Der Transhumanismus und das principium individuationis

Apologese

So.

Scilogs baut um, und es ist absehbar, dass dieser Blog inaktiviert wird und im Archiv landet – weil ich selbst als Blogger inaktiv war und wohl mittlerweile auch redlich rumpelkammerreif bin. So geht’s halt, ich hab‘ mich leergeschrieben und bin, denke ich, im Archiv, wo die Vergangenheit modert, gut aufgehoben.

Zum Abschied möcht‘ ich aber noch einen Sprung in die Zukunft wagen. Es ist nämlich nicht so, dass ich gar nicht mehr schriebe, oh nein – ich muss mich beruflich, in meiner Ghostwriterei, dauernd auf neue Sachen einlassen, und da bin ich gerade über den Transhumanismus gestolpert, der seinerseits das Menschsein gründlich entrümpeln und von allerlei Ballast befreien will.

Dazu will ich noch etwas sagen.

 

Hauptteil

Der Mensch, sagt Nietzsche, ist etwas, das überwunden werden muss. Das sagen die Transhumanisten auch. Manche berufen sich auf Nietzsche, andere auf Julian Huxley, dem man übrigens Menschenfeindlichkeit nicht vorwerfen kann, denn er war der erste Generalsekretär der UNESCO.

Es wäre ja auch zu schön, wenn man dem Elend der condition humaine – Krankheit, Begrenztheit, Dummheit, Sterblichkeit – durch gezielte bio- und abiotechnische Manipulationen abhelfen könnte. Gezielte genetische Manipulationen, Cyborgs und endlich der komplette Umzug der Intelligenz auf unsterbliche Plattformen und hinaus in’s Kosmische – darum geht’s.

Man kann das belächeln. Man kann es kritisieren, Habermas und Fukuyama, um nur zweie zu nennen, stehen diametral dagegen. Mit guten Argumenten, die allerdings alle aus dem klassischen Menschenselbstbild abgeleitet sind, das die Transhumanisten ja hinter sich lassen wollen.

Und – wiewohl wir noch weit von der Unsterblichkeit und dem Umzug des Mentalen auf die Plattformen der künstlichen Intelligenz entfernt sind – es hiesse die Augen vor er technologischen Wirklichkeit zu verschliessen, wenn wir nicht zugäben, dass wir die Genmanipulationen und die Cyborgs nicht schon haben. Insofern sind wir schon auf dem Wege zum Transhumanen.

In meinem ferneren Bekanntenkreis findet sich tatsächlich ein junger blauhaariger Nerd, der hat sich aus freien Stücken einen winzigen Neodym-Magneten in die Fingerkuppe des Ringfingers implantieren lassen. Weil er es als anregend empfindet, elektromagnetische Feldänderungen taktil wahrnehmen zu können … die Cyborgs sind schon da, teils aus freien Stücken (der Mann mit dem Magneten), teils aus medizinsicher Notwendigkeit (Herzschrittmacher usw.).

Ich glaube nicht, dass wir uns diesem Prozess oder dem Diskurs darüber entziehen können, denn ho bios brachys, hê de technê makrê, das Leben ist kurz und die Technik ist gross und mächtig. Sie war es immer schon – das Zitat ist von Hippokrates. Eigentlich könnte man sagen, dass der Mensch ebensosehr ein zoon technikon wie politikon sei – schon der Faustkeil ändert die Wirkung der Faust und damit die Wirkweise des Menschen in der Welt und dadurch auch sein Selbst- und Weltbild. Die Unterscheidung zwischen Technik und Natur ist hinfällig: Technik ist die Natur des Menschen, er ändert sich und sie, indem er sie einsetzt. Der Mensch, der lernt, ein Pferd zu zäumen und zu reiten, ist ein Kentauer, wer Feuer machen kann, ist ein Halbgott, wir sind schon immer alle Prometheus.

Es wird schon seit je und dauernd überwunden, nichts bleibt, wie es war und kein Früher lässt sich heute wieder herstellen. Man kann das bedauern. Man kann sich auf die normativen Fähigkeiten des Menschen berufen, aber ein normatives „Halt!“ lässt sich zwar aussprechen, nicht aber realisieren. Stillstand ist nicht Rückschritt, Stillstand ist einfach nicht machbar.

Wir sind also schon mitten drin im transhumanen Programm und es läuft, seit es Menschen gibt. Allerdings teile ich den Optimismus der Transhumanisten nicht. Und zwar deshalb nicht, weil der Transhumanismus in fast allen seinen Spielarten eines leugnet: das principium individuationis.

Nehmen wir zum Beispiel Ray Kurzweil, der ein transhumanes Programm namens „Singularitarianismus“ vertritt. Lachen Sie nicht, das heisst wirklich so, da muss man sogar die Aussprache erstmal üben: „Sing-u-la-ri-ta-ri-a-nis-mus“. Die Singularität, das ist die zu erschaffende extracerebrale Superintelligenz. Und Kurzweil schreibt:

„Wenn wir die gesamte Materie und Energie des Weltalls mit unserer Intelligenz gesättigt haben, wird das Universum erwachen, bewußt werden – und über phantastische Intelligenz verfügen. Das kommt, denke ich, Gott schon ziemlich nahe.“ (1)

Das ist das alte buddhistische und mystische Heilsversprechen in anderer Form. Eins mit dem All. Der Preis aber, der zu zahlen ist, ist dass es kein anderes, keine Individuen mehr gibt.

Gott aber hat – wenn es ihn gibt – Langenweile. Böse Zungen sagen, er habe diese bunte Welt der dinglichen und subjektiven Individuation geschaffen, um dem abzuhelfen. Dann würden wir also – gottgleich geworden – vor Langenweile am Ende des Programms gerade wieder von vorne anfangen.

Ich glaube aber nicht, dass es soweit kommen wird. Zwar sind wir ja schon dabei, unserem Wissen abiotische Plattformen zu schaffen – künstliche Intelligenzen, Computernetzwerke – doch wir merken ja jetzt schon, dass bei dem Umzug auf diese Plattformen allerlei lästiger Individualschmutz mitkommt, den man da eigentlich gar nicht haben wollte – das Verschlüsselungsvirus Locky, das momentan grassiert, mag als Beispiel dienen. Mit der versprochenen Katharsis, der Reinigung der conditio humana vom Dummen, Widerwärtigen; Bösen, Unerwünschten, hat das nichts zu tun. Auch all dem bieten die schönen neuen technoiden Welten Plattformen.

Der Schmutz, das Negative, das Unerwünschte, das Andere kommt immer mit. Es scheint sogar konstitutiv zu sein. Schliesslich bestehen wir – genetisch gesehen – ja jetzt schon zu 90% aus dem DNS-Müll, den virale Infektionen hinterlassen haben, die unsere fernen Vorfahren durchlitten – das ist eben unsere Junk-DNA, ohne die es aber wohl auch nicht geht, denn sonst wäre sie ja von der Evolution schon eliminiert worden.

Der Müll ist also wichtig, die Individuation ebenso.

Die anti-individuelle Stossrichtung des Transhumanismus liesse sich noch an vielen anderen Beispielen exemplifizieren – ein unsterbliches Wesen z.B. ist auch eines Teiles seiner Individuation, der zeitlichen eben, beraubt, ein Cyborg, der seine Körperlichkeit und seine mentalen Möglichkeiten nach Wunsch designt, ist auch kein Individuum mehr, sondern eine Assemblage von wechselhaften Individuationen.

Das Individuum ist aber unhintergehbar, sogar die modernen analytischen Philosophen sind dieser Ansicht. Eine vernünftige Rede und ein vernünftiges Handeln in der Welt muss die Individuation in Rechnung stellen. Andere Programme sind Weltabschaffungsprogramme. Also brauchen wir auch individualisierte Technologien.

