Burggespräche auf Schloss Albrechtsberg

Der nachfolgende Blog-Beitrag stammt zu wesentlichen Teilen von einem Gast auf meinem Blog: Monika Fischer. Sie ist Juristin, begeisterte Amateurastronomin von Jugend an, hauptberuflich derzeit für Öffentlichkeitsarbeit und die Durchführung von Kooperationen für die Künstlerische Volkshochschule in Wien tätig, leitet die Öffentlichkeitsarbeit des Österreichischen Weltraum Forum und ist auch im „Der Orion“-Dreigestirn zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring.

Vom 10. bis 12. August 2012 sah das Schloss Albrechtsberg, gelegen im gleichnamigen Ort in Niederösterreich, die inzwischen vierten „Burggespräche“. Bisher eher ein geselliges Treffen von Freunden der Astronomie und Raumfahrt, verstärkt durch ein interessantes Informationsangebot, war es dieses Mal eine Veranstaltung der Superlative. Denn für die rund 25 TeilnehmerInnen konnte „Der Orion“ in diesem Jahr hochkarätige Referenten gewinnen:

Dieses Foto von Schloss Albrechtsberg mit einem Perseiden machte Sebastian Voltmer gegen Mitternacht im Stil von TWAN

Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung diesmal vom neu gegründeten Förderkreis für Raumfahrt und Astronomie „Der Orion“. Wer hier eine enge Verbindung mit der gleichnamigen Internetplattform „Der Orion“ vermutet, hat ins Schwarze getroffen. Treibende Kraft in der Vorbereitung, guter Geist (und Köchin!) während der Durchführung des Treffens war wie immer Maria Pflug-Hofmayr. Zur Seite standen ihr Monika Fischer, zuständig für Planung, Strategie, Öffentlichkeitsarbeit und Akquise, und Eugen Reichl, Bayer aus Leidenschaft, Bierlieferant der Burggespräche und bei „Der Orion“ zuständig für den Bereich Raumfahrt.

Ort des Geschehens war wie immer das Schloss Albrechtsberg an der Pielach.

Alter Stich von Schloss Albrechtsberg und eine Impression von der Schlossführung am 10. August. Die Bilder stammen von Johannes Stübler

Im Kern ist das Gebäude 900 Jahre alt. Ein verwinkeltes Spukschloss mit unzähligen Räumen, Kellern, Nischen, Speichern und Schlossgespenstern und jedes Jahr eine einzigartige Kulisse für die Burggespräche.

Wie immer war es neben den Workshops das Hauptanliegen der Organisatoren, den TeilnehmerInnen viel Gelegenheit zu geben, sich miteinander in gemütlicher Atmosphäre über den Weltraum auszutauschen.

Freitag, 10. August: Führung Stift Melk

Die Burggespräche begannen Freitagmittag mit einer Exklusivführung durch das Stift Melk. Geführt von Paul Beck, der dem Orion seit Jahren verbunden ist (er schreibt für uns unter dem Pseudonym „Astronomicus“), konnten die TeilnehmerInnen einen Blick auf die ältesten astronomischen Schriften Europas werfen, darunter eine verblüffend gut erhaltene astronomisch-kalendarische Handschrift, die um das Jahr 825 verfasst wurde. Sie diente einst zur Berechnung der Osterfeiertage (und war dabei allerdings, das nur am Rande, alles andere als genau).

Besonders interessant war ein Fragment, das bei der Restaurierung eines Buches der Melker Sammlung gefunden worden war. Es handelt sich um eine schematische Darstellung der Entstehung von Sonnen- und Mondfinsternissen. Das Fragment war seinerzeit von den Mönchen, in Verkennung des Wertes des Buches, aus einer Handschrift herausgerissen worden, um ein anderes Buch im Falz zu verstärken! Erstaunlich bei diesem 500 Jahre alten Relikt ist die Frische der Farben.

Uralte astronomische Schriften im Stift Melk. Erläutert von Paul Beck (Astronomicus). Collage von Johannes Stübler.

