Buchhalter der Sprache

Da war es wieder, das Wort. ‘Deppenapostroph’ rief ein Kommentarist und versuchte langwierig zu erläutern, warum das Deutsche kein Apostroph haben darf. Oder zumindest nicht in diesen Fällen. Er war einer von mehreren, die mir innerhalb weniger Tage mit diesem Begriff über den Weg liefen – ‘Deppenapostroph’.

Neben dem Apostroph wird auch gerne mal das Leerzeichen verdeppt: Deppenleerzeichen1. Ich vermute, es wird auch schon vom ‘Deppen-das/s’ gesprochen und geschrieben; das Wort, mit dem der Autokorrektur liebstes Verwirrnis bezeichnet werden könnte. So ein Algorithmus für Rechtschreibkorrekturen weiß nämlich nicht so genau, wie der Zusammenhang im Text aussieht und schlägt gerne die zuletzt häufiger genutzte Variante vor. Das lässt den Schreiber in Augen gut gebildeter Leser dann hübsch auf die Palme gehen.

Das Deppenapostroph stammt noch aus einer Zeit, als Menschen in der Öffentlichkeit dem deutschen Genitiv-s ein englisches Auslassungszeichen voransetzten. Sie wissen schon, Susi’s Grillimbiss oder Walter’s Netzwelt. Nicht schön, wenn man es die ersten 83 Male sieht. Nicht richtig, auch wenn man es zum 89. Mal sieht. Vermutlich wird es auch noch einige Jahre nach Standardgrammatik nicht korrekt sein. Falls es sich länger und in statistisch relevantem Umfang hält, dürfen die Verfechter der Naiven Heilslehre deutscher Grammatik sich neue, größere Messer kaufen.

Dem gewieften Leser wird bis hierhin aufgefallen sein, dass ich sehr oft die ‘Deppen’ nenne. Es gäbe nun wirklich noch viele andere Syntax-, Interpunktions- und Typografiefehler, die ich erwähnen könnte, aber die werden nicht so häufig aufgespießt. Da gäbe es die verschiedenen Binde- und Gedankenstriche, die diversen, unterschiedlich breiten und verschieden anzuwendenden Leerzeichen, die Feinheiten der Ordnung adverbialer Bestimmungen, Kommata [fehlende, zu viele], die Zeitform der indirekte Rede …

Selbstverständlich sehen Korrektoren, hoffentlich Lektoren und Schlussredakteure solche Fehler, bessern sie aus und gut ist’s. Nur haben wir die selten zur Hand, wenn wir auf Twitter oder Facebook unterwegs sind. Auch die meisten Blogs werden eher keine professionelle Korrekturstufe haben. Dafür haben wir unsere Buchhalter der Sprache, die sofort anspringen, wenn sie ein falsch gesetztes Apostroph sehen. Oder die Entscheidung eine Begriffskette nicht durchzukoppeln2

Was mich stört, ist gar nicht mal der Hinweis auf den Fehler. Ich finde die Bezeichnungen geformt mit ‘Depp’ widerwärtig.

Es ist ja schön, wenn der eine oder andere sich was darauf einbildet, in der Schule im Deutschunterricht mal zehn Minuten aufgepasst zu haben. Von mir aus sollen sie auch damit angeben dürfen, warum nicht. Muss man aber sich selbst und seine mediokre Leistung dadurch erhöhen, dass man die Falschbenutzer gleich zu geistig tiefer stehenden erklärt, zu Deppen?

Ich habe aber auch nicht verstanden, warum sich Mitte der 1990er ein ganzer Haufen deutscher Schriftsteller gegen die Reform der Rechtschreibreform von 1901 ausgesprochen hat. Als müssten sie sich daran halten, was für [verwaltungs]juristische Texte gilt.Als würde die Qualität eines schriftstellerischen Werkes daran gemessen, wie dicht es den Regeln alter, einschlägiger Lehrbücher folgt.

Notes:
1. Jener typografische Irrtum, einem Satzzeichen ein Leerzeichen voranzustellen.
2. Nicht missverstehen, wenn man sich entscheidet, Bindestriche einzusetzen, dann bitte bis zum notwendigen Ende.

