20) über das Piratenpad bekannt gegeben, dass sie die Münchner Polizei kontaktiert hat, die nun wiederum an den Hoster herantreten will. (Nachtrag: Noch am selben Abend hat sich die Website verabschiedet, also zwei Tage nach dem Bekanntwerden der Aktion durch Nils Bokelberg.)

Angesichts der Bilder kann einem schon anders werden, aber wenn man ein talentierter Maskenbildner ist, kriegt man auch solche „Wunden“ hin, denke ich. Weitere Infos können gerne in die Kommentare gepostet werden. Der Twitter-Hashtag zum Thema lautet übrigens #krankesSchwein.

 

Martin Ballaschk ist Biologe, enthält Glutamat und ist auch noch stolz drauf! Er bloggt hier über Dinge, die ihn erstaunen, aufregen oder die er einfach für sich und seine Mitmenschen aufarbeiten möchte. Beruflich als Kommunikator an einem Berliner Forschungszentrum, hier privat.

38 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hoffe ja, dass das das Ganze wirklich nur ein völlig misslungener „Jux“ ist. Dann habe ich mich vielleicht zum Affen gemacht, aber wenigstens wäre das Schwein OK. Wobei… artgerechte Haltung sieht auch ohne die UV-Strahlung anders aus.

  2. Danke für die Zusammenfassung und danke an Ute für den Anruf bei der Polizei.
    Ich sehe das ähnlich: ich mache mich lieber zum Vollpfosten als weggesehen zu haben. Und ich fand die Bilder und die „Aufmachung“ des Schweins wirklich unerträglich; ich hätte das mit mir selber nicht ausmachen können, einfach wegzuklicken.

  3. Dass das ernstzunehmende „Forscher“ sind, kann man, glaube ich, ausschließen.

    Aber selbst wenn das ein paar Idioten wären, die ein Schwein quälen wollten (und der Versuch damit „echt“): Wozu die Sache mit der Website? Warum sollte man das öffentlich dokumentieren wollen?

    Und wenn es wirklich ein Hoax ist, stellt sich die Frage, wozu das ganze und wie schminkt man ein Schwein derart zurecht. Der sonstige Umgang ist in der Tat auch nicht gerade artgerecht …

  4. Als stärkstes Indiz für eine geschmacklose Viralkampagne sehe ich das Hosting. Warum sollte jemand sowas sonst öffentlich zugänglich auf einem leistungsstarken Server hosten und Flashvideos(!) einbetten. Darauf weist auch die Einbindung des Google-Analytics-Codes hin.

    Hoffentlich setzt die Polizei dem ein Ende.

  5. Mehr Tierversuche

    Ich finde Tierversuche äußerst wichtig für den wissenschaftlichen Fortschritt. Dass ihr euch jeden Tag eure Feuchtigkeitscremes in die Fresse schmieren könnt, verdankt ihr auch nur irgendwelchen Viechern. Also seid gefälligst mal ein bisschen dankbar.
    Für Freiheit und Wissenschaft!

  6. Tierversuche und Dankbarkeit

    Ich glaube wir sind alle dankbar dafür, das es die Möglichkeit gibt, Dinge an Tieren statt an Menschen zu erforschen, aber das heißt noch lange nicht, das man die damit einhergehende Verantwortung ignorieren würde.

    Wissenschaftler sind in der Regel keine Tierquäler, die Spaß am Leid von Tieren haben, auch wenn das in entsprechenden Kreisen so dargestellt wird.

    Und solche Versuchsimitationen wie diese hier sind in jeder Hinsicht dumm, schädlich und verantwortungslos.

  7. Von der Polizei habe ich bisher noch nichts gehört. Es kann natürlich auch sein, dass die Dateien nur in ein anderes Verzeichnis verschoben wurden und der Kram nun besser versteckt weiterläuft, weil die „Veranstalter“ Lunte gerochen haben.

    Kann aber auch sein, dass die Polizei fix war. Ich hatte alles Offizielle per Mail & Webformular geregelt, da gibt’s ja quasi keinen Postweg.

    Hoffen wir mal, dass ich noch einen Ergebnisbericht erhalte.

