Die Natur des Glaubens – Video

Braincast 124

Ein Video-Interview mit dem Stuttgarter Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume. Es geht um handfeste soziale und evolutionäre Vorteile, die die Religion mit sich bringt, die Vermutung, dass auch mögliche andere Wesen im Universum religiös wären – und um echten Glauben. Und wir lernen, dass mein Hund sich nicht für die Thesen von Detlef Linke interessiert.

 


Braincast 124 – Die Natur des Glaubens from Anita Leyh on Vimeo.

Hier die Links zu Michael Blume´s´Blog Die Natur des Glaubens und seine Website über Religionswissenschaft.

Für mich ist jetzt Urlaub, und bis zum nächsten Mal dauert es wieder zwei Wochen. Dann verkünden wir auch die Gewinner des Buches Gedankenlesen von Stephan Schleim. Einsendeschluss ist der morgige Samstag …

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www.nurindeinemkopf.de

Nach diversen Artikeln und zwei Büchern zwischen Geist und Gehirn hier der Podcast. Wichtigster Punkt: die Übersetzung der aktuellen Erkenntnisse in verständliche Sprache, praktischen Alltag und guten Humor.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Evolutionary Religious Studies

    Aha, pdf’s werden von den ERS-Mitgliedern ausgetauscht. Das klingt ja richtig wissenschaftlich. Wenigstens keine Word-Dokumente 🙂

    Im Ernst: ERS (Evolutionary Religious Studies) ist ein von der Templeton-Stiftung finanziertes Netzwerk, über dessen „Forschungs“-Aktivitäten man sich auf Evolutionary Religious Studies informieren kann.

    Über die Templeton-Stiftung schreibt die (ideologischer Voreingenommenheit sicher unverdächtige) Wochenzeitung „Die ZEIT“:

    „Die John Templeton Foundation aus Philadelphia ist zu einem Feldzug
    angetreten, um das westliche Weltbild des aufgeklärten Rationalismus
    zu retuschieren. […] Im fundamentalistischen Sinne christlich wird
    man sie nicht nennen können, da sie einen überkonfessionellen
    Begriff von Spiritualität und Gott vertritt. Selbst Atheisten werden
    gefördert, und ein Glaubensbekenntnis hat niemand abzugeben.
    […]
    Sie zielt überaus geschickt auf eine Diffusion der Disziplinen, im
    Mindesten auf die Durchlässigkeit von Hardcore-Naturwissenschaften
    für spirituell-religiöse Anliegen. Templeton will den Dialog
    zwischen Naturwissenschaften, Theologie und Religiosität;
    zweidimensionale Forschung (flat science) fördert die Stiftung
    nicht.
    […]
    Die wissenschaftlich höchst zweifelhafte Neurotheologie
    hat inzwischen Schule gemacht. […] Wer wie die Templeton-Ritter am
    naturwissenschaftlichen Transzendenzbeweis arbeiten lassen will,
    setzt den Hebel am Drittmitteldiktat der Universitäten an und
    schleust seine Trojanischen Pferde auf elegante Weise in die
    Hochschulfakultäten ein, die gezwungen sind, projektbezogene
    Forschungsgelder bei nichtuniversitären Institutionen oder
    Organisationen einzutreiben. […] seither bekennen sich immer mehr
    Physiker, Chemiker und Biologen öffentlich zu den Grenzen ihres
    Wissens; seither halten sich, auch in Europa, finanziell
    ausgeblutete Akademien mit Templeton-Geld über Wasser.
    […]
    Es ist
    der antiaufklärerische Versuch, ausdifferenzierte Systeme zu
    entdifferenzieren, den Wissenschaftsbetrieb metaphysisch zu
    vereinnahmen und formale Evidenz nachprüfbarer Resultate auf die
    substanzielle Evidenz einer verifizierten Transzendenz zu
    reduzieren.“

  2. Mir stellt sich die Frage, ob es in der bekannten Geschichte erfolgreiche Alternativen zur Religiosität gegeben hat? Ist es unser unausweichliches Schicksal auf Dauer mit der Religion zu koexistieren?

