Die Semjorka – Juri Gagarins Trägerrakete – Teil 2

Hier nun Teil 2 der Geschichte der „Semjorka“, der legendären sowjetischen Trägerrakete mit der Juri Gagarin am 12. April 1961 als erster Mensch in einen Erdorbit flog. In Teil 1 wurde ihr Werdegang vom Beginn der Entwicklung bis hin zum Start von Sputnik 1 beschrieben. Im vorliegenden zweiten Teil sehen wir uns die Historie dieses Trägers von Sputnik 1 bis hin zu Gagarins Flug an…

Von der 8K71 „Sputnik“ zur 8K72K „Wostok“

Es war von vorneherein klar, dass das Potential der Semjorka ohne eine leistungsfähige Oberstufe niemals voll ausgeschöpft werden konnte. Ohne ein solches Aggregat war es ihr nicht möglich, Sonden zum Mond und den Planeten oder schwere Nutzlasten wie bemannte Raumfahrzeuge in den Orbit zu transportieren. Doch war das Problem der Zündung eines Raketentriebwerks mit flüssigen Treibstoffen nach einer Schwerelosigkeitsphase (wie sie nach einer Stufentrennung kurzfristig auftritt) weiterhin ungelöst. Bei der ersten und zweiten Stufe der Semjorka umging man es, indem man beide Stufen bereits am Boden  parallel zündete. Für eine Oberstufe war jedoch ein anderer Ansatz nötig.

Drei Versionen der R-7: Links die 8K71 "Sputnik", in der Spezialversion die Sputnik 3 in den Orbit brachte. Mitte die 8K72 "Luna" und rechts die 8K72K "Wostok". Copyright Dietmar Röttler/Raumfahrt Concret.

Korolews Antwort auf diese Herausforderung hieß: Heiße Stufentrennung. Die Zündung der Oberstufe erfolgte bereits, während die Unterstufe noch arbeitete. Die Abgase des Raketenmotors der Oberstufe wurden dabei durch eine durchlässige Gitterstruktur ins Freie geleitet. Erst nachdem die Oberstufe mit vollem Schub arbeitete wurde die Unterstufe abgetrennt.

Das hier ist die Trägerrakete von Sputnik 1. Aus den kleinen Antriebseinheiten, die hier gut zu erkennen sind, entwickelte Triebwerkshersteller Glusko das Oberstufentriebwerk für die "Luna"

Die Entwicklung des Triebwerks für diese Antriebseinheit begann Anfang Januar 1958. Als Ausgangsmodell wurde der Steuerungsmotor der Semjorka-Basisstufe und Booster verwendet. Innerhalb von nur unglaublichen neun Monaten stand das erste Produktionsmodell zur Verfügung.

Diese neue Version der Semjorka bekam die GRAU-Bezeichnung 8K72 und den Beinamen „Luna“, denn sie sollte zunächst  vor allem für den Transport der ersten sowjetischen Mondsonden eingesetzt werden.

Am 23. September 1958 startete die erste Luna mit der Luna E-1 an Bord. 92 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe explodierte die Rakete wegen Resonanzschwingungen, einem Phänomen, das die R-7 in ihren ersten Betriebsjahren häufig plagte. Gagarins Beschreibung von seinem Flug zweieinhalb Jahre später lässt darauf schließen, dass dieses Problem auch bei seiner Mission noch Besorgnis erregend war. Er berichtet von den ersten Startsekunden, dass "ein Zittern durch die Rakete ging mit hoher Frequenz aber kleiner Amplitude". Im Laufe der ersten Flugminuten nahm dann nach seiner Beschreibung die Vibration ab aber die Amplitude ständig zu, bis dann ein heftiges Schütteln vorherrschte, so als "ob man mit eckigen Rädern fahren würde“. Diese Resonanzen zwischen den Boostern und der Zentralstufe konnten auf dem Leningrader Teststand offensichtlich nicht hinreichend genau nachvollzogen werden.

Am 11. Oktober 1958, gleich beim darauf folgenden Start, kam es zum selben Fehler. Der Träger zerbrach nach 104 Flugsekunden.

