Die Handschrift stirbt aus – na und?

Ich tue es ungern, aber heute ist der Reiz einfach zu groß – ich greife eine Schlagzeile der heutigen Ausgabe der Bild-Zeitung auf: „Handschrift stirbt aus!“ und  „Es stirbt ein Stück Kultur!“. Egal, ob man dem dortigen Zitat einer englischen Studie glaubt, jeder dritte Erwachsene habe „seit einem halben Jahr nichts mehr mit der Hand geschrieben“, prinzipiell ist die Tendenz wirklich unübersehbar. Briefe mit der Hand zu schreiben ist – außer bei Kondolenzschreiben – schon lange verpönt und Notizen werden immer seltener auf Zettelchen oder in den Zeitplaner gekritzelt, sondern zunehmend elektronisch festgehalten. Auch Studenten klöppeln ihre Mitschriften meistens direkt in den Laptop.

Nicht jede Handschrift sieht aus wie ein Kulturdenkmal. Aber als liebenswerte Spur der Persönlichkeit wird man sie vermissen …

Faszinierend ist der Gedanke ja schon, einer der letzten Träger einer untergegangen Fertigkeit zu sein – und die Enkel einst mit Buchstabenzaubereien aus längst vergangenen Zeiten zu unterhalten. Aber Achtung: Zunächst mal ist es nicht die Schrift, die ausstirbt, sondern vor allem die Schreibschrift. Trotzdem wird bei Meldungen zum Thema oft der Eindruck erweckt, als ginge mit der Schreibschrift auch ein Teil des  Menschseins verloren. Dabei ist die allgemein praktizierte Handschrift erst wenige hundert Jahre alt. Die Entwicklung war abhängig von der Verfügbarkeit erschwinglichen  beschreibbaren Papiers und allgemeiner Schulbildung.  

Schlüsselwort Schule: Viel Zeit wird hier auf den harten Kampf verwendet,  erkennbare Buchstaben möglichst elegant in ein Gerüst von Linien zu zwingen. „Ich kann schon schreiben“, ist einer der Meilensteine in jedem Kinderleben. Vielleicht sogar noch mehr als das „Ich kann lesen“, weil das Schreiben von Botschaften aktiver ist als das passive Zur-Kenntnis-Nehmen? Dieses erste Schreiben ist  – bislang – untrennbar mit dem geschickten Umgang mit Papier und Stift verbunden. Die manuelle Herstellung der Buchstaben ist in den Augen mancher Pädagogen unabdingbar für die Ausbildung der Lesefähigkeit und für andere sogar mit der Ausbildung einer reifen Persönlichkeit schlechthin verbunden.

Um auf die Bild-Zeitung zurückzukommen: Auch hier wird mit Verweis auf die Hirnforschung  in Aussicht gestellt, dass der Mensch Schaden nehmen könnte, wenn nicht mehr mit der Hand geschrieben wird.

Wenn wir nicht schreiben, wird der dafür zuständige Hirn-Teil weniger benutzt, Hirnforscher befürchten, dass er sogar schrumpft. Dieses Hirnareal ist für sämtliche Bewegungsabläufe mitverantwortlich, macht etwa ein Drittel der Hirnmasse aus. Je weniger wir das gesamte Hirn nutzen, desto schneller werden wir im Alter vergesslich. Die Handschrift fördert Koordination und Geschick, nicht nur beim Schreiben selbst, sondern generell – in einer Weise, die keine andere Tätigkeit ersetzen kann.

Aber auch für das Tastaturschreiben braucht man noch die Hände. Da sollten doch die entsprechenden  Hirnregionen wohl auch angeregt werden – und zwar sogar beidseitig! Warum sollte das anders sein als beim in dieser Hinsicht immer wieder hochgelobten Klavierspiel?

Man kann bedauern, dass die Welt durch das Verschwinden handgeschriebener Buchstaben wieder ein Stück unpersönlicher (aber dafür besser lesbar) wird. Vielleicht tut der Abschied ein bisschen weh, wie bei allem Liebgewonnenen, aber es ist ja ein langsamer Abschied und wir können die Handschrift dann immer mal im Museum besuchen. Den Untergang der Zivilisation oder der Menschheit (wegen Hirnschwund) müssen wir aber nicht befürchten – zumindest nicht wegen der verloren gegangenen Schreibfähigkeiten.