  8. Danke für diesen Post

    Leider habe ich die Seite schon nicht mehr sehen können. Nach den zusammengestellten Informationen sieht es für mich nach einem Desinformationsversuch übereifriger Tierschützer aus.

  9. Mir nicht verständlich.

    Wie kommt man nach und durch Rezeption einer „geschmacklosen“ Seite darauf, die Polizei zu verständigen?

    Erfüllen

    a) Viralkampagnen“,
    b) „dumm[e], schädlich[e] und verantwortungslos[e]“ „Versuchsimitationen“
    c) „Desinformationsversuch[e] übereifriger Tierschützer“

    den Tatbestand einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit?

  10. @Frau Meike

    Der Straftatbestand des Vortäuschens einer Straftat ist bekannt? Der Tatbestand setzt voraus, dass die Straftat „einer Behörde oder einer zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Stelle vor[ge]täuscht“ wird.

    http://dejure.org/gesetze/StGB/145d.html

    Dass die Nummer wohl nicht echt ist, hat Martin Ballaschk in drei eindrucksvollen Listen dokumentiert.

  11. Na, es ist doch gut, wenn bei Dir alle Zweifel ausgeräumt wurden.

    Bei anderen blieben Zweifel. Und wenn ein Restzweifel darüber bestehen bleibt, ob hier tatsächlich ein Tier zu Schaden gekommen ist, ist es wohl besser, wenn die Polizei einmal zu viel als einmal zu wenig eingeschaltet wurde.

    Und ja, laut Ute hat der Polizeibeamte die Seite voll funktionstüchtig zu Gesicht bekommen.

  12. Honeypot?

    (davon ausgehend, dass es ein Fake ist)
    Am meisten stoert mich an der Sache, dass ja offensichtlich ein betraechtlicher Aufwand betrieben wurde (Moebel kaufen, Raum herrichten, Schwein organisiseren, Make up, etc.). Aber was erhofft man sich dafuer? Das alles, nur um einigen Leuten mal wieder ins Gedaechtnis zu rufen, dass Wissenschafter, die Tierversuche durchfuehren, alles brutale Tierquaeler seien?
    Ich vermute mal:
    Entweder das ist ein Projekt von Psychologen, Soziologen oder Journalisten, die untersuchen, wie sich ein „Skandal“ in der Oeffentlichkeit verbreitet oder das ganze ist ein Honeypot.
    Ausgewiesene (militante?) Tiefversuchsgegener werden immer wieder die Seite besuchen, und ueber die IP kriegt man fix ein paar Namen. (Man erinnere sich an vglb. Aktionen auf der Fahndungsseite des BKA)
    Koennte natuerlich sein, dass man sich beim Besuch der Seite auch gleich einen Trojaner einfaengt (drive-by Infection). Oder die runtergeladenen Videos enthalten ein bisschen Script-Code…

  13. Kommentarabo und Namensvetter

    Eigentlich wollte ich nur ein Kommentarabo machen. Da aber jemand mit dem selben Nick (inklusive Kleinschreibung) kommentiert, wollte ich auch noch erwähnen, dass ali und ali (zoon politikon) nicht verwandt sind.

  14. @Frau Meike: Zweifel

    Zweifeln setzt voraus, dass man das, an dem gezweifelt werden soll, bereits glauibt. Etwas, das von seiner Erscheinung nach schon nicht als das erkannt wurde, was es zu sein vorgibt, wird ja nicht bezweifelt, sondern schlicht nicht ernst genommen.

    Insofern ist zumindest bei einem Teil der Netzbevölkerung, das Ziel erreicht worden, sie glauben zu machen, es handele sich bei der Seite tatsächlich um eine Tierversuchsdokumentation, was mich doch stark an das Anfang August bekanntgewordene außerordentlich technisch schlecht umgesetzte „Projekt“

    http://www.ndr.de/…eber/netzwelt/youtube803.html

    erinnert.