Am 4. Dezember 1958, überstand die R-7 die Booster-Brennphase, dann aber ereignete sich 245 Sekunden nach dem Abheben ein vorzeitiger Brennschluss der zweiten Stufe, weil in der Treibstoffpumpe der Schmiermittelvorrat zu früh aufgebraucht war.

Die vierte Mission verlief erfolgreich. Flug fünf dagegen scheiterte erneut, weil 153 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe das Trägheitsnavigationssystem ausfiel und die Rakete gesprengt werden musste.

Die Flüge sechs und sieben waren erfolgreich. Sie brachten die Raumsonden Lunik 2 und Lunik 3 zum Mond.

Die Flüge acht und neun scheiterten erneut. Sie erfolgten an zwei aufeinander folgenden Tagen, am 15. und 16. April 1960.  Beim Start am 15.4. erlebte die dritte Stufe einen vorzeitigen Brennschluss, und die Raumsonde Luna E-3 erreichte nicht wie geplant den Mond (erzielte aber ein Apogäum von 200.000 Kilometern bevor sie wieder zur Erde zurückfiel.

Der Start am 16. April resultierte in einem der dramatischsten Fehlschlägen der Raumfahrtgeschichte. Unmittelbar nach dem Abheben lösten sich nämlich die Booster von der Zentralstufe und machten sich selbständig. Sie flogen über die Wohngebiete und technischen Anlagen in Baikonur, während die Zentralstufe ihren Aufstieg fortsetzte.

Am Ende gelangen von den neun Starts dieser Rakete, die das Ausgangsmodell für die bemannte Wostok war und die nur kurz darauf Menschen in den Orbit tragen sollte, nur drei.

Von der 8K72 „Luna“ zur 8K78 „Molnija“

Am 15. Januar 1960 erhielt Sergei Koroljew den Auftrag, aus der dreistufigen 8K72 „Luna“ eine vierstufige Version für Planetenmissionen abzuleiten. Sie erhielt die Bezeichnung 8K78, und sollte später den Namen ihrer Hauptnutzlast erhalten und auf die Bezeichnung „Molnija“ getauft werden.

Bis zum Start von Gagarin fanden vier Flüge der 8K78 statt. Drei davon misslangen.

Bei der ersten Mission der 8K78, am 10. Oktober 1960 kam es zum altbekannten Resonanzproblem, das zu einem Schaden im Fluglageregelungssystem führten. 301 Sekunden nach dem Verlassen der Rampe kam der Träger vom Kurs ab und 324 Sekunden nach dem Abheben musste der Irrläufer gesprengt werden.

Nur vier Tage später startete die zweite 8K78. Die Mission ging diesmal nur bis zur 290ten Flugsekunde gut, dann aber zündete die dritte Stufe nicht und die Nutzlast, eine frühe sowjetische Marssonde verglühte, beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Am 4. Februar 1961 startete die dritte 8K78. Die Stufen eins und zwei funktionierten, doch kurz vor Brennschluss der dritten Stufe, es war bereits die 531. Flugsekunde erreicht, und ein niedriger Orbit erzielt,  führte ein schadhaftes Sauerstoff-Ventil zu einem vorzeitigen Brennschluss. Immerhin: wäre dies Gagarins Rakete gewesen, er wäre in einem sehr niedrigen Erdorbit angelangt, es hätte für eine Erdumkreisung gereicht und der Ausgang wäre nicht tödlich gewesen.

Der vierte Flug schließlich, am 12. Februar 1961, genau zwei Monate vor Gagarins Mission glückte.

Von der 8K72 zur 8K72 „Wostok“

Für die ersten unbemannten Testmissionen der Wostok-Raumkapsel wurde die 8K72 "Luna" leicht modifiziert. Diese Modifikation bestand im Wesentlichen aus einer verlängerten Nutzlastverkleidung, um das Raumschiff mit seinem Antriebsmodul aufnehmen zu können. Diese Übergangsversion erlebte nur vier Einsätze.

