Explore Science – Schwingung, Schall und Klang erforschen

Wie kann man Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaft und Technik begeistern? Seit 2006 geht die Klaus-Tschira-Stiftung diese Aufgabe mit der Explore Science an, naturwissenschaftlichen Erlebnistagen im Mannheimer Luisenpark, die jedes Jahr unter einem neuen Motto stehen. In regelmäßigen Bühnenshows wird Spektakuläres wie Alltägliches vorgeführt und unter die Lupe genommen, bei verschiedenen Schülerwettbewerben können Nachwuchswissenschaftler ihrem Forscherdrang und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Viele Universitäten und Forschungseinrichtungen aus der Umgebung sind vertreten und präsentieren sich und ihre Projekte. Das Herz der Veranstaltung sind aber unzählige Experimentierstationen, an denen nicht nur der Nachwuchs auf Entdeckertour gehen kann. Explore Science, das ist Naturwissenschaft zum Anfassen, zum Ausprobieren und selbst erleben.

Naturwissenschaft und Technik sind der Motor von Innovation und Fortschritt. Ingenieure und Naturwissenschaftler sind gefragter denn je. Solche oder ähnliche Sätze liest man immer wieder, aber wenn es darum geht, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, wie spannend Naturwissenschaft ist und wie sie uns hilft die Welt um uns herum zu verstehen, dann sind sie nichts weiter als hohle Theorie.

Klaus Tschira bei der feierlichen Eröffnung der Explore Science am Abend des 8. Juni im Capitol in Mannheim.

Der Mensch ist eigentlich von Natur aus neugierig, besonders in jungen Jahren. Trotzdem interessieren sich viele Kinder und Jugendliche nicht für Naturwissenschaften, oder aber sie wissen gar nicht, daß sie sich dafür interessieren könnten. Einer der sich zum Ziel gesetzt hat das zu ändern, ist Klaus Tschira, Physiker und Mitbegründer der Softwarefirma SAP. Inzwischen im Ruhestand, engagiert sich Tschira heute als Mäzen bei unzähligen Projekten zur Förderung von Wissenschaft und naturwissenschaftlicher Bildung, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Die von ihm gegründete und nach ihm benannte Stiftung finanziert auch den Bau des Hauses der Astronomie, wo ich tätig bin.

Die Idee zur Explore Science ist aus dem bundesweiten Schülerwettbewerb Explore Physics hervorgegangen, der von der Klaus-Tschira-Stiftung gefördert worden war. Daraus geworden ist ein Wissenschaftsfestival für Schulklassen, Kindergartengruppen und Familien, das in diesem Jahr vom 9. bis zum 13. Juni in die fünfte Runde gegangen ist. Schon während der ersten drei Tage lockte die Explore Science mehr als 30000 Besucher in den Mannheimer Luisenpark, der allein schon als grüne Oase im Osten der Stadt mit seinem Pflanzenschauhaus und dem chinesischen Garten einen Besuch wert ist. Während der Explore Science sind es allerdings die Experimentierstationen in vielen Zelten und in der Festhalle Baumhain und die große Freilichtbühne auf der Spielwiese, wo neugierige Kinderaugen aufmerksam zuschauen und Jugendliche interessiert Fragen stellen. Oft genug können die Nachwuchsforscher auch selber Hand anlegen und ihrem Forscherdrang freien Lauf lassen.

Festzelt auf der Spielwiese mit Bühnenshow

Teil des Konzeptes der Explore Science ist es, daß ältere Schüler nicht nur Besucher oder Teilnehmer der Wettbewerbe sind, sondern auch die Experimente betreuen und an den Stationen mithelfen, denn bekanntlich lernt man ja selbst am besten dadurch daß man anderen etwas beibringt. Unter der Woche besteht die "Kundschaft" der Betreuer hauptsächlich aus Kindergartengruppen und Grundschulklassen, die sich am Vormittag um die Stände drängen. Leider sieht man nur wenige Schüler aus Mittelstufenklassen unter den Teilnehmern. Auch am Wochenende zieht es meist junge Familien mit kleineren Kindern in den Park, Jugendliche fehlen ganz. Dennoch kann man sicher sein, daß die Veranstaltung ihr Ziel erreicht hat.