Die mehrstündige Besichtigung führte die TeilnehmerInnen und Referenten in Anlagen des Stifts, die für das „normale“ Publikum für gewöhnlich gesperrt sind. Danach machte sich die Gruppe wieder auf den Rückweg zum nur fünf Kilometer entfernten Schloss Albrechtsberg. Nach Einbruch der Dunkelheit führte der Sohn des Burgherrn höchstpersönlich die mit Kerzen ausgerüsteten BesucherInnen durch das altehrwürdige Renaissanceschloss.

Nächtliche Führung in den dunklen Gewölben von Schloss Albrechtsberg. Bild: Robert Situm

Nach all den Geistern und manchem Geistigen war das Abendessen ehrlich verdient: Gazpacho, vegetarisches Chili, Maxlrainer Bier (aus Bayern!) und Kamptaler Grüner Veltliner.

Samstag, 11. August: Babak Tafreshi, Heinz Oberhummer und die Perseiden

Der Samstag war großteils dem Workshop von Babak Tafreshi gewidmet. Er ist Gründer von „The World at Night“ (TWAN) und vor allem Astrofotografen ein Begriff. TWAN-Bilder zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Sternenhimmel immer zusammen mit der Landschaft oder einem markanten Bauwerk im Vordergrund festhalten. Als Aufnahmegerät dient meist eine einfache Spiegelreflexkamera.

Babak Tafreshi von TWAN. Bild: Robert Situm

Babak spannte den Bogen von den Grundlagen der Nachtfotografie im TWAN-Stil zu Detailfragen für die Fortgeschrittenen unter den TeilnehmerInnen.

Highlight am späten Nachmittag war der Vortrag von Prof. Heinz Oberhummer, Mitglied der Wissenschafts-Kabarettgruppe „Science Busters“, die in Österreichs Medien omnipräsent sind. Er berichtete über „Conan das Bakterium“, warum es sich bei diesen Lebewesen vielleicht um Aliens handelt, und dass es ein ganz spezielles Verhältnis zu Alpakas hat. Dieser Vortrag war auch für die Öffentlichkeit zugänglich – ein Novum bei den Burggesprächen.

Nach Heinz Oberhummer gab es den schon traditionellen Grillabend mit Eugen Reichl (Astra) am Feuer. Und danach kam das astronomische Highlight der Veranstaltung: Beobachtung der Perseiden (und, quasi als „Bonusmaterial“, auch der ISS).

Gemeinsames Abendessen im Burghof. Bild: Monika Fischer

In letzter Minute entschloss sich auch das Wetter, mitzuspielen. Hatte es am Morgen noch geregnet, klarte es tagsüber mehr und mehr auf. Bei Einbruch der Nacht waren nur noch wenige Wolken am Himmel. Der Regen in den Stunden zuvor hatte bewirkt, dass die Luft wie blank geputzt war und ein großartiges „Seeing“ herrschte. Das breite Band der Milchstraße war so deutlich zu sehen wie sonst nur in klaren Winternächten. Hilfreich kam der späte Aufgang des Mondes hinzu, die erste Nachthälfte war relativ dunkel.

Gegen 22:00 Uhr brach die Gruppe zum benachbarten See auf, die Astrofotografen brachten dort ihre Kameras in Stellung. Babak Tafreshi unterstützen jeden, der um Hilfe bat. Bei dieser Gelegenheit machte einer der Gäste, der Dokumentarfilmer Sebastian Voltmer (Dokumentarfilmer, bekannter Astrofotograf und guter Freund von „Der Orion“) dieses Foto vom Orion-Team unter den Sternen (von links: Monika Fischer, Eugen Reichl, Maria Pflug-Hofmayr).

Das Trio von „Der Orion“. Von links nach rechts: Monika Fischer (Luna), Eugen Reichl (Astra) und Maria Pflug-Hofmayr (Nox). Fotografiert von Sebastian Voltmer. Das Bild entstand gegen ein Uhr morgens.

Gegen zwei Uhr morgens verschwanden langsam auch die letzten Wolken vom Himmel – das Signal für Monika Fischer, ihr Celestron 8 aufzustellen. Für die Astro-Novizen unter den TeilnehmerInnen war es ein besonderes Erlebnis, einmal den Andromeda-Nebel zu beobachten (der im Übrigen auch mit bloßem Auge gut zu erkennen war), M13 im Herkules, den Ringnebel in der Leier, Jupiter mit allen vier Galileischen Monden, und schließlich kurz vor dem Morgengrauen auch noch den abnehmenden Mond.

