Die Gesetze der Evolution und die Religion

In dem Blog Natur des Glaubens hat Michael Blume einen Artikel von sich verlinkt, der in der Zeitschrift Trilliumreport erschienen ist und den Titel Glauben sie an Gott? Und wenn ja, warum? trägt. Darin geht es, wie so oft in seinen Texten, ob und warum Religion eine evolutionäre Adaption ist die welche Fitnessvorteile erbringt. Als Gründe für die angeblichen Fitness-Vorteile werden – ebenfalls wie so oft – die erhöhte Nachkommenzahl genannte (genau das was biologische Fitness im evolutionären Kontext bedeutet) als auch der bessere Gruppenzusammenhalt, bei dem die Riten der Religion als Erkennungsmerkmal verwendet werden können, aufgezählt.

Das klingt mir nach den gleichen Lagerfeuergeschichten die in der evolutionären Psychologie gerne erzählt werden: Irgendwie plausibel, aber meist nur schlecht/gar nicht durch Fakten oder Beweise gedeckt. Und so weit ich die Quellenlage überblicken kann verhält es sich mit der Evolution des Glaubens auch genauso: Beweise für diese Geschichten findet man nur wenige, die Studien die es dazu gibt und einen Zusammenhang finden kranken oft an ihrer Methodik und unterscheiden beispielsweise nur unzureichend zwischen Korrelation und Kausation.

Aber in diesem Fall sind es gar nicht mal diese Probleme die mich stören, sondern die offensichtlich sehr falsch verstandenen Mechanismen der Evolution, die als Prämisse für die gesamte These herhalten. Denn Michaels Text öffnet mit Nach den Gesetzen der Evolutionstheorie muss Religiösität einen biologischen Vorteil bringen. Wie anders wäre es zu erklären, dass sie sich über mindestens 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte erhalten hat.

Damit ignoriert man dummerweise wesentliche Fortschritte, welche die Evolutionsbiologie in den letzten Jahrzehnten gemacht hat. Denn ironischerweise führen gerade das mathematische Fundament, und damit die „Gesetze“ welche die Evolutionsbiologie seit Jahren stützen, genau dazu, dass man diese simple Idee der Evolution, die man auf die Veröffentlichung von On the Origin of Species datieren könnte, verwerfen muss.

Michael führt an das “schon Darwin” dies oder das vermutet hatte, aber dummerweise ist der gute Charles nun seit 130 Jahren unter der Erde und hat so die Entwicklungen in der Synthetischen Evolutionstheorie verpasst. Darunter so Kleinigkeiten wie die moderne Genetik und die Entdeckung der DNA als Trägermaterial. So hat sich Darwin seinerzeit zwar zur natürlichen und sexuellen Selektion geäußert, dabei einen weiteren – zentralen – Mechanismus der Evolution außer Acht gelassen: Genetischen Drift.

Schauen wir uns für die Erklärung des Drifts aber vorher noch mal kurz an wie die natürliche Selektion funktioniert: Durch eine Mutation (oder auch Einwanderung eines Individuums von einer anderen Population) findet sich z.B. eine neue Variante eines Gens in einer Population. Die natürliche Selektion kann an diesem Gen selbst nicht ansetzen, sondern an der phenotypischen Auswirkung die das Gen mit sich bringt. Wenn ein Gen einen Fitnessvorteil bringt, dann hat der Träger dieser Variante durch die Auswirkungen im Phänotyp eine erhöhte Chance mit Nachkommen in der nächsten Generation vertreten zu sein, damit ändert sich dann die Frequenz mit der man das Gen in der betrachteten Population vorfindet.

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Um das ganze etwas anschaulicher zu machen kann man diese Vorgänge modellieren und dann auch graphisch darstellen. Wir gehen von 2 verschiedenen Allelen A1 und A2 aus, die beide in gleicher Menge in der unendlich großen Population vorkommen. In der oberen Grafik bringt A1 einen Fitnessvorteil und steigt dementsprechend an, so lange bis es schlussendlich fixiert wird. In der mittleren Grafik hat A1 einen Fitnessnachteil und stirbt so langsam aus (bzw. wird sehr selten, da A1 in dem Modell rezessiv ist gibt es auf Individuen die A1A2 tragen keinen Selektionsdruck). Und in der unteren Grafik haben beide Allele den gleichen Fitness-Wert, daher ändert sich an der Verteilung auch nichts. So weit passt das auch alles noch der Prämisse die Michael für seinen Artikel verwendet.

Ganz so einfach ist es aber in der Realität nicht und das hängt mit den Bedingungen zusammen die wir für unseren Versuch verwendet haben: In der Realität gibt es keine unendlich großen Populationen! Da Populationen in der Realität eine endliche Größe haben kommen hier Zufallsprozesse ins Spiel. Und genau diesen Einfluss des Zufalls bezeichnet der genetische Drift. Das bedeutet das man trotz eines Allels, welches einen Fitness-Vorteil bringt, ohne Nachkommen ausgeht. Und je kleiner eine Population ist, desto höher ist der Einfluss dieses Zufalls.

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Das ganze kann man auch wieder modellieren. Die beiden Grafiken zeigen der Verlauf der zu Beginn gleichverteilten Allele A1 und A2 über 500 Generationen. Das obere Bild zeigt den Verlauf bei einer Populationsgröße von 10, das untere bei einer Größe von 100 Individuen. Wie man sieht schwanken die Frequenzen für A1 über die Zeit zum Teil stark, aber eines ist allen Kurven gemeinsam (auch wenn man es auf 500 Generationen vielleicht noch nicht sieht): Am Ende wird ein Allel, rein durch die Zufallsprozesse fixiert und das andere stirbt aus. Je kleiner die Population, je schneller funktioniert diese Fixierung, da die Zufallsprozesse eine stärkere Wirkung haben. Und dieses Bild zeigt sich in jeder endlich großen Population.

Für so kleine Populationsgrößen kann es verschiedene Gründe geben. Bekannte Beispiele sind Gründereffekte, die entstehen wenn ein kleiner Teil aus einer Population emigriert, genauso wie die Bottlenecks bei denen die Populationsgröße durch Katastrophen-Ereignisse (Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge, was Hollywood halt so zu bieten hat) mit einem Schlag schrumpft.

Screen Shot 2012-04-29 at 01.44.23 .png

Gerade bei kleinen Populationen kann genetischer Drift sogar dazu führen das jene Allele fixiert werden die einen Fitnessnachteil bringen. Die Grafik hier zeigt eine Population von 100 Individuen. Das Allele A1 bringt einen Fitnessvorteil, ist zu Beginn aber selten und kommt nur mit einer Frequenz von 0,1 vor (z.B. weil es durch Neumutation entstanden ist oder weil Individuen aus einer anderen Population eingewandert sind und es mitgebracht haben). Wie man sieht gibt es Fälle in denen das Allele A1 trotz Fitnessvorteil ausstirbt und so das „schlechtere“ Allele A2 fixiert wird.

Diese Zusammenhänge wurden 1973 von Tomoko Ohta als Nearly neutral theory of molecular evolution beschrieben und lassen sich grob so zusammenfassen: In kleinen Populationen spielt genetischer Drift eine große Rolle, dementsprechend werden Allele schnell fixiert. Allerdings spielt natürliche Selektion hier eine kleine bis gar keine Rolle, da die Effekte des Drifts viel größer sind als die der Selektion. In großen Populationen hingegen ist der Einfluss von genetischem Drift gering, dementsprechend spielt Selektion hier eine größere Rolle. Da der Drift jedoch gering ist dauert es auch viel länger bis ein Allel fixiert ist.

Was man aber hier auf jeden Fall sieht ist: Es gibt Mechanismen die dazu führen das im Laufe der Evolution auch Gene und damit Eigenschaften fixiert werden die keinen Vorteil bringen. Die Prämisse das die Evolution in jedem Fall vorteilhafte Dinge hervorbringt kann man damit hoffentlich endlich ins Reich der Märchen verbannen. Wir können uns also genauso gut eine lustige Lagerfeuergeschichte ausdenken, in der die Entstehung von Religion und Aberglaube keinen Fitnessvorteil bringt. Oder im Gegenteil: Sogar schädlich ist. Und sind damit trotzdem im Rahmen der aktuellen Evolutionsbiologie.

Wer selber mit Parametern wie Fitness-Werten, Populationsgrößen und Allelefrequenzen herumspielen will findet das Programm AlleleA1, welches die Graphen dieses Blogposts erzeugt hat, für Mac OS und Windows hier zum Download.

Veröffentlicht von

Bastian hat seinen Bachelor in Biologie in nur 8 statt 6 Semestern abgeschlossen. Nach einem kurzen Informatik-Studiums-Intermezzo an der TU Dortmund hat es ihn eigentlich nur für ein Stipendium nach Frankfurt am Main verschlagen. Dort gestrandet studiert er dort nun im Master-Programm Ökologie und Evolution. Zumindest wenn er nicht gerade in die Lebensweise der Hessen eingeführt wird. Neben seinen Studiengebieten bloggt er über die Themen, die gerade in Paperform hochgespült werden und spannend klingen.

50 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dem Bezug auf die ET

    Nach den Gesetzen der Evolutionstheorie muss Religiösität einen biologischen Vorteil bringen. Wie anders wäre es zu erklären, dass sie sich über mindestens 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte erhalten hat.

    … kann der Schreiber dieser Zeilen nicht folgen. Wäre das evolutionäre Prinzip adressiert (‚Etwas ist, weil es ist und es ist so wie es ist, weil es so ist, wie es ist.‘ 😉 dagegen schon. Religionen als soziale Großkonstrukte bieten oder boten erkennbar gesellschaftlich viele Vorteile, wobei diese Vorteile heute nicht (mehr) gegeben sein müssen.

