Wissenschaftskommunikation über Social Media als ’no, low or high cost‘?

Nachdem Klaus Beck die ersten drei unserer Thesen zur Diskussion der „medienökonomischen Seite“ von Wissenschaftskommunikation über Social Media vorgestellt und diskutiert hat, steige ich jetzt mit einer weiteren These ein, die neben der zuvor diskutieren Effektivität von Social Media zur Ansprache der an Wissenschaftsthemen interessierten Öffentlichkeit die Kostenseite betrachten soll.

Was sich für Organisations-PR und Marketingaktivitäten werbetreibender Unternehmen bereits seit einiger Zeit abzeichnet, gilt in ähnlicher Form auch für die Direktkommunikation wissenschaftlicher Organisationen und Institutionen, die versuchen, mittels Social Media Anspruchsgruppen und – sofern Direktkommunikation als mögliche Alternative zum Wissenschaftsjournalismus gelten soll – die Öffentlichkeit mit ihren Beiträgen zu erreichen: Es ist in Abhängigkeit des Professionalisierungsgrades (anvisierte Reichweite, Umfang der bespielten Social Media Plattformen und Themenfelder) ein nicht unerheblicher personeller und finanzieller Ressourceneinsatz notwendig:

Der sinnvolle, komplementäre Einsatz von Social Media setzt die Entwicklung und Umsetzung professioneller Paid Media-Strategien voraus. Social Media treten nicht an die Stelle herkömmlicher Media und Public Relations, sondern stellen eine zusätzliche Aufgabe dar, die weitere Ressourcen erforderlich macht. Social Media werden ein zunehmend wichtiger Baustein der Media Relations, weil (Wissenschafts-)JournalistInnen hierdurch gut erreichbar sind.

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Leyla Dogruel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle Kommunikationspolitik/Medienökonomie am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. Sie hat 2013 zum Thema Medieninnovationen an der FU Berlin promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Medienökonomie, Medieninnovationen und die Zuwendung zu digitalen Medien.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frau Dogruel,
    ich danke Ihnen für den Hinweis auf den nicht unerheblichen Ressourceneinsatz und Ihre Definition, dass Social Media ein Komplement ist, aber nicht ein Ersatz von Wissenschaftskommunikation. Zu Ihrer Parallele zwischen werbetreibenden Unternehmen und der Kommunikation wissenschaftlicher Organisationen: Da gibt es fundamentale Unterschiede, die sich auch in der Arbeitspraxis auswirken. Wir setzen bei der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften – sieht man mal von Stellenanzeigen ab – eigentlich nie auf bezahlte Anzeigen und damit gar nicht auf „Paid Media-Strategien“.

    Deshalb hoffe ich, dass Ihre These, dass ein sinnvoller Einsatz von Social Media auf Paid Media aufsetzen muss, sich nicht bewahrheitet. Wir setzen – ob in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder bei Social Media darauf, dass wir mit relevanten Themen Zitierungen, retweets etc. verdienen (earned media) und schalten keine Anzeigen. So auch mit dem Akademien-Blog „Wissenschaft hoch drei“ und der Begleitung des WÖM-Workshops am Freitag. Bitte halten Sie uns die Daumen, dass alles klappt und auch bei twitter und youtube debattiert wird – auch ohne Geld für Marketing und Anzeigen 😉

    • Danke für den Kommentar! Unsere These sollte bewusst etwas zuspitzen – auch wir hatten bei den Recherchen zur Wissenschaftskommunikation über Social Media – inbesondere durch wissenschaftliche Organisationen und Institutionen – nicht den Eindruck, dass die Reichweite und auch Reaktionen auf die Inhalte ‚erkauft‘ werden! Für die Expertise haben wir darüber hinaus aber auch das Szenario diskutiert – was wäre wenn selbstvermittelte Wissenschaftskommunikation (durch WissenschaftlierInnen selbst oder auch Wissenschafts-PR) die Funktionen (und damit auch Reichweite) des Wissenschaftsjournalismus ‚ersetzen‘ müsste. Hier kommen wir u.a. auch durch Feedback von PRaktikern zur Schlussfolgerung, dass in diesem Fall (wenn nicht mehr ’nur‘ Interessierte Laien oder Anspruchsgruppen erreicht werden sollen) nicht unerhebliche finanzielle Mittel notwendig werden, um die Inhalte an „die breite Öffentlichkeit“ zu vermitteln…

      Das das aktuell (und vermutlich auch weiterhin) nicht Ziel oder Aufgabe von Wissenschaftskommunikation mittels Social Media sein wird – dem würden wir auch zustimmen 😉

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