  15. @Ano Nym

    Anfangs hatte ich auch geglaubt, dass die Seite „echt“ ist, die Bilder waren einfach ziemlich gut gemacht. Die Videos konnte ich zuerst mangels Flash auf dem iPad gar nicht sehen. Dann hatte ich mir aber die Videos auf einem „vernünftigen Computer“ angesehen und das hat bei mir fast alle Zweifel beseitigt (siehe oben). Die Sache mit den Zeitstempeln in den Bildern und Videos von Anfang August, die Google Analytics-Geschichte hat dann ihr übriges getan.

    ich hoffe nur, dass wir erfahren, wer dahinter steckt. Ich vermute ein Studentenprojekt, das passt aber irgendwie nicht mit den recht hohen Investitionen zusammen … und es gibt viel Inputkosten für eine ziemlich jämmerliche Seite mit eigentlich furchtbar wenig Inhalt.

  16. @Martin B

    Wer dahintersteckt kann man dadurch ermitteln, dass jeder, der von der besagten Website erfahren hat, angibt, von wem er von der Website erfahren hat.

    – Ich habe von Martin B. von der Website erfahren.
    – Martin B. hat es von http://www.qlod.org/weltfrieden/?p=1910 („Nilzenburger“)
    – „Nilzenburger“ hat es „von einem Bekannten aus München geschickt bekommen, der eigentlich mit Medien nix am Hut hat“. Ein Ingoo schreibt dazu: „@nilzenburger Wenn Du Deinen Bekannten fragst, wo er das wiederum her hat und er dann seine Quelle wiederum fragt, usw. Irgendwo muss doch der Ursprung sein.“ Doch der gute Nilzenburger antwortet nicht mehr darauf. Man würde wohl bei ihm mit der peinlichen Befragung beginnen …

  17. Ich finde es ebenfalls „interessant“, dass @nilzenburger erst bei Twitter und auf seinem Blog eine Welle losgetreten hat und sich seitdem in Schweigen hüllt.
    Die Idee, den Bekannten, der „eigentlich nichts mit Medien zu tun hat“, mal zu fragen, ist ihm wohl nicht gekommen. Oder ganz anders.

  18. @Frau Meike

    von denen der erste zu einem 404 führt

    Ich weiß nicht mit welcher Technik sie einen 404 bekommen. Wenn ich den ersten Link anklicke (Mauscursor drüberhalten und die linke Taste drücken), dann komme ich auf eine Seite, auf der man lesen kann

    »Was macht ein ehemaliger VIVA-Star, Fast-Regisseur und Verfechter des Weltfriedens an einem schalen Samstagmorgen? Er sitzt am Küchentisch und findet die Formel zum Glück – was sonst. Küchenphilosophie, oder die Geschichte hinter dem Tweet:«

    Darunter befindet sich ein einbettetes Video, das bei Youtube aufliegt und auch direkt abgerufen werden kann: http://www.youtube.com/watch?v=pm5c0wvqXSo

    Und was willst Du uns mit den Links […] sagen?

    Wenn ich das richtig sehe, ist Nils Bokelberg der erste namentlich bekannte Verbreiter des Links. Das legt meiner Meinung die widerlegbare Vermutung nahe, dass er auch der Urheber des Angebots ist.

  19. Herr Nym hat einen Punkt…

    Ist schon komisch von Bokelberg, den Bekannten dadurch zu charakterisieren dass der „eigentlich nichts mit Medien zu tun hat“. Warum nicht „nichts mit Tierschutz“ oder „nichts mit Wissenschaft“?
    Die Inszenierung sieht ja auch so aus wie sich einer der beruflich „was mit Medien“ macht die Wissenschaft vorstellt.

  20. Meinem Mann hat Nils gestern auf Twitter geschrieben, er habe nichts mit dem Video zu tun, aber mir kommt das nach wie vor merkwürdig vor.
    Das passt einfach hinten und vorne nicht.

    Warum macht einer bei Twitter, Facebook und per Blogartikel die Pferde scheu, anstatt erstmal das Naheliegendste zu tun: nämlich den, von dem er das Video ursprünglich hat, zu fragen?