Haben wir ja schon. Im negativen Sinne als Überwachungsprogramme im Cyberspace, die unser individuelles Verhalten im Dienste des Marketings und der Manipulation registrieren. Im positiven Sinne im Versprechen von individualisierten medizinischen Technologien, seien sie genetisch, pharmakologisch oder operativ.

Die technologische Erfassung des Individuums geht voran. Man kann mittlerweile, wenn man es will – noch muss man es nicht – sein Genom auf einer Chipkarte mit sich herumtragen, man kann, wenn man es will – noch muss man es nicht – sich via Apple und Apps, Actiwatches, Smartphones und Biosensoren vollständig transparent machen, und vielleicht werden uns die Hirnscanner demnächst sagen, was wir eigentlich denken. Völlige Transparenz.

 

magritte Kopie

(Magritte, La reproduction interdite, 1937)

Nur ist’s halt so, dass ein vollständig transparenter Spiegel kein Spiegel ist, sondern ein Fenster, durch das hindurch man nicht, wie in einem Spiegel, auf sich selbst, sondern auf etwas anderes, Fremdes, Unvertrautes schaut. Ich bin nicht mein Genom.

Was bin ich denn dann? Wenn das Individuum nicht, wie Platon glaubte, der Einzelfall einer ideellen Wahrheit ist, wenn es sich aber auch in der Aufzählung aller seiner individuellen Akzidentien nicht dingfest machen lässt – was ist es dann?

Ineffabile est„, sagt Aristoteles, „das Individuum ist unaussprechlich.“ Wir können nicht hinter den Spiegel treten. Es gibt nämlich – das ist es, was Aristoteles sagen will – keine Wissenschaft vom Individuum. Einfach deshalb, weil Wissenschaft auf der Suche nach allgemeingültigen Aussagen ist, das Individuum aber gerade das ist, was sich dem Allgemeinen entzieht. Das Partikulare eben.

Die Partikularität aber, das principium individuationis, das alles beherrscht, was ist (eine Rose ist diese Rose und keine Tulpe), ist gleichzeitig der Quell all des Elends und des Negativen in der Welt. Sein heisst immer auch: Etwas anderes nicht sein. Oder den anderen im Wege herumstehen. Oder Täter oder Opfer werden.

Den Menschen können wir überwinden. Die Individuation nicht.

Epilog:

So. Da hab‘ ich mich also doch nochmal überwunden, einen Blogbeitrag zu schreiben. Sehr originell ist er nicht geworden, die geistigen Ziehväter des Lobes / der Beschimpfung des principium individuationis, das ich hier vorgetragen habe, sind Leibniz und Schopenhauer. Ich hab‘ sie halt einfach mit dem Transhumanismus zusammen zu denken versucht. Ansonsten scheint hier auch noch ziemlich viel vom Universalienstreit des Mittelalters durch. Sie werden gemerkt haben, dass ich mich weitgehend auf die Seite der Nominalisten geschlagen habe.

Una rosa est haec rosa non tulipa.

 

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(1) das Zitat stammt aus einem Wikipedia-Artikel

Veröffentlicht von

Gedankenfragmente von Helmut Wicht, Dozent an der Frankfurter Universität, über Neurobiologie, Anatomie, Philosophie, Gott und die Welt. Seine eigentliche Expertise bezieht sich auf die (Human-)anatomie und die vergleichende Anatomie des Nervensystems.

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  1. Helmut Wicht schrieb (20. April 2016):
    > […] vom Dummen, Widerwärtigen; Bösen, Unerwünschten […] Auch all dem bieten die schönen neuen technoiden Welten Plattformen.

    Doch einer besonderen Ausprägung von all dem nicht (mehr):

    Jemandes Willen, etwas zu sagen, jegliche „Plattform“ zu entziehen;
    aus dem „Archiv“ ganz herauszuhalten;
    jegliche Würdigung als Herausforderung oder als herausforderbar zu unterbinden;
    Langeweile durchzusetzen.

  2. Na! – Lieber Helmut Wicht, Sie sind doch ein Leistungsträger der Leistungsgesellschaft, der wissenschaftlichen, auch des wissenschaftlichen und wissenschaftsnahen WebLog-Wesens; keine Ahnung, warum Sie nun und hoffentlich nur vorübergehend ein wenig vergnatzt erscheinen, aber Ihre Nachrichten hatten Wirkung, auch deshalb, weil Sie etwas zu sagen haben (hatten?),

    Der sogenannte Transhumanismus, mit dem Humanismus hat er wenig bis nichts gemein, ist natürlich („geboren“) nur eine Chimäre, eine Mode zeitgenössischer Verlautbarung und in sich unschlüssig, denn leider leider kann der Mensch (vs. Bär) weder der genetischen Datenhaltung Sinn und Zweck entnehmen, auch wenn sie, wie es oft falsch benachrichtigt wird, entschlüsselt sei, noch der humanen „CPU“.
    Hier ist jeweils nichts sinnhafterweise zu dekodieren oder zu abstrahieren, zu Information.

    Menschen (vs. Bären) müssen also weitergehend kleine Brötchen backen.

    Hmm, so etwas scheint zwar sinnhaft zu sein, wenn es darum geht, Identifikationsverfahren mit sich anschließender Autorisierung (dies ist ein zentrales Konzept der Informationstechnologie, Anwendungen meinend) zu unterstützen. – Der außerkörpliche Ausweis, gerne auch in Form sogenannter Chip-Karten, bleibt aber deutlich cooler.

    Finden’S net?

    MFG
    Dr. Webbaer (der einräumen muss die letzten Absätze der Nachricht nicht umfänglich verstanden zu haben, macht abär nüscht, oder?)

  3. Transformation muss nicht Deinviduation bedeuten. Das zeigen viele altgriechische Sagen wie folgende:

    Der griechischen Sage zufolge verliebte sich Zeus in Leda und näherte sich ihr in der Gestalt eines Schwanes und schwängerte sie. Doch auch Ledas Mann Tyndareos schlief in dieser Nacht mit ihr. Leda gebar zwei Eier mit vier Kindern – Helena, Polydeukes (lateinisch Pollux), Klytaimnestra und Kastor. In einigen Versionen ist es nur Helena, die aus einem Ei schlüpft, in anderen werden Kastor und Polydeukes aus demselben Ei geboren

    Die Griechen nannten die Welt, in der solche sagenhaften Gestaltwandlungen möglich waren,nicht die Singularität. Nein, es war schlicht die Welt der Götter in der so etwas möglich war. Wer weiss, vielleicht wünschen sich ja die Transhumanisten diese Götterwelt zurück – mit ihnen selbst als neue Götter.

  4. Den transhumanistischen Wunsch nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend kannte schon Gilgamesch vor mehr als 3500 Jahren. Gilgamesch musste ich aber schliesslich mit irdischer Unsterblichkeit zufrieden geben, einer Unsterblichkeit, die darin besteht,dass die Sage über die Stadt Uruk bis heute weiterbesteht, die Sage über eine Stadt, die von Gilgamesch mit einer Statdtmauer für ewige (?) Zeit vor Eindringlingen geschützt wurde:

    Als Gilgamesch an einem Brunnen rastet, ist er jedoch unvorsichtig und eine Schlange kann ihm die Pflanze der ewigen Jugend stehlen. Betrübt und niedergeschlagen kehrt er nach Uruk zurück, bereichert um die Kenntnis, dass er sich nur durch große Werke als guter König einen unsterblichen Namen erwerben kann. So beginnt er mit dem Bau der Stadtmauer von Uruk.

