Der neue Weg ins All

Mit der Landung der ersten Stufe der Falcon-9-Rakete am Startgelände hat der Raketenpionier Elon Musk bewiesen, dass wiederverwendbare Raketen eine Realität sind. Das ist zweifellos eine fantastische Leistung. Dennoch bleibt die Frage: ist das tatsächlich ein gigantischer Schritt voran, oder bleibt es eine folgenlose Großtat für die Geschichtsbücher?

Gewaltige technische Leistungen strahlen eine ganz eigene Faszination aus. Der erste Start eines Satelliten, die erste Mondlandung – sie haben vielleicht nicht das Leben, aber doch das Selbstgefühl der Menschheit verändert. Himmelskörper waren unerreichbar, sie gehörten einer anderen Sphäre an, in der Irdische nicht leben könnten. Am 21. Juli 1969, mit dem ersten Schritt von Neil Armstrong auf dem Mond, erreichten die Menschen aus eigener Kraft eine andere Welt. Die Eroberung des Himmel schien unmittelbar bevorzustehen.

Fällt die erfolgreiche Rückkehr der ersten Raketenstufe der Falcon 9 am 22.12.2015 in diese Kategorie menschlicher Leistungen, oder spiegeln die Gratulationen an das Team von SpaceX nur die erste, schnell abklingende Euphorie wider?

Hintergrund

Raketen verbrennen Treibstoff (Fachleute reden von Stützmasse)und stoßen ihn nach hinten aus, um zu beschleunigen. Je mehr Stützmasse vorhanden ist und je schneller sie ausgestoßen wird, desto größer kann die Endgeschwindigkeit der Rakete werden. Um einen Satelliten in eine Umlaufbahn zu bringen, muss man ihn auf eine Geschwindigkeit von etwa 25.000 km/h bringen. Das ist 28 mal schneller als ein Jumbojet, und mehr als die 21-fache Schallgeschwindigkeit. Eine Rakete muss leicht sein und viel Treibstoff mitnehmen, wenn sie eine sinnvolle Nutzlast transportieren soll. Deshalb sind die Raketenbauer aller Nationen relativ schnell darauf gekommen, dass man sinnvollerweise während des Fluges Ballast abwirft. Die meisten Raketen haben deshalb mehrere Stufen. Sobald eine davon ihren Treibstoffvorrat verbrannt hat, löst sie sich von der restlichen Rakete und zerschellt auf dem Boden, versinkt im Meer oder verglüht in der Atmosphäre.

Die Leichtbauweise hat dazu geführt, dass die Raketen die Belastungen beim Start nur einmal überstehen. Der Feuerstrahl aus den Düsen beschleunigt nicht so glatt wie ein Fahrstuhl, sondern rüttelt die Raketenhülle gründlich durch. Die Treibstoffpumpen sind alles andere als verschleißfrei, aber sie müssen auch nur rund 5 Minuten arbeiten. Und schließlich führt die Reibung der Luft dazu, dass die Raketenhülle heiß wird. Aber wie gesagt: Die ganze Konstruktion muss nur wenige Minuten halten. In dieser Zeit reduziert sich der Wert der Rakete von 100 und mehr Millionen Euro auf Null.

Diese Verschwendung ist nicht erst Elon Musk aufgefallen. Das in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts konstruierte Space Shuttle (zu deutsch Raumfähre) sollte vollständig wiederverwendbar sein. Lediglich der große Treibstofftank, den das Shuttle unter dem Bauch trug, musste nach jedem Flug ersetzt werden. Als billiges Transportmittel für große Lasten sollte es die Eroberung des Weltraums einleiten. Aber wie sich schnell herausstellte, hieß „wiederverwendbar“ noch lange nicht „billig“. Dazu ein Beispiel aus der Medizin: Man könnte Kanülen und Spritzen sicherlich reinigen, sterilisieren, überprüfen und versiegeln. Das würde Müll vermeiden, wäre aber unsinnig teuer.

