Crisis? What crisis?

Die Staffette der Gastblogger geht weiter! Nachdem die kommunikativen und technischen Möglichkeiten der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation hier bereits diskutiert wurden, wechseln wir die Perspektive und denken über die ökonomische Seite der Wissenschaftskommunikation mit alten und neuen Medien nach. Die Grundlage ist wiederum eine Expertise für ACATECH, die zusammen mit Leyla Dogruel entstanden ist.

Hier möchten wir gerne einige zentrale Thesen daraus zur Diskussion stellen.

Die erste Frage, die wir uns gestellt haben, war, was es eigentlich mit der Krise des Wissenschaftsjournalismus auf sich hat. Bei nährer Betrachtung zeigt sich:

Die Gleichung Medienkrise = Krise des Qualitätsjournalismus = Krise des Wissenschaftsjournalismus geht nicht auf. Eine medienökonomisch verursachte Krise des Wissenschaftsjournalismus ist nur für die Tagespresse und die Wissensmagazine zu konstatieren, während insbesondere dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber auch der Wochenpresse hinreichende Ressourcen für den Wissenschaftsjournalismus zur Verfügung stehen!

 

Veröffentlicht von

Prof Dr. Klaus Beck forscht und lehrt seit 2007 am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. Er leitet dort die Arbeitsstelle Kommunikationspolitik/ Medienökonomie und ist Direktor des Internationalen Journalisten-Kollegs. Zuvor war er Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft an der Universität Greifswald (2003-2007) und Hochschulddozent für Theorie und Soziologie der Öffentlichkeit mit dem Schwerpunkt Medienethik an der Universität Leipzig. Klaus Beck hat an der Freien Universität studiert und 1994 zum Dr. phil. promoviert, war dann Hochschulassistent an der Universität Erfurt und forscht seit den 1990-er Jahren zur Onlinekommunikation. Zu seinen Arbeitsgebieten zählen die Kommunikations- und Medientheorie, Politik, Ökonomie und Ethik der Kommunikation. In den vergangenen Jahren hat er u.a. eine Reihe von Forschungsprojekten zur Qualität des Journalismus geleitet und widmet sich derzeit in einem DFG-Projekt den Folgen der Pressekonzentration für die regionale Pressevielfalt.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mal eine allgemeine Frage: Wäre es nicht sinnvoller gewesen, erst Rückmeldung wie hier über SciLogs zu bekommen und dann erst eine Expertise für ACATECH zu machen? Teil der Neuerungen dank Internet ist ja nun einmal, dass diese Art von Feedback-einholen viel einfacher geworden ist. Man muss die neuen Möglichkeiten nur nutzen.

    • Klar, man kann auch erst bloggen und dann gutachten. Aber auf der Grundlage eines Forschungsstandes, den wir erstmal zusammentragen wollten, begründete Hypothesen zu diskutieren (eben Feed-Back), scheint mir effizienter als „einfach mal so“ eine Diskussion anzufangen.

      • Ich finde es auch sinnvoll, erst den Forschungsstand zusammenzutragen und dann darauf aufbauend konkrete Hypothesen zu diskutieren.

        Aber ist das Gutachten an ACATECH denn jetzt schon abgeliefert oder nicht?

        „Forschungsstand – öffentliches Feedback – eigentliches Gutachten“ scheint mir sinnvoller als „Forschungsstand – Gutachten abgeben – im Nachhinein ohne Auswirkungen auf das Gutachten diskutieren“.

        Aber vielleicht habe ich da auch einfach falsch verstanden, wie die Reihenfolge gedacht ist und was da schon bei ACATECH eingereicht wurde und was nicht.

        • Die Expertise ist „abgeliefert“, aber damit ist der Prozess eben noch nicht beendet. Es folgt noch ein Workshop und womöglich gibt es weitere Runden. Aber das liegt nicht in meiner Hand.

  2. Ich bin irritiert. Wenn der Forscher herausgefunden hat, dass es dem Print-Wissenschaftsjournalismus schlecht geht, und dem öffentlich-rechtlichen WJ keineswegs, dann hat er einige Entwicklungen nicht wahrgenommen. Etwa der WPK-Protest im vorigen Jahr gegen die Kürzungen beim WDR. Hier mehr: http://keine-nische.de/

    • Bei genauer Lektüre der These lässt sich die Irritation beseitigen: Wir schreiben über eine medienökonomisch verursachte Krise – und die sehen wir bei über 8 Mrd. Euro Rundfunkbeiträgen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht. Dass es Managementmängel oder auch Qualitätsmängel im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt, würden wir nicht bestreiten, haben aber keine Qualitäts-Studie gemacht.

  3. Die Antwort von Herrn Beck („keine Qualitätsstudie“) verstehe ich nicht. Mit seinem Satz „Die Gleichung Medienkrise = Krise des Qualitätsjournalismus = Krise des Wissenschaftsjournalismus geht nicht auf“ erweckt er doch genau den Eindruck, er habe sich mit Qualitätsjournalismus befasst. Jetzt sagt er: April, April.

    • Unsere Thesen beziehen sich auf die medienökonomische Seite: Gibt es ökonomische Gründe für mögliche(!) und vielerorts diskutierte Qualitätsveränderungen zum Negativen? Da war unsere Antwort: Ja, aber nicht „in den Medien“ pauschal, sondern in bestimmten Presse-Segmenten. Oder die Frage: Bieten selbstvermittelte PR oder Social Media funktionale Äqulivalente für einen potentiell kritischen Journalismus. Die Antwort war ein klares Nein – Ihr Beispiel bestätigte das ja.
      Eine inhaltsanalytische Qualitätsstudie, noch dazu mit Vorher-Nachher-Vergleich, wie wir sie z.B. in Bezug auf Wirtschaftsberichterstattung andernorts durchgeführt haben und gerade für Lokaljournalismus beginnen, haben wir für den Wissenschaftsjournalismus nicht durchgeführt. Dafür hätten weder Zeit noch Budget gereicht, aber das war auch nicht die Fragestellung der Akademien.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben

E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
-- Auch möglich: Abo ohne Kommentar. +