Übrigens gibt es noch viele  weitere Zeugnisse für den Niedergang der manuellen Fähigkeiten des Menschen: Auch Sockenstopfen, Kartoffelschälen, Zöpfeflechten und Hühnerschlachten gehören dazu.

Eva Bambach

Ich bin promovierte Kunstgeschichtlerin und arbeite als Journalistin, Sachbuchautorin und Bildredakteurin. Was mich begeistert: Die spannenden langen oder kurzen Geschichten hinter den sichtbaren Gegenständen – seien sie hunderte von Jahren alt oder erst wenige Tage. Interessant finde ich die unterschiedlichen Ausdeutungen des Begriffs “Denkmal”. Es gibt die bewusst zur Erinnerung an eine Person oder an ein Ereignis errichteten Denkmale – zum ehrenden Gedenken ebenso wie zur Mahnung. Aber es gibt auch die vielen heute als Kulturdenkmäler eingestuften Relikte der Vergangenheit, denen damals niemand einen besonderen Erinnerungswert beigemessen hätte. Man denke nur mal an die in Pompeji zutage geförderten Zeugnisse antiker Kneipenkultur. Da liegt die Frage auch nicht fern, welche Schlüsse dereinst aus den Relikten unserer heutigen Kultur gezogen werden. Und Denkmal ist schließlich doch auch all das, was zu denken gibt, als Imperativ: Denk mal!

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hirnforscher

    … befürchten so einiges.

    Bei der Handschrift wird noch zwischen der sogenannten Schönschrift oder Schreibschrift und dem Schreiben in Druckbuchstaben unterschieden.

    Das Schreiben in Druckbuchstaben wird schon seit mindestens drei Jahrzehnten dementsprechend angemängelt, als Kulturverlust.

    BTW, der Webverweis auf eine andere Qualitätszeitung, auf die TAZ, scheint zumindest zurzeit nicht zu funktionieren.

    MFG
    Dr. Webbaer

    PS: Kam jetzt sehr verspätet doch hoch das gute TAZ-Stück – ‚Zum Glück hat man dort an der eigenen Schreibschrift aus DDR-Zeiten, der SAS, festgehalten, und sich der verkorksten VA aus dem Westen verweigert.‘ – Sütterlin gibt’s auch nicht mehr.

  2. Graphologen

    Auch die schöne Wissenschaft der Graphologen ist damit vom Aussterben bedroht. Ach hätten sie doch Astrologie studiert.
    Vielen Dank für die schöne Formulierung
    „Man kann bedauern, dass die Welt durch das Verschwinden handgeschriebener Buchstaben wieder ein Stück unpersönlicher (aber dafür besser lesbar) wird. „

  3. Handschrift nun Kür nicht mehr Pflicht

    Eine schöne Handschrift hatten schon immer nur ein paar wenige. Ich gehörte nicht dazu und sogar das Mitschreiben brachte mir nichts, denn einfach nur dasitzen und zuhören transferierte mehr in mein Gedächtnis.

    Nun bin ich aber auf eine IPad App gestossen, mit der man auf dem IPad wie mit Papier und Stift arbeiten kann: „Paper 53“. Damit kann man – unter anderem – schwungvoll schreiben, mit viel besseren Resultaten als ich es je rein manuell zustande brachte. Und es gibt sogar spezielle Kalligraphie-Apps für das IPad (würde aber für mich zu weit gehen). Was noch fehlt sind Apps fürs Zöpfeflechten. Das stell ich mir so entspannend vor. Könnte man doch mit einer App lernen und dann in realiter anwenden.

  4. Schreibschrift ist Zeitverschwendung

    Hach, endlich schreibt es mal jemand aus. Und die Ueberschrift endet genau mit den richtigen Worten: Na und?
    Richtig – NA UND ??!!
    Denn was soll schon passieren, wenn sich die Art zu schreiben nach den letzten Jahrhunderten mal wieder aendert?