Zum ersten Mal wurde sie am 15. Mai 1960 eingesetzt, als sie mit dem ersten Wostok-Prototypen flog. Dieser Prototyp wurde damals von der Sowjetunion in der seinerzeit üblichen Verschleierungstaktik als „Korabl-Sputnik“ (Sputnik-Raumschiff) bezeichnet. Der Westen bezeichnete diesen für ihn völlig unbekannten Satelliten als „Sputnik 4“. Die experimentelle Wostok-Kabine hatte keinen Hitzeschild und eine Bergung war nicht geplant. Sie diente für Manöver- und Systemtests in der Umlaufbahn.

Der Start klappte einwandfrei, es kam aber zu einem schwerwiegenden Problem mit dem Rückkehrmodul der Wostok-Kapsel, die sich falsch orientierte. Statt sich aus der Umlaufbahn herauszubremsen wurde sie bei diesem Manöver in einen höheren Orbit gebracht. Für einen Kosmonauten an Bord wäre es das Todesurteil gewesen.

Beim nächsten Start einer 8K72 am 28. Juli 1960 war mit Korabl-Sputnik 2 eine voll funktionsfähige Rückkehrkabine an Bord. Auch die Ausstattung entsprach weitgehend der bemannten Version der Wostok, die somit die erste reguläre Wostok-Flugeinheit im Standard der bemannten Missionen war. Das Raumfahrzeug hatte auch zwei Passagiere an Bord, die beiden Hunde Tschaika und Lisitschka.

Die Mission endete jedoch im Desaster. Bei der Zündung kam es zu einer Explosion in einer Booster-Brennkammer. Ein Brand brach aus, 17 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe löste sich der beschädigte Booster von der Rakete und nach 28 Sekunden explodierte der restliche Träger. Die beiden Hunde kamen ums Leben.

Wostok-Testflug Nummer drei, am 19. August – im Westen damals als Sputnik 5 registriert – war erfolgreich. An Bord befanden sich die beiden Hunde Bjelka und Strelka. Beide Tiere kamen nach einem Tag im Orbit in guter Verfassung zur Erde zurück. Damit war das bemannte Wostok-System zum ersten Mal erfolgreich getestet worden.

Koroljew hatte zuvor festgelegt, dass eine bemannte Mission erst nach zwei vollständig erfolgreichen unbemannten Flügen unternommen werden durfte. Insofern wäre nach dem nächsten Flug, wäre er denn erfolgreich verlaufen, der erste bemannte Einsatz möglich gewesen. Allerdings hatte Koroljew für die bemannten Missionen eine in der dritten Stufe verstärkte Variante der 8K72 eingeplant, die er als 8K72K bezeichnete. Es war dies die Rakete, die nach ihrer ersten Nutzlast den Namen "Wostok" erhielt. Sie verwendete statt des RD-105 Triebwerks von Semjon Kosberg mit einer Leistung von 49,4 Kilonewton das neuere RD-109 mit 54,5 Kilonewton Schub. Auch diese Version der 8K72 musste erst durch zwei erfolgreiche Flüge in Folge qualifiziert werden, bevor der erste bemannte Einsatz gewagt werden konnte.

Der vierte und letzte Einsatz der 8K72, also noch der Vorläuferversion, verlief am 1. Dezember 1960 von Seiten der Trägerrakete her erfolgreich. Doch nun versagte die Wostok-Raumkapsel. Bei der Retrotzündung aus der Umlaufbahn, mit der die Landung eingeleitet werden sollte, blieb das Bordtriebwerk in der „An-„ Stellung stecken und lief bis zur Erschöpfung aller  Treibstoffvorräte. Der Eintrittswinkel wurde dadurch viel zu steil und die Kapsel verglühte. Die beiden Hunde an Bord, Pcheka und Mushka, kamen ums Leben. Einem Kosmonauten an Bord wäre es nicht besser ergangen.

Im immer hitziger werdenden Wettlauf mit den Amerikanern beschleunigte sich nun die ohnehin schon hohe Frequenz der Versuchsflüge noch einmal.

