Rotfells Stöckchen, Kettenbriefe und Heavy Metal

Liebe Freunde der Kosmologs, der Raumfahrt, des Lebens und vom ganzen Rest. Liebe Gäste des Restaurants am Ende des Universums. Heute geht es nicht um frisch gestartete Kosmonauten, Satelliten und Raumsonden sondern um die Tatsache, dass Lars Fischer herausgefunden hat, dass britische Psychologen herausgefunden haben dass Heavy Metal die Musik der Hochbegabten ist. Und es geht darum, dass Rotfell eine Endstation für Kettenbriefe ist, genau wie ich.

Dem Gelegenheitsleser mag das jetzt ein wenig kryptisch vorkommen, das gibt sich aber nach einem Abstecher bei den Wissenslogs und dort beim Biologenplatz und bei Abgefischt

Die Kettenbrief-Endstation bin ich jetzt weniger aus philantropischen Motiven. Ich will gar nicht verhindern, dass meine Mitmenschen mit allerlei Flüchen belegt werden wenn sie die Kettenbriefe nicht weitergeben. Ich kenne nur schlichtweg keine sechs, acht oder zehn Mitmenschen, die dämlich genug wären, bei so was mitzumachen.

Dies hier ist also keine Kettenbrief-Aktion. Nennen wir sie einfach "Rotfells Stöckchen".

Das wäre damit geklärt. Wie bringe ich nun "Heavy Metal" ins Spiel?

Vielleicht so: Wie meine Biografie erläutert, bin ich ein eher langsam denkender Verdauungstyp. Mein Begabungsniveau ist eher horizontal als vertikal ausgerichtet. Keine Spur von Hochbegabt. Allein das schließt, nach der Definition von oben, eine Vorliebe für Heavy Metal aus. Tatsächlich mag ich's eher gedämpft (sieht man mal von Raketenstarts ab – die ja auch eine Form von Heavy Metal sind).

Um genau zu sein ist mein Musikgeschmack sehr, sehr konservativ.

Ich bin ein Freund langsamer Balladen, klassischer Musik, Swing, Beat, Rock, Soul und Jazz solange er nicht "free" ist und ich mag sogar Country & Western.

Und nun die Stöckchen-Liste. Ahem:

1. Nenne einen Song, der Dich vom Text ganz besonders berührt und begründe!

Space Oddity – David Bowie: Das Lied hat meine Raumfahrtbegeisterung mindestens so geprägt wie Wolf Mittlers zündende Raumfahrtreportagen im Bayrischen Rundfunk. Der Song kam kurz vor der Beinahe-Katastrophe mit Apollo 13 auf den Markt. Ich hab ihn unentwegt gesungen, auf dem Schulweg, bei den Hausaufgaben und beim Schwarzfischen in der Mangfall (da allerdings nur leise, sonst hätte ich die Nasen und Merzlinge verscheucht). Und die Erde war für mich tatsächlich blau und nicht traurig.

    Here am I sitting in a tin can
    Far above the world
    Planet earth is blue
    And there's nothing I can do…

2. Nenne einen Song, der Dich von der Musik ganz besonders berührt und begründe!

Where Do You Go To my  Lovely – Peter Sarstedt: Noch eine Ballade. Erschien fast zur selben Zeit wie die Space Oddity. Wurde aber erst 20 Jahre später mein Favorit, als meine große Liebe Angelika einen Brüsseler Diplomaten attraktiver fand als mich. Ein melancholisches Klagelied. Musik und Text sind aus einem Guss. Passte unglaublich auf meine Stimmung, und immer wenn ich heute dieses Lied höre ist mir die Situation von damals wieder präsent.

3. Welchen Song hättest Du gerne geschrieben und warum? 

She loves you – Beatles: Wunderbar gradlinig, so einfach, dass man nichts mehr weglassen kann und doch raffiniert und originell. Dur- und Mollwechsel, der an sich banale Text in indirekter Rede. Vorwärtsdrängender, harter Beat. Nicht das weinerliche Zeugs, das man heute dauernd hört.

4. Nenne fünf Songs für dein Lebens-Best-of

Hier muss jetzt die Klassik rein, die Gänsehaut-Stücke, die ich schon tausendmal gehört habe und die ich hoffentlich noch tausendmal hören werde. Auch da fällt es mir schwer, eine Wahl zu treffen. Es sind einfach zu viele. Hier ein paar meiner Favoriten, die so populär sind, dass jeder was damit anfangen kann. Viermal Klavier, einmal Violine.

Klavierkonzert No. 2 in C-Moll – Sergei Rachmaninoff. Nach den acht Anfangsakkorden hat man eine Ganzkörper-Gänsehaut die man erst zu Beginn des zweiten Satzes wieder langsam ablegt. 

Klavierkonzert Nr.1 in D-Moll – Johannes Brahms. Tut seine Wirkung erst ab dem zweiten Mal hören. Lässt einen dann aber nie mehr los. Geheimnisvoll und dunkel.

Klavierkonzert a-Moll op. 54  – Robert Schuhmann. Romantik pur mit einem fulminanten Einstieg.

Violinkonzert E-Moll op. 64 – Mendelssohn-Bartholdy. Wenn Violine, dann das.

Klavierkonzert No. 1 in B-Moll – Peter Tschaikowski. Mächtiges Stück, allseits bekannt.

5. Welche Musikscheibe beschützt Du wie Deinen Augapfel?

Ich bin kein Beschützer. Noch nicht mal bei Musikscheiben. Ich verlege sie ständig, suche dann – speziell vor langen Autofahrten – fluchend danach und rege mich erst wieder ab, wenn sie ins Laufwerk flutschen und die ersten Takte erklingen

Soweit mein Beitrag zum Staffellauf.

Und wem gebe ich den Stab jetzt? Meine Wunschkandidaten sind Nox, die kluge Wienerin mit ihrem MetaPhysik-Blog und Clear Skies, der mit Rotfell die Vorliebe für Jazz teilt.

Und demnächst geht es hier weiter mit frisch gestarteten Kosmonauten, Satelliten und Raumsonden und dem Restaurant am Ende des Universums.

Eugen Reichl

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien, u.a. für Astronomie Heute, Raumfahrt Concret und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 13 Jahren erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "N1 - Moskaus Mondrakete". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, zwei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

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