    Natuerlich stirbt ein Stueck Kultur. Es stirbt immer ein Stueck Kultur, wenn ein Procedere, eine Tradition nicht mehr gelebt wird. Das musste der Weber erfahren, das musste der Scherenschleifer erfahren und das musste der Automechaniker erfahren. Letzterer heisst heute „Mechatroniker“ und hantiert mehr mit dem Strom-Messgeraet statt mit dem Schraubenschlussel. Jedoch werden mit neuem Verfahrensweisen auch neue Aspekte der Gesamtheit der Kultur zugefuegt.
    Kulturen aendern sich nun mal. Das laesst sich nicht verhindern.
    Kulturen, die kuenstlich konstant gehalten werden, werden auf Dauer langweilig und sterben von alleine.

    Und natuerlich kann man Kulturen, deren Praktizierung wegen des Fortschritts „sinnlos“ oder ueberholt ist, als Tradition weiterfuehren. Selbstverstaendlich muss man nicht einen alten Zopf abschneiden, nur weil der Silberstreif am Horizont bereits vom Fortschritt kuendet.
    Es gibt keinen Grund, eine Tradition nicht in einem Traditionsverein zu leben.

    All das findet jedoch seine Grenze, wenn die Wahrung der Tradition der Verwirklichung hoeherer Ziele entgegensteht:
    Sicherlich hat es (noch) seine Berechtigung, dass Kinder den Umgang mit dem Stift, das Schreiben auf Papier, erlernen. Noch. Ausserdem erkenne ich ausdruecklich an, dass das Produzieren von Buchstaben in freier Bewegung auf einem weissen Hintergrund sehr hilfreich beim Erlernen des Lesens ist.
    Doch warum muss es ein Bleistift/Fueller/Kuli/Filzstift auf Papier sein?
    Warum kann es nicht der Digi-Pen auf einem Tablet sein?
    Im Uebrigen genuegt fuer all dies die vereinfachte Druckschrift.

    Ferner: Schulzeit ist sehr knapp und kostbar, die Menge an nuetzlichem (!) Wissen bereits sehr gross. Und das Erstellen formvollendeter Buchstaben in Schreibschrift ist Zeitverschwendung.

    Vor etwa einem Jahr (oder so) titelte die BILD uebrigens bereits aehnlich. Ironischerweise war am gleichen Tag (!) in mehreren Online-Medien zu lesen, dass Sued-Korea bis 2014 landesweit Papierbuecher an Schulen abschafft und durch Tablets ersetzt. In der Grundschule soll das Schreiben zwar noch gelernt, aber es soll parallel auch der Umgang mit dem Tablet schon geuebt werden.
    Und in Deutschland diskuttiert man ueber die richtige Handschrift.
    Wie armselig!
    Wie rueckstaendig!

    Ich denke, es ist viel wichtiger, dass Kinder schon frueh das Wesen digitaler Medien begreifen und erlernen, wie man Computer intuitiv nutzt:
    – Kreieren, abspeichern, Datei schliessen – spaeter dann Datei wieder oeffnen und sein Kunstwerk veraendern
    – die Vergaenglichkeit von digitaler Information, aber auch das Gegenteil, dass das Internet nichts vergisst (Stichwort Facebook)
    – die Fuelle an Information, welcher Information kann ich trauen, welcher nicht?
    – die Moeglichkeit des Kopierens ohne Qualitaetsverlust. Welche Konsequenzen hat das fuer wen?
    – Gefahren durch Identitaetsdiebstahl (und natuerlich andere Gefahren)
    – Gefahren durch ausufernde Ueberwachung
    – u.a.

    Diese Punkte kann man jedoch durch „Lehren“ nur schwer vermitteln. Wie die Gefahren des Strassenverkehr muss man die Eigenarten digitaler Medien und das Bewegen im digitalen Kosmos durch Erfahrung ERLERNEN. Durch Benutzen von Computern. Anfangs mit (elternlicher) Unterstuetzung, spaeter allein.