    MFG
    Dr. Webbaer (der leider den Visualisierungen nicht immer folgen konnte)

  2. Beiprodukt-These

    Lieber Bastian,

    vielen Dank für den Blogbeitrag. Und, ja, selbstverständlich wäre es auch denkbar, dass sich Darwin getäuscht hätte und Religiosität z.B. durch Drift ohne evolutionären Vorteil entstanden wäre. In der Evolutions- und vor allem Kognitionsforschung zur Religion gibt es auch noch immer Anhänger der „Beiprodukt“-These, nach der Religion keine „eigenen“ Vorteile mit sich bringe, sondern allein aus der Kombination von anderen, erfolgreichen Merkmalen entstanden sei.

    Diese Positionen befinden sich jedoch insgesamt auf dem Rückzug, weil sie die Datenlage nicht treffen. So wird ja der (von Darwin vermutete) Kooperationsvorteil nicht nur vermutet, sondern in Beobachtungen und Experimenten (z.B. von Jesse Bering, Ara Norenzayan u.a.) gefunden. Ebenso ist die durchschnittlich höhere Kinderzahl Religiöser sowohl durch statistisch-quantitative wie auch durch ethnologisch-qualitative Beobachtungen belegt.

    Entsprechende Befunde und Daten haben wir z.B. in „Gott, Gene und Gehirn“ (3. Aufl. 2012) zusammengetragen. Aber auch kostenlos ist z.B. die Titelgeschichte von Gehirn & Geist „Homo religiosus“ mit einer ausführlichen Linksammlung hier verfügbar:
    http://www.gehirn-und-geist.de/…eligiosus/982255

    Auch zur Frage Reproduktionserfolg – Genetik sind erste Publikationen erschienen, z.B.
    Rowthorn, R.: Religion, fertility and genes: a dual inheritance model. In: Proceedings of the Royal Society B 10.1098/rspb.2010.2504, 2010

    Ist die Forschung damit beendet und irgendetwas abschließend „bewiesen“? Selbstverständlich nicht. Empirische Forschung kann beides nie sein und es ist selbstverständlich denkbar, dass Darwin und wir heutigen Evolutionsforscher in diesem Bereich (z.B. auch David Sloan Wilson, Eckart Voland u.v.m.) irgendwann auch im Bezug auf die Evolution von Religion widerlegt würden. Bislang aber deutet die Befundlage sehr deutlich darauf hin, dass Darwin auch in dieser Frage im Wesentlichen richtig lag.

    Wer mag: Hier der Vortrag, den ich dazu auf dem 13. Kongress der europäischen Evolutionsbiologen (ESEB) vor ein paar Hundert Biologen gehalten habe. 🙂
    http://www.scilogs.eu/…gion-at-eseb-2011-lecture

    Oder auch gerne wieder am 17.7. bei der Ringvorlesung Evolution der Tübinger Biologen „live“.

    Beste Grüße!

  3. @Blume

    Meinen Sie jetzt die Evolutionstheorie, die ja auch die Evolution als ‚die unterschiedliche Reproduktion von Genen‘ versteht oder das „evolutionäre Prinzip“, das weitgreifender ist und in der Memetik anzutreffen ist wie auch bspw. in den Wirtschaftswissenschaften?

  4. Hallo Michael,
    erst einmal finde ich es befremdlich wie du hier in den Kommentaren sagt das es selbstverständlich möglich wäre das Religion meine Adaptation ist, während du den Lesern deines Artikels im Trilliumreport suggerierst das die Adaptation nach den Gesetzen der Evolution die einzig mögliche Erklärung ist. Das finde ich den Lesern deines Artikels gegenüber ziemlich unfair, da du sie damit in die Irre führst, man könnte sogar sagen belügst.

    „Ebenso ist die durchschnittlich höhere Kinderzahl Religiöser sowohl durch statistisch-quantitative wie auch durch ethnologisch-qualitative Beobachtungen belegt.“

    Ich möchte gar nicht bestreiten das es eine Korrelation(!) zwischen Religiosität und Anzahl Nachkommen gibt. Allerdings sollte man sich vor Augen halten das diese Korrelation allein keinerlei Aussage über den Kausalzusammenhang erlaubt. Und gerade bei der Anzahl der Kinder und Religiosität gibt so viele andere Variablen die damit interferieren stehen das kausale Zusammenhänge nur extrem schwer möglich sind. So hängt die Anzahl der Kinder statistisch genauso vom Bildungsgrad, IQ und Wohlstand ab.

    Und genau diese Variablen korrelieren ihrerseits wieder mit der Religiosität. Z.B. gibt es Studien die zeigen das je höher der IQ desto geringer die Religiosität (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160289608000238). Dementsprechend ist es statistisch notwendig für all diese Faktoren zu korrigieren um zu überprüfen ob der Faktor „Religion“ alleine überhaupt(!) mit der Anzahl an Nachkommen korreliert. In allen Studien die ich bislang gelesen habe wurde genau das sträflich vernachlässigt und die Ergebnisse sind damit in meinen Augen ziemlich wertlos. Aber vielleicht kennst du ja Studien die für all diese Drittfaktoren korrigieren und trotzdem einen Zusammenhang finden.

    Analog dazu gelten die gleichen Probleme auch für die Untersuchen zu einer erhöhten Kooperation.Dazu kommt das Problem, dass man nicht davon ausgehen kann das die gleichen Bedingungen wie heute auch bei der Entstehung des Traits gegolten haben. Wenn man sich nur heutige Populationen anschaut gewinnt man nur einen begrenzten Einblick darüber ob es bei der Entstehung einen Selektionsvorteil bedeutet hat.

  5. Religion und Fertilität

    Sofern dieser Zusammenhang als gegeben angenommen werden kann, kann durchaus gefolgert werden, dass eine Korrelation und eine Kausalität vorliegen wird. – Die Feststellung von Kausalität liegt aber letztlich immer im Auge des Feststellenden und in der Welt (vs. Theorie) den beschriebenen Zweifeln unterliegend.

    Eine zweifelsfrei feststellbare Kausalität gibt es nicht einmal in der Physiklehre.

    KA, wie sich eine derartig festgestellte Kausalität genetisch nachweisen ließe, bei der Biologisierung derartiger Sachverhalte scheint man ohnehin schwierig unterwegs.

    MFG
    Dr. Webbaer

  6. Sekundäreffekt

    Religiosität ist nicht in den Genen verankert, sondern ist ein Sekundäreffekt welcher sich aus der fehlerhaften Interpretation von erinnerten Erlebnissen – speziell aus der frühen Kindheit – ergibt.
    Daher wird es Religiosität geben, solange es die Kindheit gibt

  7. BTW

    Zitate benötigen hier White Space nach dem Zitat und lügen tut hier wohl niemand, Piratenkollege.

    Duck & weg!
    😉
    Wb (P. aber nur ehrenhalber)

  8. Fertilität

    @Bastian
    Schöner Artikel. Danke

    @Michael Blume
    Dein argumentum ad nauseam erinnert mich an eine ergooglete Kontroverse aus 2007.
    Wie gehst du mit diesen Aussagen bzgl. Fertilität in der ehemaligen DDR um?
    Dürfte doch eigentlich nach deiner Hypothese nicht sein, oder?

    http://www.handelsblatt.com/…s-mixa/2773766.html

  9. Ich hätte noch eine weiterführende Frage (die eigentlich in den Blume-Blog passen würde, aber ich hoffe, man verzeiht):

    Selbst für den Fall, dass Religion einen „evolutionären“ Vorteil mit sich brächte (also mal unabhängig davon, dass dies zweifelhaft ist und jeder Terminus dieser These eine nähere Definition bräuchte)… was ist damit gewonnen? Sprich: Ist diese Art der Evolutionsforschung, wie Herr Blume sie betreibt, rein deskriptiv? Mir scheint sie oft ins Normative rüberzukippen nach dem Motto „Das Ding hat sich nicht zufällig durchgesetzt, das bringt Vorteile, also sollten wir dabei bleiben.“

    Und dieser Schluss wäre ja erst recht gefährlich/hanebüchen/heikel.

  10. @Michael & Dyrnberg

    Hallo Michael,

    naja, es liegt ja nicht an mir, dass ich es immer wieder „ad nauseam“ wiederholen muss. Wobei mich das Interesse natürlich ebenso freut, wie ich auch verstehen kann, dass es vielen schwerfällt, mit Befunden umzugehen, die nicht so leicht ins eigene Weltbild passen. Da tun wir uns als Menschen nie leicht mit und ich ertrage es ebenso mit Fassung, wie Wissenschaftlergenerationen zuvor auch. 🙂

    Die Befunde aus Ostdeutschland passen (leider) ganz hervorragend: Trotz im Vergleich zum Westen hervorragend ausgebauter Kinderbetreuung und trotz der Abwanderung vieler (Noch-)Nichteltern liegt die Geburtenrate in den zunehmend säkularen neuen Ländern weiter tief unter zwei. Demographisch blühende Landschaften sind auch dort nicht erkennbar und auch kinderreiche, christliche Gemeinden (die u.a. viele Privatschulen gegründet haben und erstaunlicherweise die Zahl der Konfirmationen konstant zu halten vermögen) leiden unter der Abwanderung der jungen Erwachsenen. Trifft also „leider“ zu…

    @Dyrnberg

    Klar hat jeder Mensch auch eine Meinung zu Religion, die wir alle gerne durch Wissenschaft bestätigt sehen wollen. Aber ich darf doch auch darauf hinweisen, dass die allermeisten meiner Kolleginnen und Kollegen in diesem Forschungsfeld Atheisten oder Agnostiker sind. Erst neulich hatte ich zum Beispiel ein neues Buch von Prof. Jesse Bering besprochen, der erklärt atheistisch, erklärt religionskritisch, erklärt homosexuell und kinderlos ist – und dennoch mitforscht und die Ergebnisse teilt:
    http://www.spektrum.de/…evolution-gottes/1133318

    Für ihn ist Gott eben eine „adaptive Illusion“ und wir haben schon manche Stunde damit verbracht, über jene den Kopf zu schütteln, die zwischen Beschreibung und Bewertung von Sachverhalten nicht unterscheiden können.

