Wenn keiner mehr an Visionen glaubt

Ich frage mich zurzeit oft, wohin sich unsere Welt entwickeln wird. Die ZukunftTM wurde im 20. Jahrhundert immer wichtiger, was etwa die Ausbreitung des Science Fiction eindrücklich zeigt. Dort ging es um Städte im Weltraum, unendliche Datennetze und fliegende Autos. Die Technik sollte die Gesellschaft verändern, Grenzen einreißen und Frieden und Wohlstand verbreiten.
 

(Bild: Fluseman auf Flickr, CC-NC-SA 2.0 DE)

(Bild: Fluseman auf Flickr, CC-NC-SA 2.0 DE)
 
All das ist mittlerweile Realität. Vielleicht nicht ganz so, wie in den Werken von Jules Vernes oder Stanley Kubrick vorgezeichnet. Aber immerhin kreist über unseren Köpfen heute ein 455 Tonnen schwerer Koloss um die Erde, in dem ständig sechs Weltenreisende vieler Kontinente leben und arbeiten. Über die real existierenden Datennetze muss ich an dieser Stelle nichts schreiben, wohl aber über eine neue Generation von geflügelten Fahrzeugen, die zumindest im US-Bundesstaat Massachusetts mittlerweile zugelassen sind.
 
Doch im gleichen Maße wie sich der Science Fiction in unsere Gegenwart schlich, ging ein Stück seiner Strahlkraft verloren: Aus Fiktion wurde Science und aus Visionen Realität. – Doch ist diese Schöne Neue Welt von so viel technischem Fortschritt beseelt, dass sie vor lauter Perfektion überhaupt keine Visionen mehr nötig hat?
 

Die Vision

 
Eigentlich sind Visionen toll:
 
  1. Sie geben ein technisches oder gesellschaftliches Leitbild vor, an dem sich viele orientieren.
  2. Sie beanspruchen mit einer für uns alle besseren Welt aufzuwarten, ohne Leid, Unrecht, Krieg, Atommüll oder Volksmusik.
  3. Visionen brauchen keine Machbarkeitsstudie! Sie geben ein Idealbild vor, das gar nicht zwingend erreichbar sein muss. – Es muss lediglich den Anschein erwecken, man könne irgendwann dorthin gelangen.
 
Solche Visionen gab es auch fernab vom Science Fiction zu Hauf: Kennedy kündigte den Flug von Menschen zum Mond an, Martin Luther King ein gleichberechtigtes Amerika. Die Mehrheit glaubte an die friedliche Nutzung der Atomkraft und zumindest auf einer Seite des Vorhangs glaubten viele an den Sieg des Sozialismus.
 
All diese Visionen haben dazu beigetragen, dass die Gesellschaft oder Teile von ihr mental zusammenrückten. Man glaubte an ein gemeinsames Ziel, das man auf einem gemeinsamen Weg mit gemeinsamen Idealen erreichen würde.
 
Doch schon bald zeigte sich bei allen der oben genannten Beispielen, dass Visionen auch Nachteile bergen:
 
  1. Sie können völlig unrealistisch sein.
  2. Sie können völlig realistisch sein.
  3. Sie haben immer ein Haltbarkeitsdatum.
 
Egal ob eine Vision realistisch ist oder unrealistisch – irgendwann erkennen die Menschen, dass ihr Haltbarkeitsdatum erreicht ist. An dieser Stelle kann nur Desorientierung folgen, denn es gibt keinen Grund mehr, sich zusammengehörig zu fühlen. Nur eine neue Vision kann jetzt noch helfen.
 

Gibt es heute weniger Visionen?

 
Eigentlich ist es ja ein völlig logischer Prozess: Der technische Fortschritt erlaubte immer kühnere Unternehmungen. Menschen spalteten das Atom, landeten auf dem Mond. Gesellschaftliche Visionen wurden ausprobiert und hatten Erfolg – oder verschwanden wie der Sozialismus in der Versenkung. Ich habe beim Aufschlagen der Zeitung meines Feedreaders schon lange das Gefühl, dass die Zeit vorbei ist, in der Politiker ihr Handeln noch an Visionen messen ließen.
 