    Ich schliesse mit der Aufforderung:
    Gebt den Kids die Tablets schon in der ersten Klasse!
    Und lasst sie darauf ihre Buchstaben ueben – und auch gleich wie man das Ergebnis als Bilddatei abspeichert und als verschluesselte Email an die Eltern schickt! Damit kann man nicht frueh genug anfangen!

  5. Zukunft

    Sobald die Sprach-Eingabe perfektioniert ist, wird die Tastatur an Bedeutung verlieren.

    Sobald die Gehirnspannungs-Eingabe perfektioniert ist, wird die Sprach-Eingabe an Bedeutung verlieren.

  6. @ Karl Bednarik:
    Ja, das ist sicher richtig. Aber das duerfte eher die ubernaechste Generation der „Schreib-Evolution“ darstellen.
    Doch auch dann wird sicherlich gelten, dass zum Lernen des Lesens auch das Lernen des Schreiben (in freier Handbewegung) sinnvoll ist.
    Im Uebrigen denke man an die asiatischen Kulturen, die nicht nur Buchstaben, sondern viele Tausend Wortzeichen haben.

  7. Kommunikation

    Neben dem Aussterben tradierter Kommunikationsmittel, wird es neue geben, bzw. sie sind schon da: Die gute alte Tastatur ist bemerkenswert leistungsfähig.

    Sobald die Sprach-Eingabe perfektioniert ist, wird die Tastatur an Bedeutung verlieren.

    Nope. Ist nicht ergonomisch, sprechen Sie mal lange Texte. Zudem: Können Sie – wie bspw. oft Anwälte – sprechen wie Sie schreiben?

    Sobald die Gehirnspannungs-Eingabe perfektioniert ist, wird die Sprach-Eingabe an Bedeutung verlieren.

    Sicherlich besteht die Kommunikation der fernen Zukunft hauptsächlich im Austausch von Gehirnzuständen, die jeweils Komplexe darstellen, denen eine maschinelle Logik bedarfsweise Inhalt oder Sätze entlocken wird. – Der eigentliche Meinungsträger muss dann nicht mehr anwesend sein, sein Bewusstseinsreplikat wird von geeigneter maschineller Logik fortinterpretiert und hält den Diskurs am Laufen.

    Haha.

    MFG
    Dr. Webbaer

  8. @Dr. Webbaer:
    Ich hoffe, dass Sie bzgl der fernen Zukunft nicht Recht haben, denn bei einem „Austausch von Gehirnzustaenden“ waeren auch die eigenen Gedanken nicht mehr ganz so frei…
    Im Uebrigen, Ihr „Haha“ zeigt, dass Sie es wohl ironisch meinen.

    Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, wie weit wir schon sind.
    Dass der Meinungstraeger nicht mehr koerperlich anwesend ist, ist ja mit dem Internet bereits realisiert.
    Und dass ein „Bewustseinsreplikat“ eine Diskussion am Laufen haelt?
    Nun, wenn ein Wissenschafter ein Simulationsprogramm erstellt, dann ist es dessen Aufgabe, zwei oder mehr konkurierende Prozesse gegeneinander ablaufen zu lassen, deren manuelle Berechnung wegen der Komplexitaet (oftmals) in einem Menschenleben nicht realisierbar ist. Entsprechendes gilt fuer die Kommunikation zweier Computer (auf hoeherem Level). Bereits heute koennen Computer ein Problem aus der Analogwelt diskuttieren, wenn sie mit allen notwendigen Informationen gefuettert wurden. Auch, wenn die gefundene Loesung im Idealfall die pure logische Konsequenz darstellt, so ist der Loesungsweg (sprich sind die Algorithmen zur Findung desselben) doch stark von den Eigenheiten und Kuensten der Programmierer abhaengig. Das wird aber auch die Art der gefundenen Loesung beeinflussen.
    (Hier zeigt sich erneut, dass der Mensch nach wie vor den entscheidenden Faktor darstellt, solange ECHTE kuenstliche Intelligenz nicht er- oder gefunden wurde.)
    Allerdings zeigt dies auch, dass das dargestellte Szenario nicht sooo unrealistisch ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Es ist letztlich nur eine Frage der Rechnerleistung,
    * einerseits menschliche Kommunikationsarten zu kopieren oder zu simulieren, um die Ausgangsinformationen zu erhalten
    UND
    * andererseits diese Informationen dann zur Loesungsfindung zu nutzen
    Mit Blick auf die Entwicklung von Quantencomputern, denke ich, dass es nur eine Frage der Zeit ist.
    Und mit Blick auf das eigentlich Thema dieses Blogs, denke ich, dass derartige Computer auch semantische Algorithmen und somit die Sprachein- und ausgabe perfekt beherrschen werden. In der Zukunft.

