Sind Sterne sexy?

Wenn man als (angehender) Astrophysiker so wie ich kurz vor dem Abschluß seiner Promotion steht, dann fragt man sich nicht nur, ob und wie es mit der wissenschaftlichen Karriere weitergehen soll, sondern auch, ob man mit seinem bisherigen Werdegang zufrieden ist. Ich arbeite schon seit Anbeginn meiner wissenschaftlichen Karriere auf dem Gebiet der stellaren Astronomie. Genauergesagt beschäftige ich mich mit der Aktivität von Sternen in unserer kosmischen Nachbarschaft, wie man sie von der Sonne zum Beispiel in Form von Sonnenflecken und dem 11jährigen Fleckenzyklus oder plötzlichen Helligkeitsausbrüchen (sogenannten Flares) kennt. Es geht also um ganz normale Sterne wie die Sonne selber einer ist, aber eher weniger um die extrasolaren Planeten die sie umkreisen könnten und ganz bestimmt nicht um so spektakuläre Ereignisse wie eine Supernova am Ende eines Sternlebens.

Schaut man sich in der Astrophysikergemeinde um, dann scheinen Sterne als Arbeitsgebiet eher unbeliebt zu sein. Besonders deutlich wird das, wenn man eine der großen allgemeinen Fachkonferenzen wie zum Beispiel die der Astronomischen Gesellschaft besucht. Der Großteil der Anwesenden beschäftigt sich dann mit Objekten wie zum Beispiel Gamma Ray Bursts, Aktiven Galaktischen Kernen, und so weiter… Mit meiner Themenwahl stehe ich also etwas abseits der großen Gemeinschaften, die sich auf jene Objekte spezialisiert haben, die meist um Größenordnungen weiter entfernt sind als meine Sterne, bin aber dadurch Teil einer kleinen aber feinen Gruppe von Leuten geworden.

Nun haben wir Stellarastronomen auch Humor (zumindest einige von uns) und können es nicht nur gelassen sehen, daß wir so ein elitärer Club sind, sondern uns damit auch noch wunderbar gegenseitig auf die Schippe nehmen. Auf der denkwürdigen Konferenz "X-ray Astronomy 2000" vor einigen Jahren sollte mein Kollege Jeremy Drake eigentlich einen kurzen Review-Vortrag über die letzten 25 Jahre stellarer Röntgenastronomie halten. Er begann seinen Vortrag dann mit einer wunderbar amüsanten Analyse der Position der stellaren Community innerhalb der Astronomengemeinde, aufgehängt an der "Cosmic Sexiness Ladder".

"The Cosmic Sexiness Ladder", nach J. Drake,  ASP Conference Proceedings, Vol. 234, p.53

Demnach stehen Sterne und die Sonne ganz unten in der Hierarchie der angesehenen Disziplinen innerhalb der Astrophysik. Weiter oben finden sich die Milchstraße selber und interessante Objekte wie Neutronensterne oder kataklysmische Veränderliche, die wir innerhalb der Milchstraße beobachten können. In fremden Galaxien wird die Suche nach einzelnen Objekten schon um einiges schwerer, was die sie scheinbar interessanter macht. Dann wäre da noch die Jagd nach extrasolaren Planeten, insbesondere natürlich nach erdähnlichen Planeten die Leben hervorbringen könnten, gefolgt von den Aktiven Galaktischen Kernen und Quasaren in fernen Galaxien. Auf den obersten Stufen der Leiter finden sich (natürlich) Schwarze Löcher, und kosmologische Themen wie der Urknall oder Dunkle Materie und Dunkle Energie.

Ehud Behar, ein Kollege aus Israel, der sich mit der Modellierung von Spektren beschäftigt, hat nach dem Vortrag angemerkt, daß die Atomphysik, die die Hauptgrundlage seiner Arbeit darstellt, auf der Leiter wohl noch knapp unterhalb der Sonne stehen dürfte. Ich selber habe den Vortrag nicht live miterlebt, war ich doch zur damaligen Zeit noch Student im ersten Jahr und hörte an der Uni gerade meine Einführungsvorlesung in die Astrophysik. Besagte Skizze und das Sprichwort der Drake’schen Ladder of Sexiness haben jedoch ihren Weg in den Konferenzband gefunden, der die gehaltenen Vorträge in einzelnen Artikeln zusammenfaßt. Dadurch wurde daraus ein Running Gag, und noch heute nehmen immer wieder Kollegen auf anderen Konferenzen in ihren Vorträgen per Seitenhieb Bezug darauf.

