Moskitos und Pilzinfektionen

researchblogging Philipp sagt Philipp sagt:
Über Malaria, Moskitos und diverse Bekämpfungsstrategien gabs hier ja schon öfters was zu lesen. Sich ausbreitende Resistenzen bei Malaria-übertragenden Moskitos gegenüber verschiedenen Insektiziden stellen ein wachsendes Problem für die Menschheit dar, es gibt immer mehr resistente Stämme denen die herkömmlichen Mittel nichts mehr antun können.

Über eine weitere Methode der Resistenzbekämpfung (für andere mögliche Methoden darf man gerne im Archiv rumwuseln) erschien vor ca. einem Monat der Artikel "Fungal infection counters insecticide resistance in African malaria mosquitoes" bei PNAS.
Wie der Titel schon verrät, behandelt der Artikel die Auswirkungen einer Pilzinfektion auf vorhandene Insektizidresistenzen.
Die Idee dahinter klingt ja recht logisch: Pilz-infizierte Moskitos müssen einen Teil ihrer Ressourcen darauf verwenden, den Pilz zu bekämpfen. Die Ressourcen fehlen dann zur Herstellung der Enzyme, die dem Insektizid-Abbau dienen, sie sind also anfälliger gegenüber Insektiziden (der genaue Mechanismus ist noch unbekannt).

Die Forscher haben dies an 4 resistenten Moskito-Stämmen mithilfe zweier Pilzarten (wers wissen möchte: Metarhizium anisopliae und Beauveria bassiana) ausprobiert. Nach maximal 20 Tagen waren alle Moskitokolonien tot – je nach Stamm war die Sterblichkeit unterschiedlich ausgeprägt, was aber eventuell einfach mit verschiedenen Lebenserwartungen als mit Pilzresistenzen zu tun haben kann (Moskitos leben in freier Wildbahn normalerweise 1-2 Wochen). Trotzdem lag die Pilz-Infektionsrate sehr hoch: Circa 95% der untersuchten Moskito-Leichen wiesen eine erfolgreiche Pilz-Infektion auf.

Bei allen Moskito-Stämmen schoss die Sterblichkeit signifikant in die Höhe; z.B. waren bei der Permethrin-resistenten Stechmücken-Art Anopheles funestus nach 24h nach Permethrin-Behandlung 5% der nicht-Pilz-infizierten tot, während ca. 40% der Pilz-infizierten Moskitos das Zeitliche segneten.
Zur Gegenprobe wurden u.a. DDT-resistente Stämme (mit und ohne Pilz-Infektion) mit Permethrin behandelt. Die nicht-infizierte Kolonie war nach 24h zu 30% tot – während die beiden infizierten Kolonien zu 75% bzw. 60% dahingerafft wurden (Es gibt noch mehr Ergebnisse zu den anderen Stämmen – aber grob gesagt sehen die alle gleich aus, nicht-infiziert = niedrige Sterblichkeit, infiziert = hohe Sterblichkeit).

Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass mit Pilzen infizierte Insektizid-resistente Stechmücken wieder empfindlicher gegenüber Insektiziden werden. Eine wichtige Erkenntnis im weiteren Kampf gegen Moskitos und den Krankheiten, die sie übertragen – und da Pilze relativ langsam töten, ist der evolutionäre Druck auch nicht so groß. Infizierte Weibchen haben unter Umständen noch genug Zeit, um Nachkommen zu erzeugen, so dass sich eine Resistenz gegenüber den Pilzinfektionen nur langsam entwickeln dürfte.

P.S.: Ich hasse Moskitos und stells mir unglaublich ekelhaft vor den ganzen Tag mit den Mistviechern im Labor zu verbringen. Man sitzt vor ner durchsichtigen Plastikbox voll mit diesen Brechreiz-verursachenden langen, unnatürlich angewinkelten Beinen, diesen fiesen Stechrüsseln und garantiert hauen während der Arbeit alle paar Minuten welche aus der Box ab um die Luft ein wenig schwärzer zu färben.
Und erst der asoziale Flugton! Bah. Und die Angewohnheiten! Anstatt einen direkt im Schlaf schön in den Arm zu stechen, sich ein bisschen Blut abzuzapfen und dann abzuhaun, nein, Moskitos und alle anderen Stechmücken müssen erst die halbe Nacht direkt am Ohr vorbeifliegen um sich direkt danach irgendwo zu verstecken, damit man auf keinen Fall mehr als ne Stunde durchschlafen darf.
Stechmücken – Arschlöcher der Natur.


Farenhorst, M., Mouatcho, J., Kikankie, C., Brooke, B., Hunt, R., Thomas, M., Koekemoer, L., Knols, B., & Coetzee, M. (2009). Fungal infection counters insecticide resistance in African malaria mosquitoes Proceedings of the National Academy of Sciences, 106 (41), 17443-17447 DOI: 10.1073/pnas.0908530106

Veröffentlicht von

Philipp hat einen Bachelor in Biologie, ein Graduate Certificate in IT und studiert momentan für seinen Master in IT in einem übertrieben großen Land voller Spinnen und Schafe. Für die Bierologie schreibt er zumeist über Biologie, Evolution und allem was an den Rändern der Gebiete noch so angeschwemmt wird.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Phillip,

    ich habe deinen interessanten Artikel gelesen.
    …gilt dasselbe auch für Spinnen?
    Ich und meine Familie sind an Morgellons erkrankt.
    Es hat etwas mit Spinnen und Pilze zu tun.
    Im ganzen Haus breiten sich Spinnen aus.
    Mir fällt auf das sich die Spinnen auch in der Natur etrem vermehren.
    Vielleicht hast du hierzu eine Antwort

  2. Hallo Martin,
    wie lange bist Du schon erkrankt?
    Ich kaempfe seit 7 Jahren mit den Symptomen, die leider immer schlimmer werden.
    Nachdem ich deinen Kommentar gelesen habe, dachte ich zuerst, dass ist subjektiv und nicht korrekt. Aber je mehr ich darueber nachdenke, um so mehr gebe ich Dir Recht. Es gibt deutlich mehr Spinnen und das ist nicht erst seit dem milden Winter so.
    Gruss
    Kathrin

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