    Hier hat er übrigens auf Scientific American ebenso prägnant wie humorvoll über meine Forschungen geschrieben:
    http://blogs.scientificamerican.com/…-landslide/

    Also: Auch Atheisten können mit den wissenschaftlichen Befunden leben, wobei ich psychologisch verstehen kann, dass es ihnen manchmal nicht so leicht fällt. Jesse oder auch Susan Blackmore etc. bewundere ich daher für ihre wissenschaftliche Aufrichtigkeit sehr.

    Beste Grüße!

  11. @Michael Blume

    „Die Befunde aus Ostdeutschland passen (leider) ganz hervorragend:…“

    Sie verwechseln Korrelationen mit Kausalität und darauf bauen sie ihre gesamte Argumentation auf (eine From des non sequitur-Argument). Eine Feststellung der Korrelation hat keinerlei Aussage über die Kausalität. Somit entfällt das Fundament ihrer Argumentation. Jedes weitere Wort, dass darauf aufbaut, ist ein leere Wort.

  12. Theoretische Vorannahmen

    …die offensichtlich sehr falsch verstandenen Mechanismen der Evolution, die als Prämisse für die gesamte These herhalten.

    Kann schon sein, dass Michael mit einer einfach verstandenen Evolutionstheorie arbeitet – zu behaupten, es gebe nur ein richtiges Verständnis „der“ Mechanismen der Evolution, scheint mir aber nicht weniger vereinfacht; schließlich wartet hier noch so manche intellektuelle, theoretische, methodische wie empirische Herausforderung.

    Beispielsweise ist die These, dass Mechanismen der Selektion allein am individuellen Phänotypen ansetzen, nur eine Interpretation – sie lässt die heiß debattierte Möglichkeit der Gruppenselektion, die gerade für das Beispiel der Religion (= Gruppenphänomen) von großer Bedeutung sein kann, außen vor (zu einem Überblick der Debatte, siehe z.B. dieses Feature in Nature).

    Das bedeutet das man trotz eines Allels, welches einen Fitness-Vorteil bringt, ohne Nachkommen ausgeht. Und je kleiner eine Population ist, desto höher ist der Einfluss dieses Zufalls.

    Das Hauptproblem scheint mir hier bei der Definition von „Fitness“ zu liegen; daran haben sich schon manche Philosophen der Biologie und Biologen die Zähne ausgebissen. Der Stand der Forschung scheint mir zu sein, dass man Fitness eben nicht unabhängig von der Umwelt und dem tatsächlichen Reproduktionserfolg definieren kann – oder welche Definition von „Fitness“ schwebt dir vor? Das ist sonst schwer mit der Idee des Drifts zu vereinbaren.

    Ferner habe ich in deinem Argument nirgendwo gesehen, dass es sich beim Fall der Evolution der Religion tatsächlich um einen Fall kleiner Populationen handelt, bei dem sich der Effekt des Drifts stark auswirkt; das scheint doch eine wesentliche Vorannahme deines Modells zu sein.

    Ich lese nicht alles, was Michael über die Evolution der Religion schreibt; ich denke, es würde auch zu weit gehen, dass man hier etwas „beweisen“ kann. Korrelationen sind aber doch schon einmal ein guter Anfang – oft haben wir schlicht nichts Besseres – und dafür zitiert er doch zahlreiche Studien.

  13. @Stephan

    Kann schon sein, dass Michael mit einer einfach verstandenen Evolutionstheorie arbeitet – zu behaupten, es gebe nur ein richtiges Verständnis „der“ Mechanismen der Evolution, scheint mir aber nicht weniger vereinfacht; schließlich wartet hier noch so manche intellektuelle, theoretische, methodische wie empirische Herausforderung.

    Richtig ist: Es gibt noch jede Menge offener Fragen. Das ändert aber nichts daran das Michaels These den aktuellen Stand der Evolutionsbiologie, gerade was die Wirkmechanismen angeht, komplett unter den Tisch fallen lässt und stattdessen mit dem vereinfachten «Wenn es etwas gibt, dann muss es einen Fitnessvorteil bringen». Das dem nicht so ist habe ich hier gezeigt.

    Beispielsweise ist die These, dass Mechanismen der Selektion allein am individuellen Phänotypen ansetzen, nur eine Interpretation – sie lässt die heiß debattierte Möglichkeit der Gruppenselektion, die gerade für das Beispiel der Religion (= Gruppenphänomen) von großer Bedeutung sein kann, außen vor (zu einem Überblick der Debatte, siehe z.B. dieses Feature in Nature).

    1. Wieso sollten Verhaltensweisen, z.B. Altruismus, keine Phänotypischen Eigenschaften sein?
    2. Selbst bei der Kin Selection verschwindet das Phänomen nicht, auch bei Kin Selection gibt es Drift da es ein stochastischer Prozess ist.

    Der Stand der Forschung scheint mir zu sein, dass man Fitness eben nicht unabhängig von der Umwelt und dem tatsächlichen Reproduktionserfolg definieren kann – oder welche Definition von „Fitness“ schwebt dir vor

    Ich bediene mich der Definition die Michael selbst verwendet: Den Reproduktionserfolg, gemessen in Nachkommen in der F1-Generation bzw. die Wahrscheinlichkeit n Nachkommen in der F1 zu haben.

    Ferner habe ich in deinem Argument nirgendwo gesehen, dass es sich beim Fall der Evolution der Religion tatsächlich um einen Fall kleiner Populationen handelt, bei dem sich der Effekt des Drifts stark auswirkt; das scheint doch eine wesentliche Vorannahme deines Modells zu sein.

    Da hast du meine Argumentation falsch verstanden. Michael behauptet, in seinem Artikel, der einzige Grund warum etwas von der Evolution fixiert würde wäre natürliche Selektion bzw. weil eine Eigenschaft positiv wäre. Ich habe hier gezeigt das es durchaus andere Mechanismen (i.e. Drift) gibt, die dazu führen das die Evolution etwas fixiert. Damit ist Michaels Prämisse falsch. In wie weit Drift für die Fixierung von Aberglauben zuständig war oder nicht will ich gar nicht beleuchten.

    Ganz abgesehen davon: Drift verschwindet nie, der Einfluss sinkt nur im Vergleich zum Einfluss von nat. Selektion. D.h. selbst in grossen Populationen spielt Drift noch eine (zugegeben kleine) Rolle. Je grösser eine Population wird desto grösser wird also die Wahrscheinlichkeit das Fitnessbringende Allele wirklich fixiert werden. Ohne es durchgerechnet zu haben gehe ich davon aus das der Grenzwert der Fixierungswahrscheinkeit in endlichen Populationen immer einen Wert von kleiner 1 haben wird und die Wahrscheinlichkeit von 1 für positive Allele nur bei unendlich grossen Populationen erreicht wird.

  14. Methodische Frage

    WP meint:

    Evolution ist die Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen von Generation zu Generation.

    Ist Religion überhaupt ein vererbliches (heritable) Merkmal?

  15. @Bastian: Spannende Diskussion!

    Spannende Diskussion – zuerst einmal allgemein:

    Da mein Hotel nicht nur luxuriös ist, sondern leider auch luxuriöse Preise für den Internetzugang hat, kann ich jetzt leider nicht alle Hintergrundartikel lesen. Aus deiner Darstellung wird mir jedenfalls nicht vollständig klar, wo genau Michaels Fehler liegen soll.

    Wenn das Argument tatsächlich ist, dass nur weil etwas existiert, es sich im Laufe der Evolution als Vorteilhaft erwiesen haben muss, dann scheint es mir schon aus ganz anderen Erwägungen falsch zu sein. Krankheiten und eine ganze Anzahl anderer Eigenschaften existieren, obwohl sie offensichtlich nachteilig sind. Michaels Argument scheint mir aber doch vor allem zu sein, dass Religionen die Fitness erhöhen, weil religiöse Gemeinschaften mehr Kinder („größeren Reproduktionserfolg“) haben als andere Gemeinschaften.

    Natürlich habt ihr Recht, wenn ihr darauf verweist, dass Korrelation nicht gleich Kausalität ist; wie man Kausalität misst, ist aber ein ganz anderes theoretisches Problem. Wenn sich solche Korrelationen aber über entsprechend viele Stichproben hinweg finden lassen, dann ist das zumindest ein Hinweis auf einen Zusammenhang; dass dieser immer über eine verdeckte Variable vermittelt sein kann, bringen wir unseren Psychologiestudierenden im Grundstudium bei. Die Methoden, für entsprechende Kovariaten (bsp. IQ usw., worauf du verweist) zu kontrollieren, existieren in jedem Fall schon lang; aber es könnte sein, dass man für entsprechende Stichproben nicht genügend Daten erhoben hat. Dann bleibt es also eine Hypothese – und eigentlich hatte ich nie den Eindruck, dass Michael für mehr als diese Hypothese argumentiert.

