Islam-Knigge

Das Österreichische jüdische Museum führt gerade die Veranstaltungsreihe „Shalom, Salam, Grüß Gott“ durch, die dem Selbstverständnis und (Wechsel-)Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam gewidmet ist. Die Veranstaltungsreihe ist mit dem Weblog des Museums verknüpft, auf dem zum einen die einzelnen Veranstaltungen dokumentiert werden, zum anderen thematisch einschlägige Gastbeiträge erscheinen sollen. In diesem Zusammenhang trat vor einigen Monaten ein Vertreter des Museums an mich mit der Anfrage heran, ob ich denn bereit sei einen kleinen Blog-Gastbeitrag zu verfassen. Angedacht war eine Handreichung für interreligiöse Begegnungen aus muslimischer Perspektive, also ein interreligiöser „Survival Kit“ als Sammlung von Verhaltensregeln in der Begegnung von Muslimen und Nicht-Muslimen, im Alltag, bei einem Moscheebesuch etc. Analoge Artikel aus jüdischer und christlicher Perspektive sollten ebenfalls erscheinen. Die formalen Vorgaben sahen so aus, dass der Beitrag möglichst 600 Wörter nicht überschreiten und abgesehen von der Einleitung und Literaturangaben in Listenform gehalten sein sollte.Ich erklärte mich gerne dazu bereit und verfasste einen Beitrag mit dem Titel „Islam-Knigge“, der folgendermaßen aufgebaut ist:

  • Kurze Einleitung
  • Allgemeine Informationen
  • Beim Besuch einer Moschee
  • Speisevorschriften
  • Feste
  • Alltag
  • Literaturangaben

Bei der Auswahl von Informationen, die ich zu diesen Themenbereichen anführe, bin ich vorwiegend von meiner persönlichen Erfahrung (Beobachtungen und Fragen, die mir oft gestellt werden) ausgegangen.

Seit dem 16. Juni ist der Beitrag online gestellt. Hier ist der link dazu:

http://www.ojm.at/blog/2010/06/16/islam-knigge/

 Analoge Artikel aus jüdischer und christlicher Perspektive werden demnächst ebenfalls erscheinen.

Veröffentlicht von

Hussein Hamdan M.A., geb. 1979 studierte Islam- und Religionswissenschaft sowie Irankunde in Tübingen und schloss sein Studium 2007 mit einem Magister ab. Anschließend folgte, ebenfalls an der Universität Tübingen, die Doktorarbeit über das Wirken der Azhar-Universität im christlichen-islamischen Dialog, die im März 2013 abgeschlossen wurde. Hussein Hamdan war die ersten beiden Jahre seiner Promotion Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, ehe er 2009 für zwei Jahre Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für interkulturelle Kommunikation in Heidelberg wurde. Dort verfasste er u.a. den Band „Muslime in Deutschland. Geschichte, Gegenwart und Chancen“. Aktuell ist er an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart angestellt und für das Projekt „Gesellschaft gemeinsam gestalten – Junge Muslime als Partner“ verantwortlich. Hussein Hamdan ist Autor und Sprecher der Kolumne „Islam in Deutschland“ (SWR) und Referent zu diversen Themen des Islam. Seine Schwerpunkte sind Muslime in Deutschland, Interreligiöser Dialog, Humor im Islam sowie Einführungen in die Grundlagen, Quellen und Geschichte des Islam. Zudem ist er Mitglied des Runden Tischs Islam von Integrationsministerin Bilkay Öney in Baden-Württemberg. Hamdan hat sich in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen des interreligiösen und interkulturellen Dialogs engagiert. Von 2004-2007 moderierte er in Tübingen den Arabisch-Amerikanischen Dialog. Aktuell ist er Vorstandsmitglied des Bendorfer Forums.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Almosensteuer @ Hussein Hamdan

    Interessanter Beitrag! In der Regel wird man mit diesen Dingen auch oft im Urlaub konfrontiert, wenn man ein islamisches Land besucht. Seit etlichen Jahren jedoch dürfen „ungläubige“ Touristen in (allen?) diesen Ländern keine Moscheen mehr betreten, sondern nur mehr von außen anschauen.

    Sie erwähnen in Ihrem „Islam-Knigge“ auch die Almosensteuer (Zakat bzw. Zakah), welche auf den Koran, neunte Sure, Vers 60 zurückgeht: „Die Almosen sind nur für die Armen und Bedürftigen (bestimmt), (ferner für) diejenigen, die (für die Sache des Islam) gewonnen werden sollen (wörtlich: diejenigen, deren Herz vertraut gemacht wird), für (den Loskauf von) Sklaven, (für) die, die verschuldet sind, für den Weg Gottes und (für) den, der unterwegs ist (oder: für) den, der dem Weg (Gottes) gefolgt (und dadurch in Not gekommen) ist; wörtl: den Sohn des Wegs. (Das gilt) als Verpflichtung von Seiten Gottes. Gott weiß Bescheid und ist weise.“

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zakat

    M.E. ist es ein gutes religiöses Gebot, auch an bedürftigen Mitmenschen zu denken. Wie in dem Link zu lesen sind ja nun offensichtlich Bestrebungen im Gange, die Bedingungen der Zakat neu zu definieren. Auch wird unterschieden zwischen freiwilliger Gabe und obligatorischen Zakat. Anscheinend gibt es da kein einheitliches System. Wie sieht so etwas in der Praxis aus? Vielleicht könnten Sie dazu etwas sagen.

  2. Auch ein Knigge

    Hier mein „Survival Kit als Sammlung von Verhaltensregeln in der Begegnung“ mit Atheisten: Respektiere meine Freiheit, solange sie deine nicht einschränkt. Sollte das doch zutreffen, lasse uns vernünftig darüber reden und eine Lösung finden. Tue mir nichts an, was dir nicht selbst angetan werden soll. Wenn Du meinen Kindern Märchen erzählst, behaupte nicht, sie seien wahr und rede niemanden ein, er sei „sündig“ oder „böse“.

    So einfach kann das Leben sein. Erfreut Euch dran!

  3. @ Mona

    Die Zakat ist eine obligatorische Abgabe und wird in zahlreichen Koranversen erwähnt. Der Richtwert liegt bei 2,5% des Jahreseinkommens. In der Praxis sieht es so aus, dass der Einzelne, der dieser religiösen Pflicht nachkommen möchte das Geld (an einem Zeitpunkt im Jahr, den er selbst festlegt) an religiöse oder soziale Einrichtungen oder aber auch direkt an bedürftige Menschen abgibt.

    Für die sadaqa gibt es was die Höhe und den Abgabezeitpunkt keine Richtlinien. Sie ist eine freiwillige Spende, die man jederzeit und zu den verschiedensten Anlässen leisten kann.

    Sie schreiben: „Seit etlichen Jahren jedoch dürfen „ungläubige“ Touristen in (allen?) diesen Ländern keine Moscheen mehr betreten, sondern nur mehr von außen anschauen.“
    In der Türkei habe ich es selbst erlebt, dass Nichtmuslime Moscheen besichtigen durften. Und soweit mir bekannt ist, wird Touristen u.a. in Syrien, Ägypten, Marokko, Tunesien und sogar teilweise im Iran der Eintritt in Moscheen nicht verweigert.

  4. Besuch von Moscheen @Hussein Hamdan

    Recht vielen Dank erst einmal für Ihre Erläuterungen zur Almosensteuer.

    Zum Besuch von Moscheen: Ich war zuletzt in Tunesien und da durften „ungläubige“ Touristen (auch wenn sie Eintritt bezahlt hatten) nur bis in den Innenhof. Der Wächter vor der Moschee sagte, dass sich das in den letzen Jahren geändert habe und zwar in vielen islamischen Ländern. Es gibt auch Schilder auf denen steht: Kein Eintritt für Ungläubige. Ausnahmen sind Moscheen, die auch als Museum gelten, wie die Djamma ez-Zitouna in Tunis.
    In Marokko kann man die Hassan-II-Moschee ebenfalls gegen Eintrittsgeld besuchen, das ist aber auch eine Ausnahme.
    Von Syrien weiß ich, dass die Omayyaden-Moschee in Damaskus zugänglich ist. Und in Ägypten sollen es sogar mehrere Moscheen sein.
    In Bezug auf die Türkei haben Sie recht. Wie ich von Bekannten erfahren habe sind dort die meisten Moscheen zugänglich, sofern man sich an die örtlichen Gepflogenheiten hält.
    Vielleicht liest hier ja jemand mit, der uns seine Erfahrungen diesbezüglich schildern kann.

  5. @mona

    Zur Frage des Moscheebesuchs weiss ich folgendes:

    In Marokko, Algerien und Tunesien – und ebenso in der grossen Moschee von Paris, welche in den 20er Jahren erbaut wurde, ist es Nichtmuslimen untersagt, den eigentlichen Betsaal zu betreten. In der Regel können Besucher aber in den offenen Innenhof und zumindest einen Blick in den Betsaal werfen. In allen anderen Ländern der islamischen Welt gibt es meines Wissens nach keinerlei Probleme, wenn Nichtmuslime Moscheen besichtigen wollen – allerhöchstens, wenn dort gerade ein Gottesdienst abgehalten wird.

    Soviel ich weiss, liegt der Grund für diese Besonderheit in den ehemaligen französischen Kolonien und in der ältesten Moschee von Paris an der französischen Kolonialpolitik und nicht etwa, wie man denken könnte, an einem angeblichen „strengeren“ Islamverständnis mancher Nordafrikaner. Maréchal Lyautey, einer der französischen Gouverneuere Marokkos soll es zu einem Gesetz gemacht haben, dass in den Kolonien im Maghreb Nichtmuslimen der Zutritt zu den Moscheen verwehrt wurde – angeblich, um den kolonialisierten Muslimen nicht auch noch diesen letzten Freiraum – nämlich ihre ungestörte Religionsausübung – zu nehmen. Leider ist daraus inzwischen eine Art Tradition entstanden, die trotz dem Ende der Kolonialzeit weiterbesteht.

  6. @Max Heidelberger

    Danke für die Auskunft. Ich wusste nicht, dass diese Besonderheit auf die ehemaligen französischen Kolonien zurückgeht. Einige meiner Mitreisenden vermuteten ja, dass das „strengere“ Islamverständnis von Saudi-Arabien beeinflusst sei, da dort die heiligen Stätten für „Ungläubige“ auf jeden Fall verboten sind. Ansonsten kann ich es z.T. auch verstehen, dass man diese „Tradition“ in den Ländern des Maghreb behalten will, da sich manche Touristen wohl nicht immer respektvoll verhalten.

  7. @Stefan Taube

    Danke für den Kommentar.

    Ich bin ja sehr für Toleranz, finde es aber doch wichtig fest zu stellen, dass auch Menschen, die sich eher am vernunftgeleitetem Denken orientieren ihre Grenzen haben, wenn es um den Umgang mit abergläubische (dazu zähle ich alle religiösen) Menschen geht.

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