Was aber macht nun ein bestimmtes Arbeitsgebiet innerhalb der Astrophysik besonders attraktiv? Wenn Jeremy Drake’s Theorie stimmt, dann steigt das Interesse wenn man über das Objekt der Begierde bislang insgesamt nur wenig weiß. Ein Wissenschaftler sagt sich dann, daß es in dem Bereich offensichtlich noch viel zu tun gibt, so daß sich das Arbeiten dort lohnt. Dieser "Forscherdrang" überträgt sich irgendwie auch auf den Rest der Menschheit: Themen wie Schwarze Löcher oder die Dunkle Energie, wecken das Interesse der Leute, während man mit Sternen scheinbar niemanden mehr vom Hocker reißt, weil man über die ja schon alles weiß. Es gibt aber auch deutliche Abweichungen: Potentiell gefährliche erdnahe Asteroiden zum Beispiel machen vielen Leuten Sorgen, während sich nur wenige Wissenschaftler für sie interessieren. Auf der anderen Seite tut man sich in der Öffentlichkeit schwer, daß große Interesse der Wissenschaftler an der Vielfalt der Aktiven Galaktischen Kerne und der in ihnen beobachteten Jets und Akkretionsscheiben zu verstehen. Eine in dieser Form abgewandelte Cosmic Sexiness Ladder spiegelt sich dann auch in den Medien wieder.

Man kann die Leiter aber auch rauf- oder runterklettern und dabei vielleicht sogar die eine oder andere Stufe überspringen: So mit Sicherheit geschehen mit den extrasolaren Planeten, die in den letzten 15 Jahren seit der Entdeckung von 51 Pegasi b einen wahren Boom erlebt haben. Spezielle Missionen wie CoRoT oder Kepler tun das ihre, um neue Daten zu liefern die ganze Generationen von Wissenschaftlern beschäftigen können. Ich für meinen Teil werde aber nicht müde, Kollegen und der Öffentlichkeit zu erklären, daß auch Sterne ihren Reiz haben. Und normalerweise bin ich darin recht erfolgreich.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Reiz der Sterne?

    Liebe Carolin,

    Danke für diesen tollen Beitrag. Drake’s Ladder ist wirklich eine grandiose Idee – ich arbeite übrigens auf dem Gebiet Schwarze Löcher *bg*.

    Es wäre super, wenn Du ergänzen würdest, worin aus Deiner Sicht der Reiz des Forschungsgebiets Sterne besteht.

    Ich finde dieses klassische Gebiet genauso aufregend wie die meisten Disziplinen der Astronomie. Es ist so schön anschaulich, ob nun in der Beobachtung oder in der Theorie.

    Die Stellarphysiker bauen doch wichtige Brücken zu den (vermeintlich) sexy Themen, wie stellare Schwarze Löcher und GRBs oder T-Tauri-Sternen und Proplyds.

    Insofern brauchen wir das doch alles.

    Beste Grüße,
    Andreas

  2. Ich tippe mal darauf, dass das Ranking der Attraktivtät in erster Linie durch 4 Potenziale definiert wird:
    1. das Katastrophenpotenzial (Asteroiden, Erdbeben, Klima)
    2. Das Sinnpotenzial mit Erklärung des Ursprungs und des Endes
    3. Das esoterische Märchenpotenzial mit Spekulation über alles Geheimnisvolle und Ünbekannte.
    4. das Nutzenpotenzial, das Wohlstand und Wachstum ermöglicht.
    Da haben es die Sonnenleute schon schwer, sie können da höchsten die Karte der Nova bezüglich Kategorie 1 spielen.

  3. Das gleiche wie adenosine habe auch ich analysiert: sehr gut zusammengefasst! Das liegt in der Natur des Menschen.

    „Sexiness“ meint offenbar die Popularität, d.h. Nachgefragtheit in der Öffentlichkeit. Wie kann ich diese Leiter zitieren; ist das irgendwo papiern veröffentlicht? (Meine Profs wollen immer, dass ich meine Meinung mit Zitaten belege.)