  16. @Bastian: Theoretische Details

    1. Wieso sollten Verhaltensweisen, z.B. Altruismus, keine Phänotypischen Eigenschaften sein?

    2. Selbst bei der Kin Selection verschwindet das Phänomen nicht, auch bei Kin Selection gibt es Drift da es ein stochastischer Prozess ist.

    Das Problem der Gruppenselektion ist viel größer als nur Altruismus und Kin Selection. Das geht schon aus der Zusammenfassung hervor, auf die ich verlinkt habe. Die Diskussion scheint mir zu groß, um sie jetzt in deinem Blog auszutragen.

    Nur weil sich etwas als stochastischer Prozess beschreiben lässt, heißt das übrigens nicht, dass es auch ein Zufallsprozess ist.

    Ich bediene mich der Definition die Michael selbst verwendet: Den Reproduktionserfolg, gemessen in Nachkommen in der F1-Generation bzw. die Wahrscheinlichkeit n Nachkommen in der F1 zu haben.

    Dann ist der Effekt des Drifts aber doch per Definition in der Fitness drin. Man sollte dann idealerweise und der Deutlichkeit halber darauf verweisen, dass man Zufälle nicht ausschließen kann.

    Um zu zeigen, dass es sich bei der Selektion der Religiösität aber wirklich nur um einen Zufall handelt, müsste man meines Erachtens durchaus das Argument führen, dass dafür die Voraussetzungen deiner alternativen Sichtweise (bsp. kleine Populationsgröße) zutreffen.

    Michael behauptet, in seinem Artikel, der einzige Grund warum etwas von der Evolution fixiert würde wäre natürliche Selektion bzw. weil eine Eigenschaft positiv wäre.

    Hast du die Zitatstelle dafür griffbereit? Ich finde sie auf die Schnelle nicht.

    Danke.

  17. @Stephan

    Wenn das Argument tatsächlich ist, dass nur weil etwas existiert, es sich im Laufe der Evolution als Vorteilhaft erwiesen haben muss, dann scheint es mir schon aus ganz anderen Erwägungen falsch zu sein. Krankheiten und eine ganze Anzahl anderer Eigenschaften existieren, obwohl sie offensichtlich nachteilig sind.

    Du hast auch im zweiten Kommentar nach dem Zitat verlangt. Es ist oben im Blogbeitrag, aber hier noch mal: „Nach den Gesetzen der Evolutionstheorie muss Religiösität einen biologischen Vorteil bringen. Wie anders wäre es zu erklären, dass sie sich über mindestens 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte erhalten hat.“

    Der Vergleich mit Krankheiten etc. den du bringst hinkt natürlich etwas. Ich gehe mal davon aus das Michael die biologischen Vorteile für Homo sapiens meint. Genauso ist Virulenz für Viren eine Eigenschaft die biologische Vorteile erbringt, das schliesst sich also nicht aus.

    Um zu zeigen, dass es sich bei der Selektion der Religiösität aber wirklich nur um einen Zufall handelt, müsste man meines Erachtens durchaus das Argument führen, dass dafür die Voraussetzungen deiner alternativen Sichtweise (bsp. kleine Populationsgröße) zutreffen.

    Noch einmal, da du mich glaube ich immer noch nicht verstanden hast: Es geht nicht darum ob Religiosität jetzt einen Vorteil erbringt oder nicht. Michaels Argumentation ist aber – siehe Zitat – darauf aufgebaut das es nur diesen Mechanismus gibt: „Nach den Gesetzen der Evolutionstheorie muss Religiösität einen biologischen Vorteil bringen“. Und das ist schlicht falsch. Es gibt „Gesetze“ der Evolutionsbiologie nach denen auch Dinge die keinen Vorteil bringen fixiert werden können. Michael selbst erkennt das hier in den Kommentaren ja auch an. Umso befremdlicher finde ich es das er diese nachweislich falsche Argumentation in seinem Artikel verwendet. Entweder wusste er es nicht besser (was schade wäre, wenn man sich so lange mit einen Thema auseinandergesetzt hat), hat sich einfach nur doof ausgedrückt (kein Beinbruch, passiert jedem mal) oder benutzt diese Argumentation bewusst, was ich bedenklich finde, wenn man so seine Leser in die Irre führen will.

    Ich hoffe du verstehst jetzt was ich eigentlich kritisiere.

  18. @Bastian & @Ano Nym

    Aha, Du hast den Satz „Nach den Gesetzen der Evolutionstheorie muss Religiösität einen biologischen Vorteil bringen.“ also so gelesen, dass ich z.B. Beiprodukt-Thesen oder genetischen Drift von vornherein für alle Merkmale ausschließen würde.

    Das ist aber nicht der Fall. Gemeint ist vielmehr: Religiosität ist (wie auch Religionskritiker zu Recht anmerken) oft aufwändig, kostspielig, mitunter gar gefährlich. Hätte sie dagegen nicht auch Vorteile zu bieten, so wäre ihre Entstehung und vor allem schnelle Verbreitung (ein Jahrhunderttausend) nach evolutionärer Logik nicht zu erklären. Auch genetischer Drift setzt sich ja nur unter seltensten Bedingungen trotz Fitnessnachteilen durch.

    Und: Das reproduktive Potential (und also der Fitnessvorteil) von Religiosität ist ja nicht nur theoretisch vermutet, sondern empirisch vielfach belegt. Schließlich z.B.: Auch schon die frühesten, archäologischen Figurinen (Venus-Figurinen) thematisieren Fruchtbarkeit
    http://scilogs.spektrum.de/…iszeit-und-ihre-bedeutung

    wie auch z.B. gleich Gottes erste Worte im biblischen Bericht an den gerade erschaffenen Menschen „Seid fruchtbar und mehret euch!“ lauten (von der Angst des Pharao vor den laut Überlieferung außerordentlich kinderreichen Israeliten in Exodus ganz zu schweigen).

    Sprich: Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit oder auch nur Anhaltspunkte, hier irgendwelche evolutionären Sonderfälle rekonstruieren zu müssen. Die Evolutionstheorie und -forschung ist so gut (und Darwin war schon so vorausschauend), dass sie auch Religion bruchlos erklären können.

    @Ano Nym

    Zur Vererbbarkeit (auch) von Religiosität hier Ergebnisse z.B. von Zwillingsstudien:
    http://www.scilogs.eu/…med-by-another-twin-study

    Warum auch sollte es sich bei Religiosität grundlegend anders verhalten als z.B. bei Musikalität oder Sprachfähigkeit?

  19. @Bastian: IQ & Religion

    Du hattest Dich auch noch nach dem Zusammenhang von Religion & IQ erkundigt. Selbstverständlich ist dies von Anfang an berücksichtigt worden – wobei ich Dir über die Schwierigkeiten des IQ-Begriffes und entsprechender „Forschungen“ wohl nichts sagen muss.

    Also: Ja, Menschen mit höherer Bildung und höherem IQ sind durchschnittlich seltener religiös – aber innerhalb dieser Schichten geht die demografische Schere zwischen Religiösen und Nichtreligiösen sogar noch weiter auseinander! Vgl. z.B. hier, ein entsprechender Scilogs-Post genau dazu schon von 2008 (!):
    http://scilogs.spektrum.de/…g-von-iq-und-religiosit-t

    Und, wie geschrieben: Nein, wir schauen nicht nur auf quantitative Korrelationen, sondern auch auf konkrete Fallstudien. So weisen aschkenasische Juden in den einschlägigen (m.E. oft fragwürdigen) IQ-Studien regelmäßig weit überdurchschnittliche Werte auf. Und gleichzeitig gehören fromme, aschkenasische Gemeinschaften zu den kinderreichsten Populationen unserer Zeit, wie dies ein jeder nicht nur in Israel beobachten kann:
    http://www.spektrum.de/…ottesfuerchtigen/1138871

    Umgekehrt kennen wir, ich wiederhole es gerne noch einmal, keine einzige nichtreligiöse Population – mit welchem IQ auch immer – die auch nur ein Jahrhundert wenigstens die demografische Bestandserhaltungsgrenze hätte halten können. Eindeutiger können empirische Befunde m.E. kaum sein…

  20. @Maxim: Korrelations- & Fallstudien

    Auch Ihnen noch einmal der Hinweis: Nein, wir messen nicht nur statistische Korrelationen (die an sich schon außerordentlich stark wären), wir schauen uns auch Fälle an. So sind die Old Order Amish aus süddeutschen Populationen hervorgegangen und längst US-amerikanische Staatsbürger: Ihre hohe Kinderzahl lässt sich gar nicht ohne Rückgriff auf ihre religiösen Lehren erklären. Das gleiche gilt für Old Order Mennonites, Hutterer, Mormonen, Haredim usw. usf. Gäbe es keinerlei Zusammenhang so wären auch vergleichbar kinderreiche nichtreligiöse Populationen zu beobachten – dies ist (auch z.B. im weitgehend konfessionslosen Ostdeutschland) schlichtweg nicht der Fall.

    Wenn Sie sich tiefer einlesen wollen, hier ein Verzeichnis verschiedenster demografischer Studien verschiedenster Wissenschaftler zu verschiedensten Gesellschaften und Zeiten – die alle den Reproduktionsvorteil bestätigt fanden:
    http://www.blume-religionswissenschaft.de/….html

    Seien wir also doch froh: Darwin hatte Recht, (auch) Religiosität ist adaptiv! 🙂

  21. Blumes autoritätsgläubige Propaganda

    Guter Beitrag! Vielen Dank. Sie haben sicherlich einen entscheidenden Punkt ganz unabhängig von der empirischen Situation betont.