Nach dem Abitur habe ich an der Universität Hamburg Anglistik, Amerikanistik, Soziologie und Philosophie studiert. Den Magister Artium machte ich 1992/93, danach arbeitete ich an meiner Promotion, die ich aus verschiedenen Gründen aufsteckte. Ich beschäftige mich meist mit drei Aspekten der Literatur: - soziologisch [Was erzählt uns der Text über die Gesellschaft] - technisch [Wie funktioniert so ein Text eigentlich] - praktisch [Wie bringen wir Bedeutung zum Leser] Aber auch theoretische Themen liegen mir nicht fern, z.B. die Frage, inwieweit literarische Texte außerhalb von Literatur- und Kunstgeschichte verständlich sein müssen. Oder simpler: Für wen schreiben Autoren eigentlich?

35 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessant an den hier beschriebenen Fehler finde ich vor allem, dass es noch keine Korrekturprogramme dafür gibt. Komma- und sogar ganz simple Fehler wie Verdoppelungen schaffen es heute deshalb viel häufiger in veröffentlichte Texte, weil man sich den Korrektor spart und die Rechtschreibeprogramme viele Fehlerkategorien gar nicht abdecken können.
    Solche Fehler wirken sich zwar nur selten auf die Verständlichkeit des veröffentlichten Textes aus, sie stören aber beim Lesen indem sie vom Inhalt ablenken. Je besser eine Leserin die relevanten Regeln kennt umso mehr wird für sie das Lesen von Online veröffentlichtem Materieal zum Spiessrutenlauf.

    • Joachim Schulz

      Wenn die Aussage im letzten Satz stimmt, läuft im Deutschunterricht etwas falsch: Gute Beherrschung von Rechtschreibung stört die Lesekompetenz? Lesen als Spießrutenlauf, weil man es besser könnte und sich deshalb nicht auf den Inhalt konzentrieren kann? Ich möchte nicht so recht dran glauben, aber falls es stimmt, sollten wir den Deutschunterricht abschaffen. Dann schadet Rechtschreibwissen mehr als es nützt.

      • Ich störe mich tatsächlich an Rechtschreibefehlern, vor allem an eigenen (meist im nachhinein). Sie stören den Lesefluss, nicht die Lesekompetenz.
        Ich nehme mal an, das geht allen so. Wer einen Rechtschreibefehler entdeckt, vergisst für einen kurzen Augenblick lang den Inhalt und denkt über den Rechtschreibefehler nach. Das macht allerdings nichts, wenn man sowieso nichts anderes zu tun hat. Wenn es einem aber nur um das möglichst schnelle Erfassen des Inhalts geht, dann ist das eine Störung.

  2. Offenbar verstehen wir unter dem Deppenleerzeichen zwei verschiedene Dinge. Ich habe es immer als Lücke zwischen zwei Wörtern verstanden, die gekoppelt gehören – Mövenpick Hotel – oder die zusammen geschrieben werden – Rahm Soße. Als Lücke vor einem Satzzeichen habe ich es nie verstanden. Da buchhaltere ich wohl bisher an der falschen Stelle.

  3. In Deutschland hat meistens der Recht , der nix versucht und dann auch keine Fehler machen kann.

    Wer mal was riskiert und dabei zwangsläufig Fehler macht , hat es sofort mit dieser Armee von Wadenbeißern zu tun , die nur auf eine Gelegenheit lauern , Anderen an den Karren fahren und sie heruntermachen zu können.

  4. Anmerken könnte man, dass im geschriebenen Deutsch vor 1901 ein Apostroph zur Abtrennung des Genitiv-S bei Namen die Norm war – siehe „Goethe’s Werke“. Es ist also nicht aus dem Englischen übernommen, sondern (ganz) alte deutsche Rechtschreibung.

  5. Oh dear! Hoffentlich stolpern diese „Buchhalter der Sprache“ nicht eines Tages durch Zufall über den Roman „Ulysses“ von James Joyce. Die Sprache wird da vom Autor nämlich sehr kreativ eingesetzt. Beispielweise kommt der „stream of consciousness“ seiner Molly ohne Punkt und Komma aus, was ihre Denkweise wiederspiegeln soll.