    Ich glaube, dass es oftmals gar nicht wirklich die Astrophysik ist, die die Menschen interessiert. Es gibt zwei Hauptgruppen von Interessenten für unser Fach: a) Romantiker/ Träumer & im ferneren Sinn Mystiker und b) Leute auf der Erklärung nach dem Wesen der Welt/ der Dinge („Konfuzianer“), wozu ich auch die Physiker zähle.

    Bei meinen öffentlichen Veranstaltungen habe ich sogar mitunter erlebt, dass ich mit Erklärungen aus der entmystifizierenden Physik auf Granit biss: Menschen glauben, was sie glauben wollen.

    SL, RT u.a. moderne Physik sind für viele deshalb attraktiv, weil sie wider der Alltagserfahrung laufen (mystisch) und man sie mithin einsetzen kann, um Angst & Schrecken vor Naturgewalten zu schüren.

    Ich selbst habe auch eine Weile in der Stellarphysik mitgearbeitet, aber wenn ich ehrlich bin, mag ich andere Arbeitsgebiete lieber. Allerdings bin ich wohl auch zu romantisch eingestellt, als dass mich das „Katastrophenpotential“ (lt adenosine) reizen würde, sondern ich gehöre wohl eher zu den Konfuzianern, auf der Suche nach dem Sinn 😉 und Wesen der Welt.

  4. Sexy ist, was gut aussieht!

    Ich glaube, dass in der öffentlichen Wahrnehmung die Sexy-Klassifikation streng nach den Bilder geht. Klar ein Sternenhimmel ist schön, aber einen Stern wirklich sehen kann man ja eigentlich nicht (bis auf die Sonne). Sexy ist, was gut aussieht und da sind Aufnahmen von PNs oder Galaxien nicht zu toppen. Das widerspricht eigentlich der Aussage von Andreas: Mag sein, dass für Astrophysiker Sterne „schön anschaulich“ sind, für Amateure sind sie es gerade nicht – schade eigentlich. Es wird Zeit, dass wir hinfliegen.

  5. Warum Sterne sexy sind

    Das Schöne an den Sternen ist doch: „Einfach“ und gut verstanden sind sie nur auf den ersten Blick. Aber wenn es dann an die Details geht, dann stehen den Stellarastronomen dieselben Fragezeichen ins Gesicht geschrieben wie den Kosmologen, die vor ein paar Jahren über die beschleunigte Expansion des Universums gestolpert sind. Man nehme zum Beispiel die Erzeugung von Magnetfeldern in massearmen Sternen und Braunen Zwergen, die Struktur von Akkretionsscheiben um junge Sterne oder die Erklärung von Elementhäufigkeitsanomalien.

    Auch bei den Sternen gibt es also noch jede Menge Baustellen. Gleichzeitig hilft einem all das, was man schon an Informationen gesammelt hat, aber auch dabei, den richtigen Ansatzpunkt für eine neue Idee zu finden. Die Sonne macht uns jeden Tag – und das von diversen Raumsonden und bodengebundenen Observatorien festgehalten – vor, was der eine Stern direkt vor unserer Haustür für spektakuläre Dinge tun kann. Andere Sterne sind aber teilweise noch viel extremer, mit Flares die um Größenordnungen stärker sind als auf der Sonne und Hot Jupiters auf exzentrischen Umlaufbahnen anstatt unseres Sonnensystems. Die Erkenntnis, daß die Sonne nicht unbedingt ein Musterbeispiel ist, sondern nur einer von vielen verschiedenen Bewohnern in einem großen Zoo, die muß einem erstmal kommen. Und dann kann der Stellarastronom auf Artenforschung gehen.

    Der wissenschaftliche Fortschritt wird ja auch an den derzeit hoch oben auf der Leiter stehenden Bereichen nicht vorübergehen. Noch vor 15 Jahren wußte man nicht genau was sich hinter den rätselhaften Gamma Ray Bursts verbirgt, wer weiß ob man in weiteren 15 Jahren nicht sagen wird „Gamma Ray Bursts, das ist doch ein alter Hut“.
    Dafür werden sich dann neue Fragestellungen im Kosmos auftun. Es steht allerdings zu befürchten, daß sich die Forschungsgebiete der Zukunft noch mehr von unserer Alltagserfahrung entfernen und dadurch immer schwieriger in der Öffentlichkeit zu vermitteln sind.

    Eben dieses Nicht-Physiker-Publikum wird sich dann umso mehr in die von adenosine und Susanne ausgemachten Kategorien einteilen lassen. Nicht alle davon sind für uns angenehme Zeitgenossen. Im Extremfall sind das Katastrophen-Ängstliche, die sich gegen Forschung und Technik stellen weil sie sich von Schwarzen Löchern aus dem Teilchenbeschleuniger bedroht fühlen, die Antwort-Suchenden mit Hang zum Philosophisch-Religiösen, die Ufo-Gläubigen, Verschwörungstheoretiker und Einstein-Widerleger für die man als Wissenschaftler zu den Bösen gehört, oder Pfennigfuchser, die fragen wie denn die Steuergelder wieder reingeholt werden die in die Stringtheorie gesteckt werden und die den langfristigen Nutzen der Grundlagenforschung nicht sehen. Solange es aber überwiegt, daß Astronomie und Astrophysik wirkliches Interesse an der Erforschung des Universums wecken und sich besonders Kinder und Jugendliche dafür so sehr begeistern lassen, daß man damit die nächste Wissenschaftlergeneration gewonnen hat, ist die Menschheit nicht forschungsmüde geworden. Und ich denke, das wird nie passieren. Die Neugier, die die Grundlage aller Wissenschaft ist, liegt nämlich in der Natur des Menschen.

    Caro

    PS. Ob nun Astrophysiker(innen) übrigens sexy sind, muß jede(r) für sich entscheiden. Zugegebenermaßen habe ich mir aber auch noch nie einen Kollegen für Entsprechendes ausgeguckt.

  6. Und was machen Leute…

    Und was ist mit Astronomen, die sich mit Planeten beschäftigen? Sind wir so unsexy, dass wir gar nicht mehr auf die Skala passen? 😉

    Aber die Sache mit Sterne vs. größere Objekte kann ich gut nachvollziehen. Die Sternwarte in Wien hatte immer die Stellarastronomie als Schwerpunkt, daher hab ich das früher gar nicht so mitbekommen. Aber heutzutage muss man sich ja schon fast anstrengen, irgendwo Stellarastronomen zu finden… (Auch in Wien wird derzeit leider alles auf Galaxien umgestellt 🙁 )

  7. Planeten -> Geologie?

    Hallo Florian,

    die Frage ist berechtigt. Klar, extrasolare Planeten stehen derzeit hoch im Kurs. Mit den Planeten in unserem eigenen Sonnensystem sieht das zumindest in der Forscherwelt anders aus. Ich würde aber auch behaupten wollen, daß sich die Sonnensystemforscher gar nicht mehr in erster Linie als Astronomen verstehen, sondern eher als Geologen oder Atmosphärenphysiker. Raumsonden machen es möglich, daß wir die Körper in unserem Sonnensystem schon fast genauso wie die Erde selber labortechnisch untersuchen
    können.

    Immerhin ist unser Sonnensystems ja auch publikumswirksam: Bemannte Raumfahrt, wie die Saturnringe von Nahem aussehen, Wasser auf dem Mars… das interessiert die Leute.

    Und nicht zuletzt: Schon heute versucht man ja auch (mehr oder weniger erfolgreich) die Atmosphärenzusammensetzungen extrasolarer Planeten zu erforschen, und die Instrumente, die für solche Untersuchungen zur Verfügung stehen, werden in naher Zukunft nochmal um einiges leistungsfähiger werden.

    Caro

  8. Ja, die Planetologen sind sicher ein bisschen außerhalb der Astronomie angesiedelt 😉 (Ich hoffe Ludmila schimpft mich nicht für diese Aussage).