Schon drei Wochen später, am 22. Dezember, erfolgte der erste Einsatz der 8K72K mit dem neuen Oberstufentriebwerk. Genau dieses Triebwerk versagte jedoch. Es kam zu einem Leck in einer Treibstoffleitung, und das Raumfahrzeug erreichte nicht die erforderliche Orbitgeschwindigkeit. Die Kapsel trennte sich aber wie vorgesehen und ging nach einem langen ballistischen Flug in Zentralsibirien nieder. Bei der Landung versagte der Schleudersitz, so dass die beiden Hunde an Bord, „Kometa“ und „Shutka“ an Bord bleiben mussten. Wiedereintritt und Landung waren beinhart, und hätten einem Menschen wahrscheinlich etliche Knochen gebrochen. Die kleinen, robusten Hunde überstanden den Flug jedoch weitgehend unbeschadet. Trotzdem: Diese Mission konnte nicht als erfolgreich betrachtet werden. Somit standen immer noch die zwei geforderten fehlerlosen Flüge in Folge aus.

Am 9. März 1961 ging der nächste Testflug problemlos über die Bühne. Man hatte das Anforderungsprofil nun reduziert. Statt über einen Tag und 17 Orbits, wie ursprünglich geplant, ging jetzt die Mission nur noch über eine Erdumkreisung und eine Dauer von 108 Minuten. An Bord von Korabl-Sputnik 4 befand sich eine Menschenpuppe, die von den Kosmonauten scherzhaft „Iwan Iwanowitsch“ getauft wurde. Mit an Bord befand sich auch der Hund „Tschernuschka“.

Iwan Iwanowitsch war auf den Schleudersitz geschnallt, Tschernuschka befand sich in einem gesicherten Behälter in der Kabine. Start, Orbitbetrieb, Retrozündung, das Ausschleudern der Puppe und die Landung klappten einwandfrei. Iwan Iwanowitsch landete unversehrt am Fallschirm, Tschernuschka ebenso unversehrt, wenngleich hart, in der Kapsel.

Nach diesem Flug wuchs die Zuversicht der sowjetischen Offiziellen. Der nächste – und hoffentlich letzte – Test wurde für den 25. März 1961 festgelegt.

Auch diese Mission war eine genaue Simulation von Gagarins Flug drei Wochen später: eine einzelne Erdumkreisung und eine Dauer von 108 Minuten. Iwan Iwanowitsch war erneut an Bord, zusammen mit dem Hund „Zwesdoschka“. Auch dieser Flug gelang problemlos.

Die R-7 hatte jetzt seit ihrem ersten erfolgreichen Orbitaleinsatz im Oktober 1957 24 Starts in den Erdorbit oder darüber hinaus unternommen. Zehnmal hatte die Rakete dabei versagt. Bei zwei weiteren Flügen war ohne Einwirkung der Trägerrakete die Wostok-Kapsel für das Scheitern einer Mission zuständig. Nimmt man diese Bilanz als Grundlage, dann standen Gagarins Überlebenschancen am Tag seines historischen Fluges am 12. April 1961 bei 50:50.

Gut genug für ihn, das Raumschiff an diesem Morgen zu besteigen.

Gagarins Start auf einer 8K72K "Wostok" am 12. April 1961 um 9:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

 

Hinweise:

Teil 1 der Geschichte der Semjorka finden Sie hier

Ein Klick hierher führt zur zentralen deutschen Juris-Night Webpage.

Ein Klick hierher oder in das Logo am Beginn des Artikels führt zur zentralen österreichischen Veranstaltung in Wien.

 

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien, u.a. für Astronomie Heute, Raumfahrt Concret und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 13 Jahren erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "N1 - Moskaus Mondrakete". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, zwei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine Gute Zusammenfassung

    In der DDR war zwar allgemein klar, dass nicht alle Versuche erfolgreich sein konnten – gezählt haben die Erfolge. So wurden ja Meldungen erst dann in die Welt gesetzt, wenn der Erfolg nach dem Start als gesichert galt. Auch hier war klar, dass man Fehlstarts zu den Erfolgsmeldungen „nicht brauchte“. Die Misserfolge der Amerikaner wurden nicht hochgespielt – aber ihre Erfolgen auch eher „klein gehalten“.
    Der Beitrag zeigt auch, mit welchem Aufwand – hier im Kalten Krieg – um Führungspositionen gekämpft wurde.