Die Raumfähren landeten zwar nach ihren Missionen wieder auf der Erde, aber die enorme Belastung verursachte bei nahezu jedem Flug deutliche Schäden. Ein ganzes Heer von Technikern musste die Raumschiffe wochenlang durchchecken und reparieren, bevor sie erneut fliegen durften. Am Ende stiegen die Kosten derart an, dass Wegwerf-Raketen billiger gewesen wären. Aus den Fähren für billigen Massentransport waren Luxusliner geworden. Wenn man die Kosten des Programms (209 Milliarden US$) durch die Anzahl der Flüge (134) teilt, kommt man auf 1,6 Milliarden US$ pro Flug (Quelle: Space.com). Offiziell rechnete die NASA mit 450 Millionen pro Flug und ca. 18.000 US$ pro kg Fracht. Zu Beginn der Planungen waren etwa 200 US$ pro kg geplant (Quelle: Wikipedia, Artikel Criticism of the Space Shuttle program). Selbst die berüchtigte Hamburger Elbphilharmonie hat eine geringere Kostensteigerung erlebt.

Der kleine Unterschied

Warum sollte das jetzt anders sein? Kritiker haben betont, dass jedes Kilogramm Treibstoff, das beim Aufstieg nicht verbrannt wird, die Nutzlast reduziert. Am Ende hat man vielleicht eine wiederverwendbare Rakete, die sich nur noch selbst in die Umlaufbahn bringt. Diesen Einwand hat SpaceX bereits widerlegt. Die Falcon-9-Rakete brachte bei dem Flug nicht nur die erste Stufe zurück, sondern setzte auch 11 Satelliten in der Umlaufbahn ab. Laut Preisliste berechnet SpaceX pro Flug 61 Millionen US$ oder etwa 4.600 US$ pro kg Fracht bei voller Auslastung. Die künftige Schwerlastrakete Falcon Heavy wird nur 1.700 US$ pro kg Fracht kosten. Zum Vergleich: Arianespace berechnet etwa 10.000 US$ pro kg.

Wenn also die erste Stufe der Falcon 9 und der Falcon Heavy ohne große Reparaturen erneut fliegen können, stände der Weltraum plötzlich weit offen. Und die Pläne von Elon Musk, eine Kolonie auf dem Mars zu errichten, rückten in den Bereich des Möglichen. Aber er und seine Leute haben noch viel Arbeit zu leisten, bevor es so weit ist. Bisher hat SpaceX nur nachgewiesen, dass die erste Stufe zurückfliegt und landet, nicht aber, dass sie ohne große Reparaturen wieder fliegt. Auf der neunstufigen Skala der Technology Readiness (Beschreibung hier) würde ich das bei 7/9 einordnen. Wenn der Heimkehrer zum ersten Mal erneut fliegt (8/9), wird deutlich werden, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Erst dann kann der Routinebetrieb beginnen (9/9). Wenn alles klappt, wird die Weltraumfahrt nach mehr als einem halben Jahrhundert endlich erschwinglich.

Wenn Elon Musk dieses Kunststück vollbringt, warum hat es dann in mehr als einem halben Jahrhundert Weltraumfahrt sonst niemand geschafft? Drei Antworten fallen mir direkt ein:

  1. Warum sollte es jemand versuchen, wenn auch zu den höheren Preisen genügend Nachfrage bestand? Keine Firma senkt ohne Not die Preise.
  2. Elon Musk träumt davon, den Mars zu besiedeln. Das wäre zu den bisherigen Preisen ausgeschlossen. Er möchte eine Vision verwirklichen, nicht nur ein Geschäftsmodell durchsetzen.
  3. Für die industrielle Produktion von wiederverwendbaren Raketen braucht man eine ausreichende Nachfrage nach billigen Transportmitteln. Bis vor etwa 10 Jahren fehlte dieser Faktor. Die Hauptauftraggeber waren Regierungen, die auch die höheren Preise bezahlten. In den letzten Jahren hat sich das Bild gewandelt. Verschiedene Anbieter wollen Netze von mehreren Hundert Satelliten schaffen, um überall auf der Welt drahtloses Internet anbieten zu können. Das rechnet sich nur, wenn sie zu einem guten Preis in den Orbit geschafft werden können.

Was haben wir davon?

Ich hatte vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass Menschen nicht für Raumflüge gemacht sind, sich aber durch die Gefahren wohl nicht aufhalten lassen. Wenn die Menschen das Sonnensystem tatsächlich erobern können, werden sie es auch tun. Die erste Stufe dafür ist ein bezahlbares Transportmittel. Dann gäbe es in zwanzig Jahren wieder Pioniere, die mit Begeisterung neue Welten aufbauen, weil ihnen die Erde zu enge geworden ist. Die Menschheit braucht ein Ziel, sonst droht irgendwann Stillstand und Verfall.