    Aber ich bin ja Himmelsmechaniker – und das ist ja schon klassische Astronom. Aber irgendwie mangelt es diesem Arbeitsgebiet immer ein bisschen an Aufmerksamkeit. Ich erinner mich noch, als damals an der Uni Wien ein Professor für Theoretische Astronom gesucht wurde. Ich war damals auch in der Berufungskommission und musste die Leute immer wieder erinnern, dass es in der theoretischen Astronomie noch mehr gibt, als nur Extragalaktik 😉 (Naja, geworden ist es am Schluß natürlich doch ein Extragalaktiker…)

  9. Ich schimpf gar niemanden aus

    Ich bin da nämlich voll auf Eurer Linie. Witzig, da habe ich gerade einen Beitrag zum Thema Sterne verfasst und prompt stolpere ich über diesen Beitrag.

    Aber das Trackback funktioniert nicht. Schade.

    Jedenfalls würde ich die Aussage „Sterne sind sexy“ jederzeit unterschreiben.

    BTW, ich beschäftige mich mit der WW zwischen Planeten und Sternen. So etwas Komisches gibt es auch 😉

  10. Sterne?

    Dazu aus meiner Warte ein kurzes Plädoyer für die Sterne: Keine Angst um die Attraktivität oder „Sexiness“ – noch Einstein dachte ja um 1915, Sterne seien statisch! Ich habe den Eindruck, viele denken immer noch so – trotz der überwältigenden Kenntnisse, die man inzwischen gewonnen hat und die belegen, dass Sterne „Sex pur“ sind und die Kernelemente eines dynamischen Kosmos darstellen:
    – sie sind nicht statisch, sondern sie sehen im menschlichen Zeitrahmen nur so aus
    – sie sind stationär oder quasi- stationär,
    nämlich in einem Fliessgleichgewicht zwischen Gravitationsanziehung, Kernfusion und Strahlungs-, Neutrino- und Gasemission über mehrere Milliarden Jahre hinweg
    – kein Stern ähnelt dem anderen und jeder Stern hat seine typischen Regungen (sex varies:), siehe das bekannte stationäre Hertzsprung-Russell-Verweilzeitdiagramm
    – Sterne verschwinden von der Bühne und dafür tauchen andere wieder auf…

    Ich meine, auch die kosmologischen Konsequenzen, die man aus dem Verhalten der Sterne ziehen muss, sind viel grösser, als man heute gemeinhin nach dem „Standardmodell“ bereit ist, anzunehmen.
    Hätte Einstein von den dynamischen Sternprozessen damals gewusst, hätte er seine „kosmologische Konstante“ nie entfernen müssen!
    Jeremy Drake bleibt also mit seiner Theorie auch hier absolut gültig:
    Es bleibt weiterhin spannend, weil m. M. nach die richtigen Konsequenzen aus dem Verhalten der Sterne noch nicht gezogen sind…

  11. @Florian: Die Planeten sind derart attraktiv, dass sie die Skala nach o b e n sprengen; nicht nach unten. Planeten sind „greifbar“, man kann dafür tolle Globen als Anschauungsmaterial basteln etc. – sieht sehr gut aus und ist daher sehr sexy (nach Eurer Def.).

    In der Tat sind die pretty pictures stets das Nonplusultra in Sachen Sexiness: Die Schönheit mathematischer Formeln, einer gelösten Gleichung nach drei Seiten Rechnung oder eines Plots von Messwerten erkennt wohl nicht „jedes Kind“ auf den ersten Blick. – PN, Galaxien und SF-Filme über menschenfressende Schwarze Löcher sind da viel wirkungsvoller.

    Ich glaube, das ist eine Frage der Mode: nicht immer ist es en vogue, die wahre Schönheit in der Klarheit zu finden. So wie es in der Kunst die verschnörkelten Stile von Barock und Rokoko gibt und sogar die klareren Stile der griechischen Tempel von vielen als schön erachtet werden, so gibt es auch in der Wissenschaft gewisse Trends und Moden. …

    übrigens: philosophisch ist so vieles, dass ich den Begriff sehr ungern verwende. Für mich persönlich ist, was ich mache, jedenfalls total un-religiös, sondern a) strikte Mathematik (d.h. dann Analytische Phil.) oder b) Wissenschaftsgeschichte (kann auch tolle Bilder liefern) oder c) Medienwissenschaft (d.i. dann entweder sehr technisch oder didaktisch oder mathematisch i.S.v. a))

    Also: Bitte Vorsicht mit dem Schimpfen auf Philosophen!

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