Bedenken gegen die grüne Gentechnik – ein Überblick

Es fällt schwer, den Überblick zu behalten über die kontrovers geführte Debatte um den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft. Worum geht es in diesem Konflikt, der sich auf so vielen Argumentationsebenen abspielt? Christian Dürnberger hat als ersten Schritt zum Verständnis eine Inhaltsanalyse von gentechnikkritischen Informationsbroschüren durchgeführt, Argumente und Einwände gesammelt, strukturiert und gewichtet, aber ausdrücklich nicht nach ihrer Gültigkeit gewertet.

Die Resultate und Schlussfolgerungen dieser Analyse hat er in der unten eingebundenen Präsentation zusammengefasst.

Ich halte diese Arbeit für äußerst wertvoll, denn sie gibt einen Überblick über die Argumente der öffentlichen Diskussion, und man erhält erst dadurch eine Idee, an welchen Stellen man etwa Wissenschaftskommunikation effektiv verbessern kann. 

Hinweise zur Prezi-Präsentation:

Zum Start der Präsentation klicken Sie auf die "Play"-Taste. Danach ist die Steuerung auch durch die Pfeiltasten der Tastatur möglich: Vorwärts in der Präsentation mit "Rechts". Zurück mit "Links". Zoomen auf Details können Sie jederzeit durch Scrollen der Maus. Empfohlen wird eine Vollbildansicht: Hierfür klicken Sie – nach dem Start via "Play"-Taste – rechts auf "More" und dann auf "Full-Screen". 

Ich werde die Argumente sicher selbst später noch aufgreifen und diskutieren, gerne kann auch in den Kommentaren schon ordentlich gesenft werden. 

Zum Autor:

Christian Dürnberger ist Ethiker an der Hochschule für Philosophie München und am Institut TTN an der LMU. Die obige Arbeit entstand Im Rahmen seiner Arbeit zur ethischen Begleitforschung des Bayerischen Forschungsverbundes ForPlanta.

Große Teile dieses Textes sind von dem ursprünglichen Beitrag hier von Christian Dürnberger geklaut, der per Mail an mich herangetreten ist. Danke nochmal für die großartige Präsentation!

Martin Ballaschk ist Biologe, enthält Glutamat und ist auch noch stolz drauf! Er bloggt hier über Dinge, die ihn erstaunen, aufregen oder die er einfach für sich und seine Mitmenschen aufarbeiten möchte. Beruflich als Kommunikator an einem Berliner Forschungszentrum, hier privat.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dankeschön

    Vielen Dank sowohl an Martin für den Raum, als auch Christian für die inhaltliche Arbeit und ihre Zuverfügungstellung.

    Ich denke, wer die immer wiederkehrenden Diskussionen verfolgt hat, wird die meisten Argumente schon kennen, wobei die Kategoriesierung und Quantifizierung hier neuen Raum zum Nachdenken schafft.
    Ich finde vorallem die Gewichtung in der Wahrnehmung der Gentechnikgegner schon sehr interessant/bedenklich.

    Die Frage der ökologischen Verträglichkeit ist verständlich und ich denke das ist gut wissenschaftlich diskutierbar.

    Der Schwerpunkt bei „Misstrauen gegen politische Institutionen und Prozesse“ ist allerdings naturwissenschaftlich schlecht beizukommen und gerade für gesamtgesellschaftliche Entscheidungen, wo die Politik, respektive der gewählte Volksvertreter Konsens schaffen soll katastrophal.

    Man kann natürlich vermuten, dass sich die Argumentation auch in diese Richtung bewegt, weil hier sowieso viel Raum für angestaute Vorurteile ist (wie die Heilpflanzenpetitionen immer wieder zeigen). Die Frage ist halt, wie hier politische Entscheidungen pro Gentechnik ablaufen sollen, wenn alles andere als ein Verbot in der Schiene des Klüngels wahrgenommen wird.

    Die zum Teil mangelnde Ferne von Wirtschaft und Politik macht das auch nicht einfacher.

    Für das hier und jetzt kann man zumindest bei seiner Argumentation darauf achten entsprechende Schwerpunkte zu setzen.

  2. wer braucht den Dreck?

    Welchen Nutzen habe ich als Imker davon, wenn meine Bienen Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen sammeln? Sind meine Kunden scharf auf diesen Honig und den Pollen? Wohl eher nicht, keiner wird das kaufen wollen. Solange ich nicht wenigstens für die Bestäubungsleistung meiner Bienen bezahlt werde, am besten von den Firmen die Gentechnik verkaufen, will ich keinesfalls grüne Gentechnik hier haben. 80 000 Imker in Deutschland denken genauso. Honig ist ein Stück Natur und sollte nicht ein Stück Labor sein. Honig von künstlichen Pflanzen ist nicht anders zu bewerten als Honigersatz aus Zuckern und Aromen gemischt. Das ist jetzt vielleicht etwas plakativ gezeichnet, aber im Kern trifft es wohl so zu.

  3. @ Karl Chelai

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Diskussion wirklich in der Ausführlichkeit führen möchte, in erster Linie habe ich die Präsentation oben eingestellt, um zu zeigen, welche Argumente gegen die grüne Gentechnik existieren. Und das sind viele! In deinem Kommentar sehe ich eine Melange von Bedenken, von denen einige oben angesprochen werden.

    Um es kurz zu machen: Ich halte deine Einwände aus einem naiven Standpunkt für nachvollziehbar, kann dir aber nicht zustimmen.

    Wie soll ich damit jetzt umgehen? Würde dich eine Widerlegung deiner Argumente überzeugen? Bist du an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert, oder bist du in deiner Einstellung bereits so gefestigt, dass du keine Diskussion der Einwände mehr brauchst, also „deine Wahrheit“ bereits gefunden hast?

  4. Gentechnik beim Menschen

    Greenpeace und ein paar Verbündete haben sich auf gentechnisch veränderte Pflanzen eingeschossen.
    Wie steht es aber mit der Heilung von Gendefekten beim Menschen. Etwas was heute bei schwersten angeborenen Krankheiten in Erwägung gezogen wird.
    Oder bei gentechnisch manipulierten Schweinen, die für die Xenotransplantation eingesetzt werden sollen.
    Es ist klar, dass wir hier in Europa nicht auf gentechnisch veränderte Planzen angewiesen sind – wer ist das schon, wenn er so reich ist, dass er weniger als 15% seines Einkommens für Nahrung ausgibt. Den meisten hier ist es auch egal, wenn ein paar Inder und Afrikaner mehr sterben: Immerhin sterben sie gesund, wenn sie nur ihre einheimischen Kümmerplanzen und nicht Gentech-Food zu sich genommen haben.

    Doch wer sein erbkrankes Kind später einmal mit Gentherapie wird heilen können, wird sich wohl von Greenpeace nicht dreinreden lassen. Das gleiche gilt für Organspendenempfänger, die eine Schweineleber mit gentechnisch veränderten Oberflächenantigenen eingepflanzt erhalten.

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