    Ich denke, Herr Blume hat sich im Laufe der Jahre einfach radikalisiert. In seinem G&G-Beitrag und vor allem in seinem Buch „Gott Gene und Gehirn“ (zumindest in der Erstauflage, die mir vorliegt) wird die Evolutionserfolgsbehauptung nicht eindeutig vertreten, sondern als eine von verschiedenen Möglichkeiten diskutiert, und die Entscheidung bleibt offen. Später aber vertritt er immer stärker für eine Anpassung oder Adaptivität der Religion, schreibt auch auf seiner Homepage, sie wäre „clearly adaptive“. Und wiederholt es im Kommentar vor diesem. (Und zwar keineswegs „wertneutral“ wissenschaftlich, sondern jubilierend, weil er sich da halt von der Natur in seiner Gläubigkeit selbst bestätigt und auserwählt sieht.)

    Dass diese Adaptiertheit nicht generell stimmen kann, zeigt Herr Blume allerdings selbst mit Beispielen wie den meist kinderlosen Shakern. Es hängt also von z.B. der propagierten Sexualethik ab.

    Dies und andere Fehlschlüsse der Anpassungsbehauptungen hat Nachbarblogger Herr Dahl ja schon vor längerer Zeit ganz deutlich gemacht:
    http://scilogs.spektrum.de/…-04-14/fruchtloser-glaube

    Ich frage mich, warum die Diskussionen immer wieder neu geführt bzw. wiederholt werden müssen.

    Auch die Vererbungsbehauptung von Religion ist Unsinn. Vererbt werden keine kulturellen Erzeugnisse und erworbene Eigenschaften (wie Glaubensanhängungen), das wäre Lamarckismus. Allenfalls werden Charaktermerkmale vererbt. Was die Religion betrifft, ist sie einfach eine Folge autoritärer Charaktere, oder Autoritätsgläubigkeit. Die scheint vererblich zu sein:

    http://www.bild-der-wissenschaft.de/…id=32128189

    Insofern ist es egal, ob jemand an einen Gott oder an Stalin oder andere glaubt, es ist alles dasselbe, nämlich blinder Gehorsam und Autoritätshörigkeit. Glaube an Diktatoren im Himmel und auf Erden (wobei die Gottesverkünder ja auch „auf Erden“ sind!). Und wenn sie die hemmungslose Vermehrung fordern, dann gehorchen viele Gläubige halt. Herr Blume hat das Vermehrungsgebot oben ja auch zitiert.

    Weil aber Religion ein Kulturprodukt ist, ist sie auch kein direkter Gegenstand der biologischen Evolutionstheorie. Ihre „erfolgreiche“ Vermehrung könnte sich aber über Indoktrination und kulturelle Evolution (Stichwort: Memetik) erklären lassen. Leider verwechselt Herr Blume ständig Religion und Religiosität. Wenn von Biologie die Rede ist, müsste es doch um Religiosität gehen. Und die hängt, wie oben gesagt, eben von der Autoritätsgläubigkeit ab. Und von vielem anderen, so auch von den kognitiven Anlagen. Selbst Herr Voland, der für biologische Grundlagen der Religiosität und Selektionsvorteile argumentiert (aber nicht so platt wie Herr Blume), sagt ja, dass diese kognitiven Prädispositionen Religion als Nebenprodukt plausibel machen und die Religionen keine Anpassungen sind:
    http://onlinelibrary.wiley.com/…1010411/abstract

    Religiosität könnte aber Voland zufolge eine Anpassung sein, doch im Sinn von „useful illusion“. Das passt zur Autoritätsgläubigkeit: Wenn die sozialen Verhältnisse unsicher und autoritär durchtränkt sind, haben jene, die den Führern glauben, einen Vorteil. Sie halten das Maul, gehorchen und können sogar Meriten erwerben, indem sie auf die Abweichler einschlagen. Hatten wir ja hierzulande auch im Westen wie im Osten… Sobald die Verhältnisse humaner werden, geht die „Anpassung“ zurück. Aber haben sich deshalb die Menschen oder gar die Gene geändert??

  22. Tja

    @Michael Blume
    Und schon relativieren sie. Zuerst hieß es noch:
    „Nach den Gesetzen der Evolutionstheorie muss _Religiösität_ einen biologischen Vorteil bringen. Wie anders wäre es zu erklären, dass sie sich über mindestens 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte erhalten hat.“ *

    Offensichtlich hat nicht die _Religiosität_ an sich mit der Kinderanzahl etwas zu tun, sondern Anhänger _einiger_ Religionen haben mehr Kinder.
    Das ist ein gewaltiger Unterschied, vor allem im Bezug auf die angeblichen Evolutionsvorteile.
    Der wohl hauptsächliche Grund warum irgendwelche Sekten mehr Kinder haben ist einfach der, dass sie nicht verhüten. Wenn das DER biologischer Vorteil im Bezug auf die Evolution sein, dann bin ich Peter Pan.

    * Ich weiß es nicht besser, also muss es so sein -> Argument aus Unwissenheit.

  23. @Maxim

    Sie benutzen gerade sehr komplexe Sprache. Dass diese in der Evolution entstehen konnte, sollte mit Vorteilen verbunden gewesen sein – wobei ein biologischer Sprechapparat ohne konkrete, kulturelle Sprachen seinen Nutzen gar nicht entfalten kann. (Wirklich noch nicht aufgefallen? Darwin wusste auch das schon, der Mann hatte ja immerhin Theologie studiert…) Das Sprache insgesamt vorteilhaft sei, heisst aber natürlich nicht, dass jede Benutzung von Sprache an sich immer vorteilhaft sei – das ist nicht „relativiert“, sondern erklärt.

    Einige benutzen Sprache zum Beispiel auch nur, um etwas hilflos-unsachlich gegen unliebsame, wissenschaftliche Befunde Stimmung zu machen – und dann, wenn sie die Daten nun wirklich gar nicht mehr leugnen können, mit neidischem Unterton über Verhütungsmittel zu witzeln. Sehr sachlich-wissenschaftlich, super-Bright! 🙂

    Ernsthaft: Wenn Sie eine religiöse Tradition kennenlernen wollen, die gar keine Kinder zeugt, können Sie sich auf meinem Blog schon seit 2008 (!) zum Beispiel über die Shaker informieren – die aus o.g., demografischen Gründen leider dabei sind, sich aus der Religionsgeschichte zu verabschieden:
    http://scilogs.spektrum.de/…ker-kurze-bl-te-kinderlos

    Und Sie dachten wirklich, das wäre mir neu? Und ich müsste da etwas relativieren?

    Dass viele Sprachen aussterben, spricht nicht gegen die Funktionalität von Sprache. Und dass unter den abertausenden Varianten religiöser Traditionen immer wieder (nur) die Kinderreicheren obsiegen, sollte denkende Evolutionäre ebenfalls nicht allzu sehr überraschen.

    Umgekehrt verbietet ja auch niemand Religionsbashern, doch einfach ebenfalls mehr Kinder zu haben und die Daten damit passend zu machen – ich kann nun wirklich nichts dafür, dass es noch nirgendwo damit geklappt hat. 😉

    So schließe ich die Runde also mit dem versöhnlichen Ausruf des Prophet Jeremia nach Jer 29,4: „Bauet Häuser, darin ihr wohnen möget, pflanzet Gärten, daraus ihr Früchte essen möget; nehmet Frauen und zeuget Söhne und Töchter; nehmet euren Söhnen Frauen und gebet euren Töchtern Männern, daß sie Söhne und Töchter zeugen; mehret euch daselbst, daß euer nicht wenig sei. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.“

    Die einen setzen halt nachweisbar öfter um, die anderen seltener. Es bringt nichts, dafür den wissenschaftlichen Boten zu beschimpfen oder ihm Positionen zu unterstellen, die er gar nicht bezogen hat. Wir alle haben die Wahl zwischen Peter Pan-Leugnen und Wissenschaft, auch wenn ich zugebe, dass die zweite Variante manchmal ein bisschen schmerzhaft für eingefahrene Weltbilder sein kann.

    Nun aber allen eine gute Nacht, die Evolution geht ja ohnehin weiter. 🙂

  24. @Thomas Moll

    Es ist wirklich mühsam, sich hundertmal wiederholen zu müssen: Wenn Religiosität nur Autoritätsgläubigkeit wäre, dann müsste es auch dauerhaft nichtreligiös-kinderreiche Gruppen geben. Den Sozialismus (Stalin) haben Sie ja bereits genannt, der ja immerhin mal über unzählige Menschen regiert(e) – aber auch da ganz klar Fehlanzeige. Die Wissenschaft kennt keine einzige sozialistische (oder sonstwie nicht-theistische) Partei, Bewegung, Kommune o.ä., die demografisch hätte mit den Religiösen mithalten können, nicht einmal ein Jahrhundert lang.

    Und in Israel hatten Sie sogar die Situation, dass die Kibbutz-Bewegung ursprünglich dominant sozialistisch-nichtreligiös war. Und heute? Wachsen nur noch die religiösen Kibbutzim.

    Lieber Herr Holl, nennen Sie uns doch bitte einfach eine nichtreligiöse, meinetwegen autoritär geführte Population, die auch nur ein Jahrhundert lang so stabil und kinderreich war wie die Old Order Amish, Old Order Mennonites, Hutterer oder Haredim – und ich gebe sofort zu, dass Darwin Unrecht und Sie Recht haben könnten. Ich warte gespannt. 🙂

  25. Aehm

    Der Stalinismus ist aus allen möglichen Gründen gescheitert, aber ganz gewiss nicht an der Demografie. Demografisch war der Osten dem Westen klar überlegen, allerdings wurde das durch die Abwanderungsbewegungen mehr als neutralisiert. (Von den Exekutionen und den Millionen Hungertoten der 30er Jahre mal ganz abgesehen.) Mit Evolutionsbiologie hat das jedenfalls nichts zu tun, so etwas würde wohl nicht mal Sarrazin behaupten.

  26. Außmaß der Drift

    Gibt es denn eine Abschätzung, welcher Anteil unseres Körpers, unserer Organe oder unseres Stoffwechsels keine sinnvolle Funktion haben, weil sie nur zufällig durch genetische Drift generiert wurden?

  27. @Bastian: O.K.

    Okay, da hast du einen Punkt – Michael hat inzwischen ja etwas genauer formuliert, wie er es gemeint hat.

    Ich finde es sehr schwierig (auch @Michael), so allgemein über Vor- und Nachteile von Religion zu sprechen – für manche Menschen ist es ganz klar nachteilig, wenn sie z.B. am falschen Ort und zur falschen Zeit der „falschen“ Religion angehören und deshalb umgebracht werden.

    Reichen 100.000 Jahre für dieses Argument aus? Pascal Boyer versucht die Existenz von Religion und Spiritualität ja eher als ein Beiprodukt anderer psychischer Fähigkeiten zu erklären (Nature: Bound to believe?). Wie ich schon meinte, scheint mir das gesamte Feld recht hypothetisch – insofern teilen wir vielleicht die Vorbehalte gegenüber der Evolutionspsychologie aber übrigens auch der Soziobiologie.

    Der Vergleich mit Krankheiten etc. den du bringst hinkt natürlich etwas. Ich gehe mal davon aus das Michael die biologischen Vorteile für Homo sapiens meint. Genauso ist Virulenz für Viren eine Eigenschaft die biologische Vorteile erbringt, das schliesst sich also nicht aus.

    Das gilt vielleicht für Viren, Parasiten usw., wohl aber nicht für genetische Defekte, die zu Krankheiten führen und damit indirekt die Fitness verringern oder sogar direkt die Fruchtbarkeit beeinflussen.

  28. Evolution

    Die biologisch nicht nachweisbaren Folgen der Evolution – deren genaue Beschreibung nicht nur nicht trivial, sondern auch unmöglich oder für immer streitig ist oder sein wird – weist der Schreiber dieser Zeilen dem „evolutionären Prinzip“ zu.

    Diese stehen außerhalb der Biologie und sind ein politisches Thema.

    Niemand würde bspw. auf die Idee kommen den Erfolg der Systeme der Europäischen Aufklärung oder des Sozialismus biologisch ausmessen und theoretisieren zu wollen. – Oder wird das etwa doch versucht?

    MFG
    Dr. Webbaer (der auch beim Thema Fitness sehr vorsichtig ist, nicht nur aus persönlichen Gründen)

  29. Konsequenzen aus dem Gen-Drift-Effekt

    Der Gen-Drift-Effekt besagt letztlich: je kleiner die Population, desto wichtiger werden Zufallseffekte bei der „genetischen“ Entwicklung der Population als Reaktion auf Mutationen.

    Folgerungen:
    1) Genetische Adaption durch Mutation spielt bei langlebigen Lebewesen mit kleinen Populationen eine kleinere Rolle als bei kurzlebigen hoch-reproduktiven Populationen.
    2) Für Einzeller und andere sich schnell vermehrende Organismen ist Anpassung durch Mutation eine gute Strategie, bei langlebigen, wenig reproduktiven Lebewesen dagegen spielt Rekombination bestehender Gene und Selektion aus schon bestehender Variabilität eine grössere Rolle
    3) Neu-Mutationen spielen für höhere Säugetiere nur noch eine untergeordnete Rolle.
    4) Wenn der Umweltdruck, der weniger kompetitive Geschöpfe eliminiert, abnimmt, spielen Zufälle und auch eine (z.B. zufällig vorhandene) hohe Reproduktivität eine bestimmende Rolle für die Zusammensetzung der zukünftigen Population.

    Diese Schlussfolgerungen bestätgigen sich zum Beispiel in der Hirnevolution. Das menschliche Hirn scheint wenig wirklich neue Architekturmerkmale zu haben. Es ist einfach eine elephantöse Ausgabe des gewöhnlichen Primatenhirns (siehe Spektrum der Wissenschaft Mai 2012 und Die Grenzen der Intelligenz sind noch nicht erreicht. Der Grund liegt einfach darin, dass gar nicht genug Zeit blieb um ein Superhirn mit völlig neuer Architektur zu bilden. Der kürzeste Weg führte über eine Vergrösserung bestehender Strukturen.

    Der behauptete evolutionäre Vorteil der Religiosität wäre trotz genetischer Drift immer noch denkbar, wenn man sich als Mechanismus der Verbreitung der Religiosität folgendes annimmt:
    1) stärkere Neigung zu Religiosität lässt hoch-reproduktive Gruppen entstehen und unter den Nachkommen gibt es wiederum im Durchschnitt eine stärkere „Religiosität“
    2) Die Religiosität ist kein Überlebensnachteil.

    Das 2) stimmt in unserer Gesellschaft sicher. Denn ums Überleben muss hier niemand mehr kämpfen. Jeder kann sich so stark vermehren wie er will. Allerdings gibt es soziale Probleme in der Normalgesellschaft, wenn bestimmte Familien überreproduktiv sind. Im Schutz einer religiösen Gruppe, die die Fertilität positiv bewertet entfällt aber dieser soziale Druck. Mit dem Effekt, dass nach einigen dutzend bis hundert Generationen ein grosser Teil der Menschheit von den hochreproduktiven Gruppen abstammt. Also von den Gruppen, die Fertilität positiv bewerten. Gegenwärtig sind das fast nur religiöse Gruppen. Nicht nur Kleingruppen übrigens. Im Islam sind grosse Familien ebenfalls erwünscht und die zugehörige Kultur mit Frühverheiratung und festen Geschlechterrollen begünstigt eine grosse Nachkommenschaft.
    Demographen sagen beispielsweise voraus, dass Indien, welches heute nur 13,4% Moslems hat, im Jahre 2050 bereits mehr als 40% Moslems hat.

    Interessant scheint mir aber, dass die Genetik wenn überhaupt hier nur eine kleine Rolle spielt. Die zufällige Dazugehörigkeit – man wird geboren wo man geboren wird – zur islamischen Kultur bestimmt stark mit, wieviel Nachkommen man hat.

  30. Merkmale und ihre Ausprägungen

    Thomas Moll schreibt:

    Leider verwechselt Herr Blume ständig Religion und Religiosität.

    Da scheint was dran zu sein: Ich hatte danach gefragt, ob es sich bei Religion um ein erbliches Merkmal handelt. M.B. hatte darauf – ungezügelt¹)²) – geantwortet: „Zur Vererbbarkeit (auch) von Religiosität […] Warum auch sollte es sich bei Religiosität grundlegend anders […]“.

    Nach meinem Sprachgefühl handelt es sich bei Religion und Religiosität um veschiedene Abstraktionen mit verschiedenen Ausprägungen.

    Meine Frage zielte eigentlich darauf ab, ob die Biologie hinsichtlich der Merkmale eine Beschränkung auf physische Merkmale vornimmt, ob also etwa Eigenschaften wie Musikrichtungsgeschmack, Fußballvereinsmitgliedschaft oder gewählte Haarfarbe als Merkmal durchgehen können.

    ¹) „Aber ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass manche Kommentare spätnachts eher emotional-gereizt als inhaltlich ausfallen. Deswegen erlege ich mir da inzwischen Zurückhaltung auf.“
    ²) LOL

  31. Sicherheiten

    2) Die Religiosität ist kein Überlebensnachteil.

    Das 2) stimmt in unserer Gesellschaft sicher.

    „It depends“, beim Satanismus oder der Church of Satan oder bei bestimmten in „unserer Gesellschaft“ (Wie war das genau gemeint?) auslebbaren und ausgelebten Naturreligionen, bei indianischen Naturreligionen beispielsweise bzw. bei deren Anhängern ist die Lebenserwartung nicht sehr hoch, könnte man versucht sein zu widersprechen.

    Man könnte auch meinen, dass nicht die Religion die Fertilität bestimmt, sondern die diese umgebende Kultur, sofern diese überhaupt relig. weitgehend bestimmend ist.

    Das Nachspüren bestimmter Folgen religiöser Betätigung scheint ein politisch-soziologischer Anspruch zu sein, kein biologischer.

    MFG
    Dr. Webbaer

  32. @Dr. Webbaer: ReligionKultur

    Religion und Kultur sind meiner Erkenntnis nach eng verwebt. Das folgende

    Man könnte auch meinen, dass nicht die Religion die Fertilität bestimmt, sondern die diese umgebende Kultur, sofern diese überhaupt relig. weitgehend bestimmend ist.

    kann sowieso nur in unserer analytischen, rationalen Kultur gesagt werden. Kultur von Religion zu trennen ist in der Praxis schwierig. Wenn die enge Verwebung fehlt handelt es sich meist um „Privatreligionen“ mit wenig Gewicht in der Welt.

  33. @Holzi

    Das ist alles nicht so klar, wenn Sie mal in die Antike schauen oder in den islamischen Kulturkreis, der auch andere Religionen verwaltete oder schluckte und auch nicht homogen war – wobei das Verhältnis von Religion und Kultur ein spannendes Thema bleibt, no prob!, aber sicherlich keines, dass diesen Inhaltemeister zu genetischen Analyse einlädt. – Sofern hier alles richtig verstanden worden ist.

    Man könnte also Michael Blume noch ein wenig in die Mangel nehmen wollen…

    MFG
    Dr. Webbaer

  34. Emotionale Argumentation @Michael Blume

    „Umgekehrt verbietet ja auch niemand Religionsbashern, doch einfach ebenfalls mehr Kinder zu haben und die Daten damit passend zu machen – ich kann nun wirklich nichts dafür, dass es noch nirgendwo damit geklappt hat.“

    Dieser Satz hat mich jetzt etwas ratlos gemacht. Vor allem auch, weil ich überhaupt nicht verstehe was es für einen Vorteil haben soll übermäßig viele Kinder in die Welt zusetzten. Die Welt ist doch so schon überbevölkert. Außerdem geht ein zu hohes Bevölkerungswachstum in der Regel mit der Übernutzung von Ressourcen, Umweltzerstörung, Verschuldung, Migrationsbewegungen und Kriegen einher. Nicht zu vergessen, was man den betroffenen Frauen damit antut. Die Zeiten in denen irgendwelche biblischen Stammväter sich einbildeten einen neuen Stamm gründen zu müssen sind doch längst vorbei. Warum sollte es da jemanden einfallen „ebenfalls mehr Kinder zu haben und die Daten damit passend zu machen“?

  35. @Stephan

    „Das gilt vielleicht für Viren, Parasiten usw., wohl aber nicht für genetische Defekte, die zu Krankheiten führen und damit indirekt die Fitness verringern oder sogar direkt die Fruchtbarkeit beeinflussen.“

    Bei genetischen Krankheiten muss man aber wohl unterscheiden zwischen „spontanen“ Mutationen, die zu Krankheiten führen, und Erbkrankheiten, deren ursächliches Allel weit verbreitet ist.
    Derartige Allele, die zu einem Krankheitsbild führen, können durchaus eine erhöhte Fitness zur Folge haben. Bekanntestes Beispiel ist wohl die Sichelzellanämie, deren heterozygote Ausprägung einen gewissen Schutz vor Malaria bietet.

  36. kleine Frage am Rande zur Fitness

    Müsste man, um die Fitness zu beurteilen, eigentlich nicht die Kindersterblichkeitsrate vergleichen?

    Wenn religiöse Menschen halt rammeln wie die Wilden (man verzeihe mir den Ausdruck), ist das doch kein Hinweis auf evolutionäre Fitness?

  37. Sichten

    Wenn religiöse Menschen halt rammeln wie die Wilden (man verzeihe mir den Ausdruck), ist das doch kein Hinweis auf evolutionäre Fitness?

    Es wäre eine schlichte Sicht, gerade dann, wenn die bezeichnete Religion nicht persistiert – und vielleicht dennoch diese Merkmalsausprägung weitergibt.

    Zumindest zeitweise und einige oder zig Generationen betreffend, irgendwo beißen sich hier Theoretisierung und Forderung.

    MFG
    Dr. Webbaer (der aber entsprechende Vorhaben nicht dem „Lagerfeuer“ oder dem vielleicht gemeinten „Stammtisch“ zuordnen würde, es hat schon alles seinen Grund 😉

  38. @Mona, @Dr. Webbaer

    Wer den Populationserfolg als Messlatte nimmt, hat damit auch das Ziel einer friedlichen Menschenwelt aufgegeben. Zu recht schreibt Mona:
    weil ich überhaupt nicht verstehe was es für einen Vorteil haben soll übermäßig viele Kinder in die Welt zusetzten.

    Es ist ganz einfach. Einen Vorteil hat das Kinder in die Welt setzen (vor allem heute): Diese Nachkommen existieren auch wenn man selbst – als Zeuger – schon lange tot ist.

    Für die Menschheit als Ganzes hat eine unlimitierte Fortpflanzung aber heute nur Nachteile und bereitet sogar eine schreckliche Zukunft vor, so schlimm wie unsere mittelalterliche Vergangenheit.

  39. A-Gen

    Ist das Religiositäts-Gen eine spezifische Art der Erweiterung, Verlängerung der DNS? Ist also durch das Religiositäts-Gen eine neue Fähigkeit entstanden, nämlich die an überempirische Akteure glauben zu können?

    Wenn es ein Religiositäts-Gen gibt, gibt es auch ein A-Religiositäts-Gen? Oder ist immer ein und dasselbe Gen gemeint, das durch verschiedene Allele repräsentiert wird? Oder vermutet man eine Kombination verschiedenster Gene?

    Wenn wir es als korrekt unterstellen, dass der Besitz des Religiositäts-Gens (des Allels; der Genkombination) einen solchen immensen Reproduktionsvorteil mit sich bringt, wie geschildert, müsste dieses Gen nach mindestens 100.000 Jahren Menschheitsgeschichte nicht längst in der Population fixiert sein – Gendrift hin oder her?

    Die heutigen Atheisten, sind das alles Mutanten?

    Falls nicht, wie konnte sich das A-Religiositäts-Gen so lange in der Population halten? Wird das zahlreiche Auftreten von A-Religiosität (Atheismus) in der heutigen Population eventuell auf epigenetische Effekte zurückgeführt? Hat vielleicht die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Kohlehydraten und von Büchern Einfluss auf die Genexpression, hier speziell die bei der für die phänotypische Ausprägung von religiösem Verhalten beteiligte?

  40. A-Sexualität und Datenexegese

    http://scienceblogs.com/…get_sexual_orientat.php

    Bei A-Sexualiät ist man sich sicher dass diese nicht vererbt wird, sondern prä- und postnatale Konditionierung sowie Epigenetik wohl die entscheidende Rolle spielt.

    Die Vorstellung eines Gens, das Religiösität, Atheismus, Leftism, Sitzpinkler,… steuert scheint mir zumindest hochgradig unwissenschaftlich, v.a. weil die Funktionsweise des Hirns und mensch. Verhaltens und Gruppenverhaltens selbst noch unverstandene Gebiete sind und man sich evtl. mal fragen sollte ob es redlich ist mit solch unvollständiger und unausgegorener Datenlage solche Thesen in öfftl. Blogs an den Mann zu bringen. Und inwieweit ist die Fitness religiöser Gesellschaften und Höhlenmenschen vor 100000 Jahren mit der Lebenswirklichkeit in diesem Jahrtausend vergleichbar. Mir ergibt sich der Sinn dieser ganzen Forschung nicht. Religionen sind menschengemachte Weltanschauungen (genauso wie Agnostizismus, Atheismus, Konservatismus die über gen. Merkmalen supervenieren) die der Mensch seit jeher konstruiert hat. Wo man hier einen genetischen Ursprung herstellen kann ist völlig uneinsichtig. Genauso wie kein Sexualitätsgen gibt. Es ist die Natur des Menschen die sexuell ist, sein Anatomie die darauf ausgelegt ist, aber doch nicht seine Gene. Sexualität ist ein komplexes Verhalten und daher ist es unsinnig den Reproduktionserfolg dieses sex. Verhaltens mit anderem komplex. Verhalten wie Religösität/Nicht-Religiösität zu verbinden.

    Natürlich sind Kommunikation theo. Hypothesen erlaubt, aber solche Hypothesen sollten auf einem theo. Fundament fussen, in diesem Falle Soziobiologie, Soziologie, Massenpsychologie. Hier kann und müsste die Religionssoziologie ansetzen. Mann kann doch nicht die Gangart eines Leoparden anhand seiner Gene untersuchen, sondern nur durch die biophysikalischen Vorteile genau dieser Gangart. Natürlich wird man hier Korrelationen finden, die findet man bei Genen zu allem, es gibt schliesslich keine 50:50 Aufteilung der Gene zu Nicht-/Ausprägung menschlicher Eigenschaften. Der einzelne Mensch ist zu 99% in seinen Genen gleich, natürlich müssen da Makroeigenschaften/Epiphänomene wie „Religösität“ (Der Religöse biegt an der Kreuzung links zur Kirche ab, der Heide rechts zum Sexshop?!) korrelieren. Die Zwillingsstudien beweisen da garnix. Was soll denn hier das Signifkanzniveau in solchen Korrelationsstudien sein bei 99% genetischer Übereinstimmung. V.a. wenn man nicht mal die gen. Disposition der Menschen vor 100000 kennt. Die Unterschiede hier zu heutigen Zwillingsstudien zur Religösität wären interessant, so ist das Datenexegese.

    Hr. Blume verirrt sich leider immer wieder in diese „Wenn A nicht gilt/beobachtbar, muss B gelten“ Denkweise, ohne das klar ist ob A und B überhaupt existieren per se/verschieden sind auf gen. Ebene, darüber supervenieren und operationalisierbar sind. Als wollte man mensch. Verhalten aufgrund von Elementarteilchenphysik beschreiben/erklären und versch. emergente Hierarchieebenen mit Eigenlogiken zwischen diesen beiden Skalen überspringen. Man kann die Eigenlogik/Semantik mensch. Sprache/Kultur hier nicht einfach ausklammern und nur auf die Gene schielen, das ist viel zu einfach gedacht.

    Aber Danke und gut das dieser methodische Irrgarten ab und dann mal aus der Vogelperspektive beleuchtet wird.

  41. Dr. Blumes Sozialdarwinismus

    Bitte entschuldigen Sie, Herr Greshake, ich möchte Ihren Blog nicht zumüllen, aber der vorletzte und vorvorletzt Kommentar ging in die Hose. Bitte löschen. Da kam die Sofware wohl mit meiner Zitation durcheinander. Könnten Sie nicht bitte eine Textvorschau-Funktion einrichten???
    Jetzt noch einmal
    —————————-

    Wir sind uns wohl einig, dass biologische Evolution (im Gegensatz zu Memplexen) nur GENETISCH erfolgen kann.