    Hunde waren im Orbit, um die prinzipielle Lebensfähigkeit von Lebewesen zu überprüfen. Um 3 Jahre später startete Juri Gagarin und er blieb nicht nur eine sondern drei Runden im Orbit, was höher als nur eine Runde bewertet wurde. Damit war endgültig bewiesen, dass der Mensch im All leben kann.

    Das war auch ein großer Erfolg für den sowjetischen Konstrukteur von Raketen, dem Weltraumpionier Sergei Pawlowitsch Koroljew. Sein Prinzip: „Je einfacher eine Konstruktion ist, desto genialer ist sie. Kompliziert bauen kann jeder.“ http://de.wikipedia.org/…ei_Pawlowitsch_Koroljow
    „Danach“ haben die Japaner ihre Raketen überarbeitet – und waren erfolgreich (FS-Bericht).

    Zum Gagarin-Jubiläum gibt es eine Sonderbriefmarke: http://www.raumfahrt-concret.de/…ont_content.php

  2. Korrektur

    J. Gagarin flog eine Runde um die Erde. Es hieß, dass drei Runden für eine höhere Genauigkeit ev. notwendig gewesen wären. Der Schuss war aber so genau, dass eine Runde genügte um ihn landen zu lassen.

  3. Zündung der 3. Stufe

    Doch war das Problem der Zündung eines Raketentriebwerks mit flüssigen Treibstoffen nach einer Schwerelosigkeitsphase (wie sie nach einer Stufentrennung kurzfristig auftritt) weiterhin ungelöst.

    Wie wird das Problem heutzutage bei Ariane und co. gelöst? Mit Hilfe von Pumpen?

  4. Zündung der 3. Stufe

    Auch die Pumpen bekämen ein Problem, wenn sie statt Treibstoff nur Luft, Pressgas oder gar nichts ansaugen würden, weil sich der Treibstoff in der Schwerelosigkeit so verhält, wie die Wasserkugeln, mit denen Astronauten manchmal bei Fernsehübertragungen so publikumswirksam spielen. Dann träte das Problem der Kavitation ein, d.h. die Pumpen liefen innerhalb kürzester Zeit mit so hoher Geschwindigkeit, dass sie sich zerlegen würden.

    Aus diesem Grund wird in der Aufstiegsphase einer Rakete dafür gesorgt, dass ein Träger immer unter Beschleunigung bleibt. Stufentrennungsphasen, in denen es zu kurzfristigen Unterbrechungen in der Arbeit der Hauptantriebe kommt (Triebwerke der ersten Stufe sind bereits abgeschaltet, Triebwerke(e) der zweiten Stufe haben noch nicht gezündet), werden dann mit kleinen Feststoffmotoren oder Lagekontrolltriebwerken überbrückt. Es muss ja nicht viel Schub zur Verfügung gestellt werden, nur soviel, dass der Treibstoff am Tankboden bleibt, dafür genügen wenige hunderstel G.
    Ähnlich ist es nach längeren Freiflugphasen, etwa wenn eine Oberstufe nach längerer Stilllegungszeit erneut in Betrieb genommen wird, um eine Bahnanpassung vorzunehmen. Dann werden diese Stufen „vorbeschleunigt“, d.h. es zünden entweder kleinere Flüssigkeitstriebwerke oder Feststoffmotoren bereits einige Sekunden vor der Zündung des Haupttriebwerkes. Dadurch wird der Treibstoff wieder an den Tankboden gedrückt, und das Haupttriebwerk kann normal arbeiten.