        • Meint letztlich das Selbe, vgl. auch ’scheinbar‘, das erst in neuerer Zeit dem ‚anscheinend‘ entgegengesetzt wird.
          Trifft das Thema, das angebliche Deppentum, recht gut.
          MFG
          Dr. W

    • „Beispiel[s]weise kommt der „stream of consciousness“ seiner Molly ohne Punkt und Komma aus, was ihre Denkweise wi[]derspiegeln soll.“

      wie könnte man das erkennen wenn jeder depp bei jeder gelegenheit auf punkt und komma verzichtet oder jede andere regel nach belieben anwendet ps gerade gegoogelt das setzen von leerzeichen vor satzzeichen nennt man plenken pps vor dem letzten satz im artikel fehlt eins

      • Ob ein Stilmerkmal (oder Fehler) erratisch oder systematisch vorkommt, macht einen grossen Unterschied. Durch systematisches Andersschreiben – beispielsweise durchgehende Kleinschrift – gibt der Autor ein Statement ab, erratisch auftauchende Abweichungen von sonst eingehaltenen Regeln nimmt man dagegen als Fehler wahr und stört sich typischerweise daran.

  6. Jaja, unsere vermeintlichen Sprachbewahrer….

    Dabei hat das Apostrof in „Susi´s Grillimbiss“ durchaus einen sprachlichen Zweck. Es grenzt das Hauptwort von der grammatikalischen Endung ab und betont das Hauptwort damit deutlicher. In der Praxis geschieht das häufig auch durch eine kleinere Schriftgröße des Genitiv-s.

  7. „Was mich stört ist gar nicht mal der Hinweis auf den Fehler. Ich finde die Bezeichnungen geformt mit ‘Depp’ widerwärtig.“

    Schon der Merkspruch „Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich.“ (oder so ähnlich) ist ziemlich knackig. Mir hat´s geholfen. Und so verstehe ich nämlich die Bezeichnung Deppenapostroph in erster Linie auch nicht als Beleidigung, sondern als Erinnerungsstütze.

  8. Was mich stört ist gar nicht mal der Hinweis auf den Fehler. Ich finde die Bezeichnungen geformt mit ‘Depp’ widerwärtig.

    Die Rechtschreibregeln sind ja außerhalb eines Fachs nicht bindend, ‚Depp‘ ist hier sicherlich auch metaphorisch und salopp gemeint, ansonsten wäre die Formulierung ‚Deppen-Apostroph‘ anmaßend.

    Zudem ist ja nicht jeder Werbetexter oder Germanist, insofern ist der Deppenapostroph ohnehin nachsehbar, korrekt ’nachsehbar‘ gibt es offiziell auch nicht.

    Insgesamt darf sich das Sprachliche betreffend lockerer gemacht werden. – Was auch für Meinungen gilt, die aushaltbar (s.o.) sind, die meisten sind es.

    MFG
    Dr. W

  9. Ludwig Trepl

    Der „Deppenapostroph“ ist kein Deppenapostroph, das „Deppenleerzeichen“ aber ist ein Deppenleerzeichen.

    Wenn man statt Müller’s Müllers schreibt, dann folgt man Konventionen. In diesem Fall ist die Konvention zudem völlig beliebig, es gab einst eine andere. An Konventionen muß man sich nicht halten, und man ist auch kein Depp, wenn man sie nicht kennt.

    Ganz anders steht es mit den Deppenleerzeichen. Ein Leerzeichen da, wo etwas zusammengeschrieben werden muß (oder ein Bindestrich zu stehen hat) ändert in der Regel den Sinn oder zerstört jeden Sinn; letzteres ist vielleicht häufiger. „Zusammen geschrieben“ bedeutet etwas ganz anderes als zusammengeschrieben. Wer das macht, verdient im allgemeinen die Bezeichnung „Depp“ durchaus. Denn ob ein Leerzeichen zu setzen ist oder nicht, hat nur selten etwas mit Konventionen zu tun, auch nicht damit, ob man im Deutschunterricht aufgepaßt hat. So etwas lernt man da nicht. Es hat überhaupt nichts mit Wissen zu tun, gar in der Schule erlernbarem Wissen, sondern damit, daß man seine Sprache kann. Meinem Eindruck nach besteht da heutzutage zwischen den „bildungsnahen“ und den „bildungsfernen“ Schichten kaum ein Unterschied. Die Kommentatoren im Bildungsbürgerblatt „Zeit“ können kaum besser Deutsch als die in der Bildzeitung.

    Und woran liegt es, daß man seine Sprache nicht kann, wenn es nicht am Wissen liegt? Wenn einer nicht merkt, daß ein „Gmx Nutzer“ keineswegs ein Gmx-Nutzer ist, sondern ein Gmx (was immer das sein mag) namens Nutzer? Jeder könnte das doch merken. Man muß nur etwas aufmerksam sein, muß in diesem Fall merken (und das kann jeder merken, er muß nicht einmal zur Schule gegangen sein, er kann seine Sprache in der Familie und auf der Straße gelernt haben), daß bei „Gmx Nutzer“ „Nutzer“ betont wird, bei Gmx-Nutzer dagegen „Gmx“. Es ist einfach Schlamperei, Wurstigkeit: Ist mir doch egal, ob das, was ich da schreibe, auch das ist, was ich ausdrücken will. Für so etwas paßt das Wort „Depp“ recht gut.