    Dieser Diskurs zeigt auch, wie sehr (wahrscheinlich) die digitale Technik uns umgeben wird. Die Suchfunktion in einer Datei/Datenbank wird bereits von Kindern mit der gleichen Selbstverstaendlichkeit genutzt werden wie das Blaettern in einem Buch.
    Hierzu ist es jedoch notwendig, Kinder bereits fruehzeitig an den Umgang mit Dateien zu gewoehnen.

    All das mag nicht jedem gefallen und konservative Gruppen werden sicherlich versuchen, diese Entwicklung zu bremsen
    (siehe auch „Herdpraemie“). Doch niemand wird diese Entwicklung je aufhalten koennen.

    Ich habe bereits vor einiger Zeit meinen Bueroschreibtisch zur papierfreien Zone erklaert. Ich gebe offen zu, dass sich dies zur Zeit und in meinem Fall nur teilweise, aber letztlich doch groesstenteils, realisieren laesst. So fertige ich Vortrags- und Meetingnotizen direkt auf meinem Tablet an, alles wird automatisch synchronisiert. Ohne die vielen digitalen Helfer liesse sich die „Informationsflut“ nicht bewaeltigen. Zugegeben: nicht jeder (z.B.) Handwerker braucht das bei er Arbeit, aber ab einem gewissen beruflichen Level ist es unverzichtbar. Doch fast jeder Mensch nutzt das bereits heute im privatem Rahmen – der Aufwand mancher Kids, um die „Freunde“ zu organisieren ist vielleicht schon hoeher als die Assistenzarbeit fuer so manchen CEO.

    Daher nochmal: Das Wissen um den Umgang mit digitalen Daten hat bereits heute grundlegende Bedeutung in der Gesellschaft erlangt.
    Die Notwendigkeit, die lateinische Schreibschrift zu erlernen, geht stetig und eineindeutig gegen NULL.

  9. Die Handschrift stirbt aus

    … vielleicht merkt ja irgendwann jemand einmal, dass der Mensch immer mehr zum „Verblöden“ erzogen wird, sich selbst nicht mehr frei entfalten kann, seine Qualitäten und Talente nicht mehr nutzt und von Maschinen gesteuert wird und vollständig davon abhängig gemacht wird. Interessant was passiert bei einem vollständigen Stromausfall einer Stadt (hatten wir gerade). Diese Stille ist toll… und die Menschen werden hysterisch, weil sie ja so abhängig sind von Maschinen… Keiner merkt, wie fremdgesteuert alles ist. Keiner merkt, dass man sich selbst nicht mehr frei entfaltet und sich in seiner ganzen Persönlichkeit ausdrückt – zum Beispiel durch eine eigene Handschrift. Wohin dieser Strom führt, haben wir vor ein paar Jahrzehnten gesehen… Ich jedenfalls schäle gerne Kartoffeln, die auch noch etwas Erde an sich haben. So weiß ich die Gaben der Natur noch zu schätzen und bin froh, mir ein Stück wertvolles Leben zu erhalten. Und ich bin froh zu wissen, wo ich mich mit meinem Auto befinde, da ich mich selbst dorthin geführt habe und nicht eine Maschine. Viele haben bereits die Orientierung verloren. In diesem Sinne, geben Sie acht, dass Sie noch sie selbst bleiben und eigene Ideen verwirklichen können…

  10. @Christine Falk: Nichts verschwindet

    Es gibt heute noch Radio, Kino und Kurse für Kaligraphie, obwohl es nicht mehr nötig ist.
    Nichts, was einmal geschaffen wurde, stirbt wirklich aus.
    Wichter als die Schreibutensilen ist der Akt des Schreibens, egal wie er stattfindet. Noch nie wurde so viel geschrieben wie heute – gerade wegen den neuen Mitteln, z.B. der Tastatur.