    Und warum hat ein flüssigkeitsbetriebener Motor eines solchen so genannten „Ullage-Motors“ ein solches Problem nicht? Nun, für kleinere Treibstoffmengen gibt es heute Tanksysteme, die es auch erlauben, Treibstoff in der Schwerelosigkeit zu fördern, so genannte PMD’s (Propellant Management Devices). Sie arbeiten nach verschiedenen Methoden, zum Beispiel die der Nutzung der Oberflächenspannung von Flüssigkeiten, die es erlaubt, auch in der Schwerelosigkeit eine bestimmte Menge an Treibstoff an einem gewünschten Punkt zu fixieren. Ausreichend um einen Ullage-Motor zu betreiben, der seinerseits wieder die Funktionsfähigkeit des Haupttriebwerks sicherstellt.

    Es gibt aber auch heute noch eine ganze Reihe von Trägern, die nach dem klassischen Heißzündungsverfahren arbeiten, unter anderem auch noch eine Sojus-Variante, und die meisten chinesischen Träger soweit die erste und zweite Stufe betroffen sind. All diese Träger sind optisch schon dadurch erkennbar, dass die Stufen durch Gitterstrukturen voneinander getrennt sind.

  5. Danke

    Danke für die ausführliche Antwort. Als Laie macht man sich ja gar kein Bild, wo überall die kleinen und großen Probleme liegen.

    Und auch danke für diese Reihe und die vielen anderen lehrreichen und interessanten Artikel hier im Blog.

  6. Technik in Gegenüberstellung

    Heute habe ich auch folgende Meldung im I-net gefunden: „Moskau/ Russland – Am heutigen 12. April jährt sich der erste bemannte Flug ins All zum 50. Mal. Nur wenige wissen, dass schon der erste Mensch im All, der Russe Yuri Gagarin, von der Existenz von UFOs nicht nur überzeugt gewesen sein, sondern auch selbst unidentifizierte Flugobjekte im All gesehen haben soll.“ http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com/…l
    Die Geheimhaltung galt damals auch in der Sowjetunion. 1997 veröffentlichte Ullstein das Buch der MIG-Testpilotin Marina Popowitsch von 1991: Meine Ufo-Begegnungen. Aus einem Fundus von über Tausenden von Zuschriften wurde die Beispiele für das Buch ausgewählt. Sehr interessant ist auch die Beschreibung von Antrieben, die von Fachleuten verfasst wurden.

    Vor über 11 Jahren brachte RTL 2 im Februar 2000 die Sendung UFO 2000 mit einigen Interviews von Astronauten und Flugzeugführern – in http://www.kosmologs.de/…l-und-ins-all-geschickt ging ich darauf ein.

    Nun könnte man nur hoffen, dass auch dieses Gebiet von modernen Fluggeräten mit mehr fachspezifischen Interesse in Zukunft betrachtet wird, so wie Dr. Shostac das schon in seinem Beitrag „Der Tag, an dem die Erde stillsteht.“ in AH 5/2006, S. 24 – 28 beschrieb: „Ufo-Sichtungen gibt es jetzt seit einem halben Jahrhundert…“

  7. herrn deistung seine klugheit

    herr deistung, ihre worte sind von so riesiger klugheit durchsetzt die aber kaum einer merkt. ausser mir. denn ich bin ein bewunderer ihrer studien. lange schon! ufos sind immer schon da das sieht nur kaum einer ausser uns beiden. wir sind da weiter als die anderen mit unseren studien. weiter so herr deistung lassen sie uns nicht verzagen im kampf gegen die ganze ignorantz in der welt die aber voller ufos ist lange schon. hier in komsologs ist guter platz für unsere studien.

  8. Ufos und Gagarin

    Werter Herr Deistung, da müssen Sie etwas verwechselt haben. Nicht GAGARIN hat an UFOs geglaubt, sondern beim Anblick von Lady GAGA RINgt man mit dem Glauben daran, dass es sich um ein gelandetes UFO handeln könnte.

  9. Ende der Ufo-Debatte

    Ich darf bitten, die UFO-Debatte an dieser Stelle zu beenden und beim Thema zu bleiben. Es gibt unzählige Foren, in denen man sich darüber verbreiten kann und die dafür besser geeignet sind. Hier bitte nicht. Weitere Beiträge dazu werde ich umgehend löschen.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben