Neues Porträt von Georg Büchner entdeckt?

Was das Gesicht über das Wesen eines Menschen verrät, ist nicht gewiss – schon gar nicht, wenn dieses Gesicht nicht in natura zu sehen ist, sondern auf die möglicherweise idealisierende, abwertende, auf alle Fälle aber subjektive Darstellung eines Dritten zurückgeht. Trotzdem sind wir immer sehr begierig auf Porträts.

Groß dürfte die Aufregung deshalb jetzt werden, da „ein Dachbodenfund“ in Gießen ein neues Porträt von Georg Büchner (1813–1837) zu Tage gefördert haben soll. Heute wurde das Porträt in Darmstadt im Institut Mathildenhöhe vorgestellt – im Oktober soll es Prunkstück einer großen Ausstellung zum 200. Geburtstag Georg Büchners in Darmstadt sein.

Die erste Abbildung des Porträts findet sich im Gießener Anzeiger vom vergangenen Samstag.

Der Dichter wurde nur 23 Jahre alt – entsprechend rar sind zu Lebzeiten angefertigte Porträts von ihm. Nur zwei „echte“ Bildnisse von ihm waren bisher bekannt.

Eine Skizze fertigte sein Freund Alexis Mouston an, das andere Porträt zeigt ihn – vermutlich postum – „im Polenrock“ in einem offiziellen Bildnis.

Mouston Buechner Alexis FelsenmeerSkizze von Alexis Mouston (via Wikimedia Commons)

Die nun gefundene Bleistiftzeichnung ist datiert auf das Jahr 1833 und signiert mit A. Hoffmann.  Es stammt vermutlich vom Maler des Bildnisses im Polenrock. Interessanter als die Auskunft über die die Beschaffenheit von Büchners Gesicht dürfte die Frage nach den Unterschieden zu dem später ausgeführten Bild sein. Auf den ersten Blick fällt auf, dass die sorgfältig gelegten Locken anders ausfallen (eine Frage der Mode?). Auf der neu gefundenen Zeichnung (so sie echt ist) hält Büchner ein Notenblatt, er trägt ein offenes Hemd und eine offene Weste – insgesamt auf den ersten Blick ein eher privat wirkendes Bildnis. Auf dem späteren ist er dagegen im „Polenrock“ abgebildet. Das war ein auch Pekesche genanntes Kleidungsstück, eine mit Schnüren oder Bändern besetzte Jacke, die zur beliebten Studentenkleidung wurde. Den Anstoß dazu hatten die 1830 nach Westen geflohenen polnischen Freiheitskämpfer gegeben.

Georg Buechner HoffmannPortrait „im Polenrock“ von Georg Büchner (1944 verbrannt)

Eva Bambach

Ich bin promovierte Kunstgeschichtlerin und arbeite als Journalistin, Sachbuchautorin und Bildredakteurin. Was mich begeistert: Die spannenden langen oder kurzen Geschichten hinter den sichtbaren Gegenständen – seien sie hunderte von Jahren alt oder erst wenige Tage. Interessant finde ich die unterschiedlichen Ausdeutungen des Begriffs “Denkmal”. Es gibt die bewusst zur Erinnerung an eine Person oder an ein Ereignis errichteten Denkmale – zum ehrenden Gedenken ebenso wie zur Mahnung. Aber es gibt auch die vielen heute als Kulturdenkmäler eingestuften Relikte der Vergangenheit, denen damals niemand einen besonderen Erinnerungswert beigemessen hätte. Man denke nur mal an die in Pompeji zutage geförderten Zeugnisse antiker Kneipenkultur. Da liegt die Frage auch nicht fern, welche Schlüsse dereinst aus den Relikten unserer heutigen Kultur gezogen werden. Und Denkmal ist schließlich doch auch all das, was zu denken gibt, als Imperativ: Denk mal!

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