Die Letzten, die von der Beobachtungstour ihren Weg ins Schloss zurückfanden – gegen fünf Uhr morgens – waren Babak Tafreshi und Sebastian Voltmer. Auf ihre Ausbeute sind wir schon sehr gespannt.

Sonntag, 12. August: Workshop Jerry Bonnell

Obwohl die OrganisatorInnen und viele der TeilnehmerInnen sich fast die ganze Nacht um die Ohren geschlagen hatte, fiel es doch nicht sonderlich schwer, am nächsten Morgen aufzustehen. Nach den knusprigen Frühstücksbrötchen war das Wort an Jerry Bonnell, dem Mitherausgeber von „Astronomy Picture of the Day“. Er war aus den USA angereist, um den TeilnehmerInnen der Burggespräche eine Reise durch das Universum in einem hypothetisch und gut abgeschirmten Raumschiff zu bieten, auch an so entlegene Orte wie Schwarze Löcher oder planetarische Nebel. Neben den tollen astronomischen Aufnahmen war vor allem der Blick hinter die Kulissen von APOD sehr interessant.

Maria Pflug-Hofmayr konnte dazu einiges beisteuern, weil sie seit bereits fünf Jahren APOD täglich vom Englischen ins Deutsche übersetzt.

Von Links: Jerry Bonnell, Maria Pflug-Hofmayr, Monika Fischer, Babak Tafreshi und Eugen Reichl. Bildrechte? Tja schwierig. Sebastian Voltmer mit Monika Fischers Apparat unter gegenseitiger Beratung 🙂

Nach dem Mittagessen (Hühnchencurry, vegetarisches Curry, original Niemetz-Schwedenbomben und Eiskaffee) war es Zeit für den Abschied.

Doch es gilt: Nach den Burggesprächen ist vor den Burggesprächen. Der Termin für die nächste Veranstaltung steht bereits fest, Schloss Albrechtsberg ist schon gebucht. Die fünften Burggespräche finden von 9. bis 11. August 2013 statt. Voranmeldungen dafür werden etwa ab Januar 2013 gerne entgegengenommen. Wie immer ist die TeilnehmerInnenzahl auf 25 Personen beschränkt – wer garantiert einen Platz ergattern möchte, wird gerne unverbindlich auf eine Warteliste gesetzt.

Mond und Jupiter im „Goldenen Tor der Ekliptik“ über Schloss Albrechtsberg. Foto von Sebastian Voltmer

Ich bin Raumfahrt-Fan seit frühester Kindheit. Mein Schlüsselerlebnis 1963. Ich lag mit Masern im Bett. Und im Fernsehen kam eine Sendung über Scott Carpenters Mercury-Raumflug. Dazu der Kommentar von Wolf Mittler, dem Stammvater der TV-Raumfahrt-Berichterstattung. Heute bin ich im "Brotberuf" bei Airbus Safran Launchers in München im Bereich Träger- und Satellitenantriebe an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technik tätig. Daneben schreibe ich für Print- und Onlinemedien, u.a. für Astronomie Heute, Raumfahrt Concret und vor allem für mein eigenes Portal, "Der Orion", das ich zusammen mit meinen Freundinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer betreibe. Ich trete in Rundfunk und Fernsehen auf, bin Verfasser und Mitherausgeber des seit 13 Jahren erscheinenden Raumfahrt-Jahrbuches des Vereins zur Förderung der Raumfahrt (VFR). Aktuell erschien in diesen Tagen beim Motorbuch-Verlag "N1 - Moskaus Mondrakete". Bei diesem Verlag sind in der Zwischenzeit insgesamt 16 Bücher von mir erschienen, zwei davon werden inzwischen auch in den USA verlegt. Daneben halte ich etwa 20 mal im Jahr Vorträge bei den verschiedensten Institutionen im In- und Ausland. Mein Leitmotiv stammt von Antoine de Saint Exupery: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge zu verteilen und Arbeit zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten unendlichen Meer. In diesem Sinne: Ad Astra

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