Venus im größten Glanz

Die Venus ist das dritthellste Himmelsobjekt. Nur Sonne und Mond sind heller als der zweitinnerste Planet unseres Sonnensystems. Am 19. Februar wird unser Nachbarplanet am Abendhimmel mit einer Helligkeit von -4,5 mag in ihrem "größten Glanz" erstrahlen.

Seit Wochen ist die Venus sehr auffällig am abendlichen Westhimmel zu sehen, übrigens im Sternbild Fische. Schon bei Einbruch der Dämmerung ist sie als Lichtpunkt nicht zu übersehen. Die Venus, die entweder am Morgenhimmel oder am Abendhimmel sichtbar ist, heißt im Volksmund "Morgenstern" bzw. "Abendstern". Eine Bezeichnung, die verwirrt, weil die Venus als Planet unseres Sonnensystems lediglich das Licht der Sonne reflektiert. Die dichte Atmosphäre der Venus erhöht ihr Leuchten, gestattet dafür keinen direkten Blick auf ihre Oberfläche.

Wieso nun wird die Venus am 19. Februar "in ihrem größten Glanz" erstrahlen? Es sind die beiden Faktoren Erdnähe und beleuchtete Venusfläche, welche diesen Zeitpunkt bestimmen, an dem die Venus am meisten Sonnenlicht in Richtung Erde reflektiert. Oder fachlich korrekt formuliert: Die scheinbare Helligkeit der Venus ist abhängig von ihrem scheinbaren Durchmesser sowie ihrer Phase. Seit die Venus am 14. Januar 2009 ihre größte östliche Elongation von 47°07´ erreicht hatte, nimmt sie an Helligkeit und scheinbarem Durchmesser zu. Gleichzeitig "nimmt sie ab", ihre Sichel wird schmaler. Am meisten Sonnenlicht reflektiert die Venus etwa 35 Tage vor bzw. nach der unteren Konjunktion. Dann kommt sie auf ihrer Bahn der Erde recht nahe wir sehen ein rundes Drittel der beleuchteten Venusoberfläche: Die Venus strahlt "in ihrem größten Glanz".

Abb. 1: Die Venus "im größten Glanz" am 19.02.2009 gegen 19.00 Uhr etwa 25 Grad über dem Westhimmel im Sternbild Fische.

Im Fernrohr ist es spannend, die Phasen der Venus zu beobachten: Nur vor oder nach einer oberen Konjunktion sehen wir sie als kleines, nahezu rundes Scheibchen, das einen Durchmesser von knapp 10" hat. Wächst ihr Winkelabstand von der Sonne an, nimmt ihr Abstand zur Erde ab und sie erscheint perspektivisch größer. Zur größten östlichen Elongation erscheint die Venus als abnehmende Sichel. Im weiteren Verlauf ihrer Bahn um die Sonne strebt sie der unteren Konjunktion zu und ihr Winkelabstand zur Sonne nimmt wieder ab: Ihre Sichel wird kleiner, während sie weiterhin perspektivisch größer wird. Bis zum Punkt der unteren Konjunktion, an dem ihr maximaler scheinbarer Durchmesser 60" beträgt.

Abb. 2: Schema zur Erläuterung von "Konjunktion", "Opposition" und "Elongation".

Weil die Venus in diesen Tagen erst gegen 21.30 Uhr untergeht, bleibt genug Zeit, sie zu betrachten, oder im Fernrohr zu beobachten. Ich stelle mir den erstaunten Galileo Galilei (1564 – 1642) vor, der vor genau 400 Jahren mit seinen kleinen Teleskopen die Phasen der Venus entdeckte. Er hatte zwar keinen lichtverschmutzten Sternhimmel, dafür optische Geräte, über die heutige Sterngucker mit ihren Supergeräten nur müde lächeln. Ein kurzes Lächeln, das im Vergleich der Leistungen Galileis mit den eigenen schnell erstirbt.

Vermutlich wird es – wolkenfreie Abende vorausgesetzt – in diesen Tagen wieder mehr UFO-Sichtungen geben als sonst. Schließlich ist nicht jedem UFO-Gläubigen bewusst, es bei der Venus mit einem seit Anbeginn der Kulturgeschichte beschriebenen, bedichteten, besungenen und verehrten Himmelsobjekt zu tun zu haben.

Ein Scherz am Rande zur allgegenwärtigen Sprach-Verwirrung: Wie heißt es eigentlich korrekt? "Venus in größtem Glanz" oder "Venus im größten Glanz"? Ganz klar: Die zweite Variante ist sprachlich korrekt, die erste verärgert Deutschlehrer und Sprachpuristen. Dennoch ist beides in der Literatur und im Netz zu finden. 😉  Ohne Zweifel ganz daneben ist "Venus im größtem Glanz", zu lesen in einem der aktuellen astronomischen Jahrbücher. 🙂

Clear Skies!

Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

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