  5. Die heutigen Cyborgs/Cyberpunks sind Individualisten und modifzieren ihren Körper höchst individuell. Das heisst aber nicht, dass die Gefahr der Entindivualisierung, wie sie hier beschrieben wird, nicht besteht. Mir scheint das aber eher eine gesellschaftliche Gefahr zu sein als das es inhärent in der Technologie angelegt ist, welche uns in transhumane Sphären portieren kann. Ich behaupte sogar, dass eine zukünftige Gesellschaft zwangsläufig die Kontrolle über transhumane Entwicklungen behalten und erzwingen muss, denn andernfalls könnten Transhumane vom Joker-Typ (Figur aus Batman) mit suprahumaner Technologie die ganze Gesellschaft gefährden und sie gar unter ihre Kontrolle bringen.
    In Transhumanist Values skizziert Nick Bostrom das Weltbild der Transhumanisten, wobei er auch auf den Individualismus eingeht:

    transhumanists typically place emphasis on individual freedom and individual choice in the area of enhancement technologies. Humans differ widely in their conceptions of what their own perfection or improvement would consist in. Some want to develop in one direction, others in different directions, and some prefer to stay the way they are. It would neither be morally unacceptable for anybody to impose a single standard to which we would all have to conform. People should have the right to choose which enhancement technologies, if any, they want to use. In cases where individual choices impact substantially on other people, this general principle may need to be restricted, but the mere fact that somebody may be disgusted or morally affronted by somebody else’s using technology to modify herself would not normally a legitimate ground for coercive interference. Furthermore, the poor track record of centrally planned efforts to create better people (e.g. the eugenics movement and Soviet totalitarianism) shows that we need to be wary of collective decision-making in the field of human modification.

    Nick Bostrom stellt dann eine Liste von transhumanen Werten auf, die durch ihre humanitäre und libertäre Ausrichtung auffällt. Die neue Conditio transhumana entfaltet sich nach Bostrom unter der Grundvoraussetzung, dass es die Freiheit gibt, trans- und posthumane Domänen zu erkunden, wobei globale Sicherheit, technologischer Fortschritt und breite Zugänglichkeit gegeben sein müssen. Unter diesem Mantel ist dann vieles möglich. So darf die Biologie/Natur „editiert“ werden. Jeder kann selbst entscheiden wie er sich verändern will. Friede, Kooperation und Antiproliferation von Massenvernichtungswaffen sind anzustreben. Die Welt besser verstehen, klüger und intelligenter werden sind Ziele, die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen (wohl im Popperschen Sinne), Pragmatismus, positive Bewertung von Diversität und Lebensverbesserung und -verländerung sind in dieser Welt am Werk.
    Nichts anders als eine (positive) Utopie also. Von Utopien aber wissen wir, dass sie nicht selten zu Dystopien werden. Und meist ist es das menschliche Machtstreben, welches aus einer Utopie eine Dystopie macht. Genau hier aber liegt das Problem einer zukünftigen Gesellschaft in der es Superfähigkeiten gibt. Dass jeder diese Superfähigkeiten zum Positiven für sich selbst und für die Gesellschaft nützt, dafür gibt es nicht nur keine Garantie, sondern, was noch viel wichtiger ist, keinen Garanten. Dass die UNO einmal die Weltregierung übernimmt und jedem alles zur Verfügung stellt was er sich nur wünscht und dass sie zugleich jeden Einzelnen vor Bösewichtern und vor der UNO selbst beschützt, das ist aus heutiger Sicht eine noch grössere Utopie als es der Transhumanismus im Bostrom’schen Sinne schon ist.
    Mehr Macht bedeutete bis jetzt immer auch mehr Machtmissbrauch.

    • Superfähigkeiten

      Welche ‚Superfähigkeiten‘ sind denn durch Implantation denkbar, also möglich, die über diejenige hinausgehen, die ein vor Bildschirm und mit dem Internet verbundener Nutzer nicht hat, wenn das Gehirn weitgehend unverstanden ist und womöglich auch weitgehend unverstanden zu bleiben hat, so dass keine (zuverlässig funktionierende, weil verstandene) Schnittstelle „Gehirn-KI“ bereit gestellt werden kann?

      • Gewisse Superfähigkeiten können auch auf relativ triviale Weise realisiert werden. So äusserste Marvin Minski, ein kürzlich verstorbener AI-Experte, den Wunsch, einen Mathe-Chip implantiert zu haben, denn er sei nicht so gut in Mathe wie er es sich wünsche.

        Vielleicht schon bald braucht es gar keinen Mathe-Chip mehr. Es könnte damit beginnen, dass man komplexe mathematische Fragen einfach an Siri stellt. Irgendwann später wird dies durch einen Brain-Computer-Interface dann noch beschleunigt.

        • Das ist es ja gerade, Herr Holzherr; die Implantation eines „Mathe-Chips“ in den humanen Organismus bedarf einer Schnittstelle „Gehirn-KI“, und diese kann per se nicht zweifelsfrei sinnhaft erstellt werden.

          Insofern ist die außer-körperliche Schnittstelle Monitor, Maus oder „Chip-Karte“ nicht zu übertreffen, solange die humane CPU unverstanden bleibt.

          Sie sind anscheinend, trotz vorheriger Annahme des Schreibers dieser Zeilen, nicht vom Fach, nicht in Daten & Information und die dbzgl. Voraussetzungen meinend geübt.
          Üben Sie sich hier vielleicht ein wenig, anfangend vielleicht mit der einfachen oder „einfachen“ Frage: Was ist Information?

          MFG
          Dr. Webbaer

          • Die Alternative zum Hirn-Chip ist die Kommunikation mit Siri/Cortana. Wer weiss, vielleicht kann man in Zukunft mit Siri/Cortana kommunizieren ohne dass man Mundbewegungen machen muss. Ich würde nicht von vornherein ausschliessen dass das möglich ist. Im Gegensatz zu vielen anderen halte ich auch nicht viel von einem implantierten Hirn-Chip – falls man sich unter einem Hirn-Chip ein Stück Alien-Ware implantiert ins Hirn vorstellt. Das gibt es nämlich schon. Kürzlich hat ein Querschnittgelähmter mittels einer solchen Computer-Hirn-Schnittstelle seinen Arm bewegt.. Allerdings ist bekannt, dass eine solche Computer-Hirn-Schnittstelle nur eine begrenzte Lebensdauer hat. Zudem besteht die Gefahr einer Schädigung von Hirnteilen bei der Implantation.
            Nein, das ist nicht meine Idealvorstellung einer Computer-/Hirn-Kommunikation. Ich stelle mir das vielmehr so vor, dass es in (ferner) Zukunft die Möglichkeit gibt, sich einen neuen Hirnteil wachsen zu lassen, der mittels elektromagnetischer Strahlung mit unserer Techwelt kommunizieren kann.

    • Aus der politischen Dimension der Transhumanismus-Debatte wollte ich mich eigentlich heraushalten. Dazu anzumerken hätte ich aber, dass schon historisch und aktuell die Frage nach dem Zugang zu Technologien zugleich die Machtfrage ist. Das gilt historisch z.B. für die Kanonen der europäischen Konquistadoren und aktuell für den Zugang zu gewissen medizinischen Technologien/Therapien, den sich auch nicht alle leisten können.

      Ich weiss nicht, ob transhumane Technologien das Problem verschärfen werden – erzeugen tun sie es jedenfalls nicht. Es ist ein altes Problem.

  6. Schönes Gerede gegen transhumanistische Idiotie.

    Am Ende steht da, man könne die Individuation nicht überwinden!?