Mithilfe von Finsternisbrillen und Sonnenprojektionsschirm oder Objektivschutzfilter am Teleskop ließ sich gefahrlos die Sonne beobachten.

In diesem Jahr war das Thema der Explore Science "Schwingung, Schall und Klang". Obwohl die Verknüpfung der Astronomie mit der Akustik nicht sofort ins Auge fällt, war auch das Team vom Haus der Astronomie mit astronomieinteressierten Schülern und zwei großen Zelten vertreten. Unsere Experimente demonstrierten das Fehlen von Schallübertragung im luftleeren Raum, wie es im Weltall der Fall ist, die Vermessung von Planetenoberflächen oder des Meeresgrundes per Radar, Interferenz von Schall- und Lichtwellen und den Dopplereffekt.

Staunende Gesichter: Pumpt man die Luft aus einer Vakuumkammer, verstummt der Summer darin.

Außerdem hatten wir zwei der dem Haus der Astronomie von der Wilhelm und Else Heraeus Stiftung zur Verfügung gestellten Teleskope und das PST der Astronomieschule e.V. mitgebracht, mit denen wir die Sonne zeigen konnten – dankenswerterweise endlich mal wieder mit zwei Fleckengruppen und auch einigen Protuberanzen am Sonnenrand. Spielte das Wetter nicht mit, dann richteten wir die Fernrohre auf das Storchennest auf der Festhalle. In zwei Kurzfilmen demonstrierten wir außerdem die Möglichkeiten der Radioastronomie und die Asteroseismologie.

Trotz des einen oder anderen Regengusses war daher auch für uns die Explore Science ein voller Erfolg. Ein großes Dankeschön gebührt daher auch unseren Helfern, sowohl vor als auch hinter den Kulissen: den Schülern, dem Technischen Dienst des MPIA und den Organisatoren von der KTS.

Weitere Bilder von der Explore Science gibt es auf den Facebook-Seiten des Hauses der Astronomie. Schaut mal rein!

Carolin Liefke

Veröffentlicht von

Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Jugend gezielt heranführen

    Es ist schon wichtig, rechtzeitig die Jugend für die Technik zu interessieren. In ihrer Vielseitigkeit entdecken sie dann oft auch eine Vorliebe.
    Über das Gottlob Frege Zentrum http://www.wi.hs-wismar.de/~Fregec/index.html erfolgte eine Zusammenarbeit mit der Hochschule. Vor wenigen Jahren ging es um die Förderung hochbegabter Schüler mit den Themen Schach, Mathe, Konstruktion (Grundlagen Mechanik und Elektrotechnik – eine sehr praktische Seite), Astronomie des Sonnensystems und die Produktion von Nichts und im Nichts mit Vorführungen. Zum letzten Thema wurden die Kinder von den Lehrern kurz vorbereitet. Die letzten 3 Themen hatte ich vorgeschlagen und durchgeführt.
    Im Bereich der hochbegabten Kinder kam es aus organisatorischen Gründen nicht zu einer weiteren Fortsetzung der Zusammenarbeit.
    Bei der Kinderuni http://www.hs-wismar.de/…vents_pi1[showUid]=2352 hieß das Thema im vergangenen Jahr kurz „Vakuum – spannende Möglichkeiten!“ Die Ostsee Zeitung als Medienpartner brachte dazu einen Bericht.
    Das Thema war auch 2x in der Jugendakademie Schwerin angesagt.

    Die Grundlagen der Schwingungslehre lassen sich im Bereich der Astronomie durchaus anwenden. Der Bericht „Lücken mit Tücken“ http://www.wissenschaft-online.de/artikel/982787 ist zum Beispiel bestens geeignet. Für das kommende Halbjahr habe ich dazu eine Veröffentlichung geplant.