    Schreiben ist übrigens nicht das gleiche wie Sprechen oder Austausch von Gedanken – wie das von Karl Bednarik und andern weiter oben suggeriert wurde. Denn das Geschriebene ist auch immer das Gelesene und sogar der Schreibende liest was er geschrieben hat bevor er es versendet.
    Schreiben mit einem Editor ist um vieles produktiver und näher am Wesen des Schreibakts als Schreiben von Hand. Wer Füller und Tinte benutzt hat nur den Tintenkiller zur Verfügung oder muss noch einmal von vorne beginnen um den Text in die Form zu bringen, die ihn auch als Leser zufriedenstellt.
    Ich schreibe mit einem Editor spontan und lasse mich von dem was mir gerade durch den Kopf geht, lenken. Anschliessend stelle ich einige Sätze um, füge Zeilenumbrüche ein, etc. – kurzum ich überarbeite den Text. Das ist aber in einigen Minuten erledigt im Gegensatz zum gleichen Prozess mit einem Schreibstift.

    Die Technik wurde schon immer für den Menschen erfunden und auf die Länge setzen sich nur Techniken durch, die als Gewinn empfunden werden. Als das Schreiben erfunden wurde musste man mit den einfachsten Schreibmitteln vorlieb nehmen, etwa Meissel und Stein, später Tinte und Pergament. Papier und Pergament waren so wertvoll, dass man sie mehrmals beschrieb (Palimpsest) und überschrieb was sich später als Kulturschatz herausstellte

  11. @Martin

    Man braucht hier auch streng genommen einen externen Editor. 🙂

    Ansonsten, die Kommunikation, die im Kodieren von Ideen des Geistes auf ein Medium für Nachrichtenzwecke besteht, wobei der die Nachricht Empfangende zu abstrahieren hat, grundsätzlich die selben Regelmengen nutzend wie für die Kodierung, ist eigentlich das Ziel.

    Medienfragen sind eher nachrangig, insofern stimmt der Schreiber dieser Zeilen der Beobachtung oder Meinung des Artikels zu. Also nachrangig die Kommunikation betreffend, selbstverständlich ist die Tastatur und die umgebende Infrastruktur wertvoll.

    Weil hier noch andere Erfassungsformen angesprochen worden sind: Trackball, dieses Objekt mit Mausfunktionalität in der Tastatur, Touchpad, Spracheingabe und Touchscreen (das Herumfahren auf sensitiven Monitoren), „Gehirnablesen“ (s.o.) und optische Erkennung wie Kinect sind für Einzelanwendungen gut und schön, werden die Tastatur aber nicht ablösen können.

    MFG
    Dr. Webbaer

  12. @Dr. Webbaer Assistent zum Schreiben

    Naive technischen Lösungen wie „Diktieren“, „Gehirnablesen“ können das Schreiben und Editeren von Texten nicht ersetzen.

    Anders sähe es aus, wenn es Software gäbe, die ähnlich operiert wie ghostwriters, welche Politikerbiographien oder Politikerreden zusammenschreiben. Ein guter ghostwriter kennt die Person, für die sie/er schreibt sehr gut und schreibt das, was der Politiker sagen will, nur eben mit besseren wirkungsvolleren Worten.

    In eine technische Vision umgesetzt würde ich später vielleicht meinem ghostwriter-Assistenten zu verstehen gehen was er auf den Kommentar eines gewissen Dr.Webbaer in etwa antworten soll. Der Software-ghostwriter würde dann aus früheren Kommentaren ableiten wie der Tonfall und die Message etwa formuliert werden müsste und dann einen rhetorisch beeindruckenden Kommentar verfassen – basierend auf ein paar Sätzen meinerseits dazu.
    So eben wie dieser Kommentar, der jetzt gepostet wird.

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