    Ich meine, man kann das technisch eben doch schon. Das Ergebnis ist aber heute noch eher unbrauchbar. Denn wenn man neurologisch versucht, alle „Flausen“ aus dem Gehirn zu therapieren (zu brennen!), dann bleibt danach das übrig, was der Durchschnitt der Gesellschaft repräsentiert. Oder noch weniger. Mehr jedenfalls nicht. Wenn das transhumanistische Zielsetzungen sind, dann besser nicht. Anhänger solcher Ideale sollte man mal gehirnwaschen. Die habens nötig.

  7. „ein unsterbliches Wesen z.B. ist auch eines Teiles seiner Individuation, der zeitlichen eben, beraubt“
    Ich fühle mich durch meinen kommenden Tod meiner Individuation beraubt.
    Ich hätte gerne eine unbegrenzte biologische Lebensdauer bei guter Gesundheit.

    • Ich hätte gerne eine unbegrenzte biologische Lebensdauer bei guter Gesundheit.

      Vermutung: Aber nicht, wenn diese unbegrenzte Lebensdauer pflichtig wäre.

      Denn der Mensch ist nicht für eine besonders lange Lebensdauer geschaffen, auch psychisch nicht; eigentlich müsste dies jedem klar sein (wobei denjenigen, die auf Grund einer schweren Erkrankung ihr baldiges Ausscheiden erwarten, natürlich mit dieser Einschätzung wenig geholfen ist, fürwahr).

      Das mit der ‚Individuation‘, die hopp gehen würde, war, wie immer eigentlich hier in diesem WebLog, passend angemerkt, sofern der Schreiber dieser Zeilen sich diese Einschätzung erlauben kann, natürlich nur; ein idealtypischer Transhumanismus (den es aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen nicht geben kann) muss die „Individuation“ töten (und damit auch die Entwicklung, muss also Stagnation bedeuten, jedenfalls aus humaner Sicht).

      MFG
      Dr. Webbaer

      • „unbegrenzte Lebensdauer pflichtig“
        Man kann sein Leben jederzeit beenden.
        Eine unbegrenzte biologische Lebensdauer erfordert ständiges aktives medizinisches Eingreifen.
        „psychisch nicht dafür geschaffen“
        Man lernt ständig neue Informationen, und man vergisst ständig alte Informationen.
        Das Gehirn läuft daher nicht voll.
        „Stagnation“
        Unsterbliche eignen sich gut für die interstellare Raumfahrt.
        Unsterbliche wird es vor der interstellaren Raumfahrt geben.

        • @ Herr Bednarik :

          Weiter oben war das Gedankenexperiment angeregt, dass ein erkennendes Subjekt unsterblich wird, aber als Gegenleistung sozusagen nicht aus eigenem Antrieb sterben kann. Dieses Experiment belegt anschaulich, dass das ewige Leben nicht anstrebenswert ist für Leben der Art Mensch, das mit der Sexualität versehen ist und sozusagen individuell auf Verschleiß gefahren wird.

          Das Gehirn „läuft“ tatsächlich „voll“, wenn einigen Hirnforschern getraut werden darf oder allgemeiner: der Empirie.
          Finden Sie nicht?

          Wer keine Sorgen bzgl. einer „De-Individuation“ hat, soll natürlich gerne weiter hoffen, also: Weitermachen!

          MFG
          Dr. Webbaer

          • Dieses Gedankenexperiment über ein „erkennendes Subjekt“ ist ziemlich weit von der Praxis entfernt.
            Bei der biologischen Unsterblichkeit stellt das Sterben aus eigenem Antrieb überhaupt kein Problem dar.
            Entscheidend bei der biologischen Unsterblichkeit ist, dass man über seine Lebensdauer selbst entscheiden kann.
            —–
            Die Synapsen werden verstärkt oder geschwächt, und auch gebildet oder abgebaut.
            Die Gehirnzellen sterben ab und zu ab, und werden durch nachwachsende Gehirnzellen ersetzt.
            Unbenutzte Informationen werden im neuronalen Netzwerk immer schwächer repräsentiert, und häufig benutzte Informationen werden im neuronalen Netzwerk immer mehr verstärkt.
            Das ausreichende Nachwachsen von Gehirnzellen ist wichtig für die biologische Unsterblichkeit.
            Das Absterben und Nachwachsen von Gehirnzellen findet auch bei sterblichen Menschen statt, aber weniger ausgewogen.
            —–
            Der Tod ist die absolute „De-Individuation“.

          • @ Herr Bednarik :

            Ihr Kommentatorenfreund ist auf dem Stand, dass im Alter biochemisch das Gehirn abbaut, dass die beschriebene Ersetzung nur unzureichend stattfindet und dass die „Altersenilität“, gar auch die Demenz auf gewisse Art und Weise natürlich ist, lässt sich gerne aber auch anders neu beraten.

            Ansonsten natürlich: Jedem das Seine, jeder nach seiner Fa­çon und jeder, so gut er kann. Der Tod als natürliche „De-Individuation“ muss nicht positiv angenommen werden und gegen die medizinische Erweiterung der Lebenszeit, am besten auch die der (weitgehend) beschwerdefreien, hat wohl niemand etwas. Ob es Transhumanismus sein muss, jo mei, ist wohl Ihr Steckenpferd, no prob here.

            MFG
            Dr. Webbaer

          • Mir genügt der kleine Teil des Transhumanismus völlig, der die biologische Unsterblichkeit möglich macht.
            Man kann das auch Immortalismus nennen.

    • Mit dem Tod und der Verwandlung zu Asche endet auch alles Individuelle. Ich erinnere mich an eine Aussage eines französischen Intellektuellen, er empfinde den Verlust alles mühsam aquirierten Wissens und alle erworbenen Kultur durch den Prozess des Alterns und Sterbens als absolute Demütigung, als ultimative Zurücksetzung.

    • (Unsterblich)

      Man müsste halt mal mit einem Unsterblichen reden können, um zu erfahren, wie sich das anfühlt. Die literarischen Versuche, das zu fassen (Ahasver, Graf von St. Germain), sind eher entmutigend: das sind trübe, getriebene Gestalten.

      Ich bleibe aber bei meinem logischen Argument, dass zeitliche Entgrenzung eine Ent-Individuation darstellt.

      Ich will’s mal anders probieren: jede der Milliarden von Zellen, die ich mit mir herumtrage, ist duch ein ununterbrochenenes Band der Lebendigkeit mir der allerersten Zelle, die je lebte, verbunden. Das ist nicht ewig, aber doch sehr lang …

      Das, was in mir lebt, lebt also schon immer. Ich selbst aber nicht. Damit ich „ich“ zu mir sagen kann, damit eine Zelle (wenn sie es könnte) zu sich „ich“ sagen kann, muss sie, muss ich einen Anfang haben. Die Zelle ward geboren, indem sie aus der Teilung einer anderen hervorging. Da ging also eine Individuation verloren, um zwei neue zu erzeugen. Der „Tod“ der einen ist die „Geburt“ der zwei neuen. Und auch ich, wenn ich „ich“ sage, setze voraus, dass ich geboren bin, dass es also Zäsuren in der ununterbrochenen Kette des Belebtseins gibt, die mir einen Anfang setzen.

      Individuation muss also zumindest einen Anfang haben. Ob sie als endlos denkbar ist – das weiss ich nicht.

      • Zitat: Man müsste halt mal mit einem Unsterblichen reden können, um zu erfahren, wie sich das anfühlt.
        Ja, das geht nur Fiktiv. in der britischen Serie Dr.Who begegnet man einem solchen fiktiven Unsterblichen, eben dem Dr. Who. Und er spricht von der unendlichen Einsamkeit, die sich dadurch ergibt, dass alle anderen Wegsterben und nur er selbst ewig weiterbestehen bleibt.

