Mond bedeckt Venus

Seit Tagen schon strahlen Venus und Jupiter unübersehbar am Abendhimmel. Heute Abend gesellt sich der junge Mond mit seiner erst schmalen Sichel hinzu – und bedeckt für etwas mehr als eine Stunde die Venus!

Es lohnt heute am frühen Abend also ganz besonders, den Blick in Richtung Südwesten zu richten. Die Venus überholt Jupiter südlich und wird vom Mond eingeholt. Kurz nach 17 Uhr schiebt sich dann der Mond über die Venus. Der Eintritt der hellen Venus erfolgt über den unbeleuchteten, linken Mondrand, und es dauert etwa fünfzig Sekunden, bis der Mond den Planeten vollständig bedeckt. Nach rund einer Stunde und 20 Minuten taucht die Venus wieder rechts unten am hellen Rand der schmalen Mondsichel auf. Der Venus-Eintritt wird – bedingt durch den größeren Kontrast zwischen unbeleuchtetem Mond und heller Planetenscheibe – deutlicher sichtbar sein, als der Venus-Austritt. Die genauen Zeiten des Himmelsspektakels sind abhängig vom Beobachtungsort: In Hamburg bedeckt der Mond um 17:02:13 Uhr die Venus, in Wien erst um 17:18:31 Uhr (jeweils Beginn der Bedeckung). Venus taucht in Hamburg am südwestlichen Mondrand um 18:23:34 Uhr wieder auf, in Wien hingegen um 18:26:43 Uhr (jeweils Beginn des Austritts).

Mit bloßem Auge ist das Himmelsschauspiel bereits zu sehen, wer aber ein Fernglas hat, sollte dieses nutzen. Noch besser ist der Blick durch ein Teleskop: Weil Jupiter während der Bedeckung nur 1,8 Grad nördlich des Mondrandes stehen wird, können die drei Gestirne mit niedriger Vergrößerung und großem Gesichtsfeld eines Übersichtsokulars gemeinsam beobachtet werden. Auch die Phase der halb beleuchteten Venus ist im niedrig vergrößernden Teleskop schon gut zu sehen. Der Beobachter hat dann drei Himmelsobjekte im Blick, deren Licht die Netzhaut des Auges nach 42 Minuten (Jupiter), 8,4 Minuten (Venus), bzw. 1,4 Sekunden (Mond) erreicht haben wird.

Es ist noch genügend Zeit bis zur Tagesschau, denn Mond, Venus und Jupiter entschwinden nach 19 Uhr unter dem Horizont. Hoffen wir für den frühen Abend also auf gutes Wetter sowie klare Sicht, um dieses seltene Himmelsereignis genießen zu können!

Clear Skies!

Stefan Oldenburg

Nachtrag 1, 1.12.2008, 17:20 Uhr:

Schade, dichte Wolken über dem Rhein-Neckar-Raum geben den Blick auf dieses Himmelsschauspiel von hier aus leider nicht frei; ich hoffe, anderswo haben Sternfreunde mehr Glück.

Nachtrag 2, 2.12.2008, 17:25 Uhr:

Hier ein Foto, das ich eben, kurz nach 17 Uhr aufnahm; die Wolken gaben den Blick auf die drei Gestirne Mond, Venus und Jupiter für wenige Minuten frei, recht genau 24 Stunden nach der Bedeckung der Venus durch den Mond. Spannend zu sehen, wie weit der Mond seither am Firmament gewandert ist. Schön, dass doch gestern einige die Gelegenheit hatten, dieses seltene Himmelsschauspiel mit eigenen Augen sehen zu können!



Quelle: Heidelberg-Fotografien von Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Keine Chance in Darmstadt. 🙁

    Dafür war am Donnerstag und Freitag das Gespann ISS-Endeavour gut zu sehen, am Freitag sogar kurz nach der Abkoppelung.

  2. Mond/Venus/Jupiter :))) E/MH

    Super Sicht über Essen/Mülheim a. d. Ruhr! Bewölkt an sich ja, aber wie durch ein Wunder nicht während Eintritt/ Austritt! Konnte beides sekundengenau mit Fernglas verfolgen und noch bis 18:30 Uhr gut beobachten, dann rasches Zuziehen und endgültig keine Sicht mehr. Aber es war wirklich wunderschön, like diamonds on a string! Heute null Sicht, Nieselregen 🙁

    to Michael: ISS-Endeavour?! *Neid*

  3. Nichts gesehen!

    Das war schon schade. In 24 Jahren, bei der nächsten sichtbaren Venusbedeckung durch den Mond, bin ich so alt, dass ich wohl nicht mehr dabei bin. Das habe ich verpasst. Aber was soll es. Ich halte es mit Hägar dem Schrecklichen: „Wenn man die Sterne am Himmel so sieht, könnte man ehrfürchtig werden: Sie sind so klein und wir so groß.“

  4. Venusbedeckung am Taghimmel

    Hallo Horst,

    24 Jahre wirst du nicht warten müssen. Dann findet zwar die nächste Venusbedeckung am Nacht/Dämmerungshimmel statt, aber davor kommt es noch einige Male zu Bedeckungen am Taghimmel. Und die sind, klares Wetter vorausgesetzt, gut zu beobachten, am besten mit einem kleinen Teleskop.

    Jan

  5. Jede Menge Bilder der Konstellation

    Eine erste große Sammlung ist hier erschienen – und seither ist jede Menge weiteres tolles Bildmaterial eingelaufen (v.a. aus Indien übrigens). Das kosmische Trio ist zu einem weltweiten Astro-Festival geworden, ein guter (wenn auch etwas verfrühter) Startschuss zum IYA 2009.

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