Blog-Teleskop #25

Man soll ja über den Tellerrand seines eigenen Blogs hinausschauen, und was eignet sich dazu bei Astronomen besser als ein Teleskop? Also schnappe ich mir Florian Freistetters Blog-Teleskop, um mal ins Visier zu nehmen, was die lieben Kollegen in der deutschsprachigen Astro-Bloggerwelt in den letzten zwei Wochen so zusammengetragen haben.

Es hat sich jede Menge getan in den letzten 14 Tagen, ich versuche das mal ein wenig zu sortieren. Am fleißigsten war Blog-Teleskop-Erfinder Florian in Astrodicticum simplex selber. Besonders angetan haben es ihm anscheinend in den letzten Tagen Planeten aller Art: Egal ob Cassini-Bilder vom Saturn (die sich übrigens auch im Physikblog wiederfinden), Chaos-Betrachtungen bei Planetenbahnen oder Gliese 581, bei dem Planet Nr. 4 in diesem System, der kleinste bislang bekannte extrasolare Planet, entdeckt wurde. Gemeinsam mit Ludmila Carone von Hinterm Mond gleich links und Michael Khan von Go for Launch hat er dann auch noch den schon länger bekannten dritten Planeten Gl 581d und seine potentielle Bewohnbarkeit unter die Lupe genommen. Ludmila schaut dabei auch gerade dem Treiben der Wissenschaftler zu, die für und wider habitable Zone argumentieren. Normalerweise gilt ja: Wann immer neue wissenschaftliche Ergebnisse einen extrasolaren Planeten auch nur in die Nähe der lebensfreundlichen Zone rücken innerhalb derer es flüssiges Wasser geben könnte, könnte man meinen die üblichen Verdächtigen hätten schon erste Interviews mit den außerirdischen Bewohnern dieser Planeten geführt. Umso erstaunlicher diesmal die schwache Resonanz in der "Fachpresse".

Womit wir aber mit den Planeten noch längst nicht zuende wären. Mehr Appetit auf unser eigenes Sonnensystem macht da ein Schokoladen-Sonnensystem, das Florian aufgetan hat. Stefan Taube widmet sich im Lichtecho auch noch zweimal dem Mars – allerdings nicht als Schokoriegel.

Ludmila zeigt uns, etwas verspätet, das First Light von Kepler, der im Stile von CoRoT auf die Suche nach weiteren extrasolaren Planeten gehen soll. In wenigen Tagen soll außerdem das Duo Herschel/Planck starten – da wird uns Lars-C. Depka in Cassini & Co sicherlich auf dem Laufenden halten, genauso wie er uns über die DAWN-Mission auf dem Laufenden hält. Grund genug jedenfalls schonmal für Michael, sich näher mit den Lagrange-Punkten auseinanderzusetzen, wo die beiden plaziert werden. Und Florian lädt mit Dr. Torsten Löhne jemanden zum Gastbeitrag, der uns aus erster Hand über Herschel und das DUNES-Projekt berichten kann. Fortsetzung folgt… Und nun Überleitung von den gerade erst gestarteten bzw. noch auf der Startrampe stehenden Satellitenmissionen zum alternden Schlachtschiff: Heimlich, still und leise feierte das Hubble Space Telescope seinen 19. Geburtstag. Zugegebenermaßen kein spektakuläres rundes Jubiläum, aber es erinnert uns daran, daß Hubble dringend der Reparatur bedarf. Stefan wird, ebenso wie die Kosmologger, die ebenfalls in den nächsten Tagen anstehende Shuttle-Mission STS-125 sicher weiter im Auge behalten.

So. Nu aber von unserer kosmischen Nachbarschaft bis an den Rand des beobachtbaren Universums: Mit GRB 090423 ist uns das Objekt mit der größten bis heute jemals gemessenen Rotverschiebung vor den Swift-Satelliten und die zur Nachbeobachtung eingesetzten Teleskope gelaufen. Bei z=8.2 war das Universum noch so jung, daß man sich fragen muß, wieviel anders es damals eigentlich zuging. Hatten sich damals die Galaxien überhaupt schon fertig gebildet? Wie sahen die Sterne der ersten Generation aus? Helmut Dannerbauer von Galaxienentwicklung und meine Wenigkeit machen sich Gedanken.

Was haben wir noch? Ach ja, es war Girls‘ Day, und passend dazu ist auch endlich der IYA-Cornerstone "She is an Astronomer" endlich gestartet. Solche Neuigkeiten entgehen weder Florian noch Daniel Fischer in seinem Neuigkeiten-Blog rund um das IYA, der uns auch noch gleich mit jeder Menge an Information in Sachen "Portal of the Universe" und zu einer möglichen Wiederholung der Aktion "100 Stunden Astronomie" versorgt. Frank Leiter von Asterythms scheint außerdem eines anderen IYA-Cornerstones habhaft geworden zu sein: Er zeigt uns den Mond, aufgenommen durch ein (spezielles?) Galileoscope. Ansonsten scheint das Projekt "Volks-Teleskop" in Deutschland eher verhalten anzulaufen. Ende Juni sollen die ersten Serienexemplare endlich ausgeliefert werden – zu spät für so publikumsträchtige Aktionen wie die 100 Stunden. Ein umständliches Bestellprozedere und hohe Transportkosten für Europa werden wohl außerdem für verhaltene Nachfrage hierzulande sorgen.

Ludmila und Florian: Ich bekenne mich schuldig, Astrophysikerin hin oder her, ich kann nicht tanzen und erst recht nicht so gut singen wie Kollegin Kelly Fast vom Mauna Kea. Beim Anblick des Bildes im "Gegenvorschlag" von Jörg Rings bei Diax’s Rake, doch stattdessen einfach mal in die Luft zu gehen, wird mir allerdings auch etwas mulmig.

Bleibt eigentlich nur noch die Feststellung, daß ich mich angesichts der Schönwetterkatastrophe der letzten Tage und Wochen doch etwas wundere, daß eigentlich kaum einer von uns Bloggern nach dem Blick an den klaren Himmel mal die Tastatur unter die Hände genommen hat. Rühmliche Ausnahmen bilden abgesehen von der Merkur-Mond-Plejaden-Konstellation bei Stefan Oldenburgs Clear Skies Robert Häberle von Astro Noctis, der uns an seine neuesten Galaxienaufnahmen zeigt, und Frank mit einer kurzen Kometen-Beobachtung.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schöner Überblick!

    Nur eine winzige Kleinigkeit hätte ich zu bemängeln: kannst du aus dem „ä“ in meinem Namen ein „e“ machen 😉

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