Bruchstückhaftes Deidesheim

deidesheim_2012_450px_3Morgens Mitten in der Nacht. Die Welt existiert noch nicht, aber ich muss aufstehen. Einen Zug bekommen. Ich verlasse das Haus und lerne, dass die Welt so ab ungefähr 4:30 Uhr aufgebaut wird, aus einem feuchten Dunst, den manche Nebel nennen. Der Nebel des Morgengrauens. In Altona treffe ich den zukünftigen Scilogger des Jahres 2012; er weiß es noch nicht. Nach einer Weile gesellt Anatol Stefanowitsch sich zu uns. Professor A.S., der Mann, der den kürzesten Weg hat. Natürlich ist er zuletzt da. Abgesehen vom Zugführer samt Zug, der lässt auf sich warten.

Setzen Sie hier irgendeines ihrer Zugreiseabenteuer ein. Es wird schon so sein, wie unseres. Außer A Lady Vanishes, dieses Glück* hatten wir in unserem Silver Streak nicht. Dafür kachelte er auch nicht in einen Kopfbahnhof.

Und dann waren wir irgendwann in Deidesheim. High Noon. Abends ins Maxims, das hier ein besser ungenanntes Weingut war.

Aber wir haben auch gearbeitet. Hart. Kaum waren wir Nordlichter bei den nicht ganz so hellen Südverdunklern angekommen, gabe es – Nein, keinen dringend nötigen Kaffee. Einen Vortrag. Über Wissenschaft als Prozess des Austausches. Mit anderen Wissenschaftlern. Mit Lernenden. Mit dem einfachen Menschen auf der Straße, den wir als ‚Öffentlichkeit‘ hypen. Auch sozialwissenschaftliche und juristische Einsichten gab es, allerdings von anderen Vortragenden.

Gelernt haben wir auch was, ich z.B., dass Menschen seit Jahren schreibend und bloggend unterwegs sein können, ohne auch nur eine dunkle Vorstellung von rechtlichen Randbedingungen zu haben. Ach ja, moderne Präsentationstechnologien helfen selten. Nichts geht über anständige Vorbereitung, neu schreiben, üben, umschreiben, üben, kürzen, ändern, üben vor dem Spiegel … sowie eine gnz klassische, dunkelgrüne Tafel, auf der während des Vortrags entwickelt und geschrieben wird.

Tipp für alle, die gut vortragen möchten: Auf YouTube mal Vorlesungen Richard Feynmans finden.

 

 

*Weil ich doch Abenteuer so mag, nicht, weil ich einer Dame Übles wünsche.

Nach dem Abitur habe ich an der Universität Hamburg Anglistik, Amerikanistik, Soziologie und Philosophie studiert. Den Magister Artium machte ich 1992/93, danach arbeitete ich an meiner Promotion, die ich aus verschiedenen Gründen aufsteckte. Ich beschäftige mich meist mit drei Aspekten der Literatur: - soziologisch [Was erzählt uns der Text über die Gesellschaft] - technisch [Wie funktioniert so ein Text eigentlich] - praktisch [Wie bringen wir Bedeutung zum Leser] Aber auch theoretische Themen liegen mir nicht fern, z.B. die Frage, inwieweit literarische Texte außerhalb von Literatur- und Kunstgeschichte verständlich sein müssen. Oder simpler: Für wen schreiben Autoren eigentlich?

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