Doch vielleicht ist auch die Gesellschaft an sich schuld. Denn das um sich greifende Wissen hinterlässt Spuren: Jeder potentielle Visionär steht einem Heer besserwisserischer Abiturienten (oder noch schlimmer: Hochschulabsolventen!) gegenüber, die jede Vision sofort zerpflücken und binnen kürzester Zeit als unrealistisch klassifizieren. Dennoch versuchen sich selbst unter den Politikern noch einzelne an einer Vision:
 

 
Bushs Vision vom bemannten Flug zum Mars scheiterte am von ihm selbst aufgeblasenen Haushalt. Doch immerhin hat er sie selbstbewusst vertreten – Unkenrufen zum trotz. Andere kämpften etwas ausdauernder für ihre Visionen bevor aus einer Minderheitsmeinung die der Mehrheit (inklusive dem regierenden Establishment) wurde: Der im letzten Jahr verstorbene SPD-Politiker Hermann Scheer setzte sich seit den 80er Jahren für den Ausbau erneuerbarer Energien ein. Damals lag ihr Anteil am Stromverbrauch (abgesehen von der Wasserkraft) bei annähernd null Prozent. Scheers Vision wurde belächelt und die Befürworter als Gutmenschen abgetan. Diese damals völlig unrealistische Vision beflügelte dennoch viele, auch wenn der Ausbau der „Erneuerbaren“ von Nörglern auch heute noch als unpraktikabel oder unwirtschaftlich gebranntmarkt wird.
 
Einen letzten Gedanken versuche ich meist schnell wieder zu unterdrücken: Vielleicht gehen uns auch die Visionen verloren, weil es immer weniger Raum für sie gibt? Weltweit akkumulieren die Katastrophen: Immer mehr Menschen wollen essen, arbeiten und im Internet surfen. Böden werden für eine immer ertragreichere Landwirtschaft bis zur Erschöpfung ausgebeutet, während die Weltmeere immer weniger Menschen ernähren. Zuletzt ringen immer mehr Verbraucher um immer weniger existierende Ressourcen, was zu immer mehr Kriegen führt. Dabei schwebt über allem der anthropogene Klimawandel, der zumindest langfristig alle anderen der genannten Probleme verschärfen wird.
 
Meist kurz vor dem Einschlafen denke ich dann, dass ich nicht an so eine Zukunft glauben will, sondern lieber an eine anständige Vision. Immerhin schreibt auch Antoine de Saint-Exupéry: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen“.
 

In diesem Sinne: Gute Nacht, liebes Internet!

Veröffentlicht von

www.pikarl.de

Karl Urban wäre gern zu den Sternen geflogen. Stattdessen gründete er 2001 das Weltraumportal Raumfahrer.net und fühlt sich im Netz seitdem sehr wohl. Er studierte Geowissenschaften und schreibt für Online-, Hörfunk- und Print-Publikationen. Nebenbei podcastet und bloggt er.

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Politik der Tippelschritte

    Wozu Visionen, wenn man sich dem Glauben hingibt, dass hier und dort nur mal ein paar Regler minimal bewegt werden müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen? Dort ein bisschen mehr Geld für Bildung, hier ein wenig die Beiträge runter, ein halber Prozentpunkt Anpassung an der nächsten Stelle. In dieser Spannweite bewegt sich Politik mittlerweile.

    Eine Gesellschaft, die sich keine wirklichen Herausforderungen schafft, kann an den stattdessen bemühten Minimalzielen (i.d.R. mit Ausstiegsklausel) nicht wachsen. Sie faszinieren nicht, sie erfordern keine Anstrengung, keine Paradigmenwechsel. Und wenn wir uns doch einmal in die Nähe von Herausforderungen begeben, dann in Zeiträumen, für die wir uns nicht verantwortlich zeichnen (aktuell beliebt: 2050).

  2. Die ZukunftTM

    Warum sollte „Die Zukunft“ ein TradeMark bzw. Eingetragenes Warenzeichen sein? – Könnte ein Grund für mangelnde Visionen nicht gerade in der Einschränkung der Perspektive liegen, die sich auf Betrachtungen durch die betriebswirtschaftliche Brille beschränkt?

  3. Noch eine Vision:

    Durch die Zusammenarbeit von Nanotechnologie, Molekularbiologie und Stammzelltechnik wird irgendwann vollständige Gesundheit und unbegrenzte Lebensdauer möglich werden.

  4. Wozu Visionen…

    Ich würde den von Tom geäußerten Gedanken sogar noch weiter führen: Es herrscht in weiten Teilen der Gesellschaft die Ansicht vor, dass eine echte Fortentwicklung nicht Wünschenswert ist.

    Es wird ja immer behauptet, Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ sei tot und begraben, aber genau das Gegenteil ist richtig. Politik, Medien und Kultur scheinen sich darauf geeinigt zu haben, dass wir in der besten aller Welten leben und jede Veränderung dieses Zustandes nur schlecht sein kann. Es ist ja nicht nur so, dass es keine Visionen gäbe, sie werden sogar aktiv bekämpft. Das Internet zum Beispiel ist ein absolut utopisches Instrument, eine real gewordene Komponente der Utopien früherer Tage – und speziell Politiker und Journalisten arbeiten permanent daran, dieses utopische Potential zu neutralisieren. Und nicht nur da, man braucht sich nur anzugucken, was mit anderen utopischen Ideen passiert. Was Deutschland mit dem Transrapid gemacht hat.

    Unsere Gesellschaft will keine Zukunft, weil sie Angst vor ihr hat. Und deswegen hat sie auch keine.

  5. Addendum:

    Wenn man wissen will, warum die islamische Welt nach ihrem zivilisatorischen Höhepunkt so sehr hinter dem Rest der Welt zurückgeblieben ist – man braucht sich nur umzugucken. Hier passiert gerade das Gleiche.

  6. Die Welt wird von Morons regiert

    Visionen tragen so weit wie die Visionäre, die dahinterstehen, in der Lage sind ihre Visionen umzusetzen. Wenn Visionen nicht umgesetzt werden können oder scheitern, kann es an den Umständen liegen, es kann aber auch an den Visionären liegen.

    Nehmen wir die Vision vom geeinten, wirtschaftlich prosperierenden Europa. Diese Vision eines Europa, das kompetitiv mit dem Rest der Welt ist und sich geeint weiterentwickelt wurde noch kürzlich von den Europaarchitekten und führenden Politikern propagiert.

    Wo stehen wir heute: Europa hat sich gespalten in einen prosperierenden Teil – und zufällig ist das der Teil, der schon vor den Einigungsgedanken prosperierte – und in einen Teil der für Jahrzehnte abgehängt sein wird: Die sogenannten PIGS.

    Die gleichen Leute, die die schöne Vision vom geeinten und prosperierenden Eruopa in die Welt getragen haben sind aber auch für das Scheitern dieser Utopie verantwortlich. Denn der Visionär muss auch ein Steuermann sein oder es müssen ihm Steuermänner zur Seite stehen. Doch es gab niemanden der das Ruder in die Hand nahm und das Schiff durch die Wellen lenkte. Statt dessen wurden Fehlentwicklungen einfach hingenommen: Griechenland kam schon zum Euro, obwohl es die Aufnahme-Kriterien nicht erfüllte. Seine Auskünfte über seine finanzielle Situation waren schlicht betrügerisch und viele im übrigen Europa wussten das und nahmen es hin: Schliesslich gehörte ihr eigenes Land auch nicht zu den Heiligen. Doch plötzlich, als es ernst wurde und Griechenland seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte, galt es ernst. Man nahm die Betrügereien hin aber nicht die Zahlungsunfähigkeit. Aus der Zukunftsvision wurde die Horrorrealität.

    Und wer ist dafür verantwortlich. Richtig die Leute, auf deren Aussagen man nie hätte bauen sollen. Weil diese Visionäre nicht die neuen, sondern die alten Europäer waren: Diejenigen, die schon immer viel parlierten, letztlich aber nur für sich selber schauten.

  7. Vieleicht ergibt es sich bald wieder..
    Schon mal von Gurdian Angel Projekt gehört?
    http://www.ethlife.ethz.ch/…ian_angels_per/index

    Selbstversorgende Sensorik und Zero-Power-Systeme..
    Als ich von dem Projekt lass, und mir damit auch deren Möglichkeiten näher bedachte,wurde mir anders.
    Klar es dauert noch 10-30 Jahre, aber wenn ich dann Rentner bin,und das Projekt früchte trägt, wird die Zukunft nur genial. Nur das hier Science, dann wieder mal Sci-fi beflügel konnte.
    Anderes bsp:
    Diesmal umgedreht.
    http://www.trendsderzukunft.de/…tzel/2010/12/26/
    3D-Lebensmittel-Drucker – druck dir ein Schnitzel

    Leben wir in einer genialen Zeit 😉

  8. es gibt weiterhin Visionen

    nur sind diese im Gegensatz zum 19. Jahrhundert und auch teilweise noch bis über die Mitte des 20. Jhd, hinaus vermehrt negativ besetzt. Die Vision vom Klimawandel und wie man ihm begegnen sollte und dem gleichzeitigen Skeptizismus der wohl Unabwendbarkeit. Die Entzauberung der friedlichen Atomnutzung, ja, die Erkenntnis, dass jede Technologie wohl auch ihre Schattenseite birgt. Wer hätte vor 40 Jahren geglaubt, dass der Mensch das Klima wandeln kann, dass man die Weltmeere leerfischen könnte? Die Visionen sind nicht mehr offensiv, sondern defensiv geworden. Retten was zu retten ist. Einst glaubte man, man könnte alle Krankheiten besiegen, aber Krankheiten die besiegt galten kommen wieder, neue Krankheiten bedrohen die Menschheit. Der Mensch scheint an Grenzen zu stoßen wo man früher keine Grenzen sah. In sehr vielen Bereichen ist das zu sehen. Da ist es schwer dem Visionär zu glauben, der das goldene Zeitalter verspricht.

  9. Es gibt heute noch genauso viele positive Visionen wie zu allen Zeiten zuvor. Schwarmintelligenz ist so eine Vision, demokratisierung der Kommunikation und der Information, der Herstellung von Öffentlichkeit.

    Utopie ist auch keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, schon die nennung von Jules Verne ist hier ein (bezeichnender) Lapsus.

    Nicht der Welt, sondern dem Autor dieses Posts gehen (möglicherweise) gerade die Visionen aus. Man möchte ihn nach dem Alter fragen. Um die 30?

    Lars Fischer, es ist eine Tatsache, die zu allen Zeiten galt, dass positive Utopien bekämpft werden, daran ist gar nichts neues. Es kann auch eine positive Utopie sein, sich eine Welt vorzustellen die nicht mehr unter dem Diktat des technisch machbaren steht, die „Veränderung“ nicht mehr auf „messbaren technischen Firtschritt“ reduziert.

  10. BIP – beep

    Die Bruttoinlandsprodukte (BIP) oder gross domestic products (GDP) der USA und von Deutschland haben sich ungefähr alle 20 Jahre verdoppelt.

    Warum können wir uns dann keinen bemannten Marsflug leisten?

    Apollo ist ja schon 42 Jahre vorbei.

    Ein 3D-Lebensmittel-Drucker ist gut, aber
    ein 3D-Organ-Drucker ist besser.

    How to print organ:

    http://organprint.missouri.edu/…Organ-slides.pdf

    Einige weitere Visionen:

    Übergangszeit:

    http://www.e-stories.de/…geschichten.phtml?28160

    Arkologie:

    http://www.e-stories.de/…geschichten.phtml?23741

  11. Altruismus

    Eine interessante Vision ist der Altruismus.

    Der Altruismus tritt vor allem im Wohlstand auf, denn arme Menschen haben nichts zu verschenken, sondern einen ethisch berechtigten Anspruch auf Hilfe.

    Der Altruismus wird zum Beispiel dann messbar, wenn jemand sagt:

    „Ich kaufe lieber den teureren, aber umweltfreundlich erzeugten Strom.“

    Der Altruismus ist daher wirtschaftlich dumm, aber sozial intelligent.

  12. Visionen und ihre Gegner

    Interessanter Artikel. Aber ich denke, das Problem bei den Visionen sind nicht nur die besserwisserischen Abiturienten oder Hochschulabsolventen. Visionen, gerade solche, die ein besseres, d.h. sorgenfreieres Leben für jene Teile der Bevölkerung vorsehen, der es (meisst wirtschaftlich) nicht besonders gut geht, haben immer mächtige Feinde, nämlich diejenigen, die bei der Umsetzung dieser Vision in die Wirklichkeit an Macht einbüssen würden. Deshalb tun diese Feinde der Vision vieles, um die Vision zu bekämpfen und ihre Macht zu behalten. Eine Strategie dazu ist es, das Heer von Besserwissern loszuschicken, um eine Vision als unrealistisch zu klassifizieren. Eine weitere ist, dafür zu sorgen, dass die Vision sich nicht ausbreiten kann. Das ist im Zeitalter des Internet zwar schwieriger geworden, aber nicht unmöglich. In harmlosen Fällen läuft es darauf hinaus, dass der/die Visionär/in nur einer interessierten Minderheit bekannt ist. In schlimmen Fällen werden die Einzelheiten der Vision verdreht wiedergegeben, Begründungen für einzelne Aspekte aus dem Zusammenhang gerissen und es wird auch mehr oder weniger dreist gelogen. Je nach dem, wieviel oder wenig man von den Einzelheiten versteht, wird man dabei über den Tisch gezogen, ohne es zu merken. Wenn das alles nichts hilft, dann kann man die Visionäre schliesslich noch zu Spinnern erklären, und ihnen empfehlen, zum Arzt zu gehen, wie es ein bekannter Politiker mal getan hat.

    Um diese Widerstände zu überwinden ist also nicht nur ein langer Atem, und gute Ausdauer erforderlich, sondern die Grundidee sollte sich in möglichst wenigen und einfachen Sätzen darstellen lassen, damit sie auch die weniger intelligenten Zeitgenossen verstehen. Aber sie sollte dennoch sachlich fundiert sein, so das man auch hauptberuflichen Besserwissern mit Hochschulabschluss nachweisen kann, das sie eben nur Besserwisser sind, aber im Detail unter Umständen doch keine Ahnung von der Sache haben. Insbesondere dann, wenn sie beim niedermachen der Vision Einzelheiten auslassen, Fakten verdrehen oder lügen. Wenn man ihnen dann noch nachweisen kann, das sie im Dienste einiger Mächtiger stehen (oder sogar dazu gehören), deren Macht sich verringern würde, wenn die Vision umgesetzt würde, um so besser. Dann sind sie als Interessenvertreter der Macht ertappt, was die Glaubwürdigkeit ihrer Kritik einschränkt.
    Also sollten wir uns nicht einschüchtern lassen, sondern die Visionen verbreiten. Denn neben allen Gegnern finden sich auch Leute, die sich für die Vision begeistern lassen. Diese sollten als Multiplikatoren auftreten, die die Visionen in den Köpfen der Menschen verankern, und zwar durch alle Gesellschaftsschichten hindurch. Wenn das erreicht ist, und die Vision (zumindest Teilweise) umgesetzt ist, wird sich zeigen, ob die Ideen tatsächlich funktionieren oder nicht. Wenn nicht, ist die Frage zu klären, warum nicht, und wenn doch, kann man auch Fragen, was man besser machen könnte. In beiden Fällen lässt sich damit der Boden für neue Visionen bereiten.

  13. Bedingungsloses Grundeinkommen

    Es wird weltweit ein bedingungsloses Grundeinkommen oder ähnliches geben, das die Menschen in ihren Grundbedürfnissen (Nahrung, Unterkunft, Teilhabe) absichert. Die unangenehme Arbeit wird von Maschinen und Robotern erledigt, Automatisierung wird nicht länger verhindert, sondern gefördert. Die übrige Arbeit wird gerecht verteilt und anständig vergütet. Da keiner mehr zur Arbeit gezwungen ist, muss unliebsame Arbeit entsprechend entlohnt werden. Die Menschen haben eingesehen, dass die Erde nicht ausgebeutet werden darf und es falsch ist, wenn Einzelnen gestattet wird, ihre Reserven unendlich zu vermehren, während andere auf der Strecke bleiben. Das Leben besteht im wesentlichen aus friedlichem freundlichem Miteinander, künstlerischer Gestaltung, Spaß, Bildung und von Neugierde und Wissensdurst geleiteter Forschung und Weiterentwicklung.

    Was für ein jämmerliches Häufchen Elend, dieser Herr Schmidt.

    I HAVE A DREAM
    Martin Luther King, Jr.

  14. Altruismus und Mars-Flug

    Karl Bednarik,
    1. Altruismus ist wirtschaftlich nicht dumm, er schafft Vertrauen und Reputation. Googlen Sie mal: „Reziproker Altruismus“
    2. Die Kosten für technische Großprojekte wachsen weit schneller als die BIP’s – deshalb fliegt kein Mensch zum Mars.

  15. Apokalypse

    Unser Kultur wird seit Jahrtausenden (seit Zarathustra) von der visionären Apokalypse, mit der Idee des endzeitlichen ´Jüngsten Gerichtes´ wesentlich geprägt.
    Ob diese Vision toll ist, kann Jede/r nach eigenem Ermessen beurteilen.

  16. Echtes Problem!

    Danke für den Blogpost, der m.E. ein durchaus „echtes“ Problem beschreibt. Denn es ist ja nicht nur für den Einzelnen schwierig, wenn die Zukunft keine Versprechen mehr zu bieten scheint. Wir erleben auch die Erosion demokratischer Parteien, denen die – gerne auch konkurrierenden – Großerzählungen abhanden gekommen sind.

    Neulich hatte ich übrigens auf Spektrumdirekt ein Buch zum Thema rezensiert, „Ideale Welten“ von Gregory Claeys.
    http://www.spektrumdirekt.de/artikel/1072608

    Visionäre Grüße! 🙂

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