Ankommen im Alltag?

Ist es Glück oder ist es Pech? Im Alltag angekommen bin ich nach meiner Rückkehr aus dem Sabbatical noch lange nicht. Da ist noch wenig Stabiles und Stetiges. Vielmehr sammle und sortiere ich mich, erfinde mich neu auf der Basis dessen, was ich geworden bin. Das ist mal aufregend und auch mal beängstigend. Aber noch glüht die Restwärme Lateinamerikas in mir, bestimmt meine Begegnungen und mein Lebensgefühl.

Nichts ist selbstverständlich. Weder die heiße Dusche, der Duft der Erde, das Zwitschern der Vögel, noch die Zuwendung, noch die leckeren Mahlzeiten. Manches erscheint mir unvertraut wie einem Kind, mitunter bleibt mir der Mund offen und ich starre, bis ich verstanden habe, was da passiert. Das erste Eis, der Lauf über die unberührte weiße Decke, die mit Schnee bedeckten Blüten im Garten meiner Mutter – ein Traum.

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Ich gehe staunend durch die Welt, imprägniert gegen den Frust des Alltags, doch auch mit einer neuen Sensibilität dafür, wie fragil alles ist. Die Vorfälle in der Kölner Silvesternacht erschüttern mich tief. Bahnhöfe sind in den letzten Jahren in Heidelberg, Mannheim, Freiburg und Stuttgart fast ein zweites Zuhause gewesen. Auf einmal fühle ich mich unsicher an vertrauten Plätzen, nehme den Polizeibericht anders wahr. Ein ganzes Jahr in Lateinamerika habe ich mich nie so mulmig gefühlt wie jetzt, wo wieder neue Angsträume daheim in meinem Bewusstsein entstehen.

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Hängepartien machen mir zu schaffen. Doch manchmal beobachte ich mich selbst wie durch eine Glasscheibe und finde dann, dass die Frau das gar nicht so schlecht macht mit dem achtsamen Ankommen. Sie bewegt sich vorsichtig vorwärts, lotet das Wesentliche aus, versucht Erkanntes nicht zu vergessen, benennt Ängste und Sorgen, ohne sich von ihnen fressen zu lassen.

An manchen Tagen fühlt es sich an, als sei ich nie weggewesen, an anderen, als wäre ich immer noch nicht da. Meine Ängste insgesamt sind kleiner geworden, mein Blick klarer, mein Planungshorizont kürzer. Ich versuche, nicht mehr so viel übers Knie zu brechen, nur weil ich das Unentschiedene nicht aushalte. Trotzdem kann ich viel besser warten als früher, ohne phlegmatisch geworden zu sein. Meine bunten Decken aus den Anden erinnern mich täglich an den dortigen Leitspruch: Gott ist groß und morgen ist ein neuer Tag.

Und als dann meine Reisereportage über den Choquequirao erscheint, herrscht einfach nur Freude und auch ein bisschen Stolz. Ich habe es wirklich gewagt: Ich bin gegangen, um zurückzukommen.

http://www.rnz.de/ratgeber/reise_artikel,-Ruinenstadt-Choquequirao-in-Peru-Die-verwunschene-Schwester-_arid,162145.html

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Ich bin von Natur aus neugierig, will Menschen und ihre Beweggründe verstehen und ich liebe gute Geschichten über alles: Das macht mich zur Journalistin. Ich möchte aber den Dingen auch auf den Grund gehen und verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält: Das erklärt meine Faszination für Wissenschaft und Forschung. Nach dem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft habe ich als Zeitungsredakteurin für viele Jahre das Schreiben zum Beruf gemacht. Später kamen dann noch Ausbildungen zur zertifizierten Mediatorin und zum Coach hinzu, die mich in meiner Auffassung bestärkt haben, dass das Menschliche und das Allzumenschliche ihre Faszination für mich wohl ein Leben lang nicht verlieren werden. Das Organisieren habe ich als Büroleiterin einer Europaabgeordneten gelernt, bevor ich im Juli 2012 als Referentin des Chefredakteurs bei Spektrum der Wissenschaft begonnen habe. Von dieser Tätigkeit bin ich nun erst einmal ab 1. Januar 2015 für ein Sabbatical beurlaubt. Und ganz gespannt, was das „Abenteuer Auszeit“ für mich bereithalten wird.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Und es ist ganz arg schön, dich verwandelt wieder hier zu haben. Die Welt hat sich verändet in diesem Jahr und wir alle etwas mehr oder weniger mit ihr und du hast dich aufgemacht in ein neues Leben in der alten Heimat. Der uns liebe Hesse würde sagen: „Da ist sie nun auf einer neuen Lebensstufe angekommen.“ Weiterhin alles erdenklich Gute für dich!

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