        Zitat: Individuation muss also zumindest einen Anfang haben. Ob sie als endlos denkbar ist – das weiss ich nicht.
        Ja, Individuation hat einen Anfang. Dieser Anfang beginnt aber nicht mit Zellteilungen, sondern mit dem erwachten Bewusstsein, dass man ein Individuum ist. Es beginnt mit dem Selbsterleben des eigenen Ichs – etwas was kaum vor dem 2. Lebensjahr stattfindet. Individuation hat also einen Beginn und muss ein Kontinuum sein. Wer eines Morgens erwacht und nicht mehr weiss wer er ist, der hat auch eine Art Tod erlitten – den Tod seines eigenen Ichs nämlich.Wer ständig weiterlebt im Bewusstsein ständig als die Person, die er ist, weiterzuleben, dessen Individuation bleibt erhalten. Es ist aber auch denkbar, dass man das Selbsterlebnis, die Individuation, transplantieren kann. Dies geschieht jedenfalls in der britischen Serie Dr. Who, denn er erlebt immer wieder Regenerationen. Bei der in Dr. Who beschriebenen Regeneration, stirbt der alte Dr.Who und ein neuer mit leicht gewandelter Persönlichkeit entsteht. Der neue Dr. Who teilt aber mit dem alten, während der Regeneration gestorbenen Dr. Who, die Erinnerung. Sein Ich bleibt also trotz der Disruption der Regeneration erhalten. Gar nicht so abwegig, denn ist man als junger Mensch nicht oft eine ganz andere Persönlichkeit als als Gereifter oder Alter. Trotz Persönlichkeitswandel bleibt das Ich aber erhalten.

  8. Der Transhumanismus liegt in unserer kulturellen DNA, wurde aber erst jetzt zur Religion erhoben (zur Religion erhoben von Menschen, die vorwiegend im Silicon Valley leben). Den Menschen zu überwinden um zum Übermenschen aufzusteigen, diesen Gedanken verbinden wir mit Friedrich Nietzsche. Doch das einzig Neue an dieser Nietzeschen Idee ist lediglich, dass er es zu einem geistigen Programm, einem Exerzitium für Zeitgenossen machen wollte. Nietzsche verband mit der Idee des Übermenschens einen geistig radikalen Menschen, der die Banalität des Alltagsmenschen hinter sich lässt. Die Erstverwendung des Wortes Transhuman ist übrigens Dante zuzuschreiben, der in seiner göttlichen Komödie das Wort transumanar oft im Zusammenhang mit dem paradiso erwähnt und über das man in der Wikipedia liest: In Dantes Werk bedeutet das Übermenschliche nichts weniger als „den Status des Menschen, seine Daseinsbedingungen hinter sich zu lassen, auf dem Wege zum Göttlichen.“ Konkret bedeutet das aber, dass der normale Mensch (im Gegensatz zu dem Wanderer Dante) dieses Übermenschliche nicht im Diesseits, sondern erst im Jenseits erleben wird
    Erstaunlicherweise gilt diese Dantesche Bedeutung von transumanar, die das Übermenschliche erst im Diesseits realisiert sieht, für die heutige Bedeutung des Wortes Transhumanismus immer noch. Erst nach der Singularität (Analogon zum Weltengericht/Jüngstem Gericht?) beginnt das wirliche Zeitalter des Transhumanismus.
    Während bei Nietzsche der Transhumane (Übermensch) noch als geistig Radikaler verstanden werden kann, ist der Transhumane des Silicon-Valley eindeutig ein Produkt genetischer und technischer Veränderung – wie man es auch in Peter Sloterdijk’s Regeln für den Menschenpark beschrieben sehen kann: Die Menschen haben schon immer ein Züchtungsprojekt betrieben und es unter dem Deckmantel der Humanität verborgen.
    Warum ist die transhumanistische Vision heute aktueller denn je? Wohl weil erst heute die technischen Möglichkeiten für die technisch/biologische Menschenmodifikiation im Entstehen begriffen sind. Mit Technologien wie CRISPR/Cas9 ist es sogar möglich geworden somatische Mutationen vorzunehmen. Absehbar ist, dass das Genom selbst Erwachsener in Zukunft editiert werden kann. Der Mensch bleibt damit nicht länger ein bei Geburt durch seine Gene Vorbestimmter. Vielmehr wird der Mensch der (nahen?) Zukunft nicht nur sein Äusseres mittels Schönheitsoperationen „verbessern“ können, sondern auch sein Inneres wird er „editieren“ können.
    Neben allen Risiken, die solche Eingriffe mit sich bringen, vermisse ich in der Diskussion auch die Machtfrage: Wer hat die Kontrolle über derartige Technologien, wer bestimmt darüber?

    • „Neben allen Risiken, die solche Eingriffe mit sich bringen, vermisse ich in der Diskussion auch die Machtfrage: Wer hat die Kontrolle über derartige Technologien, wer bestimmt darüber?“

      Wie schon im Ausgangsbeitrag angedeutet – ich halte die Technologie letztlich nicht für kontrollierbar. Zumindest dann nicht, wenn sie ein „Friede/Freude/Eierkuchen“-Programm der Beseitigung aller Übel der Menschheit verspricht. Selbst wenn einige wenige dazu Zugang bekommen – so werden sie sich doch zugleich neue Übel einfangen, von deren Lästigkiet wir noch gar keine rechte Vorstellung haben.

      Denn das Böse mag zwar, wie Leibniz meinte, nur ein Mangel am Guten sein, dennoch geht es nicht ohne.

      • @Helmut Wicht
        Das stimmt natürlich.
        Wenn aber die Welt eine ewige ist, dann sind vielleicht unsere Wirklichkeit und unsere Probleme gerade das, was eine in Ewigkeit existierende Intelligenz von einer (interessanter) Weltsimulation erwartet?
        Ecce Matrix.
        In der Unendlichkeit der zur Verfügung stehenden Zeit, schafft ein an der Schreibmaschine sitzender Affe sämtlich Shakespeares Werke zu schreiben…und zwar nicht nur einmal…und zwar nicht nur mehrfach, sondern unendlich oft.

        • „Wenn aber die Welt eine ewige ist, dann sind vielleicht unsere Wirklichkeit und unsere Probleme gerade das, was eine in Ewigkeit existierende Intelligenz von einer (interessanter) Weltsimulation erwartet?“

          Das ist, wenn ich es recht sehe, ziemlich genau Leibnizens Gedanke in der Theodizee: in die beste aller möglichen Welten gehört eine tüchtige Prise an Bosheit, damit sie sich noch weiter bessern kann. Das ist auch der Demiurgen-Gedanke: der gelangweilte Weltenschöpfer, der sich Abwechslung schaffen will.

          Der Quell des Bösen / des Leides ist nach Leibniz und Schopenhauer stets die Individuation. Sie ist es aber auch, die alle Seinsschichten durchzieht, Sein ohne etwas Bestimmtes, Indivudualisiertes, zu sein, geht nicht.

          Es sei denn (weiss nicht so recht …) man suchte bei Platons Idealismus Zuflucht, spräche also den Einzeldingen das (wahre) Sein ab und es den allgemeinen Ideen zu …

          • Der Quell des Bösen ist der von der Not aufgezwungene Überlebenskampf der Individuen in der Evolution.
            Durch Vernunft und Technik lassen sich die Ursachen des Überlebenskampfes zum großen Teil beseitigen.
            In den reichen und hochtechnisierten Ländern sinkt die Geburtenrate und steigt der Wohlstand.
            Wenn man Brot und Spiele hat, dann dienen die Spiele zur unschädlichen Simulation des Überlebenskampfes.

