Was ist eigentlich ein eBook?

Das ist die Frage, die sich Mario Sixtus in einem aktuellen Blogbeitrag stellt. Zuerst fand ich die Frage seltsam, aber er hat mit der Annahme darin Recht. Wir wissen nicht genau, was wir unter ‚eBook‘ zu verstehen haben.
In seiner Beschreibung, was ein gedrucktes Buch sei, kommt ‚ISBN‘ vor. Wäre diese notwendig, ein Buch zu sein, wären viele selbst verlegte Bücher keine, es hätte vor 1970 keine Bücher gegeben. Auch sonst scheitert, zumindest historisch betrachtet, die angedeutete Definition schnell. Wie sieht es mit Pamphleten aus? Was ist mit Broschüren – und Danny Taschentbüchern? Wie lang muss ein Druckwerk sein, um als Buch beschrieben zu werden?
Wie Sixtus richtig feststellt, beschäftigen sich Leser und Autor mit Texten, sie werden geschrieben, die werden gelesen. Nur Verleger, Drucker und Buchhändler bemühen sich um Bücher, nur in ihren Kontexten gibt es eine verlässliche Definition. Was in einem Buch steht, ist für sie völlig egal, ob da sinnhafte Buchstabenaneinanderreihungendrin sind, Bilder, Gobbledygook oder einfach gar nichts, direkt keine Rolle.
Für Leser und Autoren wiederum spielt die technische Aufmachung nur eine untergeordnete Rolle1, sie wollen die Texte, die Inhalte.
Am Ende ist ‚Bücher‘ nur eine zweckmässige Kurzformel, die Gespräche erleichtert. Für eBook gilt dasselbe. Doch genau das ist als Grundlage für weitreichende Wirtschaftsgesetzgebung zu wenig.

Notes:
1. Klar, es gibt schöne Bücher. Es gibt auch Menschen, die praktisch nur an der äusseren Gestaltung interessiert sind. Es gibt auch Autoren, für die Form gleich Inhalt ist. Aber das sind Ausnahmen.

Nach dem Abitur habe ich an der Universität Hamburg Anglistik, Amerikanistik, Soziologie und Philosophie studiert. Den Magister Artium machte ich 1992/93, danach arbeitete ich an meiner Promotion, die ich aus verschiedenen Gründen aufsteckte. Ich beschäftige mich meist mit drei Aspekten der Literatur: - soziologisch [Was erzählt uns der Text über die Gesellschaft] - technisch [Wie funktioniert so ein Text eigentlich] - praktisch [Wie bringen wir Bedeutung zum Leser] Aber auch theoretische Themen liegen mir nicht fern, z.B. die Frage, inwieweit literarische Texte außerhalb von Literatur- und Kunstgeschichte verständlich sein müssen. Oder simpler: Für wen schreiben Autoren eigentlich?

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Dierk Haasis schrieb (10. November 2014):
    > […] beschäftigen sich Leser und Autor mit Texten, sie werden geschrieben, die werden gelesen. Nur Verleger, Drucker und Buchhändler bemühen sich um Bücher […]
    > Für Leser und Autoren wiederum spielt die technische Aufmachung nur eine untergeordnete
    Rolle

    Gerade die „e“-Variante(n) der „technischen Aufmachung“ von Büchern (sofern sich diese dem eventuellen Bemühen von Verlegern, Druckern und Buchhändlern zuschreiben lässt) kann aber entscheidend zur Rezeption und Nutzung der enthaltenen Texte beitragen. Z.B. durch die (wahlweisen) Möglichkeiten:

    – einen gegebenen Text effizient nach einem (oder mehreren) Stichwort(en) zu durchsuchen („Search“),

    – aus einem gegebenen Text effizient und zuverlässig zu zitieren („copy-n-paste“),

    – Teile eines gegebenen Textes in Zusammenhang mit anderen Texten (oder Textteilen) zu setzen bzw. zu annotieren (Hypertext); und damit

    – die Bewertung der Konsistenz eines gegebenen Textes effizienter zu machen („eBook“ vs. „EBook„; „Taschentbüchern„; „Buchstabenaneinanderreihungendrin„; „direkt keine Rolle“ …).

    Nicht zu vergessen:

    – die äußere Gestaltung des gegebenen Textes wahlweise zu verändern und seinen Wünschen anzupassen („Layout“, „Style“, „Font“ …); gern auch anhand einer Vorschau.

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