  3. interessant

    Nur kurz vom Handy: ich wäre sehr überrascht, mit Michael einen Kreationisten interviewt zu haben-ich kenne ihn eher als sehr offenen Geist. Und ich bin gespannt auf die Antwort.

    Dass es allerdings Alternativen gibt, davon bin ich überzeugt: Religion nicht Spiritualität. Die ist flexibler und nicht notwendigerweise jenseitig.

    Die „Koexistenz“ ist vielleicht nicht das Problem. Also, hier, diesseits des Bible Belt. Aber die Formulierung ist sehr nett 🙂

  4. @ Arvid Leyh

    Die Frage verstehe ich jetzt nicht. Von Kreationismus war im ZEIT-Artikel ausdrücklich nicht die Rede. (Ich hatte übrigens die Quellenangabe vergessen: es handelt sich um die ZEIT vom 4.5.2006.)

  5. @ Arvid

    Danke für das tolle Interview! Hat riesig Spass gemacht und habs auch gleich auf meinen Blog gestellt!

    Interview bei Braincast mit Arvid und Anita Leyh

    Zu @ Thilo:

    Selbstverständlich lehne ich Kreationismus strikt ab und gehöre weder in irgendeiner Weise zur Templeton-Stiftung (wobei auch das keine Schande wäre, in Deutschland finanzieren sie mehrere Projekte an Universitäten, meine Arbeiten habe ich bislang aber stets z.B. im Rahmen von Lehraufträgen an religionswissenschaftlichen Instituten durchgeführt bzw. selbst bezahlt). Zum Netzwerk der Evolutionary Religious Studies hat mich David Sloan Wilson eingeladen, einer der derzeit bekanntesten und angesehensten Evolutionsbiologen unserer Zeit – und nie hat jemand versucht, auf meine Forschungen Einfluss zu nehmen.

    Das Buch zum Forschungsprojekt (Arbeitstitel „Gott, Gene und Gehirn“) veröffentliche ich übrigens (geplanter Erscheinungstermin Oktober) gemeinsam mit dem Biologen, Philosophen und Wissenschaftsjournalisten Rüdiger Vaas, der zum Beirat der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung gehört. Auch da also: Weder ein religiöser Bias noch gar Kreationismus oder sonstwas.

    Ich verstehe ja, dass manchen die Daten und Befunde zu einem empirisch nachweisbaren „biologischen Nutzen“ von Religion nicht in die Weltanschauung passen – aber sie sind und werden im normalen Gang als Artikel, Vorträge und nun auch Buch veröffentlicht, stehen teilweise auch im Internet und können frei und fair diskutiert und ggf. auch falsifiziert werden. Es wäre also nett, lieber @Thilo, doch endlich die persönlichen Unterstellungen, mit denen Sie mir seit einiger Zeit – ohne dass wir uns je begegnet wären – quer durch das Internet nachstellen, zu unterlassen und stattdessen, wenn Sie wollen, sachlich und wissenschaftlich zu diskutieren.

  6. @ adenosine

    Danke für Ihre, wie immer sehr präzisen & weiterführenden, Fragen!

    „Mir stellt sich die Frage, ob es in der bekannten Geschichte erfolgreiche Alternativen zur Religiosität gegeben hat?“

    Das hängt wohl von der Definition von „erfolgreich“ ab. Streng evolutionsbiologisch gesehen würden wir ja den Reproduktionserfolg über mehrere Generationen hinweg betrachten – und da gibt es m.E. bislang keine einzige säkulare Gemeinschaft, die auch nur wenige Generationen hindurch z.B. den Reproduktionserfolg von Amischen oder orthodox-jüdischen Gemeinden aufwiese. Insofern würde ich sagen: Natürlich kann individuelles und gemeinschaftliches Leben auch ganz ohne Religion diesseitig glücken, das reproduktive Potential von Religionen ist aber bisher wohl noch nicht erfolgreich substituiert worden.