      • Die „Borg“ aus dem Star Trek-Universum … sind die kontrollierbar? Ich meine: total Kontrollierbar. Gerade angesichts der Gefahr die Individualität zu verlieren, kommt man direkt zu den Borg als in ein riesiges Kollektiv mit vielleicht einem einzigem Bewusstsein und darin alle Einzeleigenschaften vereint. Superorganismus – wie Ameisen. Aber auch wie ein Supercomputer mit aller Intelligenz enthalten.

        Die Borg sind wohl auch ein Phänomen, welches „Transhumanisten“ als eine Art Inspiration für ihre Idee und ihren Spleen haben – freilich ist es ein böses Vorbild, deswegen aber um so wirksamer.

  9. Lieber Helmut,

    danke erst einmal für deine Gedanken zum Thema „Transhumanismus“, für das sich auch meine Studierenden (vor allem von der Med. Fak.) sehr interessieren.

    Ich bedaure deine Ankündigung, nicht mehr für die BrainLogs/SciLogs zu schreiben. Ohne dein Anatomisches Allerlei wird die Plattform nicht mehr dieselbe sein.

    Ich verstehe deine Ankündigung aber auch. Meine Zufriedenheit mit der SciLogs-Redaktion hat auch gerade ihren Tiefpunkt erreicht. Neben vielen Kleinigkeiten wurde ich jetzt nicht zum SciLogs-Treffen eingeladen, wo ich von Anfang an viele Jahre lang mitarbeitete. Mit meinem Unmut will man sich beschäftigen, wenn man eben mal wieder Zeit dafür hat.

    Ich denke daher auch über den Ausstieg nach, so sehr ich sonst die Zusammenarbeit mit dem Spektrum Verlag beziehungsweise Gehirn&Geist immer geschätzt habe.

    Ich würde dich freuen, wenn ich dich in meinem möglichen neuen Blog hin und wieder zu einem Gastbeitrag einladen könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns sonst einmal über den Weg laufen, ist ja leider eher gering.

    Herzliche Grüße

    Stephan

    • Hallo Stephan,

      wenn die Dich nicht eingeladen haben, find ich das ja schon ein wenig schofel.

      Ich war dieses und die vergangenen Jahre auch nicht dabei, es sollte terminlich nicht sein und ich genierte mich auch, weil ich so wenig geschrieben hatte. Aber DU bist ja wieder aktiv geworden und ich habe Deine Beiträge gerne gelesen, wiewohl ich (ausser stummer Zustimmung) nichts zu kommentieren hatte.

      Nein, ich bin gar nicht vergrätzt, was die Archivierung (relativ) inaktiver Blogs angeht. Ich find‘ bestenfalls die vorgegebene „Schlagzahl“ (12 p.a.) ein wenig zu ambitioniert, da läuft man Gefahr, einen Beitrag um der Beitragsnumerik und nicht seines Inhalts willen zu schreiben. Kennzahlorientierung nennt man das, glaube ich. Auf der anderen Seite hab‘ ich es immer als ein Privileg angesehen, hier schreiben zu dürfen — kurzum, ich bin ein wenig melancholisch, aber keineswegs erzürnt.

      Der Transhumanismus und die Medizin – das ist wirklich eine interessante Nummer. Ich hab‘ (für eien Dekansrede) darüber nachgedacht, und ich glaube, dass die WESENTLICHEN technologischen Impulse tatsächlich aus der Medizin stammen. Das ist zwar einerseits trivial, andererseits aber wieder nicht, denn es zwingt die Medizin, sich an der Debatte zu beteiligen. Das tun die Mediziner, soweit ich sagen kann, aber bisher nicht so recht.

      Gruss
      Helmut

  10. Das Leben auf diesem Planeten hat nun einmal (sehr) langfristig gesehen keine Chance. Und selbst mittelfristig sieht es z.B. durch drohende Supervulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge nicht gut aus. Als biologische Wesen werden wir im Umkreis einiger Lichtjahre zudem wohl kaum einen geeigneten Lebensraum finden.

    Wenn also jemand eine tragfähige Alternative zum Transhumanismus hat, bitte melden.

    • „Wenn also jemand eine tragfähige Alternative zum Transhumanismus hat, bitte melden.“

      Historisch besehen hat sich Aussterben als praktikables Alternativprogramm erwiesen.

    • Das menschliche Bewusstsein entpuppt sich als Irrweg der Evolution. Die Fixierung auf Lebensziele steht im Gegensatz zur Zufälligkeit oder Kontingenz der Evolution und des Lebens. Zielsetzung verhindert die freiwillige Anpassung an veränderte Umstände. Da nützt auch der Transhumanismus nichts, vielmehr verschärft er noch die Widersprüche auf Grund seiner übersteigerten Zielsetzungen an Effizienz und Machbarkeiten. In letzter Konsequenz hätte der Transhumanismus mit dem Menschsein nichts mehr zu tun.

      • Nur gibt es trans- und superhumane Wesen in den Sagen seit eh und je. Wenn man sagt: “ In letzter Konsequenz hätte der Transhumanismus mit dem Menschsein nichts mehr zu tun.“ müsste man auch sagen, dass die griechischen Götter und Halbgötter (wie Herakler, Achilles etc.) nichts mehr mit dem Menschen gemein haben. Doch Halbgötter wie Achilles hatten sehr wohl etwas mit dem (mythologischen) Schicksal der alten Griechen etwas zu tun. In ihren Beziehungen zu anderen Menschen waren Halbgötter wie Herakles und Achilles sogar recht menschlich.

      • Dass der Transhumanismus mit dem Menschsein am Ende nichts mehr zu tun habe, kann man zwar zu Recht konstatieren, ihm aber nicht vorwerfen – denn genau darum geht es ihm ja.

        Und unter strikt naturalistischem Gesichtspunkt (den ich übrigens ablehne) sollte man doch eigentlich auch nicht von „Irrwegen“ der Evolution reden. Ein Prozess, der ohne Zwecke, Sinn und Zielvorgaben abläuft, kann nicht „irren“.

        • Mein Kommentar war zugegeben etwas zugespitzt und kompakt. Eine Frage wäre, wie der Transhumanismus mit der Emotionalität des Menschen, mit seiner Verletzlichkeit, mit seinen individuellen, physischen und psychischen „Fehlern“ umgehen will, die einen wesentlichen Bestandteil des menschlichen Lebens und seinen individuellen Charakter ausmachen. Der Mensch ist überkomplex im Hinblick auf seine Funktionalitäten. Die Vermutung ist vielmehr, dass am Ende ein scheinbares Idealwesen dabei herauskommen soll, nach menschlichem Ermessen, wie Sie selber geschrieben haben. Das aber dürfte ein großer Irrtum werden, da bin ich ganz Ihrer Meinung.

          Die Evolution ist ohne Ziele und Zwecke, nicht aber das menschliche Bewusstsein. Es setzt sich selber Ziele für das Leben, die es dann anstrebt. Die Evolution dagegen fordert große Opfer, bis hin zum Aussterben von Arten. Der bewusste Mensch will nicht freiwillig Opfer bringen, auch wenn die Evolution es erfordern würde. Beispielsweise werden Krankheiten und Gendefekte bekämpft, „behinderte“ oder sonst auffällige Menschen haben weniger Chancen zur Fortpflanzung. Die Folge ist eine Konvergenz oder Verminderung der Variabilitäten (und der Kulturen); ganz zu schweigen von den ökologischen Zerstörungen infolge des Wohlstandsdenkens und der Wohlstandsziele.

