Islandtouristen als Forschungshelfer (Teil 2)

CC-BY-CA 4.0 Karl Urban

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Die isländische Landschaft und Natur ist der eigentliche Grund, die Insel zu besuchen. Natürlich ist auch isländische Geschichte spannend, die Sagas der Landnahmezeit. Die Kultur und Sprache einer lange weitgehend isolierten Insel. Aber wer auf Island landet, zunächst die kargen Lavafelder rund um den internationalen Flughafen Keflavík – und die Hauptstadt selbst – hinter sich gelassen hat, der sieht: Wasserfälle. Vulkankegel. Gletscher. Und Wasserfälle. Erwähnte ich Wasserfälle?

Nur ein Problem gibt es dabei: Island ist groß. Und ziemlich unzugänglich, immerhin ist mehr als die Hälfte der Insel schroffes Hochland. Man muss von A nach B kommen.

CC-BY-SA 4.0 Karl Urban

Nun gibt es vor allem für Touristen hier alles, was das Herz begehrt. Neben Mietwagen beliebiger Motorisierung (etwa zum Furten durch Flüsse), über hochlandtaugliche Reisebusse mit gigantischen Reifen bis zu Inlandflügen. Und der Tourismus wird hier gerade wirklich gefeiert, immerhin besuchten allein 2015 knapp 1,3 Millionen Menschen die Insel, also über dreimal mehr als es Isländer gibt.

Und wie es scheint, sind auch Forscher teilweise auf das rege touristische Interesse angewiesen. Am Montag besuchte ich das Sjávarútvegshús, also das Fischereihaus. Hier hat neben dem Fischereiministerium auch ein marines Meeresforschungsinstitut seinen Sitz. Und in dem wird neben wirtschaftlich relevanten Fischarten auch ein bisschen Walforschung betrieben. Beim Icelandic Orcas Project geht es um das Verhalten der Wale*.

Allerdings gehören Wale zu den eher schwer zu untersuchenden Säugetieren – denn sie legen sehr weite Strecken zurück, tauchen lange ab und immer nur kurz auf. Von Vorteil ist es für die Biologen daher, dass vielfach mehr Touristen zu Waltouren starten als Forschungsschiffe. Daher sammeln sie immer wieder auch von touristischen Schiffen ihre Daten.

Und nicht nur dort: Gestern sprach ich mit einem Geophysiker über den Vulkanausbruch des Bárðarbunga, der bis 2015 ganze 7 Monate Lava spuckte. Der Forscher verbrachte viel Zeit in der Luft: etwa mit Flugzeugen der Küstenwache. Aber auch mit touristischen Maschinen. Die boten damals kombinierte Flüge zu den Lavafotänen und anschließend auf hohe See zum Whalewatching. Und nahmen auch immer wieder interessierte Forscher mit, damit die möglichst häufig den Verlauf der Eruption begutachten konnten.

Man könnte also sagen, es sei ein Glück, dass so viele Touristen die Insel besuchen. Wie Christian nebenan schreibt, verändert der Tourismus die Insel auch.

* Island betreibt selbst auch Walfang – das betrifft allerdings Zwerg- und Finnwale. Ich bezweifle aber, dass es auch in diesem Bereich Kooperationen mit Walbeobachtungsfahrten gibt.

Details zu meiner aktuellen Recherchereise gibt es hier.

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www.pikarl.de

Karl Urban wäre gern zu den Sternen geflogen. Stattdessen gründete er 2001 das Weltraumportal Raumfahrer.net und fühlt sich im Netz seitdem sehr wohl. Er studierte Geowissenschaften und schreibt für Online-, Hörfunk- und Print-Publikationen. Nebenbei podcastet und bloggt er.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Im Jahr 2015 durchstreiften mehr als 1 Million Touristen Island und nicht wenige unter diesen Touristen würden wohl gerne der Vulkan-, Erdbeben- und Inselforschung dienen – so quasi nebenbei während sie unterwegs sind. Die im obigen Artikel beschriebene erhöhte Mobilität mit Busen, Flugzeugen, etc, die auch von echten Forschern mitbenutzt werden kann ist in meinen Augen nur ein Nebeneffekt. Es gäbe noch weit mehr Möglichkeiten. Beispielsweise können heutige Handys Erdbebenstösse registrieren. Es gibt Apps dazu. Natürlich ist Island bereits gut mit Erdbebensensoren vernetzt, aber ein Sensor in Form eines Handys unmittelbar vor dem Erdbebenherd würde vielleicht zusätzliche Informationen liefern. Man könnte auch sämtliche Handyphotographien von Islandtouristen automatisch auswerten um daraus Informationen über aufsteigende Gase und aktive Vulkane zu sammeln. Dazu müssten die Touristen ihre Bilder lediglich an der richtigen Stelle ins Netz setzen.
    Interessant wäre natürlich auch die inselweite Messung von Radonemissionen, von lokalen magnetischen und elektromagnetischen Veränderungen, die ja zur Erdbebenvorhersage herangezogen werden können. Dazu könnte man entsprechende tragbare Messgeräte an interessierte Touristen, welche zu Vulkanen unterwegs sind, verteilen.

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