    • Tja, hier könnte einiges entgegen gehalten oder entgegengehalten werden, zu dem was weiter oben zusammen geschrieben oder zusammengeschrieben steht.

    • Joachim Schulz

      Wenn das Zusammenschreiben von Komposita keine Konvention ist, wundere ich mich doch sehr, dass es in der englischen Rechtschreibung anders geregelt ist als in der deutschen. Und wenn irgendeine Rechtschreibregel keine Konvention ist, was ist sie dann? Naturgesetz?

      • Wenn dem freundlichen Kommentatoren weiter oben gefolgt werden kann, ist das erforderliche ‚Zusammenschreiben von Komposita‘ ein Test der Verständigkeit.

      • Natürlich ist es Konvention, daß man zu einer Kuh Kuh sagt und zu einem Pferd Pferd, man könnte das auch umkehren. Aber wenn z. B. die Konvention lautet: Ein vielversprechender Politiker ist einer, von dem man einiges erhoffen kann, dann kann man nicht einfach durch private Sprachrebellen-Konvention festlegen, daß „viel versprechender Politiker“ eben dies auch meint. Durch Konvention ist nun einmal festgelegt,daß das etwas ganz anderes bedeutet. Darum ist es falsch, wenn man in diesem Fall „viel versprechender Politiker“ schreibt, also beim Sprechen „versprechender“ betont. Dann steht dann etwas anderes da, als dastehen soll.

        Daß im Falle der Getrenntschreibung beim Sprechen „versprechender“ betont werden muß, zeigt: Man trifft nicht oder nur in Ausnahmefällen per Konvention derartige Festlegungen der Bedeutung irgendwelcher Buchstabenfolgen. Wenn man hier allgemein oder doch in zahlreichen Fällen die Schreibweise dem Belieben überlassen möchte, dann zieht das einen Rattenschwanz von weiteren notwendigen Änderungen nach sich, in diesem Falle der Betonungsregeln, die die Schreibweise aller einzelnen Wörter betreffen. Sprachen haben nun einmal (weitgehend) Systemcharakter in dem Sinne, daß man nicht an einer Stelle etwas ändern kann, ohne daß das Folgen an vielen anderen Stellen hat. Die Betonungskonvention ergibt eine höherstufige Regel der deutschen Sprache als eine Regel, wie einzelne Wörter zu schreiben sind. Die Betonungskonvention ist zwar letzten Endes auch Konvention, doch müsse sich nach ihr die einzelnen Konventionen richten. Dagegen im Einzelfall zu verstoßen hat nichts mehr mit einem Nichtbefolgen von Konventionen zu tun, sondern ist eine Sache der Logik. Man handelt einer Regel zuwider, die man doch anerkennt.

        Leute, die mit der Rechtschreibung Mühe haben, verweisen gern darauf, daß in der Sprache irgendwie oder letztlich alles Konvention ist und sie deshalb machen dürfen, was sie wollen. Das ergibt aber kein Argument für ihr Anliegen. Wenn eine Konvention einmal da ist, hat das Konsequenzen. Da kann man nicht mehr sagen „ich mache es halt mal so“, sondern da wird die Logik relevant.

        • Leute, die mit der Rechtschreibung Mühe haben, verweisen gern darauf, daß in der Sprache irgendwie oder letztlich alles Konvention ist und sie deshalb machen dürfen, was sie wollen. Das ergibt aber kein Argument für ihr Anliegen.

          Das Argument kommt von arguere und ist als argutare das Frequentativum, hier steckt auch der Argus drinnen, also eine Metaphorik.
          Konventionen sind wahlfreie Übereinkünfte oder Übereinkommen.
          Insofern darf, auch heute noch, sprachlich getan werden, was gefällt.
          Sprachlich betrachtet.
          MFG
          Dr. W

          • Blühender Blödsinn mal wieder. Man kann zwischen verschiedenen „Konventioen“ wählen, z.B. Französisch und Deutsch. Aber wenn man Deutsch gewählt hat, hat man sich an das zu halten, was die deutsche Sprache vorschreibt. Das bedeutet nicht, daß man sich an das halten muß, was Sprachbeamte wie etwa die Duden-Redakteure oder die Rechtschreibkommission einem vorschreiben wollen. Man kann auch schreiben wie Arno Schmidt. Aber deutsch muß es sein, und das ist in diesem Fall ja der Fall. Wenn das Geschriebene aber „auseinandersetzen“ bedeuten soll und man statt dessen „auseinander setzen“ schreibt, ist das falsch, und wer es tut, darf sich zu recht einen Deppen nennen.