    Herr Blume:
    ZIT-ANFANG Und in Israel hatten Sie sogar die Situation, dass die Kibbutz-Bewegung ursprünglich dominant sozialistisch-nichtreligiös war. Und heute? Wachsen nur noch die religiösen Kibbutzim. ZIT-ENDE
    Das heißt also, dass es Kibbutzim-Gene gibt, und zwar in religiösen und sozialistischen Allelen, und die Selektion eliminiert die letzteren?

    Herr Blume, ich verstehe Sie noch immer nicht. Wenn die Amish, Hutterer etc. so „evolutionär erfolgreich“ sind, im Gegensatz zu den Shakern einerseits oder den von Ihnen ständig als „implodierend“ behaupteten Atheisten, dann gibt es also spezielle Amish-, Hutterer-, etc. Gene, die künftig florieren werden, und ebenso Shaker- und Atheisten-Gene, die dann eben nach und nach aussterben? Das ist doch nicht Ihr Ernst? Weltbilder stecken doch nicht in den Genen!

    Aber wenn Religionen da doch drin stecken, dann wundert es mich nicht, dass Herr Sarrazin Sie kräftig und zustimmend zitiert. Passt ja.

    (Da war der Theologe Darwin schon weiter, obwohl er noch keine Ahnung von Molekulargenetik haben konnte.)

  42. Dr. Blumes Freude und @ Mona: Zustimmung

    HERR BLUME:
    ZIT-ANFANG „Umgekehrt verbietet ja auch niemand Religionsbashern, doch einfach ebenfalls mehr Kinder zu haben und die Daten damit passend zu machen – ich kann nun wirklich nichts dafür, dass es noch nirgendwo damit geklappt hat.“ ZIT-ENDE

    FRAU MONA:
    ZIT-ANFANG Dieser Satz hat mich jetzt etwas ratlos gemacht. Vor allem auch, weil ich überhaupt nicht verstehe was es für einen Vorteil haben soll übermäßig viele Kinder in die Welt zusetzten. Die Welt ist doch so schon überbevölkert. Außerdem geht ein zu hohes Bevölkerungswachstum in der Regel mit der Übernutzung von Ressourcen, Umweltzerstörung, Verschuldung, Migrationsbewegungen und Kriegen einher. Nicht zu vergessen, was man den betroffenen Frauen damit antut. Die Zeiten in denen irgendwelche biblischen Stammväter sich einbildeten einen neuen Stamm gründen zu müssen sind doch längst vorbei. Warum sollte es da jemanden einfallen „ebenfalls mehr Kinder zu haben und die Daten damit passend zu machen“? ZIT-ENDE

    Mich macht der Satz auch ratlos. (Ich habe zwar auch Kinder, aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, damit irgendwelche „Daten passend zu machen“. Und ich habe auch keine Kinder, um irgendwelche autoritären Ideologien zu unterstützen.) Ich verstehe auch nicht, was Herr Blume nun eigentlich will.

    ## Die übereifrige Reproduktion der Gläubigen nachweisen? Das ist eine ehrenwerte wissenschaftliche Sache. Die hat zwar nicht er entdeckt, aber er schadet nichts, immer wieder darauf hinzuweisen. Und auch nach den Gründen zu fragen. Das ist gute Wissenschaft. Wenn er das will, um so besser. Eine Warnung für uns alle ist das!

    ## Oder fürchtet er das Aussterben der Menschheit? Dann macht er wohl Witze. Nie gab es so viele Menschen. Und wie Sie, Mona, ja betonen, ist das eine RIIIESIGE Gefahr für unseren Planeten.

    ## Oder sorgt er sich um das Aussterben der Deutschen, weil hierzulande so viele vom (wahren) Glauben abfallen? Oder der Überfremdung durch Nichtchristen? Dann wundert es nicht, dass Sarrazin Blumes Arbeiten mehrfach und zustimmend zitiert. (Aber extrem bevölkerungsdicht ist Deutschland ja auch so schon, außer vielleicht in einigen „ungläubigen“ Regionen, wo die Natur sich wieder erholen kann…)

    ## Oder sorgt er sich um das Verschwinden der Ungläubigen, weil sie nicht so „bestandserhaltend“ reproduktiv sind? Aber warum höhnt er dann immer gegen sie? Und freut sich nicht einfach über ihr angebliches Verschwinden (dabei nehmen sie doch hierzulande zu, aber durch Nachdenken und nicht Reproduktion!) Und was hätte eine solche Sorge mit „Religionswissenschaft aus Freude“ zu tun, die er doch auf seine Fahne geheftet hat? Worüber freut er sich eigentlich? Dass die Atheisten bald aussterben und die anderen im Religionswahn die Erde schrotten? Vielleicht zu viel in der Johannes-Apokalypse gelesen und sie verquert verstanden?!?

  43. @Thomas Moll: Ich habe die betreffenden Kommentare gelöscht. Eine Vorschaufunktion für Kommentare wird es wohl auf absehbare Zeit leider nicht geben, so weit ich weiss gibt es für diese Blogsoftware keine entsprechende Funktion oder Plugins.

    Ganz allgemein noch ein Appell bevor es ausartet: Ich habe nichts gegen eine harte Argumentation in den Kommentaren. Von Unterstellungen und ad hominem-Attacken ist dabei aber abzusehen, sonst werde ich notfalls moderierend (a.k.a. löschend eingreifen)

  44. @Stefan: selektiver Blick

    Derartige Allele, die zu einem Krankheitsbild führen, können durchaus eine erhöhte Fitness zur Folge haben. Bekanntestes Beispiel ist wohl die Sichelzellanämie, deren heterozygote Ausprägung einen gewissen Schutz vor Malaria bietet.

    Na ja – um von diesem „Vorteil“ zu profitieren, muss man zunächst einmal in einem Gebiet leben, das auch wirklich von Malaria betroffen ist.

    Unter dem Strich überzeugt mich das nicht. Wenn man behaupten will, etwas habe einen Fitnessvorteil, obwohl es eindeutig krankhaft ist, dann muss man m.E. schon zeigen, dass die Vorteile wesentlich schwerer wiegen als die Nachteile.

    Aber hier sei noch einmal daran erinnert, dass Fitness entscheidend von der vorhandenen Umwelt abhängt und keine intrinsische Eigenschaft des Gens/Phänotyps/der Gruppe ist.

  45. @Bastian: Sehr gut gemachter post.

    “ ‚Wenn es etwas gibt, dann muss es einen Fitnessvorteil bringen‘. Das dem nicht so ist habe ich hier gezeigt.“

    Das unterschreibe voll und ganz, sauber dargelegt, danke.

    „D.h. selbst in grossen Populationen spielt Drift noch eine (zugegeben kleine) Rolle. Je grösser eine Population wird desto grösser wird also die Wahrscheinlichkeit das Fitnessbringende Allele wirklich fixiert werden.“

    Ich denke, man sollte den Effekt des Anwachsens der Populationgröße N nicht überschätzen. Schon aus organisatorischen Gründen haben Gesellschaften die Tendenz, sich zu entmischen und in eine Vielzahl von Soziotopen zu zerfallen, die intern relativ homogen, untereinander aber deutlich voneinander abweichen. Ich würde daher vermuten, daß es einen Unterschied macht, von N=10 auf N=100 zu gehen. Aber von N=10000 auf N=1000000 zu gehen, wird vermutlich einen sehr viel kleineren Unterschied machen!

    Man müßte das natürlich mal numerisch simulieren, aber das wäre mein first guess.

  46. Populationsgrösse

    @Elmar: modellweise beschreiben kann man den Unterschied ja sogar mit dem Programm das ich hier verlinkt und für den Artikel benutzt habe, zumindest theoretisch. Einfach mal die Populationsgrösse ändern und schauen wie unterschiedlich häufig die jeweils bevor/nachteilten Allele fixiert werden. Ich werde in den nächsten Tagen dafür leider keine Zeit haben. Aber vielleicht hat ja einer der Leser Lust dazu 😉

  47. Drei Verwandlungen

    „Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kamel und zum Kinde zuletzt der Löwe.“

    Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra.

    Die Arbeitsteilung erhob den Menschen über den Tierzustand und die Qualität der makroökonomischen Grundordnung bestimmt den Grad der Zivilisiertheit, die der Kulturmensch erreichen kann. Ist die Makroökonomie noch fehlerhaft, bedarf es der Religion (künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten), um diese Fehler aus dem Bewusstsein zu streichen.

    Das „Kamel“: zentralistische Planwirtschaft ohne liquides Geld (Ursozialismus)
    Der „Löwe“: Zinsgeld-Ökonomie (kapitalistische Marktwirtschaft)
    Das „Kind“: http://www.juengstes-gericht.net

  48. Evolution von Religionen

    Mir kam beim Lesen der Gedanke, dass Religion vielleicht gar nicht „fest“ verdrahtet ist- sozusagen keine Hardware.
    Vielleicht unterliegt auch die Gedankenwelt der Menschheit evolutionären Gesetzen (auch der Drift).

  49. Das mit der Drift habe ich verstanden meine ich. Je kleiner eine Population, desto entscheidender ist der Zufall für die Weitergabe vererbbarer Merkmale.
    Aber wie sieht es aus, wenn sich eine Population mit noch nicht ‚fixierten‘ Merkmalen in mehrere konkurrierende Populationen auftrennt?
    Dann unterläge auch die zufällige Gendrift einer natürliche Selektion, da die ‚fittere‘ Population die benachbarten Populationen verdrängen könnte?

    PS: Das Thema Religion würde ich gerne außen vor lassen, erstmal möchte ich Evolution besser verstehen.

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