Und wer weiß: Vielleicht finden wir ja noch eine zweite Erde in kosmischer Nähe. Oder sie findet uns.

 

Martina Grüter ist Medizinerin und befasst sich seit 2001 der angeborenen Prosopagnosie, einem erblichen Defizit in der Gesichtserkennung und Verarbeitung. Das Thema hat ihr gezeigt, wie vielschichtig die Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind und wie wenige Erkenntnisse wirklich gesichert sind. Worte und Sprachen haben sie von jeher fasziniert.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ihr Text drückt genau das aus, was ich auch über wiederverwendbare Raketen denke. Das geniale an Musks Lösung (?) ist der Rückflug von unmodifzierten Raketenstufen zurück zur Erde. Das ist darum genial, weil die Raketenform vom physikalischen Standpunkt gesehen die beste Form für ein Gefährt ist, das mit hoher Geschwindigkeit die Atmosphäre verlässt. Wenn eine solche Raketenstufe geborgen und wiederverwendet werden kann, dann hat man alles erreicht, was man überhaupt erreichen kann. Space-Shuttles und ähnliche Gleiter dagegen sind vom Prinzip her problematische Gefährte, wenn es darum geht mit Hyperschallgeschwindigkeit der Erde zu entfliehen.

    Doch was SpaceX jetzt erreicht hat, ist tatsächlich nicht mehr als die Raketenstufe zurückzubringen. Das allein genügt überhaupt nicht. Nur wenn diese Raketenstufe mehrmals – am besten mehr als 10 Mal – wiederverwendet werden kann, ist das Ziel erreicht. Wer das Startvideo von SpaceX gesehen hat, wird bereits ahnen wie schwierig dieses Ziel zu erreichen ist. Dort – in diesem Startvideo – sieht man minutenlang wie der Teil um die Düsen der ersten Stufe gelbrot aufglüht vor Hitze. Das Material wird also aufs äusserste strapaziert. Mich würde es überhaupt nicht wundern, wenn unter diesen Umständen schon ein zweiter Start mit derselben Stufe eine Herausforderung ist. Doch auch dieses Problem kann gelöst werden. Davon bin ich überzeugt. Einerseits mit der richtigen Materialwahl, andererseits mit baulichen Änderungen im Düsenbereich. Es scheint sogar eine Firma zu geben, der es gelungen ist, den Verbrennungsvorgang bei Raketen so zu steuern, dass die Flamme die Wand nicht berührt. Allerdings scheint das erst für kleinere Raketen zu funktionieren.

  2. Es liegt jedenfalls ein beachtenswerter Erfolg privater Raumfahrt vor, und insofern – diese Frage meinend: ‚Wenn Elon Musk dieses Kunststück vollbringt, warum hat es dann in mehr als einem halben Jahrhundert Weltraumfahrt sonst niemand geschafft?‘ – auch erkennbar ein Produkt des sogenannten American Exceptionalism, denn woanders (auch: im sogenannten Westen) wäre derartige Unternehmertätigkeit zuverlässig, seehr zuverlässig unterbunden worden.

    Hierzu noch (und ein wenig abgespeckter ausgedrückt):

    Die Menschheit braucht ein Ziel, sonst droht irgendwann Stillstand und Verfall.

    Die Menschheit benötigt Freiheit, auch unternehmerische, und wenn diesbezüglich sozusagen der Weg das Ziel ist, kommt am Ende oft auch etwas heraus, das wie ein vorab entworfenes Ziel aussieht, zumindest in der Folge so verstanden werden kann.

    MFG + ein frohes Neues schon einmal,
    Dr. W

  3. Bonus-Kommentar hierzu noch:

    Elon Musk träumt davon, den Mars zu besiedeln.
    […]
    Wenn die Menschen das Sonnensystem tatsächlich erobern können, werden sie es auch tun. Die erste Stufe dafür ist ein bezahlbares Transportmittel. Dann gäbe es in zwanzig Jahren wieder Pioniere, die mit Begeisterung neue Welten aufbauen, weil ihnen die Erde zu enge geworden ist.