          • @ Herr Trepl :
            Blöd vielleicht, aber sachlich richtig war es schon, was weiter oben angemerkt worden ist von Ihrem Kommentatorenfreund.
            Darauf, dass deutsch Gemeintes deutsch sein muss, kann man sich gerne einigen, weniger darauf, wer dies bestimmt.
            Der Duden ist hier nur eine Hilfe, korrekt.
            MFG
            Dr. W

        • Joachim Schulz

          „Leute, die mit der Rechtschreibung Mühe haben, verweisen gern darauf, daß in der Sprache irgendwie oder letztlich alles Konvention ist und sie deshalb machen dürfen, was sie wollen.“

          Hm, der Ausspruch „An Konventionen muß man sich nicht halten, und man ist auch kein Depp, wenn man sie nicht kennt.“ stammt aber von Ihnen. Wie denn jetzt?

          Ja, genau das war mein Einwand: Ihre Unterscheidung zwischen Konventionen, an die man sich nicht halten muss, und anderen Regeln, die verbindlich sind, funktioniert nicht. Alle Regeln sind Konvention. Daraus folgt zunächst einmal gar nichts.

          • „ „Wie denn jetzt?“

            Ja war das denn nicht deutlich genug? Was wollen Sie denn noch?

            „Alle Regeln sind Konvention. Daraus folgt zunächst einmal gar nichts.“

            2 x 2 = 4 ist keine Konvention. Man kann nicht beschließen, daß 2 x 2 = 7 ist und dann für 4 Flaschen Bier, von denen jede einen Euro kostet, 7 Euro verlangen. Dem Verkäufer würden Sie etwas husten. Auch der Satz vom Widerspruch bzw. die „Regel“, daß man sich daran halten soll, ist keine Konvention. Der Kategorische Imperativ bzw. die „Regel“, daß man sich daran halten soll, ist keine Konvention. Er ist vielmehr etwas, das die Kritik aller moralischen Konventionen erlaubt.

            Vor allem habe ich aber darauf hingewiesen, daß Konventionen Folgen haben, die keine Konventionen sind; man kann die Konventionen wählen, die Folgen aber nicht, die ergeben sich.

          • Joachim Schulz

            @Ludwig Trepl
            „Was wollen Sie denn noch?“

            Gar nichts will ich. Ich wies lediglich darauf hin, dass die von Ihnen beanstandete Behauptung, an Konventionen müsse man sich nicht halten, in dieser Diskussion nur von Ihnen vertreten wurde.

            Ihre weiteren Ausführungen habe ich verstanden, das müssen Sie nicht wiederholen.

          • Ich wies lediglich darauf hin, dass die von Ihnen beanstandete Behauptung, an Konventionen müsse man sich nicht halten, in dieser Diskussion nur von Ihnen vertreten wurde.

            Und vom Schreiber dieser Zeilen. Einmal ganz deutlich: An Konventionen muss man sich nicht halten.
            Im fachlichen Bereich gibt es gute Gründe, bspw. Dokumentationen oder Gesetzestexte betreffend, sich konventionell zu verhalten, an anderer Stelle oft nicht.
            MFG
            Dr. W

          • „Ich wies lediglich darauf hin, dass die von Ihnen beanstandete Behauptung, an Konventionen müsse man sich nicht halten, in dieser Diskussion nur von Ihnen vertreten wurde.“

            Na ja, immerhin auch von Webbär. – Aber kann denn ein heutiger Mensch ernsthaft der Meinung sein, daß man sich an Konventionen halten muß? Mein Vater meinte das einst noch. Er wußte natürlich, daß kurze Haare nur Konvention sind, aber sich nicht an sie zu halten hatte für ihn den Status eines Verstoßes gegen das oberste der 10 Gebote, diese Konvention hatte für ihn den Charakter unbedingten Sollens. Sie werden mir doch nicht erzählen wollen, daß sie ihm zustimmen oder daß Sie glauben, die anderen Teilnehmer dieser Diskussion würden ihm zustimmen.