    „Ist es unser unausweichliches Schicksal auf Dauer mit der Religion zu koexistieren?“

    Wie auch im Interview geschrieben, können Prognosen immer nur Prognosen sein – und sie werden umso unsicherer, umso länger man sie in die Zukunft weist (ich hatte mal ein ganzes Seminar über religionswissenschaftliche Prognostik gemacht, das hat Freude gemacht, war gut besucht, aber auch anstrengend und z.T. natürlich auch Neuland). Aber ich würde schon so weit gehen zu sagen: Bisher deuten die empirischen Befunde eher darauf hin, dass Religiosität demografisch, kulturell und auch biologisch eher weiter an Bedeutung gewinnt. Und ich plädiere dafür, sowohl die Chancen wie auch Risiken dieser Entwicklungen zu thematisieren und verantwortungsvoll damit umzugehen (zu lernen).

  7. Kleiner Service

    So, und zum Abschluss zu den drei angerissenen Themen die Links:

    Der Überblicksartikel über Glücksforschung und Glauben.

    – Eine Darstellung der (m.E. faszinierenden) „Linkeschen These“ von Detlef Linke.

    – Und der inzwischen in einem Sammelband an der Uni Gießen erschienene Vortrag zur „Bio-Logik der 10 Gebote“ (PDF).

    Allen Interessierten vielen Dank, ggf. viel Freude an den Texten – und von hier aus eine gute Nacht! 🙂

  8. „Otto Normalchrist“? Antiaufklärerisch?

    Zunächst zu Thilo: Ich finde, das sollte mit INHALTLICHEN Argumenten unterfüttert werden, wenn man den schweren und für mich ganz unverständlichen Vorwurf erhebt, die NATURWISSENSCHAFTLICHE Erforschung von Religiosität wäre „antiaufklärerisch“.

    Was soll das? Ist Richard Dawkins, der bekanntlich sich über die selben Fragen Gedanken macht, plötzlich „antiaufklärerisch“?

    Aber zum Interview insgesamt: Wunderbar! Nur hätte man sich doch manchmal auch ein bischen kritischere Fragen an Michael gewünscht.

    Religiosität ist nicht gleich Religiosität. Die heute von „Otto Normalchrist“ gelebte Religiosität unterscheidet sich in ihren demographischen Folgen von gelebtem Atheismus nur minimal.

    „Evolutionsstabile“ Religiosität ist das schon lange nicht mehr. Und ich finde, das wird zu oft unterschlagen.

  9. Urlaub vorbei

    Da kann man nicht in Urlaub gehen, ohne dass hier große Fragen aufgeworfen werden – aber so muss es sein. Hier der Versuch einer Sammelantwort:

    @ Thilo:
    offensichtlich gibt es einen Gott und er beschützt die Seinen – andernfalls hätten Sie wohl kaum in einem wissenschaftlichen Blog solche Spamfilterprobleme qed 🙂

    Im Ernst, es ist meiner Meinung nach ein Unterschied, nach der evolutionsbiologischen/-psychologischen Sinnhaftigkeit von Religion zu fragen – die es nach meiner Datenlage/Einschätzung auch gibt – und andererseits damit schlussendlich missionieren zu gehen. Meine Meinung zu letzterem habe ich in all den Braincasts mit deutlichen Ausrufezeichen versehen, aber bevor ich das nicht im politisch-globalen Kontext bespreche, werde ich dem Thema nicht gerecht. Ob ich mich in dieses Haifischbecken wagen will – von wegen eigener Episode – weiß ich noch nicht …

    Meine Position zu ersterem jedenfalls ist eine sehr neugierige – und daher

    @ Ingo / kritische Fragen

    war ich auch sehr froh, in Michael einen kundigen Forscher zu finden, der eben auch glaubt, ganz im Gegensatz zu mir, der ich schon damit hadere, meinen Glauben, nicht an einen Gott, aber doch an einen höheren Sinn, in all diesen hirnigen Erkenntnissen eingebüßt zu haben.

    Ich nehme gern den Hinweis mit den kritischeren Fragen an, aber hier war der Ansatz, eine andere als meine Position zu Wort kommen zu lassen.

    @ Michael

    Ja, war sehr schön! Danke auch noch Mal für die Führung!

    Und an mich: Das Verhältnis von Religion und Spiritualität weiter auszuarbeiten, wäre bestimmt spannend. Da werde ich allerdings aufpassen müssen, dass es nicht zu Zen-lastig wird. Mmmhh.

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