    Elon Musk ist kein Idiot, er ist auch i.p. Marketing tätig, und als (womöglich mehrfacher) CEO bearbeitet er öffentlichkeitswirksam auch den Markt, aber die Geldbeutel ganz zuvörderst, nicht notwendigerweise zuvörderst seinen eigenen, aber die Geldbeutel aller Anteilseigner.
    Keine Ahnung wie viele Anteile er selbst an den von ihm bestimmten Unternehm(ung)en hält, er hält natürlich nur einen Bruchteil.
    Oft reichen 30 % bis 40 % um ein Unternehmen dominieren zu können.

    Er ist auch noch vglw. jung, im besten Alter sozusagen, und er wird anzunehmenderweise keine besondere Lust verspüren ein Scheitern noch voll mitzuerleben.

    Soll heißen:
    Musk will nicht auf den Mars, er will Wirtschaftlichkeit generieren, und diese kann zuvörderst im sogenannten Orbit generiert werden, bspw. dort installierte Gerätschaft meinend und die Touristik.
    Er könnte schlicht vorhaben den Orbit zu kolonialisieren, was auch vor dem Hintergrund des sogenannten Klimawandels, der zumindest in Teilen ein anthropogener ist, Sinn machen könnte.
    Es genügten bspw. dünnschichtige großflächige Installationen im genannten Raum, um dort eine Art Klimathermostat zu installieren, was -unabhängig davon wie punktgenau die zeitgenössische Klimatologie mit dem CO2-zentrierten Erwärmungstrend prädiktiert- Regionen durch Beschattung der Landwirtschaft zuführen könnten, so dass direkt ein Mehrwert entsteht.

    MFG
    Dr. W (der jetzt nicht geprüft hat, was bspw. das bundesdeutsche Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (wichtig hier: die Klimafolgenforschung) dazu verlautbart, erfahrungsgemäß vergnatzt dieses beim Thema Geoengineering ein wenig)

  4. Zitat: “ Die Menschheit braucht ein Ziel, sonst droht irgendwann Stillstand und Verfall.“ Vielleicht, vielleicht aber muss die Menschheit einfach ihrer biologischen Bestimmung folgen und darf nie ihren biologischen Ursprung und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, vergessen oder in illusionärer Verkennung verleugnen

    Die Handlungsstränge, die die Menschheit in die Zukunft (oder auch in die Vernichtung) führen werden nämlich durch das Wesen des evolutionär entstandenen menschlichen Organismus, stark mitbestimmt. Folgende Punkte gilt es zu beachten:
    1) Die Evolution hat relativ autonome Lebewesen geschaffen damit der Tod eines Individuums nicht die ganze Art auslöscht, denn evolutionär gesehen zählt nicht der Einzelne, sondern die Erbgemeinschaft.
    2) Die evolutionäre Weiterentwicklung geschieht in einem Differenzierungsprozess, bei dem andere oder geänderte Umweltbedingungen eine wichtige Rolle spielen
    3) Das Risiko, dass das Leben vollkommen ausgelöscht wird sinkt je mehr verschiedene Lebensräume vom Leben bevölkert werden. Eine Katastrophe zu Lande könnte Wasserlebewesen überleben lassen etc.

    Die Menschheit ist heute mehr als eine biologische Art unter anderen. Sie ist zum globalen Faktor geworden und kann sich auch selbst auslöschen. Wobei diese Selbstauslöschung nicht durch die Menschheit als Ganzes geschieht sondern durch ein einzelnes, verrückt gewordenes Individuum, einen Forscher beispielsweise, der ein tödliches Virus in Umlauf setzt. Damit hat der Mensch eine Fähigkeit erlangt, die von der biologischen Evolution nicht vorgesehen war: Ein einzelnes Individuum kann die ganze Art gefährden.

    Elon Musk hat auch darum die Vision von der Menscheit als multiplanetarer Spezies propagiert:

    „Ultimately, the thing that is super important in the grand scale of history is, are we on a path to becoming a multi-planet species or not?“ „If we’re not, that’s not a very bright future. We’ll just be hanging out on Earth until some eventual calamity claims us.“

    Wenn die Menschheit sich zuerst in unserem Sonnensystem, dann in der Milchstrasse verbreitet, dann steigen die Chancen, dass es Nachkommen von uns auch noch in 10’000 Jahren gibt sehr stark, denn jede Kolonie bestimmt ihr Schicksal selbst. Zudem bietet die multiplanetare Existenz die Chance für eine grosse Vielfalt von Zivilisationen – eine Vielfalt, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.