  2. Astronomie für Kinder

    Sehr geerhte Damen und Herren,

    mein Sohn 7 Jahre interessiert sich seit einiger Zeit nun schon sehr für Astronomie. Wir haben hier in Regensburg eine Sternwarte wo wir verschiedene Angebote laufend wahrnehmen. Meine Frage ist Ihnen in der Umgebung Regensburg in der Oberpfalz auch eine Institution u. ä. bekannt wo Forschungsprojekte für Kinder veranstaltet werden, wie oben in ihrem Beitrag erwähntes. Über eine Nachricht würde ich mich sehr freuen. Er würde sich sehr gerne in solch einer Gruppe anschließen, da leider keines der Kinder in seiner Klasse etc. seine Interessen teilt. MFG Christine Ferstl

  3. „Lücken mit Tücken“

    Der am 15.06.10 hier angekündigte Beitrag zum Bericht „Lücken mit Tücken“ wurde jetzt veröffentlicht:
    Deistung, K.: Resonanzen in Gürtel und Ringen. Magazin 2000plus, Nr. 292, S. 54 – 61

  4. Bitte keinen Esoterik-Humbug

    Anmerkung: Das soeben von Herrn Deistung genannte „Magazin 2000plus“ ist bekannt für seine unwissenschaftliche Zusammenstellung aus Esoterik, Aberglaube, Verschwörungstheorie und sonstigem Nonsens.

    Herr Deistung, ich verbitte mir in Zukunft derartige Literaturverweise.

  5. @ Carolin Liefke

    Sehr geehrte Frau Liefke,
    nachdem der Bericht „Lücken mit Tücken“ erschienen war, habe ich der Redaktion Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH angeboten, nachrechenbare Antworten auf einige Fragen zu geben. Sie hätten sie ja wenigstens prüfen können – ich erhielt aber nicht mal eine Antwort.

    Als es in Ihrem Blog in meinem Kommentar um Prof. Nur ging, zitierte ich wenige Sätze aus dem BBC-Dokument von XXP. Die Gegenreaktion zu Prof. Nur hatten seine Kollegen (galt als wissenschaftlicher Nonsens) – ich habe mich mit seinen Ideen identifizieren können. Das ganze BBC-Dokument von XXP hatte ich Ihnen noch geschickt – ob sie es registriert und gelesen haben – weiß ich nicht.
    Sie stellten auch fest: „…ich möchte Ihnen dringend anraten, damit aufzuhören seriösen Wissenschaftlern nach Ihrem Belieben falsche Worte in den Mund zu legen.“ Da bin ich sicher – das habe ich nirgends getan! Es gibt genügend Zitate, wenn ich welche brauche.

    In den Blog-Diskussionen habe ich den einen oder anderen Beitrag von mir angegeben. In einer ähnlichen Reaktion gegen M2000 verwies ich auf meinen Beitrag: Deistung, K.: Halbgötter und Göttersöhne. Magazin 2000plus, Alte Kulturen, Nr. 1/233, 2006, S. 30 – 33. Wie das wirklich zusammenhängt ist in Wikipedia unwissenschaftlich abgehandelt. Prof. Maul bietet im Gilgamesch Epos eine Variante an – ich habe ihm dann meinen Beitrag geschickt.
    Ist es verboten, eigene Veröffentlichungen anzugeben?

    Im Blog http://www.kosmologs.de/…-der-nahe-weltuntergang habe ich mich mit den Katastrophenautoren konkret auseinandergesetzt und dazu auf meinen Beitrag verwiesen sowie auf Rezensionen von mir.

  6. Und tschüss, Herr Deistung

    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wer das gelesene ernst nimmt, noch mehr.

    Ich sagte: Keine weiteren Verweise nach Magazin 2000plus. Ab sofort werden weitere Beiträge von Ihnen in diesem Blog kommentarlos gelöscht.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben