Wissenschaftskommunikation hoch 3

Besser, schlechter – oder einfach nur anders: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die „Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien“ aus? Was bedeutet es, wenn kostenlose Internetangebote bisherige Geschäftsmodelle journalistischer Qualitätsmedien gefährden? Was bedeutet es, wenn Wissenschaftler wie Wissenschaftsorganisationen zunehmend direkt mit verschiedensten Zielgruppen und der ‚breiten Öffentlichkeit‘ kommunizieren, aber auch werben und Marketing betreiben wollen? Welche Bedeutung, welche Chancen und Risiken haben hierbei die sozialen Medien? – Solchen Fragen widmet sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe der deutschen Wissenschaftsakademien; in diesem Projektblog können Sie Ihre Erfahrungen einbringen und erste Zwischenergebnisse der AG kommentieren.

Ergebnisse im Livestream

Nachdem eine erste Arbeitsgruppe die Rolle von Wissenschaft und Journalismus als zwei Eckpfeiler unserer Demokratie bekräftigt und weiteren Handlungsbedarf konstatiert hat, soll in der aktuellen Phase des Projektes der konkrete Einfluss von Social Media wie Twitter, Facebook, Blogs und Co. auf alle Formen der Wissenschaftskommunikation (also von der PR bis zum Wissenschaftsjournalismus) untersucht werden. Die Forschung dazu steckt jedoch noch in den Anfängen. Und sie erweist sich als höchst dynamisch. Dem tragen die Mitglieder der AG – neben klassischen wissenschaftlichen Methoden – mit einer dialogorientierten Arbeitsweise Rechnung: Zunächst haben wir in internen Anhörungen mit Experten aus Journalismus, Wissenschaft und Wissenschafts-PR diskutiert. Parallel wurden wissenschaftliche Expertisen in Auftrag gegeben.

Die Ergebnisse dieser Expertisen stellen wir am 18. März 2016 in Berlin in einem öffentlichen Workshop vor, den Sie auch im Internet-Livestream verfolgen können.

Zentrale Thesen der Experten

Vorab möchten wir in den kommenden Wochen nun zentrale Thesen der Experten in diesem Blog zur Diskussion stellen – und hoffen auf Kommentare, die wir direkt im öffentlichen Workshop und in unserer weiteren Projektarbeit aufnehmen können. Wir starten in den nächsten Tagen mit

Jan-Hinrik Schmidt vom Hans Bredow Institut zum Thema Gateekeeping: Qualitäts- und Vertrauenssicherung für Berichterstattung über Wissenschaft im Zeitalter der digitalen Medien.

Der Blog wird im Sinne der Netiquette moderiert, bitte wundern Sie sich deshalb nicht, wenn Ihre Kommentare etwas verzögert veröffentlicht werden.

Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge!

worweihue

Reinhard Hüttl, Peter Weingart und Holger Wormer

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie hier.

Prof. Dr. Peter Weingart Peter Weingart ist emeritierter Professor für Soziologie (Wissenschaftssoziologie und -politik) an der Universität Bielefeld. Er hat Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Staatsrecht in Freiburg, Berlin und Princeton studiert. Neben der Position als Professor an der Universität Bielefeld war er von 1993 bis 2009 Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT). Er ist zudem Managing Editor des Yearbook Sociology of the Sciences und seit 2007 Editor der Zeitschrift Minerva. Von 1989 - 1994 hatte Prof. Weingart die Position des Direktors des Zentrums für Interdisziplinäre Forschung (ZiF) inne. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech. Seit 2015 hat er den South African Research Chair for Science Communication an der Stellenbosch University.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die „Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien“ aus?“

    Na so wie immer in dieser Welt- und „Werteordnung“ des „gesunden“ Konkurrenzdenkens für den nun „freiheitlichen“ Wettbewerb um … (die Symptomatik von „Wer soll das bezahlen?“ in „Arbeit macht frei“): GUT und SCHLECHT, wie arm und reich, profitabel und nicht profitabel, usw.!

    Anthropologie: „Als Mensch anfing seine Toten zu bestatten, wurde Mensch zum Mensch.“

    Als Mensch aber anfing AUCH DARAUS ein bewußtseinsbetäubendes GESCHÄFT zu machen, war alles für’n Arsch, bzw. war der geistige Stillstand seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ vollends im GeschäftsUNsinn MANIFESTIERT, und Kommunikation dient ausschließlich Spaltung und Konfusion in Überproduktion von systemrationalem KOMMUNIKATIONSMÜLL!?

  2. Es ist wirklich ein großer Schritt, dass die Akademien als wichtige Stimme der Wissenschaft sich jetzt sehr viel intensiver um die Wissenschaftskommunikation bemühen. Und jetzt sogar mit einem eigenen Blog, wenn auch nur einer Arbeitsgruppe. Ich denke, das ist auch ein deutlicher Fortschritt gegenüber der ersten Studie „Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien“ (WÖM-1). Die Wissenschaft selbst trägt schließlich die Verantwortung für die Wissenschaftskommunikation. Es ist gut, wenn die Akademien sich dieser Verantwortung stellen.

  3. @ Herrn Pössel und Herrn Korbmann:

    Vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Aus Sicht der Akademiensprecher war der erste Teil der AG in jedem Fall sinnvoll und nötig. Nun möchten wir konstruktiv nach vorne schauen, statt erneut darüber zu diskutieren, wer in der Vergangenheit mehr Recht hatte. Zu Ihren Punkten gab es zudem eine ausführliche Erläuterung hier

    http://www.medien-doktor.de/medizin/?sprechstunde=das-maerchen-von-den-vergessenen-neuen-medien-und-warum-sich-die-journalisten-nicht-selbst-vergessen-sollten

    und hier:

    http://www.medien-doktor.de/medizin/sprechstunde/das-maerchen-von-den-vergessenen-social-media-und-warum-die-journalisten-sich-dabei-nicht-selbst-vergessen-sollten-teil-2/

    Nun aber sollte es vor allem um Einschätzungen zu den wirklich aktuellen Expertisen gehen, die in den nächsten Wochen zur Diskussion stehen.

    Beste Grüße

    • Hallo anonymer Wissenschaftskommunikation hoch drei-Kommentarbeantworter:

      „Erläuterung“ ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Es ist doch wohl so, dass es in dem Bericht nur sehr knappe, durchaus etwas seltsame Aussagen zu den Neuen Medien gab, und eben kein klares „das machen wir später“, sondern im Gegensatz eine Reihe ziemlich allgemeiner Aussagen, von denen damals schon klar gewesen ist, dass man sie in Bezug auf die neuen Medie würde relativieren müssen. Alle Aussagen in Richtung ausklammern und später genauer kümmern waren, soweit ich sehen kann, nachträglich.

      Allgemein wurden die Wissenschaftler als Individuen, die an die Öffentlichkeit gehen – jenseits der institutionellen Wissenschaftskommunikation ihrer Institutionen – in dem Bericht eher stiefmütterlich behandelt. Dass jemand wie Stephen Hawking durch seine Bücher einen beträchtlichen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung hat, und Entsprechungen in kleinerem Stil in Deutschland, kam da, wenn ich mich recht erinnere (ist ein bisschen her) gar nicht vor. Harald Lesch als herausgehobenes Individuum dürfte aber vermutlich deutlich weitere Teile der Öffentlichkeit erreichen als die Pressestelle seiner Universität.

      Aber schauen wir mal. Vielleicht wird die neue Arbeitsphase in dieser Hinsicht ja ausgewogener/vollständiger.

      • „anonymer Wissenschaftskommunikation hoch drei-Kommentarbeantworter“

        Die Antwort ist von den Sprechern der Arbeitsgruppe (Peter Weingart, Reinhard Hüttl, Holger Wormer) und dies wurde im Text deutlich markiert.

  4. Zur „dialogorientierten Arbeitsweise“ der AG („Zunächst haben wir in internen Anhörungen mit Experten aus Journalismus, Wissenschaft und Wissenschafts-PR diskutiert. Parallel wurden wissenschaftliche Expertisen in Auftrag gegeben“) habe ich folgende Fragen:
    1. Welche Experten wurden (wahrscheinlich in den Sitzungen in Berlin am 22.6.15 und 18.12.15) angehört?
    2. Gibt es Protokolle von diesen Anhörungen?
    3. Sind diese einsehbar für Leute, die sich für Wissenschaftskommunikation interessieren?
    4. Welche Expertisen wurden wann beauftragt? Im Workshop am 18.3.16 treten auf Jan-Hinrik Schmidt HBI Hamburg, Klaus Beck + Leyla Dogruel, FU Berlin, und Henning Lobin, U Gießen. Sind es diese drei Expertisen, die beauftragt wurden oder sind es mehr? (Wahrscheinlich soll ja wieder ein wissenschaftlicher Sammelband herauskommen, den man bei einem wissenschaftlichen Verlag käuflich erwerben darf).
    5. Wer – welche der Akademien – hat diese Studien in welcher Höhe finanziert?
    6. Sind die Expertisen oder Auszüge davon schon vor dem 18.3. einsehbar?

    • Herr Ronzheimer: Allgemein ist es so, dass sich jede Akademiengruppe an spezielle Vorgaben halten muss, die Sie hier finden:
      http://www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Baumstruktur_nach_Website/Acatech/root/de/Projekte/Laufende_Projekte/2014_03_19_StA-AG-Prozess.pdf

      Zu Ihren Fragen im Einzelnen:
      Zu 1.: Ja, auf den Sitzungen in Berlin wurden am 22. Juni 2015 angehört: Georg Dahm (Substanz-Magazin; Innovativer Wissenschaftsjournalismus). Am 18. Dezember 2015: Christian Herbst und Sophie Leukel (BMBF / DLR-PT); Florian Freistetter (Blogger und freier Wissenschaftsautor); Christian Stegbauer (Uni Frankfurt, Internetforschung und Wikipedia-Experte); Johann-Dietrich Wörner (ESA, Leitungsebene).
      Zu 2.: Interne Protokolle wurden zur Dokumentation erstellt.
      Zu 3.: Nein. Es handelt sich um Sitzungen der AG, die Expertinnen und Experten zu ihrem Thema eingeladen hat. Die Protokolle dieser Sitzungen sind nicht öffentlich. Die AG hat sich jedoch entschlossen, bereits jetzt die Ergebnisse der von ihr beauftragten Expertisen zur Diskussion zu stellen, dazu der Blog. Am 18. März 2016 lädt sie zu einem öffentlichen Workshop.
      Zu 4. und 6.: Ja, die in Auftrag gegebenen Expertisen sind bereits dem Programm zu entnehmen und werden in ihren Kernthesen der Reihe nach im Blog vorab zur Diskussion gestellt – wie bereits angekündigt als erstes Jan-Hinrik Schmidt. Die Ergebnisse der AG werden auf jeden Fall veröffentlicht – ob als Sammelband, Empfehlungen oder Diskussionspapier o.ä. steht noch nicht fest. Wesentliche Ergebnisse aus Teil 1 (inklusive Auszüge aus dem Sammelband) sind hier http://www.acatech.de/de/projekte/abgeschlossene-projekte/zum-verhaeltnis-zwischen-wissenschaft-oeffentlichkeit-und-medien.html frei zugänglich.
      Zu 5.: Siehe dazu den auf der Projektseite einsehbaren Leitfaden für Stellungnahmen zur Politik- und Gesellschaftsberatung auf http://www.acatech.de/de/projekte/laufende-projekte/wissenschaft-oeffentlichkeit-medien-2.html:

      „Für die Finanzierung einer gemeinsamen Stellungnahme und ihrer Veröffentlichung kann die Leopoldina im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten einen Betrag von insgesamt bis zu 100.000 Euro zur Verfügung stellen.“

  5. Pingback: Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien – ein Kommentar - Augenspiegel

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