          • Extrem Hochbegabte könnte man heute schon als Transhumane bezeichnen (viele Zeitgenossen von John von Neumann haben nach Berichten, die ich gelesen haben, John als Transhumanen wahrgenommen). Sind Hochbegabte (Menschen beispielsweise mit hoher Intelligenz) nun etwa emotionale Mängelwesen? Diese Frage ergibt sich aus folgendem obenstehenden Satz:

            Eine Frage wäre, wie der Transhumanismus mit der Emotionalität des Menschen, mit seiner Verletzlichkeit, mit seinen individuellen, physischen und psychischen „Fehlern“ umgehen will, die einen wesentlichen Bestandteil des menschlichen Lebens und seinen individuellen Charakter ausmachen.

            Dazu haben die Blogger vom Hochbegabungsblog schon mehrmals geschrieben und immer wieder hervorgekehrt, dass das eine im Volk verbreitete Meinung ist, die jedoch näheren Untersuchungen nicht standhält.In Was man in Deutschland über Hochbegabte denkt liest man dazu:

            “Es gibt kein großes Genie ohne einen Schuss Verrücktheit” – dieses Aristoteles zugeschriebene Zitat war in der Antike vermutlich auch schon nicht richtiger als heute. Inzwischen wissen wir aus empirischen Studien, dass Hochbegabte insgesamt sich hauptsächlich – wenig überraschend – in ihrer hohen Intelligenz und damit direkt assoziierten Merkmalen wie Leistungsstärke, schulischem Selbstkonzept o. ä. unterscheiden, sozial und emotional aber eigentlich recht unauffällig sind (und wenn, dann sogar eher im positiven Sinne).

      • @ Herr Reutlinger :

        Das menschliche Bewusstsein entpuppt sich als Irrweg der Evolution.

        Wobei hier aber eine Rekursion vorliegt, denn nur Bewusstsein im Sinne erkennender Subjekte kann unter Zuhilfenahme geeigneter Begrifflichkeit Irrwege der genannten Art feststellen.

        Auch das von Herrn Wicht vorgeschlagene Aussterbe-Programm ist dank hervorragender deutschsprachiger Philosophen bereits umfangreich theoretisiert, der Verweis auf das Schriftgut aus dem Hause „Karim Akerma“ darf hier nicht fehlen:
        -> http://www.akerma.de/ („Verebben der Menschheit“ und so)

        Philosophisch interessant müssten hier zuvörderst die Fragen nach der Beschaffenheit von Welt oder von Welten sein, die erkennende Subjekte gebären, die wiederum kleine(re) Welten darstellen, also wie Welten eigentlich funktionieren (könnten).

        MFG
        Dr. Webbaer (der die Aussagenkette „Etwas ist, Es ist, weil es ist und Es ist so, wie es ist, weil es so ist, wie es ist.“ entwickelt hat, zufällig vor einigen Jahren bei Fichte fündig geworden ist, der ähnlich entwickelt hat)

    • @ Tim :

      Das Leben auf diesem Planeten hat nun einmal (sehr) langfristig gesehen keine Chance.

      Es sei denn, es reist (partiell) ab.

      Wenn also jemand eine tragfähige Alternative zum Transhumanismus hat, bitte melden.

      Gemeldet. – Also die Abreise, die sich ja auch deutlich ankündigt, seit Wernher von Braun sozusagen mit seinen Raketen, dem zukünftigen Volkswagen womöglich [1], ist schon die Alternative zum terrestrischen Verharren. [2]

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      Es war ja nicht alles schlecht seinerzeit in Doitschland – nein, huch!, nur ein Spaß!

      [2]
      Generationen von SciFi-Autoren haben sich hier abgemüht, und verraten werden darf: nicht ohne Grund.

  11. Ich denke jedenfalls, dass diese Fragen das sind, wofür es sich wirklich lohnt zu leben (und zu sterben).
    Habe ein Drehbuch über das Thema Transhumanismus (über den Augenblick, in dem wir anders werden) für meine Schublade geschrieben, wenn also jemand Filme dreht, bitte melden 🙂

  12. @Maciej Zasada „Ich denke jedenfalls, dass diese Fragen das sind, wofür es sich wirklich lohnt zu leben (und zu sterben).“

    Douglas Adams scheint doch noch tiefer gedacht, als vermutet. Die Bewohner der Erde, die Spaß haben, spannende Fragen zu finden, als Biocomputer.

    Mir wäre es ja lieber, Antworten zu bekommen, aber das Leben ist kein Ponyhof. Die Antworten bekommt man ja erst, wenn man Fragen stellt. Ob es sich lohnt, dafür zu leben, halte ich für gewagt. Wer nicht geboren ist oder tot, hat weder für das eine noch das andere ein Bedürfnis.

    Fragen und Antworten ergeben sich immer aus einer Existenz, die sich ihrer Vergänglichkeit bewusst ist. Ein ewig lebendes Wesen stellt keine Fragen mehr, weil die Antworten unwichtig werden. Es wäre kein Mensch mehr.

    Mit dem Transhumanismus landet man in einem Paradox, nur Sterbliche haben den Wunsch nach Unsterblichkeit, aber es ist vielleicht das gleiche wie diejenigen, die Angst vor dem Leben haben, gleichzeitig aber auch die größte vor dem Tod.

    (Vielen Dank übrigens Helmut Wicht für die sehr spannenden Beiträge, die stets von tiefem Humanismus durchzogen waren. Nie belehrend, immer im Zweifel, immer aus ungewöhlicher Sicht. Schade, wenn es hier aufhört, aber so ist es halt. Besser als transhumanisiert.)

      • „Es gibt keinen Beweis dafür, dass ein ewig lebendes Wesen keine Fragen mehr stellt.“

        Wie auch. Und dann lebt es ewig, hat alles Wissen, und dann? In Biergarten gehen?

        Es ist halt eine Annahme. So sehr sehr der Gedanke an den Tod bedrückt, so sehr ist er Triebfeder des Menschlichen, und genau das, was uns von anderen Tieren unterscheidet, das Bewusstsein des Eintretens.

        Man könnte jetzt – durchaus mit ein paar Gedankenknoten – auf die Idee kommen, dass ewiges Leben dem Menschen das nimmt, was ihn zum Menschen macht. Genau in die Richtung kann man Transhumanismus sehen.

        • „Wenn es es ewig lebt, dann hat es alles Wissen“ ist nicht zutreffend.
          Das Universum und auch seine Einwohner erzeugen ständig neues Wissen.
          Versuchen Sie mal, alle Kunstwerke und alle naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen genau so schnell in sich aufzunehmen, wie sie erzeugt werden.
          Und was spricht gegen den Biergarten oder gegen ein teilweises Vergessen von älteren Informationen?

  13. Lieber Helmut,

    So bleibt mir nur, danke zu sagen. Danke für die Diskussionen und für den Schopenhauer, den Du mir nahe gebracht hast. Aber Du hast schon recht -irgendwann ist alles gesagt. Und wie sagte Nietzsche so schön:

    „Man muss aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt: das wissen Die, welche lange geliebt werden wollen.“ (Zarathustra, Vom freien Tode)

  14. Das wird mir jetzt doch zu akademisch. Oder scholastisch. Sie haben freilich recht (Und ich meine Ruhe 😉 ). Aber ernsthaft, wenn man schon das Argument des Vergessens einbringt, dann sind wir doch schon am Kern des Problemes. ewiges Leben würde zu einer Dauerschleife, das ewige Leben irgendwie persifliert und stimmt letztlich mit der bekannten Definition der Hölle überein.

    Oder wie Schopi sagt, Glück wäre im Wesentlichen die Abwesenheit von Schmerz und Langeweile. Letzteres wage ich bei einem ewigen Leben massiv zu bezweifeln. Außer man vergisst dauernd. Und dann ist man in der Hölle.