    • @ Herr Holzherr und nur ergänzend :

      Zitat: „[]Die Menschheit braucht ein Ziel, sonst droht irgendwann Stillstand und Verfall.“ Vielleicht, vielleicht aber muss die Menschheit einfach ihrer biologischen Bestimmung folgen und darf nie ihren biologischen Ursprung und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, vergessen oder in illusionärer Verkennung verleugnen

      Die Menschheit verfügt über Sprachlichkeit und über Vernunft, die angenommen oder abgelehnt werden kann, der Mohammedanismus ist für Letztgenanntes ein gutes Beispiel oder vielleicht das gute Beispiel.
      Ohne Vernunft geht’s aber nicht, selbst die „krasse“ Aussage, dass ‚die Menschheit einfach ihrer biologischen Bestimmung folgen muss‘ ist der Vernunft geschuldet, wobei anders Vernünftige hier abär keine ‚biologische Bestimmung‘ sehen.
      Die Vernunft wird natürlich auch dafür benötigt, um Ziele zu setzen, die Gefahr der Unvernunft darf nicht unterschätzt werden.

      Die Menschheit ist heute mehr als eine biologische Art unter anderen. Sie ist zum globalen Faktor geworden und kann sich auch selbst auslöschen.
      Wird gerne behauptet, hier setzt es aber doch ein „Negativ!“.

      Ein einzelnes Individuum kann die ganze Art gefährden.
      ‚Gefährden‘ klingt schon sachnäher, allerdings wird hier wohl doch die Macht des Einzelnen überschätzt, in aufklärerischen „westlichen“ Systemen wäre bspw. auch ein US-amerikanischer Präsident schnell entsorgt, sollte er Anzeichen von Wahnsinn zeigt, in anderen Systemen dürfte es ähnlich sein, selbst ein Hitler, ein Stalin oder ein Mao wäre schnell abgemurkst worden, hätte er sich direkt gegen den eigenen Verbund gestellt.

      Elon Musk hat auch darum die Vision von der Menscheit als multiplanetarer Spezies propagiert:
      Marketing.

      Wenn die Menschheit sich zuerst in unserem Sonnensystem, dann in der Milchstrasse verbreitet, dann steigen die Chancen, dass es Nachkommen von uns auch noch in 10’000 Jahren gibt sehr stark, denn jede Kolonie bestimmt ihr Schicksal selbst. Zudem bietet die multiplanetare Existenz die Chance für eine grosse Vielfalt von Zivilisationen – eine Vielfalt, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.
      Jein. – Als Totschlagargument erkennbar untauglich und wenn nicht derart genutzt, wovon der Schreibär dieser Zeilen ausgeht, eine Vision, eine brauchbare, wie er findet, aber auch eine, die es i.p. Vernunft stetig zu prüfen gilt.
      Schon die Besiedelung des terrestrischen Orbits, das Naheliegende, das aber nicht gerne medial bearbeitet wird, härtet die Lebenserwartung der gemeinten Primatenzivilisation deutlich ab.
      Ansonsten ist hier das kompetitive Element des Geschilderten pos. bemerkt worden (‚jede Kolonie bestimmt ihr Schicksal selbst‘), wobei auf Maschinen (neben der drohenden Unvernunft) und so „ein wenig“ aufgepasst werden muss, korrekt.

      MFG
      Dr. W

      • Es geht um existenzielle Risiken im Sinne von Nick Bostrom (Existential risks are those that threaten the entire future of humanity.) unter Einbezug eines sehr langen Zeithorizonts.
        Schon die heutigen technischen Möglichkeiten eröffnen einzelnen oder kleinen Gruppen ein Zerstörungspotenzial, das noch vor 100 Jahren nicht vorhanden war. Die Zerstörung der beiden Türme des World Trade Centers mit hineingelenkten Flugzeugen beispielsweise wäre vor 100 Jahren noch nicht möglich gewesen. In Zukunft wird es aber noch viel mächtigere und auch zerstörerische Technologien geben. Und was noch wichtiger ist: Diese zukünftigen Technologien müssen nicht mehr unbedingt staatlich kontrolliert werden, sie können schon einzelnen Experten zur Verfügung stehen.Dazu schreibt Nick Bostrom:

        Because of accelerating technological progress, humankind may be rapidly approaching a critical phase in its career. In addition to well-known threats such as nuclear holocaust, the prospects of radically transforming technologies like nanotech systems and machine intelligence present us with unprecedented opportunities and risks. Our future, and whether we will have a future at all, may well be determined by how we deal with these challenges. In the case of radically transforming technologies, a better understanding of the transition dynamics from a human to a „posthuman“ society is needed. Of particular importance is to know where the pitfalls are: the ways in which things could go terminally wrong. While we have had long exposure to various personal, local, and endurable global hazards, this paper analyzes a recently emerging category: that of existential risks. These are threats that could cause our extinction or destroy the potential of Earth-originating intelligent life. Some of these threats are relatively well known while others, including some of the gravest, have gone almost unrecognized.

        Nick Bostrom ist aber nicht der einzige der vor solchen heraufziehenden existenziellen Risiken warnt. Der Astronom Martin Rees hat sich in zwei TED-Talks ebenfalls darüber ausgelassen und gesagt: there is a „fifty-fifty“ chance that this is our last century.
        In seinem TED-Talk erwähnt er unter anderem die Biotechnologie als Risikfaktor und erzählt von seinem Freund Freeman Dyson, der sich vorstellen kann, dass es bald einmal Experimentierkästen für Hobbygenetiker geben wird, mit denen sich jeder sein Lieblingslebewesen zusammenbasteln ann. So etwas sei vorstellbar aber mit gewaltigen Risiken für die ganze Menschheit verbunden.

        • Jedenfalls amüsant, Herr Holzherr :

          -> https://de.wikipedia.org/wiki/Nick_Bostrom#Simulations-Hypothese

          MFG
          Dr. W (der im Abgang noch zum Gedanken anregt, was die Welt denn sonst sein soll als eine „Simulation“ [1], dabei aber auch mit einer wie gearteten Echtheit keine Probleme hätte)

          [1]
          Hier könnte auch im Religiösen versucht werden aufzusteifen, der Schreiber dieser Zeilen hätte hiermit keine Probleme (außer eben derartige Veranstaltung beizeiten grundieren zu wollen); insgesamt, dies ist vielleicht hier im Abgang erlaubt anzumerken, das Schaf („Määh“ und so – Old Webbaer erinnert sich) scheint schon ziemlich fit zu sein, beim vorrätigen männlichen Interpreten weiß der Schreiber dieser Zeilen nicht so recht.

  5. Ein toller Erfolg
    Im kleinen Rahmen hatte das ja schon geklappt, dann kam der recht bekannte „Umfaller“ dazu – und jetzt das begeisternde große Erfolgserlebnis.
    Der Treibstoff muss natürlich beim Start mit getankt werden – davor hat man sich bisher gescheut – braucht man doch insgesamt kräftigere Raketen, um auch einen 2. oder 3. oder… Start erfolgreich durchführen zu können.
    Trotz der so höheren Entwicklungskosten ist der Spareffekt der wieder verwendbaren Rakete groß.
    SpaceX veröffentlichte Kosten für die Falkon 9: Raketenbau 53.800.000 US$, Treibstoff 200.000 US$. Schon beim 2. Einsatz ist der Spareffekt deutlich! Einige Baugruppen werden anfangs ausgetauscht, was sich später weiter verringern kann.

    Es gab mal einen Roton. Er startete und landete wie ein Hubschrauber, der Rest war Rakete. Leider ging ihm das Geld im Wettbewerb aus.

    Ein Bestseller berichtet auch über eine Rakete die im „Rückwärtsgang“ landete. Dazu musste Moses den Berg als Sicherheitsmaßnahme absperren, damit die Raketenabgase nicht Menschen töten. Dabei denke ich auch an die 5 km Sicherheitsabstand beim Space Shuttle Start!
    Im Buch der ersten Schriftstellerin der Menschheit Encheduanna mit um 500 Keilschriftzeilen – von Dr. Burgard neu übersetzt – geht es auch um Raketen mit Landung im „Rückwärtsgang“.
    Mein veröffentlichter Beitrag: „Hochtechnologie: Spar-Raketen.“ Magazin 2000plus, Spezial 29/2015, Nr. 374, S.17-21.

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