      • In diesem Falle ist es weder Konvention noch Naturgesetz, sondern sinnvolle Logik.

        Der Grundunterschied im Leerzeichengebrauch zw. DE und EN ist: Im DE dienen Leerzeichen ausnahmslos als Worttrenner. Im EN dagegen auch als Trenner von Bestandteilen der Komposita, also innerhalb von (zusammengesetzten) Wörtern. Das hat seine guten Gründe:

        Im EN kann man aufgrund der komplizierten Laut-Buchstaben-Zuordunng die Aussprache nur dann einigernaßen schnell ableiten, wenn man Anfang und Ende der Einzelwörter sieht. Die Information „Wortende“ ist nämlich relevant für die Aussprache eines Buchstabens. Im DE ist dieses Problem dagegen nur marginal.

        Andererseits stehen im DE oft Subjekt und Objekt direkt nacheinander, ohne Verb dazwischen. Trennt man hier innerhalb von Komposita, ist nicht mehr anhand der Schreibweise zu erkennen, wo das Subjekt aufhört und das Objekt beginnt. Dieses Problem tritt auch bei Namen auf:

        „Es war genial, wie Franz Martin malte“.

        Hier kann man nicht erkennen, ob der Franz den Martin malte oder ein Maler namens „Franz Martin“ malte.

        Vgl. dazu EN:

        „It was brilliant how Franz painted Martin.“
        „It was brilliant how Franz Martin painted.“

        Wenn man im DE Trennzeichen auch innerhalb von Komposita setzt, vergrößert man das bisher kleine Problem um Größenordnungen. Das wärfe ganz schön deppert!

  10. Ludwig Trepl, @ Webbaer.

    „Darauf, dass deutsch Gemeintes deutsch sein muss, kann man sich gerne einigen, weniger darauf, wer dies bestimmt.
    Der Duden ist hier nur eine Hilfe, korrekt.“

    Muß das denn einer bestimmen? War man zu Goethes Zeiten der Meinung, daß das einer bestimmen muß? Bestimmt jemand, wie es in der Mathematik zuzugehen hat oder in irgendeiner Wissenschaft? Nein, auch wenn Wissenschaften Päpste haben, so bestimmen die doch nicht, wie man da zu denken hat. Sondern man bestimmt das nicht, das findet man heraus.

    Und das muß jeder für sich tun. Es ist gut, wenn es dabei Hilfen gibt, wie in den Wissenschaften auch. Der Duden ist eine, aber nur eine. Vorher nahm man i.a. die großen Schriftsteller. Die nahm auch der Duden am Anfang, bevor man sich dort entschied, sich als „deskriptiv statt präskriptiv“ zu verstehen (wohl, um noch leichter präskriptiv wirken zu können) und darum jeden Fehler, wenn ihn nur eine gewisse Anzahl von Leuten macht, aufnimmt und dadurch nobilitiert. (Das lustigste Beispiel ist wohl die Verwechslung von Erhalt und Erhaltung: http://deutsche-sprak.blogspot.de/2011/02/erhalt-und-erhaltung.html)

    • Dr. W an Herrn Trepl :

      Darauf, dass deutsch Gemeintes deutsch sein muss, kann man sich gerne einigen, weniger darauf, wer dies bestimmt.
      Der Duden ist hier nur eine Hilfe, korrekt.

      Muß das denn einer bestimmen?

      Manchmal: ja. Gesetzestexte, Vertragswerke und allgemein Fachliches profitieren von sprachlicher Standardisierung.
      Der offene Diskurs eher nicht.
      Inwieweit Gesellschaften von dbzgl. Standardisierung profitieren, ist eine interessante Fragestellung; der Duden, der deskriptive, müsste dies aus seiner Intention heraus bejahen wollen, der Schreiber dieser Zeilen tut es.
      Nichtsdestotrotz setzen derartige rahmen-gebunden Grenzen, die dem allgemeinen Fortkommen womöglich auch abträglich sein können, die Pop-Musik der 60er war bereits stark von den Normen abweichend und heute will jeder „Stotterer“ oder Rapper innovativ werden.
      BTW: Lustig auch die sich häufenden Ergänzungen des Dudens, der meint i.p. politische Richtigkeit weiter ausführen zu müssen.
      Vermutung: Da gibt es Grabenkämpfe unter Dudeisten.
      MFG
      Dr. W

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