    • Viele angenehme Aktivitäten, wie zum Beispiel das Essen, kann man immer wieder machen, ohne dass sie Langweilig werden.
      Auch sterbliche Menschen vergessen alte und unwichtige Informationen.
      Im Universum entstehen neue Planeten schneller, als man alle bereisen kann.
      Alle Wissenschaften zu erlernen ist ein nicht endendes Vorhaben.
      Die Langeweile ist immer noch besser als der Tod.
      Außerdem kann man seine Unsterblichkeit jederzeit beenden.

      • [ZITAT]
        Viele angenehme Aktivitäten, wie zum Beispiel das Essen, kann man immer wieder machen, ohne dass sie Langweilig werden.
        [/ZITAT]

        Ja, das ist auch in Altersheimen stets Höhepunkt des Tages. Aber so über die Jahrhunderte betrachtet, wäre das selbst mir zuviel Hedonismus.

        [ZITAT]
        Auch sterbliche Menschen vergessen alte und unwichtige Informationen.
        [/ZITAT]

        Tolles Argument für die Unsterblichkeit, das ewige Hamsterrad, willkommen in der Hölle.

        [ZITAT]
        Im Universum entstehen neue Planeten schneller, als man alle bereisen kann.
        [/ZITAT]

        Warum sollte man die alle bereisen wollen? Um dauernd festzustellen, dass es zu hause doch am schönsten ist? Nagut, man könnte sich exotische Beschäftigungen suchen, wie Bowerick Wowbagger the Infinitely Prolonged, um alle Lebewesen des Universums in alphabetischer Reihenfolge zu beleidigen. Ich kann den Typen verstehen.

        Transhumanismus in dieser Form ist nichts als eine kindliche Paradiesvorstellung, die sämtlichen evolutionären, gesellschaftlichen und sozialen Aspekte ignoriert, man wäre dann wirklich jenseits des Humanen.

        • Es ist natürlich klar, dass unterschiedliche Menschen auch unterschiedliche Lebensweisen bevorzugen oder ablehnen.
          Aus diesem Grund wird auch niemand dazu gezwungen, unsterblich zu werden, oder zu bleiben.

  15. Die Prozessdynamik innerhalb des kontrahierenden Universums.
    Die Überwindung der Sprache.

    56.1) Feststellung: In einem kontrahierenden Universum (im Universum des kontrahierenden Modells) herrscht eine durchgehend gültige, einheitliche Prozessdynamik, welche mit der Richtung der universalen Kontraktion kongruent ist.

    Diese Dynamik ließe sich aus der Dynamik des Urknalls herleiten (die beobachtete ^Expansion^ des Raumes wäre eine direkte Folge der Anfangsdynamik des ersten Ereignisses des Universums…(eine Raumexpansion ist nicht nur für die expandierende, sondern auch für die kontrahierende Struktur charakteristisch. Im Expansionsmodell wird sie durch eine positive; im Kontraktionsmodell durch eine negative Dynamik verursacht).

    Grafik

    Sowohl das kontrahierende Universum als solches, als auch die fortwährend im Brennpunkt der Raumzeit bestehende Gegenwart, als auch Schwarze Löcher, als auch Gravitation(!) würden in einem solchen Modell gleichgerichtete, universelle Prozessdynamik besitzen (allerdings eine, welche der expansiven Dynamik ^entgegen^ wirken würde).
    Die Existenz des interstellaren Vakuums ließe sich leicht als Effekt dieser Dynamik erklären (der geschlossene und kontrahierende Raum dehnt sich aus[*], bei konstant bleibender Gesamtenergie/Materiemenge).
    Im Gegensatz dazu besitzt das Universum des heute geltenden expandierenden Modells keine eindeutige und durchgehend gültige Prozessdynamik – die Dynamik des Urknalls stimmt in diesem Modell nur mit der Dynamik der Expansion überein – alle anderen Phänomene inkl. Gravitation widersetzen sich der Richtung der im Modell geltenden, universalen Expansionsdynamik. Die Mechanik des Expansionsmodells ist widersprüchlich.

    [*] Es entsteht offenbar ein hermeneutischer Widerspruch zwischen den Begriffen „Expandieren“ und „Kontrahieren“. Der Raum, von dem die Rede ist, expandiert nämlich kontrahierend. Wir sind somit an das Ende der Sprache gelangt, an das Ende, an dem unsere Begriffssprache ihren Sinn verliert. Unsere Logik emanzipiert sich von der Sprache…überwindet sie (denn denken lässt sich offenbar das, was unaussprechlich ist…und was denkbar ist, kann auch ausgedrückt werden…mithilfe einer Sprache, die entsteht, womit der „letzte“ Satz des Tractatus und das Tractatus selbst widerlegt ist…wir haben die Leiter benutzt, um Ludwig Wittgenstein zu überwinden, wie befohlen…
    Dies war unvermeidlich.
    Die Sprache war immer schon ein Kompromiss und der Grund der Vertreibung…Leibitz soll es ruhig erfahren, wo sich die Schlange versteckt: nicht etwa in einer falschen, sondern in Der Sprache überhaupt; in Der Sprache, welche die Unlogik abbildet (das, was wir für Logik halten ist nämlich in Wirklichkeit eine logische Anwendung, eine Anwendung, die einem bestimmten Zweck dient: das Gute von dem Bösen; das Wahre von dem Falschen; das Logische von dem Absurden zu unterscheiden und voneinander zu trennen (Ausgrenzung des Falschen, des Fremden).
    Wir erschaffen (hier) aber Denkräume, deren Beschreibung mittels der zweiwertigen Sprachlogik unmöglich ist. Es entstehen hier konkrete sprachlogische Schwierigkeiten, welche mittels keiner Sprache, auch nicht mittels derjenigen, welche von Leibitz bevorzugt wird, ausgeräumt werden können, welche aber sehr wohl sprachlich angegangen werden können und müssen.

    Erklärung: Der Satz „Das Universum expandiert kontrahierend“, obwohl widersprüchlich, beschreibt einen durchaus vorstellbaren und einen unter Umständen realen Sachverhalt. Diesem Sachverhalt liegt aber kein Widerspruch zugrunde, d.h. wir erkennen keinen Widerspruch im Sachverhalt selbst (dies wäre absurd, dies bedeutete, dass die logische Integrität der Wirklichkeit infrage gestellt werden müsste), wir erkennen einen Widerspruch in der beschreibenden Sprache.
    Dies bedeutet, dass wir die Unzulänglichkeit der Sprache (und gleichzeitig der Logik, welche der Sprache zugrunde liegt) erkennen. Dies bedeutet auch, dass wir offensichtlich (dadurch nämlich, dass uns die logische Integrität der Wirklichkeit erhalten bleibt) eine höhere Stufe logischer Organisation erreichen und die Sprache der zweiwertigen, den Widerspruch ausschliessenden Logik überwinden).
    Wie gut.

    • Korrektur: das dynamische Modll expandiert natürlich nicht, sondern das Universum, das von diesem Modell abgebildet wird. Es sollte deshalb heißen:
      Im Gegensatz dazu besitzt das Universum des heute geltenden Expansionsmodells keine eindeutige und durchgehend gültige Prozessdynamik

  16. Nööö, jetzt echt nicht, oder??! Offiziell geehrte SciLogs Blogger (2008) können – wie Nobelpreisträger – hier meines Erachtens zu allem und wann immer sie wollen schreiben und zwar für alle Zeiten! Die genießen Artenschutz, und Rücktrittsgesuche werden postwendend zurückgeschickt. Basta. – Spektrum kann ja mal Deine Follower zählen und die Zugriffszahlen, wenn Du denn was schreibst (weil es eben was zu schreiben gibt) – und dann sprichst Du nochmal ganz in Ruhe bei einer Tasse Tee mit denen über die Klausel „12 p.a.“ …

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