    Warum tritt einer eine solche Welle los und zieht sich in dem Moment, wo sie läuft, aus allen Diskussionen zurück? Kein Wort mehr bei Twitter, im Piratepad oder hier.
    Entweder sein Interesse an der Aufklärung war doch nicht so groß (steht dann aber im Widerspruch zu dem betriebenen Aufwand zur Verbreitung des Videos) oder er muss nichts aufklären, weil er schon weiß.

    Auffälliges am Rande, das natürlich nichts bedeuten muss: der Bekannte ist laut Nils aus München. Wurde die Website oder zumindest der Hoster nicht auch dort oder in unmittelbarer Nähe verortet?

  21. Nachtrag

    Soeben erhalten Martin und ich bei Twitter diese Antwort von Nils: „@frau_meike @gedankenabfall Leute, ich kann euch auch nicht mehr sagen, als ich gesagt hab. Ich hab Bekanntem gemailt und muss abwarten.“

    Nun denn. Warten wir.

  22. zuviel aufwand

    Also, wenn das ein Fake ist, wurde da wirklich ein enormer Aufwand betrieben: organisatorischer, materieller und finanzieller Art (die teuren Pipetten wurden schon erwaehnt, und was ist dass eigentlich fuer ein grosser, beiger Kasten, sieht aus wie ein elektronisches Messgeraet, ist auf den Fotos rechts in der Ecke, gleich neben den Gasflaschen?)

    Das wissenschaftliche Equipment bekommt man nicht so einfach im Baumarkt.

    Ich denke, das ist mehr als nur ein Horrorvideo, um pauschal Tierversuche zu diskretitieren.

  23. @hhh

    Genau! Billig war das alles nicht, aber auch keine wissenschaftliche Arbeit. Das Equipment könnte man sich allerdings komplett bei eBay zusammenkaufen, oder Bekannte anspitzen.

    Ich kann mir auch keinen Reim darauf machen, und hoffe baldige Meldung von Nils Bokelberg.

  24. Filmkulisse?

    Der Aufbau wirkt wie eine Filmkulisse. Die „Fensterreihe“ besteht offenbar aus Stellwänden und wird von hinten angeleuchtet. Der „Forscher“, der in die Kamera spricht, hat Licht von links unten, so dass sein Gesicht optimal ausgeleuchtet ist. Das lässt sich am Schatten des Stifts in seiner Hand erkennen. Überhaupt ist der Set fast schattenfrei beleuchtet. Das gibt es in keinem echten Labor. Das ganze ist also praktisch sicher ein Hoax oder eine missglückte virale PR-Aktion für einen Film.
    Die Site ist übrigens nicht down, sie ist noch ereichbar, aber die Inhalte sind nicht mehr zugänglich.

  25. Hoax gegen UV in Solarien!

    Heute kam heraus, daß es sich um einen „Werbekampagne“ gegen Solarienbetreiber handelt.
    Angeblicher Hautkrebs durch UV-Strahlung.

    Meine Anmerkung: Es gibt KEINEN einzigen Dachdecker mit Hautkrebs; obwohl diese auch tagtäglich und jahrelang in der Sonne malochten. UUPS!!!

    Der wahre Grund ist m.E., daß durch Sonnlicht und Solarien das lebenswichtige Vitamin D produziert wird.

    Kein Vitamin D (sh. Fachliteratur) führt zu Herzinfarkt, Krebs, Depressionen und anderen Zivilisationskrankheiten!

    Sprichwort: „Was bringt den Arzt um sein Lohn und Brot, es ist die Gesundheit und des Patienten Tod. Und auf das der Arzt ewige lebe, lasse er den Patienten zwischen Beidem schwebe.“

    Sonniger Gruß
    magictaba

  26. Sehr passendes, zweites Update, Martin. Gerade auch nochmal der Hinweis darauf, dass die Aktiven absolut in der Minderheit waren, das kam bei mir nicht so rüber.

    Hier http://www.medizin-aspekte.de/…495961_31527.html schreibt man gar „hunderttausende“ hätten das Experiment diskutiert, allerdings ohne Quelle für diese Zahl.

    Meine Fresse. Schnell noch einen Schluck Beruhigungstee trinken!

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